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Faktencheck in Sachsen/Kodersdorf – Kinderbereich ist nicht eingezäunt und kein Strom auf den Weidetierzäunen

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Quelle: Sächsische Zeitung. Das Bild vermittelt den Eindruck, als müssten die Kinder hinter dem Elektrozaun geschützt werden. In Wirklichkeit ist der Spielbereich nicht eingezäunt.

Spielen hinter dem Elektrozaun

Eine Kodersdorfer Familie schützt sich vor dem Wolf. Trotzdem gelingt es dem Raubtier, ihre Schafe zu reißen…machte die Sächsische Zeitung in einem Artikel am 18.09.18 groß auf. 

Wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. haben mal nachgeschaut, was sich hinter dieser Geschichte des Kollegen Steffen Gerhardt, der gleich auch noch mit einem Meinungsartikel am gleichen Tag aufwartete, verbirgt. Tenor: Die Menschen müssten geschützt werden. Fazit: Böser Wolf, arme Kinder, arme Schafe. Liebe Leser, lassen Sie sich keinen Bären aufbinden. Dem Wolf gelingt es nicht Schafe zu reißen, weil die Familie sich schützt. Dem Wolf gelingt es dort Schafe zu reißen, weil sie eben nicht geschützt worden sind. Kinder stehen nicht auf seinem Speiseplan.

Was ist wirklich dran, an der Story?

Steffen Gerhardt schreibt:

„Es grenzt schon an ein Sperrgebiet und doch ist es nur der eigene Garten. „Aber wie sollen wir uns vor dem Wolf schützen, wenn nicht mit einem Zaun?“, fragt Raik Tzschoppe. Mit seiner Familie wohnt der Kodersdorfer am Ende der Särichener Straße. Ein Zaun aus Drahtgeflecht, der unter Strom gesetzt werden kann, durchzieht den Garten entlang des Weißen Schöps. Dieser soll die Familie vor Wolfsbesuchen schützen. Zur Verfügung gestellt hat den Zaun das Land Sachsen als Präventivmaßnahme. Aber nur auf Drängen der Familie. „Denn unser Grundstück wird vom Wolf inzwischen regelmäßig heimgesucht“, sagt der Familienvater. 

Aha? Man musste das Land Sachsen also drängen?

Das ist Fakt:

Aus dem Managementplan: Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern haben weiterhin die Möglichkeit, sich im Rahmen der Förderrichtlinie »Natürliches Erbe« Herdenschutzmaßnahmen gegen Wolfsangriffe (Anschaffung von Elektrozäunen, Flatterband und Herdenschutzhunden, Installation von Unterwühlschutz bei Wildgattern) fördern zu lassen. Der Fördersatz liegt bei 80 % der förderfähigen Ausgaben (vom Nettobetrag). 

Weiter werden der Familienvater und die Großmutter dahingehend zitiert, dass man die Kinder nicht mehr draußen spielen lassen wolle und das Gelände eingezäunt habe.

Wir fanden den Spielplatz nicht umzäunt vor. Der Fotograf der Sächsischen Zeitung musste, um das Aufmacherbild zu erstellen, wohl in das Schafsgehege klettern, um von dort aus das Bild mit dem Zaun und den Kindern zu schießen. Wobei dies für den Fotografen nicht schmerzhaft gewesen sein konnte, denn auf dem Zaun um das Schafsgehege herum (90 Zentimeter Standartzaun), war ebenfalls kein Strom vorhanden, sowie weit und breit auch keine Batterie zu sehen.

Ferner fragt sich der Familienvater, was passieren würde, wenn sich ein Wolf im Gatterzaun zum Damwildgehege verfangen würde?

Wie bitte, fragt man sich? Warum zur Hölle soll sich ein Wolf in einem Gatter verfangen, das unter Strom steht? Womit wir gleich beim nächsten Problem sind. Auch das Wildgatter wies keinen Strom auf. Die untere Litze lag teilweise sogar auf dem Boden.

