Wenn Schauspieler Publicity brauchen, darf´s auch der Wolf sein

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Huch, ein Wolf! Nein, natürlich kein Wolf, das sieht man auch, wenn man genauer hinschaut. Das ist unser Tschechoslowakischer Wolfshund Anori und ich.

Hilfe! Wir haben Aliens in Deutschland, die uns auf Schritt und Tritt verfolgen! Sie nennen sich Wölfe, streifen einfach in der Gegend umher und fühlen sich vor allem im Wald pudelwohl. Ja, sie haben sogar Hunger und durchstreifen dabei  auch Gegenden, die von Schafen und Ziegen bevölkert sind, die entweder gar nicht, oder nur  sehr schlecht  vor ihnen geschützt werden. Wenn eines dieser Aliens auftaucht, ist garantiert irgendein Landwirt oder Spaziergänger vor Ort, der es filmt oder Fotos von ihm macht und dann ins Internet stellt. Soziale Netzwerke sind für solche Videos und Fotos sehr empfänglich, natürlich auch die Tageszeitungen. Gäbe es die Sozialen Netzwerke und medienbesessene Menschen nicht,  würde die Welt wahrscheinlich gar nicht wissen, dass es Wölfe gibt! Dabei scheint es unerheblich zu sein, ob es tatsächlich ein Wolf ist, der jemanden den Weg gekreuzt hat, oder ein Wolfshund. Aber das spielt ja bei solchen Leuten keine Rolle. Sie wollen einfach nur auffallen und von sich reden machen. Wie sonst kämen sie denn auch in die Medien?

Ach ja, zum Thema auffallen. Das haben jetzt auch Schauspieler für sich entdeckt, die wieder mal etwas Publicity benötigen, weil sie momentan nicht so gefragt sind. Ein gewisser Marten Krebs (36), der aus der Altmark stammen soll und  Schauspieler ist (wer ist bitte Marten Krebs???) und  in Berlin lebt hat auf seinem „Heimaturlaub“  – klingt als ob er beim Militär beschäftigt ist –  bei Stendal in Sachsen-Anhalt auch so eine unheimliche Begegnung der dritten Art. Dieser Mann, den ich mal als E-Promi bezeichnen würde, hat sich bei der Bild-Zeitung gemeldet und seine tolle Geschichte erzählt. Ihm seien beim Joggen zwei Wölfe begegnet. Nein, gefressen haben sie ihn nicht, sonst hätte er das der Bild-Zeitung ja nicht berichten können, aber diese Wölfe haben ihn „begleitet„. Dass es keine Hunde waren, sei ihm sofort bewusst gewesen.  Ein genauerer Blick habe ihm dann verraten, dass zwei Wölfe – ein Ausgewachsener und ein Jungtier – ihn verfolgten. So Herr Krebs, nur zur Aufklärung: Wie wollen Sie ein erwachsenes Tier und ein Jungtier erkannt haben? Wölfe bekommen nur ein Mal im Jahr Junge. Nämlich im Frühjahr. Die Welpen aus dem Frühjahr sind genauso groß wie ihre Eltern. Und die neuen Welpen verlassen erst nach sechs bis acht Wochen den Bau. Und: Wenn es ein, oder zwei Jungwölfe gewesen waren, dann müssten sie die gleich Größe haben. Hatten sie das? Nein, zumindest, was Ihre Aussage betrifft. Die beiden waren ja angeblich unterschiedlich groß! Allerdings bleibt natürlich die wissenschaftliche Frage, ob es Zwergenwölfe gibt…

Herr Krebs scheint ein Experten zu sein. Aber selbst wenn es zwei Wölfe gewesen sind, der Schauspieler hat gut reagiert und nicht einmal Angst gehabt, wird er in der Bild zitiert:  „Ich schrie und machte mich groß, da haben sie sich schließlich getrollt“.“ Bravo! Alles richtig gemacht, Herr Krebs! Aber beruhigt sei er nicht, denn vergangene Woche sei ihm schon ein Wolf vors Auto gerannt. Ja, lieber Herr Krebs, das kann passieren, denn die unerfahrenen Jungwölfe sind wieder unterwegs und suchen sich eine eigene Bude. Hier können Sie etwas darüber erfahren: http://wolfsschutz-deutschland.de/2018/02/11/achtung-teenager-sucht-erste-eigene-bude-2/

Apropos Medien:  Die waren früher mal ganz anders. Ja, ich kann mich noch gut daran erinnern, schließlich habe ich den Beruf des Redakteurs einmal gelernt, war viele Jahre Redakteur bei Tageszeitungen und habe von meinem Volontärsvater  immer gesagt bekommen, dass man ausgeglichen berichten muss, also jede Seite anhören und sie ihre Meinung sagen lassen muss, vor allem wenn es um kontroverse Themen geht.  Das hat sich völlig geändert, ich weiß auch gar nicht, ob es überhaupt noch diese „Volontärsväter“ oder „Volontärsmütter“ gibt, die Menschen, die Journalisten werden wollen, beibringen, wie man berichtet und schreibt und auf was man achten muss, damit die Berichterstattung objektiv ist.  Wahrscheinlich bin ich da altmodisch. Ich kann es aber einfach nicht leiden, wenn  Berichte – egal über welches Thema – tendenziös sind und sogar keine andere Meinung dulden. Bin mal gespannt, welcher Schauspieler, oder welche Schauspielerin als nächstes von Wölfen gestört wird…

Volker Vogel

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Achtung: Teenager sucht erste, eigene Bude!

