Wir widersprechen

Der Wolf in Baden-Württemberg – Wir müssen reden…über Zäune, die am Rand von Bächen nicht geschlossen sind

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Brigitte Sommer, Vorsitzende Wolfsschutz-Deutschland

Kommentar – (07.05.15) Die Aufregung war groß, am Morgen des 30.April. Ein Schäfer meldete der zuständigen Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg (FVA) gerissene Schafe.

Insgesamt waren 44 Schafe tot.  Wer der Täter ist, wollen Schäfer und Medien auch gleich festgestellt haben. So ein „Massaker“ kann natürlich nur der Wolf verursacht haben. Schon war die Rede von „Blutrausch“. Die Landwirtschaftsministerin Klöckner forderte gar den Abschuss. Die Landwirtschaftsministerin? Tageszeitungen und Boulevardpresse steigerten sich gegenseitig in Formulierungen hoch. Dabei steht bis zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht fest, ob wirklich ein Wolf am Werk war.

(UPDATE: 09.05.18 – Es wurde der Wolf als Verursacher bestätigt.)

Viele Schafe sind auch nicht direkt durch Bisse getötet worden, sondern sie wurden Opfer der besonderen Situation vor Ort.

Der Zaun war an der Bachseite nicht vorhanden. Für einen Beutegreifer oder einen Hund also eine Einladung zum Fast Food. An den drei weiteren Seiten war der Zaun geschlossen, so dass die Tiere nicht flüchten konnten.  Einige sollen im Fluss ertrunken sein. Von einigen  Schafen wurden Rissabstriche genommen und ans Senckenberg Institut geschickt. Das Ergebnis dauert ein bis zwei Wochen. Zeit genug also, für Weidetierhalter , Jäger und Politiker sich weiter zu entrüsten.

Warum entrüstet sich niemand über den Zaun, bzw. nicht vorhandenen Zaun?

Vor rund 20 Jahren kamen die ersten Wölfe wieder zurück nach Deutschland. Dies dürfte eigentlich auch für Baden-Württemberg Zeit genug gewesen sein, um für Weidetierhalter ein Konzept vorzulegen und Schäfer entsprechend zu schulen und zu informieren. Es kann durchaus ein Wolf gewesen sein, der hier seine Chance genutzt hat. Ein einzelner Wolf kann mehrere Schafe töten. Dieses Verhalten hat aber überhaupt nichts mit einem „Blutrausch“ zu tun. Der Wolf ist ein Beutegreifer. Normalerweise tötet er ein Tier und der Rest flieht. Was in der Natur funktioniert, gerät bei Schafen, die wegen des Zauns nicht fliehen können, aus dem Gleichgewicht. Der Beutereflex wird solange ausgelöst, bis alle Tiere tot sind. Dieses Phänomen ist auch bei Füchsen im Hühnerstall bekannt.

Fakt ist, dass es in der Gegend Wolfssichtungen gab. Es wird vermutet, dass es sich um ein Jungtier aus Schneverdingen (Niedersachsen) handeln könnte, das sich dort in der Gegend nun niedergelassen hat. Schon wird wieder der Ruf nach Abschuss laut. Nichts als Populismus, dies sollte den Verantwortlichen klar gemacht werden. Denn es ist gewünscht, dass der Wolf zurück in seine Heimat kommt. Entsprechende Verträge hat auch Deutschland unterzeichnet. Wer Abschüsse nach dem Vorbild von Schweden fordert, übersieht schlicht die Tatsache, dass gegen Schweden ein EU-Verfahren läuft. Sollten also in Baden-Württemberg Wölfe getötet werden, käme ein solches Verfahren auch auf Deutschland zu.

 

Brigitte Sommer

Erste Vorsitzende Wolfsschutz-Deutschland, Verein in Gründung

Quellen:

https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.bad-wildbad-der-wolf-gekommen-um-zu-bleiben.ed446e5b-91cd-4622-a738-ff0d17b88eec.html

https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.bad-wildbad-wolfsangriff-experte-gibt-neue-details-bekannt.1c0d0557-709c-4ab8-bbdd-0e4732ea0afa.html

https://www.n-tv.de/politik/Kloeckner-will-Wolfsabschuss-ermoeglichen-article20413551.html

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/genanalyse-wolf-hat-schafe-in-baden-wuerttemberg-getoetet-a-1207094.html

 

 

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Weidesicherung in Brandenburg – Unser Wolfsschutz-Vereinsmitglied Korinna packte mit an.

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Wolfsschutz Deutschland packt an – Zusammen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von diversen Umweltorganisationen hat auch unsere Korinna im Landkreis Dahme Spreewald mitgeholfen. Es ging darum, eine Fläche auf einer ehemaligen Mülldeponie sicher zu machen.