Zitat aus dem Bericht der Sächsische Zeitung:

„Die erste schmerzhafte Begegnung mit dem Raubtier hatten Raik T. und seine Lebenspartnerin Linda G. vor gut einem Jahr. Am zeitigen Morgen des 29. August rissen ein oder mehrere Wölfe zwei ausgewachsene Schafe. Opfer dieser Attacke wurde auch eine Ziege, die in Panik floh und dabei im Schöps ertrank. Ein Jahr später, fast auf den Tag genau, entdecken sie ein totgebissenes Schaf am Rande des Weißen Schöps liegend. Damit nicht genug. Genau 14 Tage später, am 10. September, holte sich der Wolf ein Reh aus dem Wildgatter am Ende der Straße. Die Familie fand am Morgen den ausgeweideten Kadaver auf der Wiese.“

Das ist Fakt: Der Riss im vergangenen Jahr ist darauf zurückzuführen, dass die Bachseite der Schafweide nicht eingezäunt gewesen ist. In dieser Gegend leben seit 20 Jahren Wölfe. Es müsste doch jedem bekannt sein, dass Wölfe sehr gut schwimmen können. Hat die Familie innerhalb von 12 Monaten nicht gelernt, die Bachseite zu schließen? Fakt ist auch, dass Menschen, die ihre Tiere einfach nicht schützen, oder nicht schützen wollen, Wölfe anfüttern und anlocken. Die Wölfe in Sachsen fressen dennoch keine Kinder. Auch keine Rotkäppchen. In den ganzen Jahren ist kein einziger Übergriff von einem Wolf auf einen Erwachsenen oder auch auf ein Kind nachgewiesen worden. Tagtäglich kommen aber Kinder bei Unfällen im Haushalt, in der Schule, im Sport und im Straßenverkehr zu Schaden. Auch der Bach hinter dem Haus ist eine Gefahr für Kinder, darin zu ertrinken.

Wozu dient also ein solcher Artikel?

Mit seriösem Journalismus hat diese Art der Berichterstattung jedenfalls nichts mehr zu tun. Statt Aufklärung zu betreiben, wir darin Angst geschürt. Doch für Schauergeschichten sorgen in der Region nicht nur die Tageszeitungen. Auch der Jagdpächter macht den Menschen mit an den Haaren herbeigezogenen Geschichten Angst. Im Meinungsartikel von Steffen Gerhardt steht, dass die Regierung angeblich plane, Wölfe mit Sendern auszustatten. Man müsse aber nur die Menschen fragen, um auf das ruchlose Treiben der Wölfe zu kommen, die Menschen müssten geschützt werden. Steffen Gerhardt war auch der Schreiber des Artikels über die Kita Uhsmannsdorf. Mit solchen Artikeln soll Stimmung gegen den Wolf gemacht werden.

Was können Leser gegen solche Artikel machen?

Schreiben Sie an Herrn Gerhardt und an die Sächsische Zeitung. Sagen Sie Ihre Meinung.

 

Die untere Litze weisst keinen Strom auf.
Kein Strom auf dem Elektrozaun für die Schafe. Nirgendwo ist eine Batterie zu sehen. Am Tag unserer Kontrolle war die Bachseite geschlossen.
Kein Strom auf dem Zaun für das Gatterwild.
Kein Strom auf der unteren Litze
Gestrüpp reicht in das Zaungeflecht hinein. Falls eine Batterie angeschlossen wären, wäre der Strom nun durch das Gestrüpp unterbrochen.
Das Gelände der Kinder ist nicht umzäunt, wie in der Sächsischen Zeitung beschrieben. Der Fotograf der Tageszeitung muss das Bild vom Gelände des eingezäunten Schafs geschossen haben.
Kein Strom, nirgendwo ist eine Batterie angeschlossen.

