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Blutgeld: Landesregierung in Sachsen-Anhalt unterstützt Pelzvermarktung der Jägerschaft

Landesregierung in Sachsen-Anhalt subventioniert Pelzvermarktung

 

Für Pelzbekleidung gibt es kaum noch einen Markt; viele große Modedesigner und Kaufhäuser – wie zuletzt etwa Breuninger – haben der Produktion und dem Verkauf von Pelzmode abgeschworen. Aus gutem Grund: Pelz ist, unabhängig davon, ob er aus Jagd, Fallenfang oder sogenannten „Pelzfarmen“ stammt, untrennbar mit Leid und Tod von Tieren verbunden. Dennoch versuchen Jagdverbände nun, Pelz wieder salonfähig zu machen – und verwenden dazu nach Informationen des Aktionsbündnisses Fuchs in erheblichem Maß Steuergelder und staatliche Förderung.

Der Deutsche Jagdverband hat 2016 gemeinsam mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg die Fellwechsel GmbH gegründet, ein Unternehmen, das Felle getöteter Wildtiere als vermeintlich naturnahe Kleidung und Accessoires verarbeiten und vermarkten soll. So wurde im baden-württembergischen Rastatt etwa eine zentrale Abbalgstation errichtet, in der Marder, Fuchs und Co. das Fell über die Ohren gezogen wird; mit entsprechenden Vermarktungskampagnen will man die Pelze an den Kunden bringen. Der Zentralverband des Kürschnerhandwerks steuert das von ihm selbst eingeführte Label „we prefur“ bei, mit dem den Pelzen erschossener oder in Fallen gefangener Tiere ein ökologischer Anstrich gegeben werden soll.

Defizitäres Pelz-Unternehmen mit Mitteln steuerbefreiter Jagdvereine finanziert

Obwohl finanzkräftige jagdaffine Firmen wie etwa die Blaser Jagdwaffen GmbH zu den Abnehmern der Fellwechsel GmbH gehören, und obwohl Jäger derzeit angehalten werden, erlegte Tiere gratis zur Verfügung zu stellen, ist das Projekt hochgradig defizitär und hat im ersten Jahr seiner Geschäftstätigkeit Verbindlichkeiten von über 400.000 Euro angehäuft. Bezeichnenderweise bestehen laut Bundesanzeiger 138.000 Euro dieser Verbindlichkeiten gegenüber den Gesellschaftern – obwohl etwa der Deutsche Jagdverband satzungsgemäß ein gemeinnütziger Verein ist. Durch die Hintertür kann damit dessen Steuerbegünstigung genutzt werden, um ein fragwürdiges Wirtschaftsunternehmen zur Pelzvermarktung zu finanzieren.1

Sachsen-Anhalt subventioniert Pelzprojekt der Jagdverbände

Doch damit nicht genug: Wie zwei Kleine Anfragen aus Sachsen-Anhalt zeigen, wird „Fellwechsel“ in erheblichem Umfang direkt mit Steuergeldern subventioniert. So heißt es in den Ausführungen der schwarz-rot-grünen Landesregierung, dass im Jahr 2018 Haushaltsmittel von 100.000 Euro „zur Umsetzung des Projektes „Fellwechsel“ in Sachsen-Anhalt“ reserviert seien. Zudem wurden Mittel für die Anschaffung von 40 Gefriertruhen und vier Kühlcontainern in Einrichtungen des Landesforsts bereitgestellt2. Es ist wohl davon auszugehen, dass für deren laufenden Betrieb ebenfalls der Steuerzahler aufkommen soll.

Pelz als alte, neue Rechtfertigung für die Jagd auf Fuchs und Co.?

Höchstwahrscheinlich geht es den Jagdverbänden jedoch bei weitem nicht nur darum, Geld in die eigenen Kassen zu spülen – das Projekt Fellwechsel dient vor allem auch als Propagandainstrument. Mit dem Hinweis auf vermeintlich „ökologisch korrekten“ Pelz will man die gesellschaftlich geächtete Pelzkleidung wieder salonfähig machen und eine Rechtfertigung für die fragwürdige Verfolgung von Füchsen und anderen Beutegreifern schaffen. So wird in Verbindung mit der Vermarktung der Pelzprodukte behauptet, dass die Jagd auf Fuchs und Co. notwendig und eine Nutzung der Felle daher nicht verwerflich sei. Tatsächlich setzt sich hingegen immer mehr die Erkenntnis durch, dass die Jagd auf Fuchs und Co. keineswegs notwendig, sondern ökologisch unsinnig ist und beispielsweise die Ausbreitung von Wildtierkrankheiten fördert.

Dabei ist es schlichtweg abstrus, Pelz als nachhaltige Kleidung zu bewerben. Tatsächlich kommen etwa beim Gerben der Felle hochgradig toxische Chemikalien zum Einsatz, und beim Schuss auf Beutegreifer wird meist umweltschädliches Bleischrot verwendet. Hinzu kommt, dass gerade Füchse oft durch besonders grausame Jagdpraktiken wie die Fallen- oder die Baujagd zu Tode kommen.

