Mecklenburg-Vorpommern: Die Verfügung zum Töten auf dem kurzen Dienstweg

Die am 11. September 2026 erlassene Allgemeinverfügung des Schweriner Umweltministeriums zur Freigabe von Wolfsabschüssen ist kein „praxisnahes Wolfsmanagement“, wie von Presse und Behörde verkündet. Sie ist die bürokratische Vollstreckung eines politisch gewollten Urteils gegen eine geschützte Art. Wir lehnen diese Verfügung und jeden Wolfsabschuss kategorisch ab. Hinter den Schreibtischen der Behörden wurde ein technokratischer Apparat erschaffen, der den Artenschutz systematisch aushebelt und den Tod von Wölfen zur staatlich finanzierten Verwaltungsroutine degradiert.

Das abgekartete Spiel: Strukturen wurden passend gemacht

Beispielfoto Wolfsrudel © Brigitte Sommer
Bevor die Allgemeinverfügung in Kraft treten konnte, wurden im Hintergrund die gesetzlichen Pfeiler eingerissen. Erst die Gründung des „Kompetenzzentrums Wolf“ zu Jahresbeginn, dann im Juni die Novellierung des Landesjagdgesetzes zur Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht [- die Landesregierung hat die administrative Infrastruktur für das Töten gezielt vorbereitet.
Dass das Agrarministerium bereits vorab die Jägerschaft flächendeckend abfragte, wer im Ernstfall bereit wäre, den Finger krumm zu machen, entlarvt das System. Offiziell als „Poolbildung zur Verhinderung von Verzögerungen“ deklariert, wird hier eine psychologische Erwartungshaltung bedient. Zwar gilt der Wolf offiziell nicht als reguläres Jagdwild, doch die Realität holt die Theorie längst ein: Ein berüchtigter Präzedenzfall aus Sachsen-Anhalt zeigte bereits, dass ein Jäger ein illegal abgeschossenes Tier am Ende behalten durfte. Wer garantiert, dass es hier nicht längst um die Normalisierung einer Trophäenjagd durch die Hintertür geht?

Auf Staatskosten: Wenn der Steuerzahler die „Killerteams“ finanziert

Besonders skandalös wird es bei der Frage, wer diesen technokratischen Abschuss-Apparat eigentlich bezahlt. Da Jäger bei einer behördlich angeordneten Entnahme einen staatlichen Auftrag ausführen, fallen die Kosten komplett auf die Landesverwaltung zurück. Das bedeutet im Klartext: Der Steuerzahler finanziert die Jagd.
Prominente Stimmen aus der Szene – wie Frank Faß, Inhaber des Wolfcenter Dörverden in Niedersachsen – forderten in der Vergangenheit bereits öffentlich, dass solche professionellen „Eingreifteams“ vom Steuerzahler bezahlt werden sollten, um die reguläre Jägerschaft vor rechtlichen Schritten oder Kritik zu schützen. Wenn diese Pläne greifen, ist das die absolute Perversion des Artenschutzes: Erst drängt die Jagdlobby auf die Aufnahme ins Jagdrecht, doch das finanzielle Risiko und den logistischen Aufwand soll am Ende die Allgemeinheit tragen. Eine staatlich subventionierte Jagd auf eine geschützte Art.

Die Perversion des Wolfsmonitorings und der missbrauchte Idealismus

Das offizielle Wolfsmonitoring in Mecklenburg-Vorpommern wird seit Anfang 2026 durch das neu geschaffene Kompetenzzentrum Wolf koordiniert. Unterstützt wird es dabei von rund 83 ehrenamtlichen Wolfsbetreuern, unter denen sich neben Biologen auch viele Förster und Jäger befinden. Eigentlich hat dieses Monitoring den wissenschaftlichen Zweck, den Bestand zu überwachen.
Durch die neue Allgemeinverfügung werden diese Daten jedoch zweckentfremdet und zur Jagd-Infrastruktur umfunktioniert. Bewegungsprofile, Fotofallen-Standorte und Reviereinteilungen dienen den Jägern im Ernstfall als digitaler Spickzettel. Die mit hohem privaten Zeitaufwand erfassten Daten der ehrenamtlichen Betreuer liefern den Abschussteams im Ernstfall die exakten Koordinaten frei Haus. Vielen engagierten Helfern an der Basis muss in dieser neuen Rechtslage bewusst werden, dass ihr Idealismus vom System instrumentalisiert wird: Wer den Behörden heute im guten Glauben Daten liefert, füttert ungewollt einen Apparat, der am Ende die Abschusslisten verwaltet.
Gegen diese staatlich gelenkte Datenzweckentfremdung hilft nur ein tatsächlich unabhängiges Monitoring, wie wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. es konsequent betreiben. Wir überlassen die Erfassung geschützter Tiere nicht denjenigen, die am Ende die Abschussbefehle erteilen.
Beispielfoto Wolfsrudel. © Brigitte Sommer

Zahlenakrobatik aus Gefälligkeit: Der „günstige Erhaltungszustand“

Als juristische Rechtfertigung für den Abschuss dient die Behauptung, für den Wolf sei in der kontinentalen Region der „günstige Erhaltungszustand“ erreicht. Doch diese Feststellung im Vorfeld war reine Zahlenakrobatik und eine politische Gefälligkeit für die Agrarlobby. Wissenschaftliche Standards wurden verbogen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Dass die EU im Juni 2025 den Schutzstatus des Wolfs herabgestuft hat, ändert nichts an dieser Farce: Auch als „geschützte“ Art unterliegt das Tier dem unionsrechtlichen Verschlechterungsverbot. Ein Abschuss darf immer nur die allerletzte Option  sein. Doch MV macht ihn zur ersten Wahl.

Die Paragraphen-Analyse: Die amtlichen Angriffe auf den Wolfsschutz im Detail

Wir haben das amtliche Dokument des Schweriner Ministeriums zerlegt. Aus Sicht des Wolfsschutzes offenbaren die einzelnen Paragraphen gravierende Mängel, biologische Fehlannahmen und juristische Tricks:
1. Der zeitliche Ablauf: Schnellschüsse statt Aufklärung (§ 4 & § 6)
  • Die viertägige Abschussfrist: Sobald ein Gutachter den Schaden feststellt, wird eine Abschussgenehmigung erteilt, die auf höchstens vier Tage befristet ist. Was die Behörden als „schnelle Reaktion“ verkaufen, ist in Wahrheit ein massiver Zeitdruck, der gründliche, wissenschaftliche Prüfungen unmöglich macht.
  • Die Verlängerungs-Falle: Der vermeintliche Schutz durch die viertägige Frist wird im selben Atemzug ausgehebelt. Bestehen vage „konkrete tatsächliche Anhaltspunkte“, dass sich ein Wolf noch in der Nähe aufhält und der Abschuss trotz „fortlaufender Durchführung“ bisher fehlschlug, kann die Jagdbehörde den Zeitraum eigenmächtig verlängern. Die zeitliche Begrenzung existiert somit nur auf dem Papier.
  • Das automatische Ende: Die Entnahme wird erst dann beendet, wenn im festgelegten Bereich ein Wolf getötet wurde oder der (verlängerbare) Zeitraum abgelaufen ist. Da jedoch kein DNA-Test verlangt wird, endet die Jagd auch dann, wenn nachweislich das falsche Tier erschossen wurde.
2. Der räumliche Radius: Beliebige Abschusszonen (§ 4)
  • Kein fester Kilometer-Radius: Entgegen politischer Debatten verzichtet der amtliche Text bewusst auf eine starre Kilometer-Grenze. Der Abschussbereich wird schwammig auf die „Schadfläche sowie auf unmittelbar angrenzende Weideflächen“ definiert, auf denen mit einer Rückkehr des Wolfes gerechnet wird.
  • Auslegungssache für die Jagdbehörde: Die untere Jagdbehörde erhält die Blankovollmacht, diesen räumlichen Umfang im Einzelfall abweichend festzulegen. In der Praxis bedeutet dies, dass riesige Korridore rund um eine Koppel zu legalen Abschusszonen deklariert werden können. Jeder Wolf, der diese willkürlich gezogenen Grenzen kreuzt, wird zum Abschuss freigegeben – unabhängig davon, ob er kilometerweit vom eigentlichen Rissgeschehen entfernt war.
3. Das Alibi Herdenschutz: Niedrige Standards als Abschuss-Katalysator (Anlage 1)
Die technischen Mindestanforderungen an den Weideschutz sind so niedrig angesetzt, dass sie Abschüsse künstlich erleichtern, anstatt Zäune wolfssicher zu machen:
  • Die 100-cm-Erlaubnis: Für elektrifizierte Netzzäune (z.B. bei Schafen) reicht eine tatsächliche Höhe von gerade einmal 1,00 Meter aus. Wölfe können diese Höhe problemlos überspringen. Wenn die Allgemeinverfügung ein Überwinden dieses Minimalzauns bereits als Rechtfertigung für die Tötung des Tieres wertet, wird das biologische Unvermögen des Zauns dem Wolf angelastet.
  • Elektrische Alibis: Es reicht eine Spannung von 2.500 Volt und eine Impulsenergie von 1 Joule. Das System ignoriert, dass gut genährte Wölfe mit dichtem Winterfell durch solch geringe Stromstärken kaum abgeschreckt werden. Dennoch gilt der Schutz damit rechtlich als „überwunden“.
  • Das Nachrüstungs-Schlupfloch: Bestehende Festzäune von nur 1,00 Meter Höhe können durch einfache Maßnahmen „ertüchtigt“ werden. Der eigentlich geforderte, massive Schutz für Neuanlagen (1,40 Meter Höhe inklusive Untergrabenschutz) wird damit für Altbestände komplett aufgeweicht. Dies lädt zudem zu Missbrauch ein: Wer kontrolliert, ob ein Tierhalter nach einem Riss nicht schnell in einer Nacht-und-Nebel-Aktion den Zaun flickt oder das Weidezaungerät hochdreht, bevor der offizielle Rissgutachter eintrifft?
  • Die Kadaver-Köder-Falle: Um den Jägern den Abschuss innerhalb des engen Zeitfensters zu ermöglichen, wird das sogenannte „Ansitzen am frischen Riss“ praktiziert. Tote Nutztiere werden bewusst als Köder auf den Weiden belassen, um den Wolf zur Rückkehr zu animieren. Das kollidiert massiv mit dem Tierkörperbeseitigungsgesetz und dem Infektionsschutzrecht. Für den schnellen Abschusserfolg drücken die Behörden beim Seuchenschutz beide Augen zu.
4. Die biologische Katastrophe: Der Elterntierschutz als Mogelpackung (§ 2)
Der Elterntierschutz wird in der Verfügung rein bürokratisch statt biologisch definiert:
  • Der Stichtag 1. November: Für Rudel, die aus mindestens zwei Elterntieren und Jungwölfen bestehen, endet der Schutz für Rüde und Fähe schlagartig am 1. November.
  • Vollendete Tatsachen im Herbst: Im November sind die Welpen zwar optisch groß, aber biologisch völlig unerfahren und nicht in der Lage, im Revier ohne die Führung der adulten Tiere erfolgreich zu jagen. Fällt nach diesem Stichtag ein Elterntier durch die Allgemeinverfügung, wird die soziale Struktur des Rudels zerschlagen. Die Folge sind orientierungslose Jungwölfe, die mangels Jagderfahrung erst recht auf leichte Nutztierbeute ausweichen müssen. Die Allgemeinverfügung provoziert damit genau die Schäden, die sie zu verhindern vorgibt.
5. Der rechtliche Entzug demokratischer Mittel (§ 9)
  • Ausschluss des Widerspruchs: Durch die bewusste Anordnung der sofortigen Vollziehung hebelt das Ministerium das normale deutsche Verwaltungsrecht aus. Der Bürger oder der Naturschutzverband kann den Abschuss nicht durch einen einfachen Widerspruch stoppen. Das System ist so gebaut, dass Fakten mit dem Gewehr geschaffen werden sollen, bevor ein Gericht überhaupt Akteneinsicht erhält. Ein Stopp ist ausschließlich über den extrem aufwendigen Weg eines gerichtlichen Eilantrags auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung beim Verwaltungsgericht Schwerin möglich. Zwar bereiten Umweltverbände Klagen vor, doch wir dürfen uns nicht von der Hoffnung auf spätere Gerichtsurteile einlullen lassen. Die Strategie des Schweriner Ministeriums setzt eiskalt auf Zeit. Ein finales Urteil kann Jahre dauern. Bis dahin drohen uns schwedische und österreichische Verhältnisse, in denen der Wolf durch pauschale Abschussbefehle im Wochenrhythmus systematisch dezimiert wird, während die Akten im Gericht verstauben. Wenn die Justiz hier nicht im Eilverfahren sofort per Hängebeschluss die Notbremse zieht, schafft die Bürokratie mit dem Gewehr in der Hand vollendete Tatsachen. Ein totes Tier wird durch ein nachträgliches Urteil nicht wieder lebendig, wie wir es aktuell auch be einem Urteil aus der bayerischen Rhön erleben.
Beispielfoto Wolfsrudel. © Brigitte Sommer