 

Bei dem Riss im vergangenen Jahr war der Elektrozaun zur Bachseite hin offen. Quelle: Rissliste Kontaktbüro Wölfe in Sachsen.

Quellen: Hier ist der Bericht aus dem vergangenen Jahr. Damals war die Bachseite offen. https://www.sz-online.de/nachrichten/kodersdorfer-fuerchtet-um-seine-schafe-3764130.html

Hier der aktuelle Bericht: https://m.sz-online.de/nachrichten/spielen-hinter-dem-elektrozaun-4015796.html

Hier der Link zur aktuellen Rissliste. Die neuesten Risse sind noch offen. Das Kontaktbüro wollte uns zum Fall keine weitere Auskunft geben.  https://www.wolf-sachsen.de/images/Schadensstatistik/Schadensstatistik_2018_Stand_20180904.pdf

Hier der Meinungsartikel von Steffen Gerhardt: https://www.sz-online.de/nachrichten/schuetzt-die-menschen-4015803.html

 

 

 

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Faktencheck Sachsen – Rosenthaler Rudel: Problemzäune, nicht Problemwölfe

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Dass der richtige Schutz von Weidetieren wirkt, sieht man an Niedersachsen. Dort ist die Zahl der Wölfe gestiegen, die Risszahlen jedoch stagnieren. Schäfer und andere Weidetierhalter sind den Angriffen von Wölfen also keineswegs hilflos ausgeliefert. In vielen Bundesländern gibt es zu dem Fördergelder für sichere Zäune und teilweise sogar für Herdenschutzhunde. Zudem beraten viele Zaunbaufirmen ihre Kunden auch und es gibt einen Zusammenschluss von Ehrenamtlichen, die mit beim Zaunbau helfen. Bei so viel Unterstützung sollte es doch kein Problem sein, die Tiere zu schützen, oder? Nicht so in Sachsen. Hier gibt es noch Vielerorts sogar noch die so genannte Anbindehaltung, bei der ein Schaf oder eine Ziege, ähnlich wie es früher bei Kettenhunden zu sehen war, einfach an einem Seil im Gelände angepflockt wird. Dass nur 27 Mal von 64 gemeldeten Vorfällen überhaupt der der Wolf in diesem Jahr als Verursacher festgestellt werden konnte, wundert nicht. Siehe auch Rissstatistik https://www.wolf-sachsen.de/images/Schadensstatistik/Schadensstatistik_2018_Stand_20180817.pdf  So machen wolfsfreie Zonen, wie sie immer wieder gefordert werden, auch überhaupt keinen Sinn. Siehe auch unsere Petition für das Rosenthaler Rudel http://www.change.org/woelfe

Kein Strom auf dem Festzaun. Dazu ist das Flatterband nicht zwanzig Zentimeter über dem Zaun, sondern direkt darauf angebracht. Das Grad ist nicht gemäht. Es kann dadurch eine Unterbrechung des Stroms passieren.
Kein Strom auf dem Flatterband.

Oft brechen Weidetiere auch von alleine aus. Kein Wunder, wenn kein Strom auf den Zäunen ist. Nach einem Interview mit der Vereinsvorsitzenden Brigitte Sommer zur Lage der illegalen Wolfstötungen in Sachsen, kam auch das Thema Risse zur Sprache. https://www.sz-online.de/nachrichten/10000-euro-fuer-hinweise-3981487.html  Kurze Zeit später veröffentlichte die SZ eine Seite voller erboster Leserbriefe. Tenor: Frechheit wie sich jemand aus Hessen dort einmischen will. Man wolle die Wölfe alleine regeln. Nun, alleine regeln, das wird nicht funktionieren, denn es gibt Gesetze. Fakt ist, dass der Wolf EU-weit zu den am strengsten geschützten Wildtieren gehört. Entsprechende Verträge hat auch Deutschland unterzeichnet und auch Sachsen muss ich an Gesetze halten. Im Interview in der SZ ist von „Anfüttern“ von Wölfen die Rede. Anders kann der Zustand von vielen Zäunen dort auch noch immer nicht beschrieben werden. Hier einige Beispiele aus dem Gebiet des Rosenthaler Rudels in Sachsen.

