Starke Frauen für einen starken Naturschutz, gestern, heute und morgen.

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Wir leben in einem Zeitalter des Artensterbens und der Naturzerstörung, wie es seit dem Aussterben der Dinosaurier nicht mehr vorgekommen ist. Damals ist höchstwahrscheinlich der Einschlag eines Asteroids für das Massensterben verantwortlich. Für das aktuelle Desaster trägt vor allem der Mensch die Verantwortung. Menschen beurteilen andere Lebewesen gerne nach ihrem Nutzen. Aus Sicht unserer Mitgeschöpfe und unserer Erde gibt es eine Spezies, die für diese nur wenig Nutzen hat.  Der Mensch. Brauchen wir eine neue Ethik und Moral?

Antworten finden wir in der Vergangenheit. Forscher meinen: Frauen an die Macht

Eine der bekanntesten Frauen, die sich für Tiere und die Natur engagieren, ist Jane Goodall. Die britische Verhaltensforscherin setzt sich seit den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts unter anderem für Schimpansen ein. Doch auch Quereinsteigerinnen, wie die Schauspielerin Brigitte Bardot oder die ehemalige Baywatchdarstellerin Pamela Anderson, nutzen ihren Bekanntheitsgrad, um auf die Not von Natur und Tieren aufmerksam zu machen. Dabei sind es heute ganz unterschiedliche Frauen, die neue Wege im Arten und Tierschutz beschreiten wollen. Ein Beispiel ist Tatjana Kühr. Sie gründet mit ihrem Mann zusammen eine Filmproduktionsfirma und reist mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter um die Welt, um Tierrechtler zu interviewen. Was treibt diese Leute an? Ist es ein neues Phänomen? Ja und nein. 

Mit Beginn der Industrialisierung werden auch deren Nachteile sichtbar. Schon damals leiden die Menschen unter dreckiger Luft, ausgelaugten Böden und schlechter Wasserqualität. Trotz ihrer gesellschaftlichen Situation, die Frauen damals auf Aufgaben in Haus und Familie beschränken soll, gibt es Vorreiterinnen. Magarete Ida Boie (1880-1946) erfindet den „sanften Tourismus“. Theda Behme (1877-1961) setzt sich als Journalistin und Fotografin durch und kämpft gegen die „Verunstaltung der Landschaft“. Statt sich Konventionen zu beugen, kämpfen diese Frauen unbeirrbar und mutig für ein höheres Gut und nicht wie viele Männer für Macht. Sie glauben an ein höheres Ideal, viele kalkulieren sogar mit ein, sich strafbar zu machen. Sie fühlen eine tiefe, moralische Verantwortung in sich, die sich über alle politischen Richtungen hinwegstreckt. Die Autorin Michaela Karl schreibt in einem Vorwort zu ihrem Buch über „Streitbare Frauen“: „Angetrieben von Wut und Empörung angesichts gesellschaftlicher oder politischer Missstände hatte ihr Einsatz jenseits aller politischen Analyse immer auch eine persönlich moralische Dimension, die bei Frauen ungleich stärker zum Tragen kommt als bei Männern“.  Lina Hähnle gründet 1899 den Bund für Vogelschutz. Sie hat Mitleid mit tropischen Vögeln, die damals getötet werden, um Hutschmuck aus ihren Federn zu gewinnen. Lina kommt ganz normalen, bürgerlichen Verhältnissen. Dennoch verändert sie damals das Weltbild.  Aus dem Bund für Vogelschutz entsteht später der NABU.

Auch der Tierschutzgedanke ist nicht neu. Vorreiter ist hier Großbritannien. Hier wird das erste Tierschutzgesetz, der „Act for the prevention of curle an improper treatment of cattle“, bereits 1822  verabschiedet. 1847 entsteht die Vegetarian Society. In Großbritannien dominieren Frauen von Beginn an das Vereinsgeschehen, während es in Deutschland die Frauen schwer haben. Frauen werden hier nicht als wahlberechtigte Mitglieder in den Vereinen zugelassen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden Tierschutzvereine international. Themen wie Tiertransporte sind damals schon modern. 