Die politische Bankrotterklärung: Wahlen am nächsten Wochenende

Die Situation spitzt sich dramatisch zu, denn am nächsten Wochenende stehen in Mecklenburg-Vorpommern die Landtagswahlen an. Ein Blick auf die politische Landschaft ist eine absolute Bankrotterklärung für den Naturschutz: Es gibt im etablierten Parteienspektrum keine einzige Partei mehr, die sich ernsthaft und konsequent für den Schutz der Wölfe einsetzt.
Vom linken bis zum rechten Rand herrscht populistischer Konsens: Der Wolf wird als Sündenbock für strukturelle Probleme in der Landwirtschaft missbraucht, um im Wahlkampf Stimmen zu fangen. Die Politik hat den wissenschaftlichen Artenschutz komplett geopfert, um der Jagd- und Agrarlobby zu gefallen. Von den gewählten Volksvertretern ist keine Hilfe zu erwarten.

Die behördliche Freigabe von Wolfsabschüssen entbindet die Verwaltung nicht von der Pflicht zur Einhaltung geltenden Rechts. Wo das System die Interessen der Jagdlobby und Konzernen bedient, sorgt die Zivilgesellschaft durch unabhängige Beobachtung für die notwendige Transparenz. Ein nachhaltiger Artenschutz funktioniert nur durch konsequenten, funktionierenden Herdenschutz und die sachliche Unterstützung der Weidetierhalter – nicht durch töten, töten, töten.

Quellen:

Mit dem Testament ein Zeichen setzen, auch für unsere Wölfe

Heute, am 13. September, begehen wir wieder den internationalen Tag des Testaments. Ein Tag, an dem wir innehalten und uns fragen dürfen: Was bleibt von uns? Was möchten wir der Welt hinterlassen und kann man über den Tod hinaus Gutes bewirken und Organisationen unterstützen, die einem am Herzen liegen?  Jeder, der uns bei unserer wichtigen Arbeit zum Schutz der Wölfe unterstützen will, kann auch uns dabei etwas Gutes tun. Viele Menschen denken beim Thema Testament zuerst an ihre Familie und Angehörigen. Das ist richtig und wichtig. Doch immer mehr Menschen möchten darüber hinaus auch etwas für eine Sache tun, die ihnen am Herzen liegt – und die über den eigenen Tod hinaus Wirkung entfaltet.

Auch der Wolf braucht starke und unabhängige Stimmen. Wir von Wolfsschutz-Deutschland e.V. sind ein gemeinnütziger, überparteilicher und unabhängiger Verein, der sich seit 2018 konsequent für den Schutz der freilebenden Wölfe in Deutschland einsetzt. Wir kämpfen gegen Abschüsse, für bessere Herdenschutzmaßnahmen, gegen die willkürlichen Maßnahmen der Politik und Lobbyisten, für Transparenz und für eine echte friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Wolf. Unsere Arbeit lebt von Engagement, Aufklärung, Monitoring vor Ort und dem konsequenten Widerspruch gegen Lobbyinteressen. Und sie lebt von Menschen, die uns unterstützen – auch über das eigene Leben hinaus.
Beispielfoto Wolf. © Brigitte Sommer

Jede Zuwendung hilft uns weiter für den Wolf zu kämpfen

Mit einem Vermächtnis oder einer Erbschaft kann jeder unseren eingetragenen Verein in seinem Testament bedenken. Schon ein kleiner Anteil eines Nachlasses oder ein festgelegter Betrag (ein Vermächtnis) kann unserer Arbeit langfristig Sicherheit geben. Als gemeinnütziger Verein sind wir von der Erbschaftsteuer befreit – jede Zuwendung kommt zu 100 Prozent dem Wolfsschutz zugute.Egal, ob jemand uns:
  • einen bestimmten Geldbetrag vermacht
  • einen Anteil des Vermögens bestimmt oder
  • den Verein als Erben einsetzen möchte

Jede Form der Unterstützung hilft uns, weiter unabhängig und entschlossen für die Wölfe einzustehen. Ein Testament ist ein Akt der Fürsorge und kein Tabuthema. Es ist ein Zeichen von Verantwortung und Liebe – gegenüber den Menschen, die einem nahestehen und auch  gegenüber der Natur, die uns allen gehört. Indem Menschen unseren Verein und damit den Wolfsschutz in ihrem letzten Willen berücksichtigen, unterstützen sie uns dabei, dass auch kommende Generationen den Ruf der Wölfe in unseren Wäldern hören können.

Haben Sie Fragen? Dann melden Sie sich bei uns!

Falls Sie Fragen zum Thema Testament und Nachlassregelung haben, unterstützen wir Sie gerne. Über unseren Kooperationspartner Erblotse bieten wir kostenlose Orientierungshilfen und Informationen an. Sprechen Sie uns einfach an – vertraulich und unverbindlich. Gemeinsam für die Wölfe – auch über den eigenen Horizont hinaus. Der Tag des Testaments erinnert uns daran, dass wir die Zukunft mitgestalten können. Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie mit, dass Wolfsschutz-Deutschland e.V. auch in den kommenden Jahren eine starke, unabhängige Stimme für die Wölfe bleiben kann. Keiner muss sich heute entscheiden, aber jeder kann heute damit beginnen, darüber nachzudenken.

Auf unserer Seite Testamentsspenden  haben wir zusammen mit Erblotse alles, was man über die Erstellung eines Testaments wissen muss, zusammengestellt.
Beispielfoto Wolfsrudel. Es braucht weiter dringend unabhängige Vereine, die sich für die Wölfe in Deutschland einsetzen. © Brigitte Sommer

Die Jahnstraße bebt: Wie die Elb-Gemeinde Assel knapp dem kollektiven Rotkäppchen-Trauma entkam

Es war ein Dienstagmorgen wie jeder andere im beschaulichen Drochtersen-Assel in Niedersachsen. Die Vögel zwitscherten, der Hafen lag friedlich da, und die Grundschüler bereiteten sich seelisch auf den Unterricht vor. Doch um exakt 08:45 Uhr geschah das Unfassbare. Ein pelziges Etwas auf vier Pfoten wagte es, die Jahnstraße als Abkürzung zu nutzen. Ein Wolf? Im Wohngebiet! Mitten im Nirgendwo in Norddeutschland. Ein satirischer Bericht aus dem Krisengebiet.

