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Wolf im Osterzgebirge nachgewiesen – 100%ige Herdenschutzförderung

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Nach Auswertung der Daten des Sächsischen Wildmonitorings wurde jetzt bekannt, dass am 17.12.2018 ein Wolf nahe Rechenberg-Bienenmühle im Landkreis Mittelsachsen im Grenzbereich zum Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge von einer automatisch auslösenden Kamera (Fotofalle) fotografiert wurde. Das Foto wurde als eindeutiger Nachweis (C1) eingestuft, schreibt das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen heute in einer Pressemitteilung.

Nicht klar, ob der Wolf bleiben wird

Im Osterzgebirge gab es in den letzten beiden Jahren vereinzelte unbestätigte Wolfshinweise, sowie einzelne Nachweise mittels Fotofallenbildern, die aus dem April 2017 (das Kontaktbüro berichtete), Februar 2018 und April 2018 stammten. Seit Dezember 2018 gibt es bisher keinen weiteren Nachweis aus diesem Gebiet. Noch ist unklar, ob sich das Tier dort dauerhaft niederlassen wird oder das Gebiet nur durchwandert hat. Weitere Informationen aus dem Gebiet sind notwendig.

Das nächstgelegene Wolfsterritorium im Freistaat Sachsen ist das Rudel Stolpen/Hohnstein im Landkreis Sächsische Schweiz–Osterzgebirge, welches im Herbst 2017 bestätigt wurde. Im aktuellen Monitoringjahr (2018/2019) ist die Situation dort noch unklar, so das Kontaktbüro weiter.

In grenznahen Regionen der Tschechischen Republik befinden sich zwei weitere Wolfsterritorien. Das Rudel im Nationalpark Böhmische Schweiz (NCS) und das Výsluní Rudel (VYS), benannt nach der gleichnamigen Stadt auf dem Erzgebirgskamm. Beide Territorien konnten im Monitoringjahr 2017/2018 im Rahmen des OWAD-Projektes auf tschechischer Seite zum ersten Mal nachgewiesen werden.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Das OWAD-Projekt („Objektive Akzeptanz des Wolfes in einer grenzüberschreitenden Kulturlandschaft“) ist ein Interreg-Projekt im Grenzgebiet zwischen dem Freistaat Sachsen und der Tschechischen Republik. Es wird von der Tschechischen Landwirtschaftlichen Universität in Prag, dem Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz, dem Umweltministerium der Tschechischen Republik und der Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik (AOPK) durchgeführt.

Im Rahmen des Projektes findet ein intensiver Informations- und Erfahrungsaustausch bzgl. des sächsischen Wolfsmanagements statt. Ziel des Projektes ist es, im Projektgebiet beispielhaft Monitoring, Öffentlichkeitsarbeit und Herdenschutz angepasst an die Verhältnisse in der Tschechischen Republik zu etablieren. Die enge, grenzübergreifende Zusammenarbeit läuft bis 2020.

Herdenschutz muss in Angriff genommen werden, er wird zu 100 % gefördert

Da in allen Teilen Sachsens jederzeit mit der Anwesenheit eines Wolfes gerechnet werden kann, sollten Halter von Schafen und Ziegen für den Schutz ihrer Tiere Vorkehrungen treffen. Einen guten Schutz bieten Elektrozäune, welche für Schaf- und Ziegenhalter vom Freistaat Sachsen gefördert werden. Seit Anfang 2019 liegt der Fördersatz bei 100 % (siehe Medieninformation vom 18.01.2019 vom SMUL). Alternativ können die Tiere über Nacht auch eingestallt werden. Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material werden seitens des Wolfsmanagements nicht empfohlen, da sie über keine aktive, abschreckende Wirkung verfügen und eine rein physische Barriere darstellen. Erfahrungsgemäß können sie von Wölfen leicht untergraben oder übersprungen bzw. überklettert werden. Tierhalter, die Fragen zum Herdenschutz bzw. zur Förderung von präventiven Schutzmaßnahmen haben, können sich an den Herdenschutzbeauftragten U. Klausnitzer wenden (Telefon: 0151 / 5055 1465, Email: herdenschutz@klausnitzer.org).