Windschiefe Reparatur, durch den Zwischenraum unter der Holzvorrichtung können Hunde, Füchse und Wölfe durch. Kein Strom.
Normaler Wildzaun, völlig ohne Strom und ohne Untergrabschutz
Keine Beschattungsmöglichkeit für die Schafe.
Gras ist nicht gemäht, dadurch Gefahr von Stromunterbrechung.
Gras nicht gemäht.

Und so sehen richtig aufgestellte Zäune aus: Hier ein so genannter Standardzaun in einer Höhe von 90 Zentimetern, der auf jeden Fall so mehr Schutz bietet, als ein wolfssicherer Zaun, der zwar  eine Höhe von 1,20 hat aber keinen Strom aufweist. Diese Schafe finden Schatten und etwas zum Trinken. Diesen Zaun haben wir nicht in Sachsen aufgenommen.

Am Boden ist das Gras gemäht und der Zaun liegt flach auf dem Boden auf.
Dieser Schäfer hat den Bodenbereich des Zaunes gemäht, damit die Stromversorgung nicht durch Gras unterbrochen wird.

Unten ist ein Festzaun aus dem Kernbereich des Rosenthaler Rudels in Sachsen zu sehen. Auch hier ist das Gras gemäht und der Zaun führt Strom. Zusätzlich werden die Schafe abends in den Stall gebracht.

Hier ein wolfssicherer Zaun, der leicht aufzubauen ist. Am Boden helfen spezielle Verankerungen.

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Update zum Faktencheck vom 23.03.18 – totes Reh in Bad Belzig – der Artikel wurde abgeändert – wir hatten Erfolg!

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Liebe Wolfsfreundinnen und Wolfsfreunde,

ganz herzlichen Dank an die vielen Menschen, die sich aufgrund unserer Nachrecherche in Bad Belzig bei der Chefredakteurin der MAZ über einen tendenziösen, und dazu nach nachweislich mit falschen Informationen gespickten Artikel beschwert haben. Wir hatten Erfolg damit. Der Artikel wurde korrigiert.

Unsere Nachrecherchen sind mit sehr viel Aufwand verbunden. Aber sie sind essentiell für den Schutz unserer Wölfe hier in Deutschland. Wir müssen weiter die Stimme gegen falsche Artikel erheben. Bitte helfen Sie uns dabei mit einer Spende. Im Gegensatz zu den großen Umweltverbänden werden wir nicht staatlich unterstützt. Wir sind auf Ihre Spende angewiesen:

Wolfsschutz-Deutschland

Berliner Sparkasse

IBAN DE79 1005 0000 0190 7118 84

BIC BELADEBEXXX

Update zum Faktencheck vom 23.03.18 - totes Reh in Bad Belzig - der Artikel wurde abgeändert - wir hatten Erfolg!
Und plötzlich war die Überschrift geändert! Ohne unseren Faktencheck wäre das nicht möglich gewesen.

Hier geht es zu unserem Faktencheck

http://wolfsschutz-deutschland.de/2018/03/23/faktencheck-angeblicher-rehriss-in-bad-belzig-wie-medien-wieder-falsch-berichten/

 

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Total unglaubwürdig! Faktencheck Artikel in der MAZ: Hündin nach Wolfsangriff eingeschläfert

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Unsere Mitarbeiter Manuel R.  und Rüdiger S. haben die Sachlage im brandenburgischen Kleinstädtchen Steinberg überprüft. 

