Unterwegs

Wolfsschutz Deutschland vor Ort in Brüssel – Resümee und Protokoll zur Veranstaltung des Umweltministeriums Sachsen-Anhalt

Unser Vereinsmitglied Henrike Lichtenberg ist am 12. April nach Brüssel gereist, um an einer Veranstaltung der  Landesvertretung Sachsen-Anhalts teilzunehmen. 

Eine Dezimierung, wie es der Koalitionsvertrag der GroKo vorsieht, wird es mit Brüssel vorerst nicht geben. Ausnahmegenehmigungen würde es weiter geben. Hierbei hat man vor,  bundesweit operierende Teams zur Entnahme von so genannten Problemwölfen einzusetzen. Seit rund 20 Jahren gibt es wieder Wölfe in Deutschland. Dass es bislang noch keinen einzigen Problemwolf gab, sagen nicht nur wir von Wolfsschutz Deutschland, sondern auch Experten wie Günther Bloch oder Kurt Kotrschal. Die Kosten, die solches „Killerteams“ verursachen würden, mögen wir uns gar nicht vorstellen. Statt Wölfe zu kriminalisieren sollte lieber in eine Wildtierpolizei investiert werden, damit endlich einmal die vielen Fällen von illegaler Wolfstötung aufgeklärt werden könnten.

Der Wolf: Gekommen, um zu bleiben. Wie gelingt die Integration des großen Beutegreifers in unserer modernen Kulturlandschaft?

Referenten: Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert, Krzysztof Główczyński, Direktor des Welski Naturparkes Lidzbark in Ermland-Masuren, Dr. Elsa Nickel, Referatsleiterin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Nicola Notaro, Referatsleiter „Naturschutz“ der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission und Swen Keller, Schäfer und Ausbilder von Herdenschutzhunden aus Sachsen-Anhalt. Diskutiert wurden verschiedene Ansichten auf die Frage, wie das Ziel einer Akzeptanz des Wolfes im ländlichen Raum erreicht werden kann.

Ministerin Dalbert zog ein positives Resümee: „Ich war beeindruckt, wie groß auf europäischer Ebene das Interesse an unseren Managementmaßnahmen rund um den Wolf ist. In der sehr sachlichen Diskussion bestand große Einigkeit darüber, dass zwei Dinge im Vordergrund stehen:

Dalbert weiter: „Zum einen müssen wir unsere Nutztiere schützen und die Tierhalter bei Rissvorfällen entschädigen, denn die Weidetierhaltung leistet einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft und der Artenvielfalt. Nutztiere dürfen keine leichte Beute für den Wolf sein.“ Der Vertreter der EU-Kommission, Nicola Notaro, stellte klar, dass in Bezug auf den strengen Schutzstatus des Wolfes Änderungen im EU-Rechtsrahmen zeitnah nicht zu erwarten sind. Die europäischen Regierungen sollten die Nutztierhalter dabei unterstützen, die Weidetiere vor dem Wolf zu schützen. 

Man will das Monitoring ausbauen:

Dalbert:“Wir eine gemeinsame Erfassung der länderübergreifenden Wolfspopulation, also ein gemeinsames Monitoring mit Polen, um gesicherte Aussagen über die Populationsgröße machen zu können. Hier sind wir in Brüssel, beim Bundesministerium und bei den polnischen Kollegen auf offene Ohren gestoßen.“

Auch hier plädieren wir von Wolfsschutz Deutschland dafür, doch ganz Deutschland einheitlich zum Wolfsland zu erklären und Schäden zentral und mit wenig bürokratischen Aufwand zu begleichen. Dies wäre allemal günstiger als eine noch intensivere Überwachung der Wolfspopulation. Vieles über Wanderverhalten und Sozialleben weiß man bereits seit den 80-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Schützen statt schießen:

„Informieren, schützen, entschädigen – mit diesem Ansatz für mehr Akzeptanz für den Wolf und dem Ziel den unterschiedlichen Interessen Rechnung zu tragen, geht Sachsen-Anhalt einen erfolgreichen Weg, “ so das Resümee von Dalbert. 

Ähnlich ging es auch Henrike Lichtenberg: „Ich bin mit einem erleichterten Gefühl aus der Tagung rausgegangen, da wir mit dem EU-Kommissar Nicola Notaro einen aufrichtigen Naturschützer und Wolfsfreund mit sehr scharfem Verstand und großer Kompetenz in Brüssel haben.“

Zurzeit sieht es also nicht so aus, als würde die EU auf die ständigen Forderungen diverser Deutscher Politiker eingehen wollen, den hohen Schutzstatus des Wolfs herabzusetzen. Dies dürfte auch ein deutliches Signal nach Bayern und Niedersachsen zu deuten sein. Gegen Schweden ist ein Verfahren eingeleitet worden. Auch Finnland steht vor dem EU-Gerichtshof. Auch Frankreich erntete Kritik von Notaro. Dort würden die Schutzmaßnahmen versagen, nicht die Wölfe schlimmer werden. 

Henrike Lichtenberg hat ein Protokoll von der kompletten Veranstaltung erstellt: Hier geht es zur ausführlichen Schilderung:

Tagung_Wolf_Gekommen_um_zu_bleiben[1]

 

 

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5 Gedanken zu „Wolfsschutz Deutschland vor Ort in Brüssel – Resümee und Protokoll zur Veranstaltung des Umweltministeriums Sachsen-Anhalt

  1. Ich denke man sollte erst einmal darüber nachdenken wie man die Besiedlung des Wolfes unterstützen und
    die auftretenden Probleme im gleichberechtigten Interesse des Wolfes und des Menschen lösen sollte,als
    darüber nachzudenken Wölfe zum Abschuss frei zu geben.