Oder war es vielleicht doch nur ein etwas größerer, streunender Hund? Egal, Hauptsache das Foto taugt für die WhatsApp-Panikschleife und die Boulevardpresse rotiert sofort im roten Bereich. Man sah vor dem inneren Auge wahrscheinlich schon das Schild „Assel ist von Wölfen überschwemmt – Betreten auf eigene Gefahr“.

Großfahndung ohne Beute

Das Foto wurde mit Ki erstellt.
Natürlich reagierte die örtliche Infrastruktur mit der gebotenen Dramatik. Die Polizei leitete sofort eine Großfahndung ein. Streifenwagen durchkämmten die gefährlichen, von Vorgärten gesäumten Straßen der 3500-Einwohner-Metropole. Leider ohne Erfolg – das gerissene Tier hatte sich vermutlich hinter einer Mülltonne oder im dichten Dickicht einer Thuja-Hecke in Sicherheit gebracht. Man darf von Glück reden, dass die Beamten nicht direkt die Bundeswehr anfordern mussten.
Auch die Jägerschaft stand sofort Gewehr bei Fuß. Gebeutelt vom grausamen deutschen Naturschutzrecht musste man dort jedoch zähneknirschend feststellen, dass man ein Tier, das einfach nur von A nach B läuft, „aufgrund der Gesetzeslage nicht einfach so erlegen darf“. Ein Skandal! Wo bleibt da der Spaß am schnellen und unbürokratischen Schuss, wenn ein Vierbeiner es wagt, frische Luft in einer Wohnstraße zu atmen?

Bürokratische Sofortmaßnahmen: Schilderkompetenz für Wildtiere

Da Lokalpolitiker bereits empört poltern, dass Wölfe „nicht auf Schulwege gehören“, drängt sich sofort die pragmatischste aller deutschen Lösungen auf: Eine flächendeckende Beschilderung!
Wir fordern daher die sofortige Aufstellung von amtlichen Verbotsschildern an allen Waldrändern und Dorfgrenzen: Das Begehen von Schulwegen ist für Wölfe, Wildschweine und streunende Hunde strengstens untersagt! Zuwiderhandlungen werden polizeilich verfolgt.“
Man müsste den Tieren vorab im Rahmen des Wolfsmanagements natürlich dringend das Lesen beibringen, aber Ordnung muss schließlich sein.

Eltern-Notruf: Der Schulweg des Grauens

Die Schulleitung der Grundschule Assel schaltete derweil blitzschnell und sandte eine vorsorgliche Warnmeldung an die Elternschaft. Die Kernbotschaft: Es besteht zwar laut Polizei keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung, aber – man weiß ja nie. Eltern durften heldenhaft selbst entscheiden, ob sie ihre Sprösslinge dem gnadenlosen Schicksal des normalen Heimwegs überlassen oder sie lieber mit dem SUV direkt aus der vermeintlichen Gefahrenzone evakuieren.
Dass das tägliche Verkehrschaos vor den Schulen durch elterliche Bring- und Abhol-Zubringer – und der normale Straßenverkehr generell – statistisch gesehen die mit Abstand realste Gefahr für Leib und Leben der Kinder darstellt, interessiert in solchen Momenten der kollektiven Hysterie natürlich niemanden. Der Wolf auf der Jahnstraße – das ist die wahre Bedrohung, für die man sofort das Jagdgesetz umschreiben muss.

Unser Fazit

Wir gratulieren Assel zum Überleben dieses historischen Vormittags. Ein Tier ist durch ein Dorf gelaufen, hat niemanden angegriffen, ist wieder verschwunden und hat für ein paar spannende WhatsApp-Fotos gesorgt. Ein ganz normaler Tag im panikbereitesten Wolfsland der Welt.


  • Hintergrund-Tipp: Warum das sogenannte „Rotkäppchensyndrom“ so tief in unseren Köpfen sitzt, welche Gefahren für Kinder in der Realität wirklich statistisch relevant sind (Spoiler: Wölfe tauchen darin gar nicht erst auf) und warum Panikmache noch nie ein guter Ratgeber war, haben wir bereits in unserem ausführlichen Faktencheck beleuchtet. Hier geht es zu unserem Artikel aus 2023: Rotkäppchensyndrom versus Fakten.

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Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

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Die Kunst der Ablenkung: Wie Wölfe und Migranten als Sündenböcke für das Systemversagen herhalten müssen

Wer die gesellschaftspolitischen Debatten nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor und nach der Wahl aufmerksam verfolgt, reibt sich unwillkürlich die Augen. Während das Land – wie die gesamte Republik – vor tiefgreifenden wirtschaftlichen und strukturellen Verwerfungen steht, dominieren zwei Themen das emotionale Repertoire der politischen Kräfte: der Wolf und der Migrant. Bei genauerer Betrachtung offenbart sich hierbei ein klassisches Muster der modernen Soft Power und der gelenkten Wahrnehmung, wie es historisch immer wieder zur Festigung politischer Machtstrukturen eingesetzt wurde.

Ein Kommentar zur politischen Rhetorik und den Mechanismen der Massenpsychologie von Brigitte Sommer 

Der Wolf als Projektionsfläche: Angst als politischer Treibstoff

Die agrarpolitischen Forderungen der AfD in Sachsen-Anhalt greifen radikal durch: die Schließung des Wolfskompetenzzentrums Iden, ganzjährige Bejagung, die faktische Aufhebung des Schutzstatus sowie die Verlagerung von Entscheidungskompetenzen auf die Landkreise. Der Wolf wird in dieser Rhetorik nicht mehr als biologischer Teil unseres Ökosystems und unserer Natur begriffen, sondern zu einer existenziellen Bedrohung für den ländlichen Raum hochstilisiert.
Aus Sicht der modernen Propagandaforschung erfüllt diese Inszenierung einen klaren Zweck: die Aktivierung von Urängsten. Angst ist das effektivste Werkzeug, um das kritische Denken von Menschen zu lähmen. Indem man den Wolf zum ultimativen Feindbild auf dem Land deklariert, schafft man ein hochemotionales Narrativ, das sich hervorragend für die mediale Aufmerksamkeitsökonomie eignet. Es ist die Konstruktion einer permanenten Bedrohungskulisse, die nach einer „starken Hand“ und scheinbar pragmatischen, schnellen Lösungen verlangt.
Beispielfoto Wolfsfamilie.

Der Sündenbock-Mechanismus: Von Wölfen und Randgruppen

Doch der Wolf steht nicht allein. Er teilt sich das Podium der Feindbilder mit Migranten und anderen gesellschaftlichen Randgruppen. Hier greift ein altbekannter psychologischer und soziologischer Mechanismus: Wenn die realen Probleme zu komplex, die Ursachen zu tief im globalen Gefüge verwurzelt und die echten Lösungen zu unangenehm für das System sind, braucht es einen Sündenbock.
Das Prinzip funktioniert über zwei komplementäre Strategien:
    1. Strukturelles Versagen wird biologisiert: Statt über die fatalen Folgen einer verfehlten Agrarpolitik, das grassierende Höfesterben durch Monopolbildung im Lebensmitteleinzelhandel oder den Verfall der ländlichen Infrastruktur zu sprechen, spricht man über den Wolf. Er dient als Projektionsfläche für den wirtschaftlichen Frust der Landwirte.
    2. Sozioökonomische Verwerfungen werden externalisiert: Statt die Ursachen für den Niedergang des Sozialsystems, den Mangel an bezahlbarem Wohnraum oder die Misere im Bildungs- und Gesundheitssystem im finanzgetriebenen Wirtschaftssystem und einer jahrzehntelangen Austeritätspolitik zu suchen, wird der Migrant als primärer Verursacher markiert.
In beiden Fällen wird die Schuld von den tatsächlichen Profiteuren und politischen Fehlentscheidungen des bestehenden Systems weggelenkt und auf diejenigen projiziert, die sich nicht wehren können – sei es eine geschützte Tierart oder eine marginalisierte Menschengruppe.

Die ökonomische Nebelkerze: Wer schützt das System?

Diese Form der Politik geht die echten, strukturellen Probleme unseres Landes nicht an. Sie ist im Kern systemerhaltend, da sie die eigentlichen Macht- und Finanzstrukturen unangetastet lässt.
Während über den Abschuss von Wölfen und die finanzielle Entlastung von Jagdpächtern gestritten wird, schreitet die Digitalisierung des Geldsystems und die Zentralisierung der wirtschaftlichen Macht durch globale Vermögensverwalter und den digital-finanziellen Komplex im Hintergrund unbemerkt voran. Während über Migrationsquoten debattiert wird, verarmen breite Schichten der Bevölkerung durch Inflation und Reallohnverluste. Die Fokussierung auf diese Sündenböcke liefert genau das Ablenkungsmanöver, das im Hintergrund gebraucht wird, um eine profitorientierte Agenda geräuschlos weiterzufahren. Die systemischen Ursachen unseres globalen Wirtschaftsmodells bleiben im toten Winkel der Wähler.
Die Grafik wurde mit KI erstellt.