In Sachsen sind Wölfe seit Ende der neunziger Jahre wieder dauerhaft heimisch. Im Monitoringjahr 2017/2018 wurden in den Landkreisen Görlitz, Bautzen, Meißen, Nordsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge insgesamt 18 Wolfsfamilien (Rudel) und 4 Paare nachgewiesen, so das Kontaktbüro. Auf der Karte unten ist deutlich zu sehen, dass sich Wölfe längst nicht in ganz Sachsen angesiedelt haben und dass noch reichlich Platz für weitere Familien vorhanden ist, finden wir von Wolfsschutz Deutschland. E. V.

Abb. 2: Wolfsvorkommen in Sachsen im Monitoringjahr 2017/2018 (Stand Oktober 2018). Die Darstellung der Territorien ist schematisch. Tatsächlich grenzen die einzelnen Territorien überall aneinander oder überlappen sich teilweise. Schraffiert gekennzeichnet ist das Gebiet Laußnitzer Heide, in dem der Status unklar ist. Angrenzend an das sächsische Wolfsgebiet gibt es auch in Brandenburg und Polen flächendeckend Wolfspräsenz. Darüber hinaus wurde südlich der sächsischen Vorkommen in Tschechien im Rahmen des OWAD-Projektes ein Wolfsterritorium im Nationalpark Böhmische Schweiz (NCS) und eines im Erzgebirge (VYS) nachgewiesen.

Das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ (Tel. 035772/ 46762, Email: kontaktbuero@wolf- sachsen.de) erteilt Auskünfte zum Thema Wolf und nimmt Meldungen entgegen.

Mehr Informationen zum Thema Wolf im Freistaat Sachsen: www.wolf-sachsen.de Mehr Informationen zum OWAD-Projekt: https://owad.fzp.czu.cz/de/

Abb. 1: Nachweis eines Wolfes im Osterzgebirge im Dezember 2018. Foto: Staatsbetrieb Sachsenforst.
Abb. 2: Wolfsvorkommen in Sachsen im Monitoringjahr 2017/2018. Grafik: LUPUS Institut.

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Gleich zwei tote Wölfe in Sachsen gefunden

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Zwei Totfunde im Freistaat

Opfer von Revierstreitigkeiten

Am 21.02.2019 wurde in Jänkendorf (Landkreis Görlitz) ein toter männlicher, erwachsener Wolf gefunden, gab gestern das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen in einer Pressemitteilung bekannt. Die Polizei schloss auf Grund der Fundumstände und der Verletzungen des Tieres eine Straftat zunächst nicht aus, sodass das Landeskriminalamt hinzugezogen wurde. Nähere Untersuchungen vor Ort, sowie im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin hätte aber ergeben, dass eine Fremdeinwirkung ausgeschlossen werden könne. Der Wolf sei an den Folgen von massiven Bissverletzungen gestorben. Aktuell befinden sich die Wölfe in der Paarungszeit, in der es vermehrt zu Revierstreitigkeiten zwischen benachbarten Rudeln kommen kann. Die Reviergrenzen werden jetzt besonders intensiv markiert und gegen fremde Wölfe verteidigt. Der Fundort liegt im Grenzgebiet der Territorien des Königshainer Berge Rudels und des Nieskyer Rudels. Zu welchem Rudel der tote Rüde gehörte, werden die genetischen Untersuchungen zeigen, schreibt das Kontaktbüro weiter.

Immer mehr Wölfe werden überfahren oder illegal getötet

Am 24.02.2019 gab es einen zweiten Totfund: Auf der A14 wurde bei Döbeln (Landkreis Mittelsachsen) ein Tier überfahren, bei dem es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen weiblichen Wolf handelt. Die nächstgelegenen Wolfsterritorien befinden sich in der Gohrischheide (Landkreis Meißen), sowie in der Dahlener Heide (Landkreis Nordsachsen). In Sachsen sind Wölfe seit Ende der neunziger Jahre wieder dauerhaft heimisch. Im Monitoringjahr 2017/2018 wurden in den Landkreisen Görlitz, Bautzen, Meißen, Nordsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge insgesamt 18 Wolfsfamilien (Rudel) und 4 Paare nachgewiesen.