 

Rüdiger S: „Die Gegend ist wie geschaffen für durchziehende und territoriale Wölfe! Die Gemarkung Sternberg hat nur eine durch den Ort führende Straße ansonsten ist da rund herum nur Wald und die A2. Bis zum nächsten Ort sind es jeweils um die 4 Kilometer! Der Ort Steinberg liegt in einem Wolfseck , d.h. nördlich(ungefähr 20km Klietzer Rudel), östlich( ca 20 km Entfernung) Lehniner Rudel, westlich( ca. 10 km) Görzker Rudel und westlich( ca.15 km ) Altengrabower Rudel! Es ist aus meiner Sicht also nicht verwunderlich das hier in einem so dicht getränktem Gebiet Wölfe durch ziehen.“

Die Bewohner dort sollten also auch reichlich Erfahrung mit dem Schutz ihrer Weidetiere haben. Leider bot sich uns ein komplett gegenteiliges Bild. 

Nach dem Artikel in der  „Märkischen Allgemeinen“ am 13. Februar dieses Jahres  unter der Überschrift „Hündin nach Wolfsangriff eingeschläfert“ ergeben sich noch immer einige ungeklärte Fragen.  Ob es nun ein Wolf war, oder nicht wird sich dabei nie klären, da die Hundebesitzerin eine kostenlose DNA-Überprüfung verweigerte.  Wir haben uns vor Ort einmal umgeschaut und uns die Gegebenheiten vor Ort genau betrachtet.

Angeblich soll die 13-jährige Terrierhündin von einem Wolf in dem Örtchen Steinberg bei Ziesar angegriffen und durch einen Gitterzaun hindurch verletzt worden sein. Dem Tier hatte die Hälfte des Vorderlaufs gefehlt.

In einer Tierklinik wurde empfohlen, den Vorderlauf zu amputieren, um das Leben der Hündin zu retten. Die Hundehalterin wollte die 13-jährige Hündin allerdings nicht, so O-Ton, als Krüppel behalten und ließ sie einschläfern. Fakt ist: Ein Wolf als Verursacher  konnte gar nicht bewiesen werden, da die Hundebesitzern – wie oben schon erwähnt – keine DNA-Untersuchung zuließ, obwohl dies kostenlos gewesen wäre.  Genproben von der Wunde am Vorderlauf oder den Fellresten am Gartenzaun sind nicht vorzeigbar. Ebenso wenig die Reste des Vorderlauf.

Nicht einmal zehn Meter entfernt vom Haus – hatte niemand etwas gehört?– steht auf Betonankern ein Stabgitterzaun. Die Zwischenabstände der Stabgitter weisen großzügig gemessen knapp 4,5 cm aus. Die anatomischen Gebissmaße eines Wolfs haben einen Abstand zwischen den  Fangzähnen von 4,5 cm. Dazu links, rechts je ein cm für Muskeln, Sehnen, Haut, Fell, womit der Wolfsfang wenigstens 6,5 cm breit ist. Somit würde der Maulfang eines Wolfs  weder direkt, noch  waagerecht  durch diese Stabgitter passen. Hochkant ginge dies eventuell , doch dann würde der Fang zum Biss nicht mehr möglich sein. Es ist zwar möglich, dass ein kleiner Jagdterrier die Pfote durch das Gitter stecken würde. Dennoch ist die These, dass der Wolf dort die Pfote abgebissen haben soll, äußerst unwahrscheinlich. Hat der Hund sich evtl. vielmehr bei der Baujagd verletzt oder ist in ein Tellereisen geraten? Auch können wir nicht ganz nachvollziehen, warum der Hund eingeschläfert werden sollte. Schließlich leben sehr viele Hunde und Katzen ohne Probleme auf drei Beinen. 

Bleibt die Frage: Hat sich der Reporter, der diesen Bericht in der „MAZ“ schrieb, diesen Zaun einmal genauer angeschaut? Davon ist in dem Bericht jedenfalls nichts zu lesen.