Die paradoxe Verstärkung: Warum das stakkatohafte Beschimpfen den Erfolg erst nährt

Zu einer vollständigen Analyse gehört jedoch auch die Betrachtung der politischen Gegenseite und der etablierten Medienlandschaft. Seit Jahren lässt sich ein Phänomen beobachten, das den Erfolg der AfD nicht bremst, sondern ihn im Gegenteil massiv beschleunigt: das stakkatohafte, pauschale Beschimpfen und Moralisieren derjenigen Bürger, die diese Partei wählen.
Wenn Millionen von Wählern – wie jüngst bei den sachsen-anhaltischen Landtagswahlen im September 2026 – pauschal als ungebildet, bösartig oder demokratiefeindlich diffamiert werden, löst dies einen psychologischen Abwehrmarkt aus. In der Psychologie spricht man von Reaktanz: Je mehr Druck und moralische Belehrung von oben herab ausgeübt werden, desto stärker wird die Trotzreaktion und die Solidarisierung mit der angefeindeten Gruppe.
Das ständige mediale Stakkato der Beschimpfung treibt die Menschen erst recht in die Arme der Populisten. Es zwingt den Wähler in eine Wagenburg-Mentalität. Anstatt einen echten inhaltlichen Diskurs über die Ursachen von Wohlstandsverlust und Zukunftsangst zu führen, verlagert sich die politische Arena komplett auf ein Schlachtfeld der moralischen Abwertung. Diese Polarisierung ist für die AfD ein politischer Lebenselixier: Sie kann sich dadurch dauerhaft in der Rolle des Märtyrers inszenieren, der für die „kleinen Leute“ einsteht, die vom Establishment verachtet werden. Wer Wähler beschimpft, statt ihre realen Sorgen ernst zu nehmen und das wirtschaftliche System zu hinterfragen, betreibt die effektivste Wahlkampfhilfe für die Populisten.

Fazit: Den Blick für das Wesentliche schärfen

Wir müssen lernen, diese beidseitigen Mechanismen der psychologischen Meinungslenkung und der ökonomischen Ablenkung zu durchschauen. Die emotionale Aufladung von Themen wie dem Wolfsschutz oder der Migration dient allzu oft als Nebelkerze. Sie soll verhindern, dass die Bürger die Augen nach oben richten – dorthin, wo die tatsächlichen politischen und wirtschaftlichen Weichenstellungen vorgenommen werden.
Solange wir uns im horizontalen Kampf „Bürger gegen Migrant“, „Mensch gegen Wolf“ oder in der moralischen Schlammschlacht „Etablierte gegen AfD-Wähler“ aufreiben lassen, bleibt die vertikale, finanzgetriebene Machtstruktur völlig unangetastet. Echte Aufklärung beginnt dort, wo wir aufhören, den Sündenböcken hinterherzujagen oder uns gegenseitig zu verurteilen, und stattdessen anfangen, die Systemfrage zu stellen.

Weiterführende Literatur:

1. Jonas Tögel: Die psychologischen Mechanismen der Meinungslenkung
  • „Kognitive Kriegsführung: Neueste Manipulationstechniken als Waffengattung der NATO“ (2023):Westend Verlag

2. Ernst Wolff: Die ökonomische Systemfrage und der Sündenbock

  • „Wolff of Wall Street: Ernst Wolff erklärt das globale Finanzsystem“ (2020):Promedia Verlag
  • „Finanz-Tsunami: Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“ (2017)
3. Rainer Mausfeld: Elitendemokratie, Angst und der Wähler-Ausschluss
  • „Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören“ (2018/2019):Westend Verlag
  • „Angst und Macht: Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“ (2019)
  • Hybris und Nemesis: Wie uns die Entzivilisierung von Macht in den Abgrund führt – Einsichten aus 5000 Jahren“ (Westend Verlag)

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

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Abschuss ohne Anlass: Wie CDU und Grüne in Schleswig-Holstein den Wolf zum Freiwild machen

Es ist ein altbekanntes Spiel der Macht: Ein politischer Beschluss, der tiefgreifende ethische und ökologische Konsequenzen hat, wird hinter verschlossenen Türen vorbereitet, geräuschlos ins System eingespeist und anschließend auf der großen Bühne als „schmerzhafter Kompromiss“ inszeniert. Die Rede ist vom aktuellen Vorstoß zur Änderung des Landesjagdgesetzes in Schleswig-Holstein, der die anlasslose Tötung von Wölfen legalisieren soll. Wer das parlamentarische Verfahren der letzten Wochen analysiert, blickt hinter die Fassade einer kalkulierten Kommunikationsstrategie, die vor allem ein Ziel hat: Den organisierten Widerstand der Zivilgesellschaft zu lähmen.

Chronologie einer angekündigten Entrechtung

Der bürokratische Weg dieses Gesetzentwurfs zeigt exemplarisch, wie vollendete Tatsachen geschaffen werden, lange bevor eine breite Öffentlichkeit überhaupt davon erfährt.
    • 9. Juli 2026 – Die lautlose Weichenstellung: Der gemeinsame Entwurf von CDU und Grünen wurde als sogenannte „Formulierungshilfe“ (Unterrichtung 20/366) am 8. Juli digital erfasst und ging am 9. Juli offiziell in die Infothek des Landtags ein. Zu diesem Zeitpunkt – mitten im Sommerloch – blieb die Nachricht für die breite Öffentlichkeit nahezu unsichtbar. Die Verwaltungsmühlen mahlten im Stillen.
    • 27. August 2026 – Das Schautheater der ersten Lesung: Erst sechs Wochen später, zur ersten Lesung im Plenum, wurde das Thema öffentlich verhandelt. Hier erlebten wir ein perfekt choreografiertes Polittheater. Während die CDU erwartbar den harten Hund markierte, inszenierten sich die Grünen mit „Bauchschmerzen“. Die grüne Abgeordnete Silke Backsen trat ans Rednerpult, um wissenschaftliche Zweifel anzumelden und zu betonen, dass Abschüsse die Risszahlen gar nicht senken. Doch das ist reine Rhetorik zur Beruhigung der eigenen Basis. Am Ende stimmten die Grünen der Überweisung des Entwurfs pflichtbewusst zu.
    • Aktuelle Phase – Die bürokratische Verwaltung im Ausschuss: Derzeit liegt das Papier im Umwelt- und Agrarausschuss. Dort findet am Donnerstag, den 24. September 2026, die entscheidende Beratung statt. Hinter verschlossenen Türen wird hier die formale Beschlussempfehlung für das Plenum vorbereitet.
Beispielfoto Wolfsfamilie.

Der weitere Fahrplan: Die Illusion der Mitbestimmung

Nach der Ausschusssitzung am 24. September ist der Weg frei für das Finale. Da das schleswig-holsteinische Landesrecht standardmäßig nur zwei Lesungen vorsieht, wird das Gesetz im Spätherbst 2026 zur zweiten Lesung direkt wieder ins Plenum eingebracht. Eine dritte Lesung wird es nicht geben – es sei denn, eine Fraktion beantragt sie strategisch, was unwahrscheinlich ist. In dieser zweiten Lesung wird die schwarz-grüne Regierungsmehrheit den Entwurf final durchwinken. Das Gesetz ist damit beschlossen, wird im Gesetz- und Verordnungsblatt verkündet und tritt unmittelbar in Kraft.
Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. machen uns keine Illusionen: Dieser Entwurf wird durchgehen. Das Gesetz ist längst beschlossene Sache, das parlamentarische Verfahren nur noch die formale Abwicklung.

Das grüne Theater und die Blindheit der Bewegung

Dass die Grünen hier erneut ihre Kernwerte verraten, überrascht uns nicht – wir kündigen diese Entwicklung seit Jahren an. Sobald die Grünen Regierungsverantwortung übernehmen, mutiert der Artenschutz zur Verhandlungsmasse für den Machterhalt.
Dabei beobachten wir in der Natur- und Tierschutzszene eine gefährliche Schieflage der Wahrnehmung: Während viele Aktivisten und Verbände einen hochsensiblen, lautstarken Alarmknopf für alles entwickeln, was nach „schwarz-blau“ riecht, scheinen sie auf dem „rot-grünen“ Auge vollkommen blind zu sein. Wenn vermeintlich progressive Kräfte den Abschuss von geschützten Arten legitimieren, wird das als „realpolitische Notwendigkeit“ hingenommen oder mit Verweis auf den Koalitionsfrieden schöngeredet.
Es ist Zeit, den Blick für die Realität zu schärfen: Im Lobbyzirkus der Macht machen am Ende alle Parteien mit. Der Wolf hat im parlamentarischen Betrieb keine Lobby – außer uns. Wir werden diesen Bruch des EU-Rechts nicht tatenlos hinnehmen.

