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Kommentar von Klaus Todtenhausen: Das Umweltministerium in Niedersachsen liest anscheinend seine eigenen Richtlinien nicht

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Kommentar von Klaus Todtenhausen

Klaus Todtenhausen, seit vielen Jahren engagierter Natur- und Wolfsschützer

Lies lies (funktioniert auf Deutsch wie auf Englisch). Entweder belügt das  Umweltministerium in der Begründung zur Ausnahmegenehmigung nach dem Bundesnaturschutzgesetz die Öffentlichkeit oder man hat dort die eigenen Richtlinien nicht gelesen. In der Begründung für die Ausnahme zum Abschuss des Rodewalder Leitrüden heißt es generalisierend und einzelfallbezogen, dass eine Rinderherde als geschützt gilt, weil sie sich selbst schützt. Was an sich schon eine steile These ist, denn dafür fehlt es an eindeutigen Studien.

Unsere Schwarzbunten sind doch keine Moschusochsen

Und bei unseren Schwarzbunten eine Fähigkeit vorauszusetzen, die vielleicht frei lebende norwegische Moschusochsen haben, ist doch ziemlich kühn. Andererseits traut das MU den Rinderherden wohl doch nicht viel zu, denn für den Bereich Rodewald gibt es eine Sonderregelung für Rinderherden, nach der auch Rinderhalter Billigkeitsleistungen für den Schutz vor dem Wolf in Anspruch nehmen können, da in dem Bereich mehrfach Rinder (Kälber) gerissen wurden (Präventionsanträge zum Schutz von Rindern vor Wolfsangriffen im Rahmen der Richtlinie Wolf – Sonderfall für Rinder in ausgewiesenen Gebieten -). Auch für den Raum Wietzendorf gibt es diese Sonderregelung. Ich habe selbst dort einem Betrieb beim Aufbau eines wolfabweisenden Grundschutzes geholfen; zusätzlich hatte sich die Familie zwei Herdenschutzhunde angeschafft. Ihre Mutterkuhherde hätte sich kaum gegen einen Wolfsangriff zur Wehr gesetzt, so die Halterin. Die Begründung in dem o.g. Bescheid kann somit kaum glaubhaft sein, ist allenfalls politisch motiviert. Man sollte ohnehin viel mehr über schutzunwillige Nutztierhalter reden als über Wölfe. Diese sind es, die den Wolf auf den Geschmack bringen.

Statt Entschädigung will man wohl lieber die Wölfe tot sehen

Anhand der Liste „Nutztierschäden“, die das NLWKN führt, kann man sehen, dass das keineswegs eine Minderheit unter den Haltern ist. Obwohl zumindest gewerbliche Halter durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung verpflichtet sind, ihre Tiere vor Beutegreifern zu schützen, obwohl das Land Billigkeitsleistungen gewährt, wenn Halter wolfsabweisenden Grundschutz errichten oder Herdenschutzhunde anschaffen wollen. Vermutlich verfolgen einige, darunter z.B. einige Schafzüchterverbände, die Strategie, eine genügende Anzahl von tierischen Opfern zu „produzieren“, um die Politik zum Einlenken, sprich zum Abschuss zu nötigen. Da ist inzwischen fast jedes Mittel recht: neben „blutrünstigen“ Fotos von zähnefletschenden Wölfen, erbarmungswürdigen Tierkadavern, weinenden Jettes, angstbibbernden Landfrauen bis hin zu Lynchmobs, Mahnfeuern, anonymen Drohbriefen, Hassmails, Blockwartsaktivitäten und nazimäßiger Hetze. Es fehlt nur noch der Ku-Klux-Klan von „Wolf-nein-Danke“-Aktivisten. Aber der kommt auch noch. Wer sich gern gegen Rechts engagiert, hätte hier ein neues, Erfolg versprechendes Betätigungsfeld.

Klaus Todtenhausen

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6 Gedanken zu „Kommentar von Klaus Todtenhausen: Das Umweltministerium in Niedersachsen liest anscheinend seine eigenen Richtlinien nicht

  1. ….danke, Klaus, für die realistische und zutreffende Beschreibung der Situation – so ist es leider und wohl noch viel schlimmer.
    Kaum zu glauben, dass es soviel Gülle in den Hirnen der Landbevölkerung gibt.

  2. Wer definiert eigentlich einen „Problemwolf“ ? Die bisher festgestellten „Problemwölfe“ sind ja wohl lediglich ihrem natürlichen Instinkt gefolgt. Nur weil sie „größere Nutztiere“ oder eine größere Anzahl dieser Tiere gerissen haben, sind es ja nicht wirklich Problemwölfe, auch nicht wenn sie über einen winzigen Zaun springen, oder sich durch einen Elektrozaun „zwängen“, der kein en Strom führt. Eigentlich kann ein Problemwolf nur der Wolf sein, der einen Menschen angreift. Dann dürften Problemwölfe allerdings so selten sein, wie ein weißer Hirsch.

  3. Ich mag keine Nutztierhalter. Zu welchem Zweck halten sie ihre Tiere eigentlich. Ich habe in meiner Nachbarschaft tagelang Mutterschafe nach ihren in der Osterzeit gestohlenen Lämmern rufen hören. Tag und Nacht. Es war entsetzlich. Wie grausam können Menschen sein? Der Wolf braucht Beutetiere als seine Nahrung. Der Mensch braucht sie nicht. Er will sie. Aus Lust am Töten oder zum Beweis seiner Macht. Gebt der Natur mehr Raum. Vermindert die Anzahl der „Nutz“tiere und lasst die Wölfe am Leben. Das wäre besser für unsere Umwelt und damit für uns alle.

  4. Die Stilblüten, die seit einiger Zeit von Politikern und sog. Richtern („Im Namen des Volkes….!“ produziert werden, sind an Dreistigkeit kaum mehr zu überbieten!
    Dem normalen Bürger wird einerseits tagtäglich unter Strafandrohung eingehämmert, daß er sich an Recht und Gesetz halten muß, während andererseits sich Politiker und Richter die Gesetze und Bestimmungen so zu recht legen, daß sie ihrem lobbyistischen Auftrag gerecht werden können!
    Unter freiheitlich demokratischer Grundordnung verstehe ich etwas anderes!

  5. Die Wölfe dürfen keinesfalls bejagd werden.
    Die Nutztierhalter sollen sich entsprechende Hunde für den Schutz Ihrer Herden anschaffen.
    Die Hunderrasse Kangahl wäre bestens geeignet.

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