Abschuss ohne Anlass: Wie CDU und Grüne in Schleswig-Holstein den Wolf zum Freiwild machen

Es ist ein altbekanntes Spiel der Macht: Ein politischer Beschluss, der tiefgreifende ethische und ökologische Konsequenzen hat, wird hinter verschlossenen Türen vorbereitet, geräuschlos ins System eingespeist und anschließend auf der großen Bühne als „schmerzhafter Kompromiss“ inszeniert. Die Rede ist vom aktuellen Vorstoß zur Änderung des Landesjagdgesetzes in Schleswig-Holstein, der die anlasslose Tötung von Wölfen legalisieren soll. Wer das parlamentarische Verfahren der letzten Wochen analysiert, blickt hinter die Fassade einer kalkulierten Kommunikationsstrategie, die vor allem ein Ziel hat: Den organisierten Widerstand der Zivilgesellschaft zu lähmen.

Chronologie einer angekündigten Entrechtung

Der bürokratische Weg dieses Gesetzentwurfs zeigt exemplarisch, wie vollendete Tatsachen geschaffen werden, lange bevor eine breite Öffentlichkeit überhaupt davon erfährt.
    • 9. Juli 2026 – Die lautlose Weichenstellung: Der gemeinsame Entwurf von CDU und Grünen wurde als sogenannte „Formulierungshilfe“ (Unterrichtung 20/366) am 8. Juli digital erfasst und ging am 9. Juli offiziell in die Infothek des Landtags ein [Unterrichtung 20/366 – Landtag SH]. Zu diesem Zeitpunkt – mitten im Sommerloch – blieb die Nachricht für die breite Öffentlichkeit nahezu unsichtbar. Die Verwaltungsmühlen mahlten im Stillen.
    • 27. August 2026 – Das Schautheater der ersten Lesung: Erst sechs Wochen später, zur ersten Lesung im Plenum, wurde das Thema öffentlich verhandelt. Hier erlebten wir ein perfekt choreografiertes Polittheater. Während die CDU erwartbar den harten Hund markierte, inszenierten sich die Grünen mit „Bauchschmerzen“. Die grüne Abgeordnete Silke Backsen trat ans Rednerpult, um wissenschaftliche Zweifel anzumelden und zu betonen, dass Abschüsse die Risszahlen gar nicht senken [Schleswig Holstein Landtag Landesjagdgesetz]. Doch das ist reine Rhetorik zur Beruhigung der eigenen Basis. Am Ende stimmten die Grünen der Überweisung des Entwurfs pflichtbewusst zu.
    • Aktuelle Phase – Die bürokratische Verwaltung im Ausschuss: Derzeit liegt das Papier im Umwelt- und Agrarausschuss. Dort findet am Donnerstag, den 24. September 2026, die entscheidende Beratung statt. Hinter verschlossenen Türen wird hier die formale Beschlussempfehlung für das Plenum vorbereitet.
Beispielfoto Wolfsfamilie.

Der weitere Fahrplan: Die Illusion der Mitbestimmung

Nach der Ausschusssitzung am 24. September ist der Weg frei für das Finale. Da das schleswig-holsteinische Landesrecht standardmäßig nur zwei Lesungen vorsieht, wird das Gesetz im Spätherbst 2026 zur zweiten Lesung direkt wieder ins Plenum eingebracht. Eine dritte Lesung wird es nicht geben – es sei denn, eine Fraktion beantragt sie strategisch, was unwahrscheinlich ist. In dieser zweiten Lesung wird die schwarz-grüne Regierungsmehrheit den Entwurf final durchwinken. Das Gesetz ist damit beschlossen, wird im Gesetz- und Verordnungsblatt verkündet und tritt unmittelbar in Kraft.
Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. machen uns keine Illusionen: Dieser Entwurf wird durchgehen. Das Gesetz ist längst beschlossene Sache, das parlamentarische Verfahren nur noch die formale Abwicklung.