Werdet selbst aktiv: Geht in die Territorien und dokumentiert

Die Landesregierung setzt anscheinend darauf, dass Ihr schweigt, wegschaut und dieses Schauspiel resigniert am Bildschirm verfolgt. Das wollen wir nicht zulassen. Wenn die Politik den Schutz im Gesetz streicht, müssen wir den Schutz vor Ort organisieren. Werdet jetzt aktiv und zeigt Präsenz:
    • Geht raus in die Wolfsterritorien: Wir müssen vor Ort sein. Geht in die bekannten Wolfsgebiete, zeigt legale Präsenz auf den Wegen und behaltet die Landschaften im Blick. Wenn Jäger und Behörden wissen, dass die Natur kein rechtsfreier Raum ohne Zeugen ist, erhöht das die Hemmschwelle für illegale oder halblegale Grauzonen-Abschüsse massiv.
    • Dokumentiert, was vor sich geht: Nehmt Eure Smartphones und Kameras mit. Dokumentiert Unregelmäßigkeiten, auffällige Jagdakivitäten, Treibjagden in sensiblen Zonen oder den Zustand von vermeintlich unschützbaren Deichabschnitten. Erstellt Fotoprotokolle und haltet Beobachtungen akribisch fest. Nur mit harten Fakten und Bildmaterial können wir die Öffentlichkeit wachrütteln und rechtliche Schritte untermauern. Meldet Eure Sichtungen und Protokolle direkt an uns.
    • Teilt diesen Artikel: Verbreitet diesen Text in Euren Netzwerken, auf Social Media und in Foren. Durchbrecht das mediale Schweigen und die weichgespülten Pressemitteilungen der Koalitionsparteien. Die Menschen müssen erfahren, was hier im administrativen Hintergrund beschlossen wird.
    • Unterstützt unsere Arbeit: Der Kampf gegen dieses Gesetz wird vor allem ein aktiver und dokumentarischer sein. Unterstützt Wolfsschutz-Deutschland e. V. mit Eurer Spende oder werdet Mitglied: https://wolfsschutz-deutschland.de/mitglied-werden/ 

Lassen wir nicht zu, dass unsere Wölfe und unsere Natur zum Bauernopfer politischer Machtspiele werden 

Quelle:

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Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

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Die Sündenbock-Taktik von Egling: Ein absurder Schießbefehl auf ein Phantom

Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen in Bayern exekutiert im Fall Egling ein bürokratisches Trauerspiel, das an Absurdität und Demokratiefeindlichkeit kaum zu überbieten ist. Mit der aktuellen Abschussfreigabe im Nordlandkreis wird ein Todesurteil gegen ein geschütztes Wildtier vollstreckt – und das unter dem ohrenbetäubenden Schweigen des betroffenen Halters. Dass vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) keine öffentliche Kritik an dieser Bejagung kommt, gleicht einer moralischen Bankrotterklärung. Es drängt sich der fatale Verdacht auf, dass der Verband der Tötung hinter den Kulissen zugestimmt hat, um vom eigenen, kolossalen Versagen beim Herdenschutz abzulenken.

Demokratiefeindliche Geheimhaltung und exklusive Medienfütterung

Besonders skandalös ist das Vorgehen der Behörden bei der Informationsvergabe. Der fertige „Managementplan zur Bejagung“ wird von der Jagdbehörde gezielt unter Verschluss gehalten. Eine offizielle, transparente Veröffentlichung für die Bürger unterbleibt komplett. Stattdessen wird die Abschussfreigabe nur auf direkte Nachfrage exklusiv an ausgewählte Medienhäuser herausgegeben. Diese bewusste Intransparenz soll kritische Nachfragen blockieren und die Öffentlichkeit mundtot machen. Eine solche Geheimhaltungs-Taktik entlarvt, dass die Behörden selbst genau wissen, auf welch rechtlich wackeligem Fundament ihre Abschussgenehmigung steht.
Beispielfoto Wolf © Brigitte Sommer

Kein ernster wirtschaftlicher Schaden nach § 45 BNatSchG

Eine Ausnahme vom strengen Artenschutzverbot darf gemäß § 45 Abs. 7 Satz 1 Nr. 1 BNatSchG nur zur Abwendung „ernster landwirtschaftlicher, forstwirtschaftlicher oder sonstiger wirtschaftlicher Schäden“ erteilt werden. Im Fall Egling wurden im Juni drei Moorschnucken eines Landschaftspflegeprojekts gerissen. So bedauerlich der Verlust von Weidetieren im Einzelfall ist: Drei Schafe stellen für einen finanzstarken, institutionellen Verband wie den LBV beim besten Willen keinen ernsten, existenzbedrohenden wirtschaftlichen Schaden im Sinne des Gesetzes dar. Die gesetzliche Hürde für eine Ausnahmegenehmigung wird hier evident verfehlt. Hier unser offener Brief: https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/08/13/bankrotterklaerung-im-moor-wolfsschutz-deutschland-e-v-fordert-lbv-vorstand-zum-einlenken-im-fall-egling-auf/

Die Absurdität der Jagd auf ein „Phantom“

Biologisch und rechtlich vollkommen verfehlt ist zudem der Zugriff auf ein nicht-standorttreues Tier. Die DNA-Analyse bestätigte Wochen nach dem Riss lediglich einen durchziehenden Wanderwolf aus der Alpenpopulation. Ein solches Tier legt pro Tag immense Strecken zurück und ist höchstwahrscheinlich längst hunderte Kilometer weitergezogen. Die Jäger vor Ort erhalten damit de facto die Erlaubnis, Jagd auf ein Phantom zu machen. Die Wahrscheinlichkeit ist extrem hoch, dass im Rahmen dieses Bejagungsplans ein völlig unbeteiligter, unschuldiger Wolf geschossen wird, der zufällig das Gebiet durchquert. Ein solcher „Vorratsabschuss“ widerspricht dem Bestimmtheitsgebot im Verwaltungsrecht und dem strengen Individualschutz der FFH-Richtlinie.
Das eigentliche Problem wird durch diesen Schießbefehl überhaupt nicht gelöst, sondern bewusst verschleiert. Der LBV hatte seine Moorschnucken ungeschützt und ohne jegliche wolfsabweisende Zäune auf der Moorfläche gehalten – ein serviertes Buffet für jeden Beutegreifer. Wenn die Flächen im Moor weiterhin ungesichert bleiben, wird sich der nächste durchziehende Wolf garantiert wieder dort bedienen. Der Abschuss dient einzig und allein als populistische Nebelkerze, um die Untätigkeit der Behörden und das Herdenschutz-Versagen des LBV als Sündenbock auf dem Rücken des Wolfes auszutragen.
Beispielfoto streitende Wölfe. © Brigitte Sommer

Behördenversagen im Monitoring – Die Alibi-Zahlen der Jagdlobby

Der Fall Egling legt zudem die tiefen Risse im bayerischen Wolfsmonitoring offen. Das zuständige Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) agiert bürokratisch, träge und realitätsfern. Von einer vermeintlich „wachsenden Zahl an Territorien“ kann in Bayern überhaupt keine Rede sein. Die Behörden nutzen hier einen perfekten statistischen Bereinigungs-Trick: Erlöschen etablierte Territorien – sei es durch Krankheiten, Abwanderung oder klammheimliche, illegale Abschüsse –, verschwinden sie im nächsten Monitoringjahr sang- und klanglos aus den Tabellen. Weil eine transparente historische Verlustliste fehlt, wird der Öffentlichkeit eine rasant wachsende Population vorgegaukelt, während die Welpenzahlen in Wahrheit massiv einbrechen.
Völlig absurd wird es jedoch beim Bayerischen Jagdverband (BJV): Dieser betreibt seit Jahren ein eigenes, rein interessengesteuertes Alibi-Monitoring, um mit manipulativen „Zweitmeinungen“ die Wolfszahlen künstlich in die Höhe zu treiben und Abschüsse zu rechtfertigen. Genau diese Jagdlobby ist es, die uns von Wolfsschutz-Deutschland e. V. für unser unabhängiges, wissenschaftlich fundiertes Monitoring vor Ort permanent diffamiert und kritisiert. Während die einen Daten manipulieren, um das Ausrotten einer geschützten Art vorzubereiten, dokumentieren wir die Realität – und das passt der Abschuss-Lobby verständlicherweise nicht ins Konzept.
Die Krone der Dreistigkeit setzt dem Ganzen jedoch die Jagdlobby auf: Völlig faktenbefreit versucht man dort, den friedlichen Chiemgauer Wolf GW4028m für den Riss im weit entfernten Egling verantwortlich zu machen. GW4028m ist im weit über 60 Kilometer entfernten Kampenwandgebiet standorttreu und verhält sich ziemlich unauffällig. Ihn mit dem Moorschnucken-Riss in Verbindung zu bringen, zeigt die perfide Methode der Jägerschaft: Einem friedlichen Wolf wird im Netz so lange ein falsches Sündenbock-Image angedichtet, bis die Behörden einknicken und den nächsten illegalen Abschussbefehl unterschreiben! Während die Jäger Daten manipulieren und haltlose Gerüchte streuen, um das Ausrotten einer geschützten Art vorzubereiten, dokumentieren wir die Realität

Wir erstatten Strafanzeige

Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. stellen unmissverständlich klar: Sollte im Rahmen dieses rechtswidrigen Bejagungsplans im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ein Wolf erschossen werden, werden wir unverzüglich Strafanzeige gegen alle beteiligten Personen und die verantwortlichen Behördenvertreter erstatten.
Wir haben gelernt, dass juristische Klagen und langwierige Prozesse vor den Verwaltungsgerichten alleine keine wirkungsvolle Maßnahme mehr sind, um das Abschlachten geschützter Tiere zu verhindern. Während die Akten im Gericht verstauben, schaffen Jäger draußen im Wald Fakten. Deshalb braucht es jetzt aktive Arbeit direkt vor Ort. Jetzt ist der Zeitpunkt, um selbst aktiv zu werden und absolut legal Vorgänge zu dokumentieren und öffentlich zu machen: https://wolfsschutz-deutschland.de/mitglied-werden/

Quelle:

https://www.merkur.de/lokales/wolfratshausen/egling-ort28621/wolf-zum-abschuss-freigegeben-jaeger-duerfen-ein-tier-erlegen-94475928.html

Monitoringliste: https://www.lfu.bayern.de/natur/wildtiermanagement_grosse_beutegreifer/wolf/monitoring/index.htm

 

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Unser Druck wirkt: Wolfsmonitoring darf nicht länger in der Hand der Jägerschaft liegen

Seit Jahren fordern wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. mit unserer laufenden Petition, das Wolfsmonitoring in Niedersachsen den Jägern zu entziehen. Die jüngsten Entwicklungen um die Zusammenarbeit zwischen Umweltministerium und Landesjägerschaft zeigen: Unser Druck scheint zu wirken. Gleichzeitig bestätigen sich unsere Warnungen auf erschreckende Weise.