Bundesrat: Keine Notwendigkeit, sich mittels Pelzes gegen Kälte zu schützen

Der Deutsche Jagdverband hat die Zeichen der Zeit offensichtlich ebenso wenig erkannt wie die Landesregierung in Magdeburg. Die bei weitem überwiegende Bevölkerungsmehrheit spricht sich klar gegen Produkte aus Echtpelz aus, und auch der Deutsche Bundesrat sieht in einem 2015 vorgelegten, bislang aber nicht umgesetzten Gesetzesentwurf keine Notwendigkeit, sich hierzulande mittels Pelzkleidung gegen Kälte zu schützen3.

 

„Gerade die Subventionierung der Pelzvermarktung durch die sächsisch-anhaltinische Regierung ist ein Rückschritt in dunkle Zeiten“, so Heidrun Heidtke, eine Gründerin des von mehr als 60 Tier- und Naturschutzorganisationen unterstützten Aktionsbündnisses Fuchs, zu dem auch Wolfsschutz Deutschland e. V. gehört.  „Die beteiligten Parteien – zu denen wohlgemerkt auch die Grünen gehören – müssen sich vorwerfen lassen, sinnlose Tierquälerei vorsätzlich und gegen den Willen der meisten Steuerzahler mit Steuergeldern zu fördern. Es darf nicht darum gehen, Pelzprodukte mit aller Gewalt wieder salonfähig machen zu wollen, sondern darum, sie mitsamt der Jagd auf Füchse und andere Beutegreifer ein- für allemal abzuschaffen.“

 

  • Bilanz der Fellwechsel GmbH für das Jahr 2017, im Deutschen Bundesanzeiger, www.unternehmensregister.de
  • Landtag von Sachsen-Anhalt, Drucksache 7/3109 vom 28.06.2018, sowie Drucksache 7/3030 vom 14.06.2018
  • Gesetzentwurf des Bundesrates, Drucksache 217/15 (Beschluss), vom 10.07.2015

Ausführliche Darstellungen über Füchse und Fuchsjagd sowie wissenschaftliche Nachweise finden Sie in den Erläuterungen und Quellenangaben des Aktionsbündnisses Fuchs.

 

Kontakt:

Aktionsbündnis Fuchs

www.aktionsbuendnis-fuchs.de

aktionsbuendnis@fuechse.org

 

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8 Gedanken zu „Blutgeld: Landesregierung in Sachsen-Anhalt unterstützt Pelzvermarktung der Jägerschaft

  1. wie dumm kann man den bloß sein? Sind die total bekloppt da oben? Mir scheint, die da oben wollen um jeden Preis einfach nur Front machen GEGEN alle und alles, was in irgendeiner Form damit zu tun hat, unsere Umwelt und die, die darin auf 4 (und mehr) Beinen darin rumlaufen, zu schützen. Liebe Leute ohne Herz für andere und anderes: auch wenn ihr vermutlich nicht dran glaubt, aber euer schlechtes Karma wird euch irgendwann erreichen.

  2. Oh nein!!!! Bitte!!!! Das darf nicht zugelassen werden!!!!
    Da ist man froh über jeden Konzern,der sich von dem Pelzhandel löst und nun fangen diese dämlichen Jäger wieder damit an. Es ist doch nicht zu fassen

  3. Für mich ist das wieder eine unfassbare Sache und deshalb werde ich umgehend an Robert Habeck schreiben, um zu protestieren! Immerhin haben die Grünen (Habeck) nach ihrem großen Wähler Zuspruch in den Medien herum posaunt, dass ihr Ziel sei, sich für mehr Natur und Tierschutz einzusetzen. Wie passt das denn wieder zusammen!? In dieser Angelegenheit müssen wir Alle Druck auf die Grünen machen!
    Der Betrug am Steuer Zahler von Seiten des Deutschen Jagd Verbandes zeigt wieder einmal, wie unmoralisch und abgestumpft sich der Verband sowohl gegen Tier Leid, als auch gegen die Mitbürger zeigt. Ich glaube, dass der Teufel die Hölle verlassen hat und sich hier auf der Erde nieder gelassen hat.

  4. in unserem Lande sind wirklich Strukturen entstanden, die schon schlimmer sind als wir es von der Maffia wissen. Es herrscht nur noch Anarchie, Gewalt gegen Unschuldige , vor allem gegen Tiere von oben herab, Korruption wohin man blickt. Die Lobbyisten regieren! Dieser ganze Filz gehört entnommen! Da werden unsere Steuergelder für Dinge verwendet, die wir ablehnen, das ist doch keine Demokratie mehr! Den Jägern gehört endlich das Handwerk gelegt, für mich sind das skrupellose Mörder!

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