Im Vergleich zu 16/17 http://www.dbb-wolf.de sind das nur vier Rudel mehr. Allerdings ist das Jahr noch nicht abgeschlossen. Dennoch kann von einer unkontrollierten Vermehrung in Sachsen also gar keine Rede sein.  Am achten Januar wurde bereits ein Welpe im Bereich des Rosenthaler Rudels überfahren. Im vergangenen Jahr gab es bundesweit neun Fälle von illegal getöteten Wölfen, in diesem Jahr bereits wieder ein Wolf. Die Dunkelziffer ist wesentlich höher. Von 80 toten Wölfe bundesweit war in 65 Fällen der Straßenverkehr die Ursachse.

 

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Werden sächsische Medien endlich in ihre Schranken verwiesen?

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Sachsen – tendenziöse und falsche Berichterstattung in sächsischen Medien ist leider nichts Neues. Neu und begrüßenswert ist allerdings, dass das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen sowie der Bundesforstbetrieb Sachsen gestern eine Richtigstellung herausgaben.

Vor Kurzem machte ein Fall in den Medien und in den sozialen Netzwerken die Runde, der sich perfekt in die Reihe Gruselgeschichten aus Rotkäppchens Zeiten einfügt. Ein Wolf sollte einen Jagdhund, der sich im Einsatz befunden hätte, getötet haben. Rührselige Bilder des getöteten Tieres wurden gepostet, die virtuellen Tränen flossen reichlich. Uns tut es auch sehr leid um den  Hund. Schuld an dessen Tod ist aber weder Zottel, der in Verdacht kam, noch der Rüde des Daubitzer Rudels, der den Hund tötete. Für Zottel kommt jede Entlastung zu spät. Er wurde auf Geheiß der Behörden erschossen. Auf DNA-Ergebnisse zu den angeblich von ihm getöteten Hunden bei Kemlitz und Weißkeißel warten wir noch immer.

Die alleinige Schuld liegt bei demjenigen, der auf den Jagdhund aufpassen sollten, dies aber nachweislich nicht tat. Zitat aus der Pressemitteilung:

„Der Hundeführer, der den Hund während der Abwesenheit des Besitzers in Pflege hatte, ließ diesen frei laufen währenddessen er mit dem Auszeichnen von Bäumen in Vorbereitung von Forstbetriebsmaßnahmen beschäftigt war. Dabei entfernte sich die Bracke, beunruhigte Wild über einen Zeitraum von circa einer Stunde und kam nicht wieder zurück. Da der Hund mit einem GPS-Halsband ausgestattet war, konnte er später geortet werden. Der Hund war etwa 1500 m vom Hundeführer entfernt durch den territorialen Wolfsrüden des Daubitzer Rudels getötet worden, wie anschließende genetische Untersuchungen ergaben (KB berichtete). Anders als der in verschiedenen Medienberichten vermittelte Eindruck, wurde der Stöberhund nicht im Rahmen einer Gemeinschaftsjagd durch einen Wolf getötet.“

Jäger und Forstmitarbeiter sollten sich doch wirklich im Wolfsgebiet mit dem Thema Jagdhund und Wolf befasst haben. Wir sind entsetzt über die Leichtsinnigkeit des Besitzers und des Hundesitters. Handeln Menschen, die an ihrem Tier hängen, wirklich derart groß fahrlässig? Oder sollten erneut Fakten geschaffen werden, um den Abschuss eines Wolfsrudels fordern zu können? Gerade die Medien in Sachsen sollten sich ihrer Verantwortung den Lesern gegenüber endlich bewusst werden. Bitte Aufklärung, statt Lügenmärchen eine Plattform zu bieten.

Hier geht es zur Pressemeldung

http://www.wolf-sachsen.de/de/464-auf-dem-truppenuebungsplatz-oberlausitz-vom-wolf-getoeteter-jagdhund-war-nicht-im-jagdlichen-einsatz

http://www.wolf-sachsen.de/de/464-auf-dem-truppenuebungsplatz-oberlausitz-vom-wolf-getoeteter-jagdhund-war-nicht-im-jagdlichen-einsatz