Wie der Online-Dienst Rundblick-Niedersachsen berichtet, kam es am Rande der jüngsten Sitzung des Agrarausschusses des niedersächsischen Landtags in der vergangenen Woche zu deutlichen Spannungen. Die oppositionelle CDU-Fraktion wollte auf Grundlage eines offenen Antrags zur Wolfspolitik eine Debatte über das Wolfsmonitoring erzwingen. Die rot-grüne Regierungsmehrheit blockierte diesen Vorstoß jedoch. Man wolle den Vorgang erst intern prüfen, erklärte die agrarpolitische Sprecherin der SPD, Karin Logemann. Genau diese Vorgänge machen deutlich, wie brisant das Thema inzwischen ist.
Beispielfoto Wolf. © Brigitte Sommer
Was als „atmosphärische Störung“ oder „Schieflage“ zwischen Landesjägerschaft und Umweltministerium dargestellt wird, ist in Wahrheit ein längst überfälliger Prozess. Die Jägerschaft, die seit 2011 das Monitoring in Niedersachsen durchführt, steht in einem klaren Interessenkonflikt. Wer den Wolf grundsätzlich als Konkurrenten oder Bedrohung betrachtet, kann kein neutrales, wissenschaftlich sauberes Monitoring gewährleisten. Genau deshalb haben wir die Petition gestartet und fordern: Das Monitoring muss vollständig in unabhängige, staatliche und fachlich unabhängige Hände übergehen – weg von den Jägern.
Besonders der Fall des Wolfes „Alster“ macht die problematische Zusammenarbeit deutlich. Das Tier hatte sich im Frühjahr in Hamburg in Todesangst verteidigt, als es von einer Frau bedrängt wurde – die ihm im guten Glauben aus einer Notlage heraus helfen wollte – wurde anschließend eingefangen, mit einem Sender versehen und wieder freigelassen. Danach bewegte es sich – wie zu erwarten – durch Niedersachsen. Doch das Umweltministerium verweigerte der Landesjägerschaft Informationen über den Aufenthaltsort. Diese Zurückhaltung ist richtig und notwendig. Wer mit Jägern zusammenarbeitet, riskiert, dass sensible Daten in falsche Hände geraten und indirekt zu Verfolgung oder illegalen Handlungen führen können. Der Fall Alster zeigt exemplarisch, warum eine enge Kooperation mit der Jägerschaft beim Monitoring nicht tragbar ist, denn Aslter wurde von den Behörden für höchstwahrscheinlich tot erklärt. Wir berichteten hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/06/06/alster-ein-junges-leben-voller-panik-schmerz-und-trauma-endet-mit-illegalen-tod/

Monitoringdaten werden zur Jagd verwendet

Noch schwerwiegender ist die Entwicklung, die das Ministerium selbst einräumt und die Rundblick-Niedersachsen ausführlich darstellt: Die Monitoring-Daten werden künftig noch stärker als bisher als Grundlage für behördliche Abschussentscheidungen, Schnellabschüsse und Interventionsgebiete herangezogen. Mit der Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz und den neuen revierübergreifenden Managementplänen wächst die Bedeutung dieser Zahlen enorm. Die bisherigen Hinweise der Jägerschaft reichten dem Ministerium bereits nicht mehr aus – zusätzliche genetische Daten und Bewertungen durch den NLWKN werden jetzt stärker gewichtet.
Genau davor haben wir von Anfang an gewarnt: Wer am Monitoring mitwirkt, liefert die Datenbasis für gezielte Abschüsse.Besonders enttäuschend und verantwortungslos ist das Verhalten vieler selbsternannter „Wolfsfreunde“ und ehrenamtlicher Wolfsberater, die weiterhin fleißig Daten liefern. Sie wissen genau, wofür diese Informationen am Ende verwendet werden – und machen trotzdem mit. Viele von ihnen ziehen sogar direkten persönlichen Vorteil daraus: Aufwandsentschädigungen, öffentliche Anerkennung, Projektgelder oder schlicht die Möglichkeit, sich als „Experten“ zu profilieren. Wer sich Wolfsfreund nennt und gleichzeitig das System füttert, das Abschüsse ermöglicht, handelt aus Opportunismus.
Diese Art von „Schutz“ ist nichts anderes als Mitwirkung an der systematischen Verfolgung der Wölfe.Wer nicht will, dass seine Hinweise, Sichtungen oder genetischen Proben für den Abschuss von Wölfen missbraucht werden, darf hier nicht länger zuarbeiten. Eine „umfangreiche Beteiligung der örtlichen Jäger an der Datengewinnung“, wie das Ministerium sie weiterhin wünscht und die fortgesetzte Zuarbeit angeblicher Wolfsfreunde sind genau der falsche Weg.
Laut einer Antwort auf UIG-Anfrage zu einem Fall in Landkreis Celle wurde tatsächlich eine Schießgenehmigung nach dem Riss einer einzigen Heidschnucke ausgestellt, ohne Zaun, während des Hütens sollte der Vorfall passiert sein.

Unser Appell bleibt klar:


Das Wolfsmonitoring muss den Jägern vollständig entzogen werden. Es gehört in die Hände unabhängiger Institutionen – ohne Interessenkonflikte, ohne Jagdinteressen und ohne die Gefahr, dass Daten zu Abschussgrundlagen werden. Unsere Petition läuft weiter. Unterstützen Sie uns, damit der Schutz des Wolfs nicht länger von denen abhängt, die ihn töten wollen: 
Screenshot der Petitionsseite. Hier der Link: http://www.change.org/wolfsmonitoring
Quelle:

Wir brauchen Hilfe!

Auch die Praxis der geheimen Schnellabschüsse und die Ausweisung von Interventionsgebieten in Niedersachsen stellt aus Sicht von und von Wolfsschutz-Deutschland e. V. eine rechtlich höchst bedenkliche Einschränkung des Tier- und Naturschutzes dar. Durch die sechswöchige Informationsblockade wird der rechtzeitige Zugang zu behördlichen Daten systematisch erschwert, was die Einlegung effektiver Rechtsbehelfe durch anerkannte Natur- und Tierschutzverbände nahezu unmöglich macht. Dass Wölfe ohne vorherigen individuellen DNA-Nachweis auf bloßen Verdacht hin entnommen und in Interventionsgebieten ganze Rudel sukzessive ausgelöscht werden dürfen, widerspricht nach unserer Auffassung unseres Vereins den strengen Vorgaben des Bundes- und Europarechts zur Wahrung eines günstigen Erhaltungszustands. Anstatt mangelhafte Herdenschutzmaßnahmen zu rügen, verlagern die Behörden das erhebliche juristische Risiko von Fehlabschüssen einseitig auf die Jägerschaft. Besonders kritisch sehen wir auch die Rolle jener etablierten Verbände, die sich über die Mitwirkung eigener Wolfsberater in behördliche Strukturen einbinden lassen und weiterhin primär auf Spendenaufrufe für langwierige Klageverfahren setzen, obwohl die jüngsten Beschneidungen des Umwelt-Rechtsbehelfsgesetzes und die Praxis vollendeter Tatsachen die Aussichten reiner Gerichtsverfahren massiv geschmälert haben.
Um eine unabhängige, lückenlose Dokumentation direkt in den betroffenen Revieren sicherzustellen und dem Wolfsschutz eine unbestechliche Stimme zu geben, bittet Wolfsschutz-Deutschland e. V. dringend um finanzielle Unterstützung durch Spenden oder Fördermitgliedschaften.

Wir sind gerade mitten in den Abschussgebieten in Niedersachsen, Hessen, RLP und NRW und jetzt auch wieder in Bawü und Bayern unterwegs und kämpfen vor Ort gegen Wolfstötungen.
Damit wir das auch weiterhin vorausschauend und unabhängig tun können, brauchen wir jetzt eure finanzielle Unterstützung. Auch m
it einem monatlichen Abo von nur 5 Euro oder auch gerne mehr, helft ihr uns, weiter schnell reagieren zu können, Fakten gegen Hetze zu stellen und den Wolfsschutz dort zu verteidigen, wo er gerade am dringendsten gebraucht wird. Es ist kein Zufall, dass in Deutschland Todesurteile gegen Wölfe nicht in der Art vollstreckt werden können wie in der Schweiz und Österreich. 

Wolfstötung frei auf bloßen Verdacht: Wolfsschutz-Deutschland e. V. protestiert gegen Oberallgäuer Verfügung

Der Landkreis Oberallgäu hat eine weitreichende Allgemeinverfügung erlassen, die den vorbeugenden Abschuss eines Wolfes in den Allgäuer Bergen erlaubt. Damit greift die Behörde zu einem drastischen Mittel, noch bevor überhaupt ein einziges Nutztier gerissen wurde. Wolfsschutz-Deutschland e. V. verurteilt diesen Schritt aufs Schärfste. Wir lehnen diese anlasslosen Abschüsse konsequent ab und sehen generell keinerlei Rechtfertigung für die Tötung von Wölfen in der Region.

Die Allgemeinverfügung zur Erleichterung des Wolfsabschusses im Oberallgäu erstreckt sich auf alpine Weideflächen und Alpreviere südlich von Immenstadt. Betroffen sind Berggebiete und Täler rund um Oberstdorf, das Kleinwalsertal, Bad Hindelang sowie Fischen im Allgäu, Ofterschwang, Blaichach, Burgberg und Rettenberg.