Das grüne Theater und die Blindheit der Bewegung

Dass die Grünen hier erneut ihre Kernwerte verraten, überrascht uns nicht – wir kündigen diese Entwicklung seit Jahren an. Sobald die Grünen Regierungsverantwortung übernehmen, mutiert der Artenschutz zur Verhandlungsmasse für den Machterhalt.
Dabei beobachten wir in der Natur- und Tierschutzszene eine gefährliche Schieflage der Wahrnehmung: Während viele Aktivisten und Verbände einen hochsensiblen, lautstarken Alarmknopf für alles entwickeln, was nach „schwarz-blau“ riecht, scheinen sie auf dem „rot-grünen“ Auge vollkommen blind zu sein. Wenn vermeintlich progressive Kräfte den Abschuss von geschützten Arten legitimieren, wird das als „realpolitische Notwendigkeit“ hingenommen oder mit Verweis auf den Koalitionsfrieden schöngeredet.
Es ist Zeit, den Blick für die Realität zu schärfen: Im Lobbyzirkus der Macht machen am Ende alle Parteien mit. Der Wolf hat im parlamentarischen Betrieb keine Lobby – außer uns. Wir werden diesen Bruch des EU-Rechts nicht tatenlos hinnehmen.

Werdet selbst aktiv: Geht in die Territorien und dokumentiert

Die Landesregierung setzt anscheinend darauf, dass Ihr schweigt, wegschaut und dieses Schauspiel resigniert am Bildschirm verfolgt. Das wollen wir nicht zulassen. Wenn die Politik den Schutz im Gesetz streicht, müssen wir den Schutz vor Ort organisieren. Werdet jetzt aktiv und zeigt Präsenz:
    • Geht raus in die Wolfsterritorien: Wir müssen vor Ort sein. Geht in die bekannten Wolfsgebiete, zeigt legale Präsenz auf den Wegen und behaltet die Landschaften im Blick. Wenn Jäger und Behörden wissen, dass die Natur kein rechtsfreier Raum ohne Zeugen ist, erhöht das die Hemmschwelle für illegale oder halblegale Grauzonen-Abschüsse massiv.
    • Dokumentiert, was vor sich geht: Nehmt Eure Smartphones und Kameras mit. Dokumentiert Unregelmäßigkeiten, auffällige Jagdakivitäten, Treibjagden in sensiblen Zonen oder den Zustand von vermeintlich unschützbaren Deichabschnitten. Erstellt Fotoprotokolle und haltet Beobachtungen akribisch fest. Nur mit harten Fakten und Bildmaterial können wir die Öffentlichkeit wachrütteln und rechtliche Schritte untermauern. Meldet Eure Sichtungen und Protokolle direkt an uns.
    • Teilt diesen Artikel: Verbreitet diesen Text in Euren Netzwerken, auf Social Media und in Foren. Durchbrecht das mediale Schweigen und die weichgespülten Pressemitteilungen der Koalitionsparteien. Die Menschen müssen erfahren, was hier im administrativen Hintergrund beschlossen wird.
    • Unterstützt unsere Arbeit: Der Kampf gegen dieses Gesetz wird vor allem ein aktiver und dokumentarischer sein. Unterstützt Wolfsschutz-Deutschland e. V. mit Eurer Spende oder werdet Mitglied: https://wolfsschutz-deutschland.de/mitglied-werden/ 

Lassen wir nicht zu, dass unsere Wölfe und unsere Natur zum Bauernopfer politischer Machtspiele werden. 

Quelle:

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Die Sündenbock-Taktik von Egling: Ein absurder Schießbefehl auf ein Phantom

Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen in Bayern exekutiert im Fall Egling ein bürokratisches Trauerspiel, das an Absurdität und Demokratiefeindlichkeit kaum zu überbieten ist. Mit der aktuellen Abschussfreigabe im Nordlandkreis wird ein Todesurteil gegen ein geschütztes Wildtier vollstreckt – und das unter dem ohrenbetäubenden Schweigen des betroffenen Halters. Dass vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) keine öffentliche Kritik an dieser Bejagung kommt, gleicht einer moralischen Bankrotterklärung. Es drängt sich der fatale Verdacht auf, dass der Verband der Tötung hinter den Kulissen zugestimmt hat, um vom eigenen, kolossalen Versagen beim Herdenschutz abzulenken.