Hier ist ihr Resümee:

Tag drei auf der ehem. Mülldeponie in Senzig LDS.

Bald werden sich hier hunderte Schafe tummeln, doch bis es soweit ist, machen wir Wolfsfreunde aus der Region ihre zukünftige Sommerresidenz über freiwillige Helfer sicher. Denn unser grösster Wunsch ist es, das hier der Wolf unbeschadet und sicher durchziehen oder noch besser, heimisch werden darf. Dass der Graue wieder hier ist, steht inzwischen nämlich außer Frage.

Gestern haben wir, zusammen mit 20 Leuten, an dem Untergrabungsschutz vor dem zirka zwei Meter hohen Schutzzaun, der sich über zwei Kilometer rund um das Areal zieht, auf der östlichen Seite zum Wald hin weitergearbeitet. Wir kämpften auf schwerem Terrain, aber mit sensationeller Aussicht über hiesige Seen bis zum Funkturm. Dennoch sind wir gut weitergekommen.

Ich freue mich riesig darüber,  dass wir den Schafen und dem Schäfer helfen konnten, denn das Beauftragen von Firmen hätte Unsummen verschlungen.

Und so haben wir uns mit Zaun  und Zange bewaffnet durchs Dickicht gekämpft, um Wolf und Schaf zu helfen, um der Rotkäppchen-Mentalität im wahrsten Sinne des Wortes tatkräftig zu begegnen und Bruder Wolf willkommen zu heissen.

Nach einigen Watschen von Ästen und kleinen Schlammschlachten mit dem Brandenburger Waldboden kam ich völlig kaputt aber sehr glücklich nach Hause.
Schöne Grüsse an meine Hände, sag den Fingern sie können wieder aufhören zu krampfen (ich glaub die haben mich heut Nacht weitergezwickt) 
😂.

Ich habe viele neue Leute von hier kennengelernt, die alle meine Faszination und Liebe zum Grauen teilen.

Ein wunderschöner Tag für Wolfsbefürworter, Schafe & Schäfer und Bruder Wolf. Wir setzen hier hoffentlich Zeichen um der Wolfshetze die entsetzlich schnell von neuem Verbreitung findet, Paroli zu bieten.

Ah-uuuuuuuuuuuuu! 🐾🐾

Eure Korinna

Hier kannst Du das Areal überfliegen
https://declips.net/…/xDr…/ehemalige-mülldeponie-senzig.html

 

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Artikelempfehlung der Woche: Es geht auch sachlich und fundiert!

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Liebe Wolfsfreundinnen und Wolfsfreunde,

die Durchsicht des täglichen Pressespiegels macht schon lange kein Vergnügen mehr. Gerade, wenn fast nur noch schlecht recherchierte und tendenziöse Artikel über Wölfe erscheinen. Dieser Artikel ist so wohltuend anders, dass wir ihn heute gerne empfehlen wollen.  Großes Kompliment an Barbara Schuster von den Nordbayerischen Nachrichten. Sie erzählt spannend und unaufgeregt vom Leben des Wanderschäfers Markus Schreiner, der den Wolf nicht als einen Feind sieht.

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Fakenews

Müssten solchen Schäfern nicht die EU-Fördergelder entzogen werden?

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Quelle: Aus MOZ 16.06.17

Schäfer Dirk Hoffmann setzte in die Märkische Oderzeitung eine halbseitige Anzeige, die die Seite „Wolf nein Danke“ als redaktionellen Beitrag verkaufen wollte. Anzeigen in der MOZ kosten zwischen 8000 im Anzeigenblättchen und 11.000 Euro in der normalen Ausgabe.

In mehreren Zeitungsartikeln klagte der Schäfer über Geldnot wegen des Wolfes, fürchtete sogar seinen Beruf aufgeben zu müssen. http://www.maz-online.de/Lokales/Teltow-Flaeming/Schaefer-verliert-erneut-18-Tiere-an-den-Wolf

Aber für eine solche Anzeige ist Geld da?

Der Text in der Anzeige ist nicht nur hetzend, sondern auch noch komplett falsch. Weder fressen Wölfe derartige Mengen an Fleisch, noch vermehren sie sich explosionsartig. Im Gegensatz zu Wölfen sind Mufflons keine heimische Tierart. Wir waren in den Wolfsgebieten vor Ort. Von Angst in den Wald zu gehen, kann gar keine Rede sein.

Wir haben auch mit dem Amt für Umwelt und Naturschutz Brandenburg gesprochen: Der Übergriff ist gemeldet, dass es der Wolf gewesen sein sollte, ist keinesfalls erwiesen. Das DNA-Ergebnis steht noch aus. Der Hundeschutz war gegeben. Ausgleichszahlungen sind beantragt und werden erfolgen. Förderantrag auf Zäune ist gestellt und er hat z.Z. sogar Leihzäune erhalten.

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