Die rechtliche Grauzone und der Verstoß gegen das EU-Recht

Grundlage für das behördliche Vorgehen ist eine umstrittene Neuerung im Bundesjagdgesetz, die den Wolf seit April als jagdbare Art aufführt. Landkreise erhalten dadurch die Möglichkeit, selbstständig Weidegebiete auszuweisen, in denen die Wolfsbejagung trotz eines ungünstigen Erhaltungszustands der Population zulässig sein soll – und zwar rein präventiv. Das Oberallgäu nutzt diese Klausel nun demonstrativ aus und hat ein riesiges Areal ausgewiesen, das knapp 70 Jagdreviere und weite Teile der alpinen Weideflächen südlich von Immenstadt umfasst.
Aus juristischer Sicht steht diese Verfügung jedoch auf sehr tönernen Füßen: Das übergeordnete europäische Artenschutzrecht (FFH-Richtlinie) und die ständige Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) verbieten anlasslose Abschüsse ohne konkrete Schäden strikt. Dass die Abschussgenehmigung hier explizit trotz eines nachweislich ungünstigen Erhaltungszustands erteilt wurde, hebelt den biologischen Artenschutz komplett aus und macht die Verordnung europarechtlich hochgradig illegal.
Beispeilfoto Wolf. © Brigitte Sommer

Vorgeschobene Argumente und Befristung der Jagd

Die Behörden und die sogenannte Weideschutzkommission rechtfertigen die Allgemeinverfügung mit der Behauptung, dass ein wolfsabweisender Zaun im steilen und unübersichtlichen alpinen Gelände entweder unmöglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar sei. Für Wolfsschutz-Deutschland e. V. ist dies eine reine Schutzbehauptung, um sich aus der Verantwortung für moderne, flächendeckende Herdensicherungsmaßnahmen zu stehlen. Anstatt in funktionierende Schutzkonzepte und Hirten zu investieren, wird die Tötung eines geschützten Wildtieres als vermeintlich pragmatische Lösung verkauft. Diese hochgefährliche Schießgenehmigung gilt befristet bis zum 31. Oktober 2026. Doch das Landratsamt plant bereits, diesen Freibrief künftig zu jedem Beginn der Sommersaison neu zu erlassen.

📋 Infokasten: Das neue Wolfsmanagement in Bayern (Stand: Sommer 2026)

    • Gesetzliche Grundlage: Seit der Reform des bayerischen Jagdgesetzes im Frühjahr 2026 ist der Wolf im Freistaat offiziell als jagdbare Art eingestuft. Darauf aufbauend hat das Jagdministerium im Sommer 2026 eine neue strategische Arbeitshilfe für regionale Managementpläne erlassen.
    • Das Zwei-Zonen-Modell:
        • Alpenraum (Weidegebiete): In steilen alpinen Lagen gilt der Herdenschutz (Zäunung) behördlich als unzumutbar. Hier ermöglichen pauschale Allgemeinverfügungen der Landkreise den vorbeugenden Abschuss von Wölfen – komplett ohne vorherige Nutztierrisse.
        • Flach- und Hügelland: In den übrigen Regionen greifen revierbezogene Managementpläne. Diese erlauben im Zeitraum vom 1. Juli bis zum 31. Oktober eine reguläre, nachhaltige Wolfsbejagung, sofern die Population stabil ist.
    • Das Hauptproblem (Erhaltungszustand): Die bayerische Praxis hebelt den biologischen Artenschutz aus. Abschussgenehmigungen – wie aktuell im Oberallgäu – werden von den Behörden explizit auch bei einem nachweislich ungünstigen Erhaltungszustand der Wolfspopulation erteilt.
    • Kritik des Artenschutzes: Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. (Wir sehen gar keinen Anlass zum Töten) und sogar der Bund Naturschutz (verurteilt das anlasslose Töten) verurteilen die neuen Richtlinien als reine „Abschusspläne“. Statt den Fokus auf die gesetzlich vorgeschriebenen Schutz oder den Ausbau von Herdenschutzmaßnahmen zu legen, ist das bayerische Konzept primär auf die Dezimierung und Tötung (insbesondere von Welpen im Spätsommer) ausgerichtet.

Intransparenz per Exklusivmeldung: Behörde informiert Medien statt Öffentlichkeit

Besonders skandalös an diesem Vorgang ist die gezielte Informationspolitik des Landratsamtes Oberallgäu: Eine offizielle, für jedermann transparent zugängliche Pressemitteilung oder eine direkte Veröffentlichung der Allgemeinverfügung auf den eigenen Kanälen der Behörde sucht man bis dato vergeblich. Stattdessen wurden die drastischen Pläne zur Wolfsjagd klammheimlich und exklusiv über ausgewählte Pressehäuser gestreut, sodass die kritische Öffentlichkeit erst durch die Zeitungsberichterstattung vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Dieses Vorgehen entlarvt das Lippenbekenntnis des Landrats zu angeblicher „Transparenz“ als reine Farce. Wer den Abschuss geschützter Arten unter dem Radar der offiziellen Behördenportale vorbereitet und stattdessen auf mediale Vorab-Rapporte setzt, scheut offensichtlich den direkten sachlichen und demokratischen Diskurs.
Wölfin mit Welpe. © Brigitte Sommer

Todesurteil für den unauffälligen Wolf von Rohrmoos?

Besonders perfide ist, dass die Verfügung den sesshaften männlichen Wolf bedroht, der westlich von Oberstdorf im Bereich Rohrmoos heimisch ist. Dieses Tier verhält sich seit jeher absolut unauffällig und hat nach offiziellen Angaben noch nie ein einziges Weidetier attackiert oder gerissen. Dennoch läuft er durch die pauschale Ausweisung seines Lebensraums Gefahr, völlig grundlos von Jägern erlegt zu werden. Ein solches Vorgehen entbehrt jeder wissenschaftlichen, ethischen und juristischen Grundlage. Da der Wolf keinerlei Schäden verursacht hat, haben juristische Eilanträge vor deutschen Verwaltungsgerichten erfahrungsgemäß noch exzellente Erfolgschancen, den Abschuss sofort zu stoppen. Wir fordern den Bund Naturschutz auf, Klage einzureichen.

Konsequente Strafanzeigen angekündigt

Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie der Artenschutz politischer Willkür geopfert wird. Sollte im Rahmen dieser Allgemeinverfügung im Oberallgäu bis zum Ablauf der Frist am 31. Oktober tatsächlich ein Wolf geschossen werden, wird Wolfsschutz-Deutschland e. V. unverzüglich und ohne Ausnahme Strafanzeige erstatten. Dies betrifft sowohl die politisch und behördlich Verantwortlichen, die diese rechtswidrige Verfügung unterzeichnet haben, als auch die Jäger, die den Abschuss vor Ort ausführen. Wir fordern die sofortige Rücknahme dieser Verordnung.

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Wölfe als unerwartete Gärtner der Natur – und warum ihr Schutz nicht von „Nützlichkeit“ abhängen darf

Eine neue Studie aus den USA zeigt eindrucksvoll, was Wölfe für Ökosysteme leisten können: Blaubeersamen, die den Verdauungstrakt von Wölfen passiert haben, keimen deutlich besser und schneller als Samen, die direkt aus den Beeren entnommen wurden. Der Keimerfolg lag bei 96 Prozent gegenüber 69 Prozent bei den Kontrollsamen. Auch die Keimgeschwindigkeit war spürbar höher – die mediane Zeit bis zur Keimung betrug 19 statt 26 Tage. Wölfe verbreiten die Samen zudem über große Distanzen, weil sie weite Strecken zurücklegen.

Besonders beeindruckend ist, wie stark Blaubeeren im Sommer die Nahrung der Wölfe prägen. Im Greater Voyageurs Ecosystem in Minnesota machen Beeren während der Hauptsaison (Juli bis August) bis zu 83 Prozent der wöchentlichen Nahrung erwachsener Wölfe und über 30 Prozent der Nahrung der Welpen aus. Wölfe würgen die Beeren sogar für ihre Jungen hoch – ein Zeichen dafür, dass sie saisonal eine wichtige Rolle bei der Versorgung der Welpen spielen können.Lange Zeit wurde die Ausbreitung von Samen und die Förderung der Pflanzenvielfalt vor allem Weidetieren zugeschrieben – Rindern, Schafen und Ziegen, die durch Verbiss, Tritt und Kot die Landschaft gestalten.
Wölfe fressen Heidelbeeren. Das Bild ist KI-erstellt.
Die neue Untersuchung belegt nun, dass auch große Beutegreifer wie der Wolf solche Leistungen erbringen. Durch den massenhaften Verzehr von Früchten und die anschließende Ausscheidung der Samen tragen sie zur genetischen Vernetzung von Pflanzenpopulationen und zur Besiedlung neuer Standorte bei.Damit reiht sich die Studie in eine Reihe von Erkenntnissen ein, die immer wieder die ökologische Bedeutung von Beutegreifern unterstreichen. Wölfe beeinflussen nicht nur Beutetierbestände, sie wirken auch direkt auf die Verbreitung von Samen und sogar von Pilzsporen ein. Sie sind Teil eines komplexen natürlichen Gefüges.
Doch genau hier liegt ein wichtiger Punkt: Der Schutz des Wolfes – und aller wildlebender Tiere – darf nicht davon abhängen, wie „nützlich“ sie sich für den Menschen oder für bestimmte ökologische Ziele erweisen. Wölfe sind Geschöpfe, die von der Natur hervorgebracht wurden. In ihrem natürlichen Kreislauf hat jedes Lebewesen seinen Platz und seinen Sinn. Nur wir Menschen meinen, wir müssten ständig eingreifen, steuern und „herumfuhrwerken“, als sei die Natur ein System, das ohne unsere Kontrolle nicht funktioniere. Die Nützlichkeit, die Studien wie diese aufzeigen, ist ein wertvolles Argument in der gesellschaftlichen Debatte. Sie hilft, Vorurteile abzubauen und die vielfältigen Verbindungen sichtbar zu machen. Doch sie darf niemals zur Bedingung für den Schutz werden. Ein Lebewesen hat nicht deshalb ein Recht auf Existenz, weil es uns irgendwie dient.
Es hat dieses Recht, weil es Teil der lebendigen Natur ist.
Für Wolfsschutz-Deutschland e. V. bedeutet das: Wir freuen uns über jede wissenschaftliche Erkenntnis, die die Rolle des Wolfes in Ökosystemen besser verständlich macht. Gleichzeitig bleiben wir dabei: Der Wolf gehört in unsere Landschaften – nicht weil er immer wieder seine Nützlichkeit beweisen muss, sondern weil er ein natürliches Anrecht darauf hat. Unser Auftrag ist es, diesen Platz zu verteidigen und gleichzeitig den notwendigen Schutz von Weidetieren durch wirksame Herdenschutzmaßnahmen voranzubringen. Beides gehört zusammen.