    1. Liebe/r Frau/Herr Bohnert,

      Es geht doch nur um ca 600 Wölfe!! Fakt ist von unseren ca 80 Millionen Mitbürgern, wird kaum jemand jemals einen sehen. Hier wird auf dem Rücken ganz weniger Tiere ein Theater veranstaltet. In Bayern sind ja weit unter 100 Luchse auch schon eine Gefahr, es sollen höchstens um die 50 sein. Ich war gestern auf einer Besprechung vom Tierschutz Noris und Menschen für Tierrechte. Dann war ich auf einer Demo gegen das neue Polizeigesetz, in Nürnberg. Diese Hetzkampange gegen ein paar Tiere, ist für mich nichts anderes, als von den Polizeigesetz, welches für ganz Deutschland kommt abzulenken. Wir haben wirklich ganz schlimme Gesetzesänderungen, welche in Bayern schon gelten, aber noch schlimmer werden, dann für ganz Deutschland gelten werden. Nur weil sich ein paar Bauern aufregen und die Jäger, über Wölfe?! Dem Menschen gehört diese Welt nicht alleine, Tiere haben ein Recht auf Lebensraum. Kompromisse sollten wir keine mehr eingehen. Jeder Wolf der erschossen wird (entnahme) gibt es eine Anzeige. Gestern waren 5000 Menschen in Nürnberg auf der Straße. Gegen einen Staat der sich zu einer Diktatur entwickelt! Heute wollten wir eine Mahnwache, gegen Tierversuche und für Wolf und Luchs machen. Aber das Ordnungsamt gab uns keine Genehmigung. Denn auch werden diese Mahnwachen, Schweigemärsche für Tiere immer populärer in Bayern! Denn auch Tierschützer sind betroffen vom neuen Gesetz. Gestern war ein guter Tag für den Wolf! EU Recht bricht Länder und Bundesrecht! Deswegen müssen die Wolfs Gegner jetzt mit ihm leben.

  2. Gerade komm ich von einer Besprechung, mit dem Vorstand Robert Derbeck vom Noris Tierschutz! Unsere Haltung sieht wie folgt aus! Nutztierhalter welche im Winter die Lämmer einfach auf dem Eis verrecken lassen, die keinen Tierarzt bei Moderhinke kommen lassen, denn dann nehmen die eher das Messer, ist günstiger. Aber wenn dann ein Wolf ein Tier reißt, sollten eigentlich ruhig sein! Natürlich sind nicht alle so! Aber die jetzt gegen den Wolf hetzen, sind bestimmt gerade solche schwarzen Schafe! Jetzt haben wir das Recht für den Wolf auf unserer Seite. Jetzt stellt sich nur eine Frage, töten eines Wirbeltieres ist verboten. Für Schlachten müssen unsere Nutztiere als Ernährung herhalten! Wir müssen kein Fleisch essen, tun aber die meisten. Der Wolf ist ein reiner Fleischfresser. Wenn er jetzt ein Schaf reißt, ist das aus hunger! Ein Schaf hat dann auf einmal einen sehr hohen wert. Ich bin der Meinung, Weidetierprämien ja, aber bitte der Tierschutz kennt die schwarzen Schafe, wer seine Tiere anständig versorgt, soll auch dementsprechend die Prämie erhalten. Andere eben nur einen kleinen Beitrag. Nutztiere die als Falle, zur Hetzte gegen den Wolf dienen, bekommen gar nichts. Denn jeder Tierhalter trägt eine Verantwortung. Katzen sind in der Haftpflichtversicherung integriert. Für Hunde gibt es eine Versicherung. Die jeder Halter besitzen sollte. Sogenannte Nutztiere, ist der Halter auch zur Fürsorge verpflichtet. Wenn Nutztierhalter, Tiere ohne Wasser lassen, gehören die dem Tierschutz gemeldet. Denn es gibt sehr viele Nutztierhalter die gegen Gesetze verstoßen. Das Problem der Nutztiere ist nicht der Wolf eher die Haltung. Jetzt da die EU zum Glück sich für den Wolf entschieden hat, EU Recht bricht Länder Recht! Schreiben wir unsere Anzeigen gleich als Verstoß gegen geltendes EU Recht. Dann fordern wir, auch noch gleich in Bayern, den von Seehofer versprochenen Wildererschutz! Kann ja nicht solange dauern, deren Ausbildung! Wir warten schon zu lange! Jetzt Bitte ich euch eine Petition für den Wildererschutz in Deutschland ins Leben zu rufen! Nie war die Gelegenheit besser als jetzt.

  3. Ich denke, dass wir allen Tieren zu ihrem natürlichen Recht verhelfen müssen – wir sind es, die es ihnen genommen und ihr Leben eingeschränkt hat. Aber ih denke, dass es um mehr geht, als „nur“ den Schutz im engeren Sinn: ich habe mir sagen lassen, dass der Wolf sehr große und dichte Wälder braucht, um artgerecht leben zu können und dass es um solche Wälder bei uns schlecht bestellt ist. Also müssen wir auch was für den Wald tun – für alle Tiere, die auf ihn angewiesen sind. Wir müssen das Ungleichgewicht in der Natur, das nur durch unseren Raubbau entstanden ist, wieder heilen und versuchen, alles wieder in ein Gleichgewicht zu bringen: auch für uns selber. So scheint mir der Wolf nur ein Teil des Problems zu sein- wir müssen mehr, viel mehr tun!

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