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Die Jungwolfwandersaison hat begonnen. Bitte gerade jetzt mit Vorsicht und Bedacht Auto fahren. 

 

Viele Menschen sind nur im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, darauf vorbereitet, langsamer und vorsichtiger zu fahren. Nicht nur das fallende Laub macht die Straßen gefährlich, auch Wildtiere, die urplötzlich die Straße überqueren, können Unfälle verursachen. Doch kaum jemand ist darauf eingestellt, gerade jetzt im Hoch- und Spätwinter, wenn die Tage wieder länger werden, noch einmal mit Wildwechsel zu rechnen. Dabei beginnt gerade jetzt eine ganz besondere Zeit im Wolfsjahr. Die Paarungszeit steht kurz bevor und die Jungwölfe verlassen ihr Rudel, um sich ein eigenes Revier zu suchen. Dabei geraten sie leicht in große Gefahr, überfahren oder Opfer von illegaler Tötung zu werden.

Einer der faszinierendsten Beutegreifer ist seit knapp 20 Jahren nach Deutschland zurückgekehrt. Unsere wildreichen Wälder bieten ihm viel Nahrung und er kommt sehr gut in unserer Kulturlandschaft zurecht.  Wölfe leben, wie wir Menschen auch, in Familienverbänden. Mutter und Vater bleiben zusammen. Sie besetzen ein Revier, dass sie gegen andere Wölfe verteidigen. Wenn die Lebensbedingungen dort gut sind, erwarten sie Nachwuchs, der im Frühjahr auf die Welt kommt. Oft helfen die einjährigen Welpen noch bei der Aufzucht der Welpen mit. So wie der Wolf Pumpak aus dem polnischen Ruszow-Rudel, der hier, wie im Video zu sehen, im Alter von einem Jahr seine Geschwister sittet, während die Mutter auf Jagd ist. Die zweijährigen Jungtiere sind zu diesem Zeitpunkt schon abgewandert.

Ganz Deutschland ist Wolfserwartungsland. Der Wolf ist in Deutschland streng geschützt und er darf nicht abgeschossen werden. Bei uns leben inzwischen um die 500 Wölfe. Platz wäre leicht für das Vierfache. Seit Anfang des Jahres (Quelle: DBB-Wolf) sind bereits neun Wölfe überfahren worden. Bitte fahren Sie deshalb gerade jetzt besonders vorsichtig. Da Jungtiere leicht 70 Kilometer pro Tag zurücklegen, kann jetzt praktisch überall ein Wolf auftauchen. Besondere Vorsicht beim Fahren ist in der Oberlausitz und allen anderen neuen Bundesländern und in Norddeutschland geboten.

Wolfsteenager sind im Verhalten vergleichbar mit menschlichen Teenagern. Sie sind unerfahren, gehen Risiken ein. Sie sind neugierig und neigen zur Selbstüberschätzung. Sie sind genauso groß wie ihre Eltern, aber im Gegensatz zu einem erfahrenen Altwolf lassen sie sich auf ihren Wanderungen blicken. So ist es völlig normal, dass ein solches Jungtier auch mal durch Ortschaften streift, oder Feldwege und Radwege benutzt. Schließlich kommt ein Wolf dort schneller voran, als im Gelände. Sein Ziel ist es, ein für ihn geeignetes Revier zu finden.

Oft werden Filme, die Landwirte von Traktoren aus machen, in soziale Netzwerke gestellt. Sie sollen beweisen, dass Wölfe die Scheu verloren hätten. Doch dies stimmt ganz und gar nicht. Die Jungtiere kennen Traktoren und Fahrzeuge. Sie erkennen allerdings nicht sofort, dass sich ein Mensch darin befindet. Bitte niemals solche Filme in sozialen Netzwerken teilen. Sie landen garantiert auf Wolfshasserseiten. Dort werden Lügengeschichten verbreitet. Oder Onlineausgaben von Tageszeitungen bringen diese Filme, übertitelt mit reißerischen Überschriften, die nichts anderes als Panik schüren sollen.

Wer einem Jungwolf  begegnet, der sollte sich bewusst machen, dass ihm in diesem Moment ein ganz wunderbares Naturerlebnis geschenkt worden ist. Es ist möglich, dass das Jungtier nicht gleich flüchtet, sondern neugierig schaut. Wem diese Situation unangenehm wird, kann sich großmachen, laut sprechen und gegebenenfalls mit einem Stock nach dem Tier werfen. Bitte keine Filme oder Fotos von einer solchen Begegnung ins Netz stellen. Schon gar nicht mit Ortsangaben. Niemals einem Jungtier etwas zum Fressen zuwerfen. Es könnte diesem Tier zum Verhängnis werden, mit Menschen positive Erinnerungen zu verbinden. Denn in Deutschland herrscht noch immer das „Rotkäppchensyndrom“. Dabei stehen wir Menschen ganz und gar nicht auf dem Speiseplan von Wölfen. Sie ernähren sich zu über 90 Prozent von Wild. Natürlich verschmähen sie auch Schafe nicht, wenn sie ihnen ungeschützt auf dem Silbertablett serviert werden. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten Weidetiere zu schützen. Entschädigungszahlungen gibt es ebenfalls.

Jeder kann mit einer vorsichtigen Fahrweise und mit klugem, medienreflektiertem Handeln dazu beitragen, dass ein Jungwolf auch das Erwachsenenalter erreichen kann.

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