Hier geht es zur Studie:

Die Macher dieser Studie sind Teil des Voyageurs Wolf Project, einer Forschungskooperation der University of Minnesota und des National Park Service. An der Veröffentlichung waren maßgeblich Forscher wie Austin D. Gross, Projektleiter Thomas D. Gable sowie Ökologen und Feldbiologen beteiligt.

https://royalsocietypublishing.org/rsbl/article/22/8/20260279/483026/Wolves-increase-germination-speed-and-success-of

 

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Nachruf auf Marcos Rodríguez Pantoja: Der Junge, der bei den Wölfen wahre Menschlichkeit fand

Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. sind zutiefst beeindruckt und bewegt von einer Lebensgeschichte, die wie kein zweites Schicksal die Brücke zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Wölfe schlägt. Marcos Rodríguez Pantoja, der als der „spanische Wolfsjunge“ weltbekannt wurde, ist am 15. August 2026 im Alter von 80 Jahren verstorben. Seine Geschichte ist ein lebendiges, schmerzhaftes Zeugnis dafür, wo wirkliche Empathie und Gemeinschaft in unserer Welt zu finden sind.

Verlassen von den Menschen – Aufgenommen vom Rudel

Marcos’ Weg in die Wildnis der Sierra Morena war kein romantisches Abenteuer, sondern das Resultat menschlicher Grausamkeit und Vernachlässigung. Nach dem frühen Tod seiner Mutter wurde er von seinem eigenen Vater im Alter von nur sieben Jahren an einen Ziegenhirten verkauft. Als dieser verstarb, blieb das Kind völlig schutzlos und isoliert in den Bergen zurück. Die menschliche Gesellschaft hatte Marcos im Stich gelassen, ihn ausgebeutet und wie eine Ware weggeworfen.
Doch in seiner dunkelsten Stunde, von Hunger und Angst getrieben, geschah das Unfassbare: Ein Wolfsrudel stieß auf den weinenden Jungen. Statt ihn als Beute zu sehen, erkannte die Leitwölfin die Not des Menschenkindes. Sie leckte ihm das Gesicht sauber, teilte Nahrung mit ihm und nahm ihn in ihren Bau auf. Zwölf Jahre lang sollte dieses Rudel Marcos’ einzige Familie bleiben.

Hintergrund:

Marcos wurde in Añora (Córdoba, Andalusien) geboren. Nach dem Tod seiner Mutter und einer schwierigen Kindheit mit Misshandlungen durch die Stiefmutter wurde er im Alter von etwa 6–7 Jahren (um 1953/1954) von seinem Vater an einen Großgrundbesitzer bzw. einen alten Ziegenhirten in der Sierra Morena übergeben. Nach dem Tod des Hirten lebte er jahrelang isoliert in der Natur – Berichten zufolge rund 11–12 Jahre – in einer Höhle, in Gesellschaft von Tieren, insbesondere Wölfen. Er ernährte sich von dem, was die Natur und die Tiere boten, und kommunizierte mit ihnen durch Laute.

Ki-generiertes Foto wegen Copyright.

 

1965, mit etwa 19 Jahren, fand ihn die Guardia Civil. Die Rückkehr in die menschliche Gesellschaft war sehr schwer: Er musste Sprache, Kleidung, Essen mit Besteck und soziale Normen neu lernen. Er hatte zeitlebens Schwierigkeiten mit der Zivilisation, bevorzugte oft das Leben in der Natur und mit Tieren und sprach später davon, dass die Jahre unter den Wölfen die glücklichsten seines Lebens gewesen seien.

Sein Fall wurde von dem Anthropologen Gabriel Janer Manila untersucht (Dissertation und später das Buch He jugado con lobos / „Ich habe mit Wölfen gespielt“). 2010 erschien der Film Entrelobos (Among Wolves) von Gerardo Olivares, in dem Rodríguez Pantoja selbst kurz auftrat.

In seinen späteren Jahren lebte er in Rante (San Cibrao das Viñas, Ourense/Galicien), wo er am 15. August 2026 im Alter von 80 Jahren starb.

Hier der Trailor zum Spielfilm:

 

Die Wolfsfamilie: Ein Ort der bedingungslosen Zuneigung

Was Marcos zeit seines Lebens an seiner Wolfsfamilie am meisten schätzte, war etwas, das ihm die Welt der Menschen bis dahin verwehrt hatte: bedingungslose Zuneigung, absolute Loyalität und ein unerschütterliches Gefühl der Zugehörigkeit. Bei den Wölfen gab es keine Lügen, keine Hinterlist und keine Ausgrenzung. Jeder hatte seinen Platz, jeder trug zum Überleben bei, und jeder wurde beschützt.
Es bleibt die bittersüße Tragik seines Lebens, dass Marcos – obwohl er zwölf Jahre lang von purer familiärer Fürsorge umgeben war – nach seiner erzwungenen Rückkehr in die Zivilisation im Jahr 1965 nie wieder eine eigene, menschliche Familie gründen konnte. Die Entwurzelung war zu tief, die Wunden der Vergangenheit zu groß.

Wenn Wölfe sich „menschlicher“ verhalten als Menschen

Marcos’ spätere Kritik an der modernen menschlichen Gesellschaft war messerscharf und regt zum tiefen Nachdenken an. Er betonte oft, dass er sich in der Wildnis, umgeben von Raubtieren, niemals einsam oder bedroht gefühlt hatte – in den Städten der Menschen dagegen ständig.
Seine Erfahrung zwingt uns zu einem unbequemen Spiegel: Wölfe kämpfen, um zu überleben, um ihre Welpen zu ernähren oder ihr Revier zu verteidigen. Menschen hingegen betrügen, belügen, bekämpfen und töten einander oft ohne jeden ersichtlichen Grund. In Marcos’ Leben haben sich die Wölfe schlussendlich weitaus fürsorglicher, sozialer und „menschlicher“ verhalten als jene Spezies, die diesen Begriff für sich beansprucht.

Zurück im ewigen Ganzen

Sein Leben in der Zivilisation war ein lebenslanger Versuch, sich anzupassen, doch sein Herz blieb immer in den Bergen der Sierra Morena. Er versuchte in späteren Jahren mehrfach, zu den Wölfen zurückzukehren, doch die alten Rudel waren längst verschwunden, und die Natur hatte sich verändert.
Nun, da Marcos diese Welt verlassen hat, schließt sich der Kreis. Wir glauben fest daran, dass er im Tod den Weg zurück zu seiner wahren Familie gefunden hat. Er ist nun erlöst von den Zwängen einer ihm oft fremd gebliebenen Zivilisation. Marcos ist eingegangen in das ewig Ganze – ein Teil der Natur, der Wälder und der Wölfe, die ihn einst retteten. Er ist nun eins mit allem, was war, was ist und jemals sein wird.
Marcos, deine Geschichte wird in unserer Arbeit für den Schutz der nachkommen Deiner geliebten Wolfsfamilie und allen Wolfsfamilien weiterleben. Rufe Deine Eltern, sie warten auf Dich.
Ki erstelltes Bild.

Unabhängiger Schutz für Spaniens Wölfe im Hier und Jetzt 

Inmitten des aktuellen politischen Konflikts in Spanien leistet die NGO FAPAS (Fondo para la Protección de los Animales Salvajes) unverzichtbare Arbeit:
    • Unabhängige Zählung: FAPAS bricht das Informationsmonopol von Staat und Jagdlobby, indem sie durch eigenes Fotofallen-Monitoring die echten, oft künstlich hochgerechneten Wolfszahlen wissenschaftlich belegen.
    • Herdenschutz & Aufklärung: Die Organisation unterstützt Landwirte bei Schutzmaßnahmen und der schnellen Rissbegutachtung, um illegale Rache-Abschüsse und Giftköder-Einsätze zu verhindern.
    • Natürliche Nahrungsquellen: FAPAS kämpft dafür, dass Viehkadaver in den Bergen liegen bleiben dürfen. Das sichert Wölfen und Geiern ihre natürliche Nahrung und minimiert Angriffe auf lebende Nutztiere.
Mehr Infos unter fapas.es oder auf der deutschsprachigen Infoseite fapasdeutsch.com

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Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

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