Merkwürdig und unverständlich erscheint es, dass laut diesem Bericht ein kleiner „Familienhund“  zu dieser Jahreszeit und im „Belagerungsgebiet von Wölfen“ nachts draußen allein verbringen muss. Sollte er einen Wolf erschrecken, vergrämen oder gar verjagen?

Vom aufgeräumten Örtchen  Ziesar um die Ecke durch Steinberg stellt sich der Eindruck vom Vergessen ein. Hier wohnt auch der Amtsdirektor von Ziesar, Norbert Bartels, der die Situation in Steinberg mit einem „Belagerungszustand“ verglicht. Die ordentlich gereihten Häuser, mitten im Ort ein Kinder-,Spiel- und Freizeitplatz, etwas außerhalb ein hergerichteter Badeteich  zeugen von Beschaulichkeit. 

 

Vom Dorf weg reiht sich Weidefläche an Weidefläche, mit größeren Tierbeständen in der Nähe, weiter draußen einzelne Tiere. Die Umzäunungen der Weiden wurde offenbar im letzten Jahrhundert eingerichtet. Die meisten sind  verfallen, verrostet, beschädigt, durchwuchert, da oder dort vielleicht hüfthoch ein verrosteter Draht, nirgendwo Stromfluss, die Zugänge offen oder oft ist nur ein Querbalken vorhanden. Sind das die Paradebeispiel für die „gute, fachliche Praxis der Einzäunung von Weidetieren“ gemäß Standard vom Bauernverband? Dazwischen eine kleinere Fläche mit Mutterkühen und Kälbern, die  derart zugemüllt ist, dass im Falle eines Ausweichens die Tiere sich die Läufe brechen würden. Auf den Bildern wird deutlich, warum es dort zu Rissen von Kälbern kommen kann, ganz gleich ob von wildernden Hunden, oder von anderen Beutegreifern wie Wölfen, verursacht. Der Zaun ist dermaßen mangelhaft, dass die Kälbchen unten durchschlüpfen können. Außerhalb der Umzäunung könnten sie nicht mehr von der Herde beschützt und verteidigt werden. 

Aus Gesprächen mit Ortskundigen stellten sich aber noch ganz andere Wahrnehmungen ein. Die Bauern würden sich hauptsächlich  fürs Geld verdienen interessieren. Bei einem Riss, ohne dass die Tiere zuvor ausreichenden Schutz genossen, zahlt aber der Staat nicht. Andererseits werden Gelder zur Förderung in Brandenburg vielfach nicht abgerufen von den Weidetierhaltern. Erzählt wurde uns auch von privat gehaltenen Wolfshunden, die für Filmaufnahmen trainiert sein sollen, sich aber öfter von selbst auf die Pfoten in die Umgebung machen… „weshalb beinah jede Nacht „Wölfe“ in die aufgestellte Fotofalle tappen“. Ein vereinbarter Termin mit einem Wolfsberater zur Erfassung des „Wolfsangriffs“ auf die Terrierhündin endete bedrohlich. Eine aufgelaufene Dorfcrew verhinderte dies, die Hundehalterin erschien nicht, die Reste der Hundepfote blieben „verschollen“. Belegbilder aus Fotofallen im dörflichen Umfeld bleiben privat unter Verschluss. Warum wohl? Hier geht es zum Artikel: http://www.maz-online.de/Lokales/Brandenburg-Havel/Wolf-greift-eingezaeunten-Hund-an-Tier-muss-eingeschlaefert-werden

Doch nicht nur die MAZ setzte auf tendenziöse Berichterstattung, weitere Medien übernahmen mutmaßlich den Fall,  ohne selber recherchiert zu haben:

https://www.facebook.com/mozde/posts/er-ist-und-bleibt-ein/1789290824438446/

https://www.maennersache.de/dorf-angst-wolf-beisst-huendin-pfote-ab-5235.html

https://www.nordkurier.de/brandenburg/dorf-lebt-in-angst-vor-woelfen-1631264202.html

 

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