Demokratiefeindliche Geheimhaltung und exklusive Medienfütterung

Besonders skandalös ist das Vorgehen der Behörden bei der Informationsvergabe. Der fertige „Managementplan zur Bejagung“ wird von der Jagdbehörde gezielt unter Verschluss gehalten. Eine offizielle, transparente Veröffentlichung für die Bürger unterbleibt komplett. Stattdessen wird die Abschussfreigabe nur auf direkte Nachfrage exklusiv an ausgewählte Medienhäuser herausgegeben. Diese bewusste Intransparenz soll kritische Nachfragen blockieren und die Öffentlichkeit mundtot machen. Eine solche Geheimhaltungs-Taktik entlarvt, dass die Behörden selbst genau wissen, auf welch rechtlich wackeligem Fundament ihre Abschussgenehmigung steht.
Beispielfoto Wolf © Brigitte Sommer

Kein ernster wirtschaftlicher Schaden nach § 45 BNatSchG

Eine Ausnahme vom strengen Artenschutzverbot darf gemäß § 45 Abs. 7 Satz 1 Nr. 1 BNatSchG nur zur Abwendung „ernster landwirtschaftlicher, forstwirtschaftlicher oder sonstiger wirtschaftlicher Schäden“ erteilt werden. Im Fall Egling wurden im Juni drei Moorschnucken eines Landschaftspflegeprojekts gerissen. So bedauerlich der Verlust von Weidetieren im Einzelfall ist: Drei Schafe stellen für einen finanzstarken, institutionellen Verband wie den LBV beim besten Willen keinen ernsten, existenzbedrohenden wirtschaftlichen Schaden im Sinne des Gesetzes dar. Die gesetzliche Hürde für eine Ausnahmegenehmigung wird hier evident verfehlt. Hier unser offener Brief: https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/08/13/bankrotterklaerung-im-moor-wolfsschutz-deutschland-e-v-fordert-lbv-vorstand-zum-einlenken-im-fall-egling-auf/

Die Absurdität der Jagd auf ein „Phantom“

Biologisch und rechtlich vollkommen verfehlt ist zudem der Zugriff auf ein nicht-standorttreues Tier. Die DNA-Analyse bestätigte Wochen nach dem Riss lediglich einen durchziehenden Wanderwolf aus der Alpenpopulation. Ein solches Tier legt pro Tag immense Strecken zurück und ist höchstwahrscheinlich längst hunderte Kilometer weitergezogen. Die Jäger vor Ort erhalten damit de facto die Erlaubnis, Jagd auf ein Phantom zu machen. Die Wahrscheinlichkeit ist extrem hoch, dass im Rahmen dieses Bejagungsplans ein völlig unbeteiligter, unschuldiger Wolf geschossen wird, der zufällig das Gebiet durchquert. Ein solcher „Vorratsabschuss“ widerspricht dem Bestimmtheitsgebot im Verwaltungsrecht und dem strengen Individualschutz der FFH-Richtlinie.
Das eigentliche Problem wird durch diesen Schießbefehl überhaupt nicht gelöst, sondern bewusst verschleiert. Der LBV hatte seine Moorschnucken ungeschützt und ohne jegliche wolfsabweisende Zäune auf der Moorfläche gehalten – ein serviertes Buffet für jeden Beutegreifer. Wenn die Flächen im Moor weiterhin ungesichert bleiben, wird sich der nächste durchziehende Wolf garantiert wieder dort bedienen. Der Abschuss dient einzig und allein als populistische Nebelkerze, um die Untätigkeit der Behörden und das Herdenschutz-Versagen des LBV als Sündenbock auf dem Rücken des Wolfes auszutragen.
Beispielfoto streitende Wölfe. © Brigitte Sommer