Nach dem Krieg formiert sich in Großbritannien eine neue Bewegung. Menschen sehen in Tieren nicht nur schützenswerte Geschöpfe, sondern Wesen mit eigenen Rechten. Dabei werden Tierschutz- und Tierrechtsbewegung oft gleichgesetzt, obwohl es wesentliche Unterschiede gibt. Tierschützer wollen „unnötiges Leiden“ von Tieren abwenden, „notwendiges Leiden“ wird aber mit einbezogen. Für den Tierschutz gilt: Das verursachte Leid, das bei der Tiernutzung akzeptabel ist, muss auf ein Minimum reduziert werden. Grundsätzlich wird das Interesse des Menschen am Tier über das Interesse von einem Tier und seinem tiergerechten Leben gestellt. Diese Menschen sehen Tiere als Teil der Natur, den es zu erhalten gilt. Sie neigen oft dazu, sich in Schutzforderungen auf Tiere zu beschränken, die sympathisch empfunden werden, wie Tiger, Elefanten oder Wale. 

Die Grundidee des Tierrechtsgedankens basiert dagegen darauf, dass Tiere und Menschen fundamentale Rechte haben und daher als moralisch gleichwertig betrachtet werden müssen. Veganismus ist daher für viele Frauen, wie zum Beispiel für die US-Schauspielerin Michelle Pfeiffer, die einzig zu akzeptierende Ernährungsform. Sie setzen sich zudem für politische Maßnahmen ein, die eigene Rechte für Tiere fordern. Der Tierrechtsgedanken macht zwischen den Spezies keinen Unterschied, nicht zwischen sympathisch wie Eichhörnchen oder gefürchtet, wie z. B. Haie. Nicht alle Tierrechtlerinnen leben vegan oder vegetarisch. Ihnen gemeinsam ist allerdings ein hoher Respekt vor den Mitlebewesen.  Genau wie die frühen Verfechterinnen setzen sie sich heute auch mit hohem moralischen Anspruch für etwas ein, dass sie für notwendig erachten. Sie blockieren zum Beispiel Massentierhaltungsanlagen und sind sogar bereit, gegen Gesetze zu verstoßen. Mitarbeiterinnen von „Animal rights watch“ landeten auf der Anklagebank, weil sie keinen anderen Weg sahen, mit illegalen Aufnahmen auf das Tierleid in Putenmastställen aufmerksam zu machen.  Neu an den Bewegungen ist, dass sich Gedanken des Naturschutzes und der Tierrechte annähern.  

Ihre Triebfeder ist Mitleid

Für konventionelle Tierschutzvereine diese hat das Interesse des Einzeltieres keine Bedeutung, sofern es die gesamte Art nicht gefährdet. Folge: Bestimmte Arten werden beispielsweise als invasiv und/oder störend akzeptiert. Die „Reduzierung“ dieser Arten ist erlaubt. Aktuelle Beispiele: Waschbär und Marderhund. Aber auch weniger sympathisch erscheinenden Arten darf es daraufhin an den Kragen gehen, wie z. B. dem Zander. Er wird als nicht heimisch betrachtet, obwohl Exemplare bereits – wie beim Waschbär auch –  über hundert Jahre hier ein Zuhause haben. Dabei kann der Zander die Ausbreitung einer ebenso invasiven Art, der Grundel, verhindern. Auch Mischlinge zwischen Wolf und Hunden fallen in diesen Bereich. Sie dürfen nach Ansicht dieser Vereine bedenkenlos getötet werden. Nach dieser Sichtweise hat der Mensch das Recht, über Leben und Tod dieser Tiere zu entscheiden.

Im Fall des Jungwolfes Pumpak stand das Todesurteil jedenfalls schnell fest. In der Akte Pumpak heißt es, dass der Arterhalt des Wolfes in Sachsen zwar nicht gesichert sei, es aber auf ein einzelnes Jungtier nicht ankäme. Genau die gleiche Logik, kostete Jungwolf Kurti tatsächlich das Leben. Die Landesverbandsvorsitzende eines großen Naturschutzverbandes stimmte aus den gleichen Gründen einer Abschusserlaubnis des Jungwolfs Filou in Rathenow zu. 

Einige neue Vereine und Institutionen sehen dies anders. Sie meinen, dass Naturschutz nicht ohne Berücksichtigung von Tierrechten funktionieren kann. Einer dieser Vereine ist Wolfsschutz Deutschland mit einem hohen Anteil an Frauen als Förder- und aktiven Mitgliedern. In guter, alter Tradition der ersten Naturschützerinnen geht der Verein neue Wege und fordert einen respektvolleren Umgang mit der Natur und Mitleid mit ihren Lebewesen darin. 

 

Quellen:

Streitbare Frauen von Michaela Karl

Geschichte der Frauenbewegung von Michaela Karl

Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung

Animal Rights watch www.ariwa.org

www.citizenanimal.de

 

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