Behördenversagen im Monitoring – Die Alibi-Zahlen der Jagdlobby

Der Fall Egling legt zudem die tiefen Risse im bayerischen Wolfsmonitoring offen. Das zuständige Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) agiert bürokratisch, träge und realitätsfern. Von einer vermeintlich „wachsenden Zahl an Territorien“ kann in Bayern überhaupt keine Rede sein. Die Behörden nutzen hier einen perfekten statistischen Bereinigungs-Trick: Erlöschen etablierte Territorien – sei es durch Krankheiten, Abwanderung oder klammheimliche, illegale Abschüsse –, verschwinden sie im nächsten Monitoringjahr sang- und klanglos aus den Tabellen. Weil eine transparente historische Verlustliste fehlt, wird der Öffentlichkeit eine rasant wachsende Population vorgegaukelt, während die Welpenzahlen in Wahrheit massiv einbrechen.
Völlig absurd wird es jedoch beim Bayerischen Jagdverband (BJV): Dieser betreibt seit Jahren ein eigenes, rein interessengesteuertes Alibi-Monitoring, um mit manipulativen „Zweitmeinungen“ die Wolfszahlen künstlich in die Höhe zu treiben und Abschüsse zu rechtfertigen. Genau diese Jagdlobby ist es, die uns von Wolfsschutz-Deutschland e. V. für unser unabhängiges, wissenschaftlich fundiertes Monitoring vor Ort permanent diffamiert und kritisiert. Während die einen Daten manipulieren, um das Ausrotten einer geschützten Art vorzubereiten, dokumentieren wir die Realität – und das passt der Abschuss-Lobby verständlicherweise nicht ins Konzept.
Die Krone der Dreistigkeit setzt dem Ganzen jedoch die Jagdlobby auf: Völlig faktenbefreit versucht man dort, den friedlichen Chiemgauer Wolf GW4028m für den Riss im weit entfernten Egling verantwortlich zu machen. GW4028m ist im weit über 60 Kilometer entfernten Kampenwandgebiet standorttreu und verhält sich ziemlich unauffällig. Ihn mit dem Moorschnucken-Riss in Verbindung zu bringen, zeigt die perfide Methode der Jägerschaft: Einem friedlichen Wolf wird im Netz so lange ein falsches Sündenbock-Image angedichtet, bis die Behörden einknicken und den nächsten illegalen Abschussbefehl unterschreiben! Während die Jäger Daten manipulieren und haltlose Gerüchte streuen, um das Ausrotten einer geschützten Art vorzubereiten, dokumentieren wir die Realität

Wir erstatten Strafanzeige

Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. stellen unmissverständlich klar: Sollte im Rahmen dieses rechtswidrigen Bejagungsplans im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ein Wolf erschossen werden, werden wir unverzüglich Strafanzeige gegen alle beteiligten Personen und die verantwortlichen Behördenvertreter erstatten.
Wir haben gelernt, dass juristische Klagen und langwierige Prozesse vor den Verwaltungsgerichten alleine keine wirkungsvolle Maßnahme mehr sind, um das Abschlachten geschützter Tiere zu verhindern. Während die Akten im Gericht verstauben, schaffen Jäger draußen im Wald Fakten. Deshalb braucht es jetzt aktive Arbeit direkt vor Ort. Jetzt ist der Zeitpunkt, um selbst aktiv zu werden und absolut legal Vorgänge zu dokumentieren und öffentlich zu machen: https://wolfsschutz-deutschland.de/mitglied-werden/

Quelle:

https://www.merkur.de/lokales/wolfratshausen/egling-ort28621/wolf-zum-abschuss-freigegeben-jaeger-duerfen-ein-tier-erlegen-94475928.html

Monitoringliste: https://www.lfu.bayern.de/natur/wildtiermanagement_grosse_beutegreifer/wolf/monitoring/index.htm

 

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Unser Druck wirkt: Wolfsmonitoring darf nicht länger in der Hand der Jägerschaft liegen

Seit Jahren fordern wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. mit unserer laufenden Petition, das Wolfsmonitoring in Niedersachsen den Jägern zu entziehen. Die jüngsten Entwicklungen um die Zusammenarbeit zwischen Umweltministerium und Landesjägerschaft zeigen: Unser Druck scheint zu wirken. Gleichzeitig bestätigen sich unsere Warnungen auf erschreckende Weise.

Wie der Online-Dienst Rundblick-Niedersachsen berichtet, kam es am Rande der jüngsten Sitzung des Agrarausschusses des niedersächsischen Landtags in der vergangenen Woche zu deutlichen Spannungen. Die oppositionelle CDU-Fraktion wollte auf Grundlage eines offenen Antrags zur Wolfspolitik eine Debatte über das Wolfsmonitoring erzwingen. Die rot-grüne Regierungsmehrheit blockierte diesen Vorstoß jedoch. Man wolle den Vorgang erst intern prüfen, erklärte die agrarpolitische Sprecherin der SPD, Karin Logemann. Genau diese Vorgänge machen deutlich, wie brisant das Thema inzwischen ist.
Beispielfoto Wolf. © Brigitte Sommer
Was als „atmosphärische Störung“ oder „Schieflage“ zwischen Landesjägerschaft und Umweltministerium dargestellt wird, ist in Wahrheit ein längst überfälliger Prozess. Die Jägerschaft, die seit 2011 das Monitoring in Niedersachsen durchführt, steht in einem klaren Interessenkonflikt. Wer den Wolf grundsätzlich als Konkurrenten oder Bedrohung betrachtet, kann kein neutrales, wissenschaftlich sauberes Monitoring gewährleisten. Genau deshalb haben wir die Petition gestartet und fordern: Das Monitoring muss vollständig in unabhängige, staatliche und fachlich unabhängige Hände übergehen – weg von den Jägern.
Besonders der Fall des Wolfes „Alster“ macht die problematische Zusammenarbeit deutlich. Das Tier hatte sich im Frühjahr in Hamburg in Todesangst verteidigt, als es von einer Frau bedrängt wurde – die ihm im guten Glauben aus einer Notlage heraus helfen wollte – wurde anschließend eingefangen, mit einem Sender versehen und wieder freigelassen. Danach bewegte es sich – wie zu erwarten – durch Niedersachsen. Doch das Umweltministerium verweigerte der Landesjägerschaft Informationen über den Aufenthaltsort. Diese Zurückhaltung ist richtig und notwendig. Wer mit Jägern zusammenarbeitet, riskiert, dass sensible Daten in falsche Hände geraten und indirekt zu Verfolgung oder illegalen Handlungen führen können. Der Fall Alster zeigt exemplarisch, warum eine enge Kooperation mit der Jägerschaft beim Monitoring nicht tragbar ist, denn Aslter wurde von den Behörden für höchstwahrscheinlich tot erklärt. Wir berichteten hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/06/06/alster-ein-junges-leben-voller-panik-schmerz-und-trauma-endet-mit-illegalen-tod/

Monitoringdaten werden zur Jagd verwendet

Noch schwerwiegender ist die Entwicklung, die das Ministerium selbst einräumt und die Rundblick-Niedersachsen ausführlich darstellt: Die Monitoring-Daten werden künftig noch stärker als bisher als Grundlage für behördliche Abschussentscheidungen, Schnellabschüsse und Interventionsgebiete herangezogen. Mit der Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz und den neuen revierübergreifenden Managementplänen wächst die Bedeutung dieser Zahlen enorm. Die bisherigen Hinweise der Jägerschaft reichten dem Ministerium bereits nicht mehr aus – zusätzliche genetische Daten und Bewertungen durch den NLWKN werden jetzt stärker gewichtet.
Genau davor haben wir von Anfang an gewarnt: Wer am Monitoring mitwirkt, liefert die Datenbasis für gezielte Abschüsse.Besonders enttäuschend und verantwortungslos ist das Verhalten vieler selbsternannter „Wolfsfreunde“ und ehrenamtlicher Wolfsberater, die weiterhin fleißig Daten liefern. Sie wissen genau, wofür diese Informationen am Ende verwendet werden – und machen trotzdem mit. Viele von ihnen ziehen sogar direkten persönlichen Vorteil daraus: Aufwandsentschädigungen, öffentliche Anerkennung, Projektgelder oder schlicht die Möglichkeit, sich als „Experten“ zu profilieren. Wer sich Wolfsfreund nennt und gleichzeitig das System füttert, das Abschüsse ermöglicht, handelt aus Opportunismus.
Diese Art von „Schutz“ ist nichts anderes als Mitwirkung an der systematischen Verfolgung der Wölfe.Wer nicht will, dass seine Hinweise, Sichtungen oder genetischen Proben für den Abschuss von Wölfen missbraucht werden, darf hier nicht länger zuarbeiten. Eine „umfangreiche Beteiligung der örtlichen Jäger an der Datengewinnung“, wie das Ministerium sie weiterhin wünscht und die fortgesetzte Zuarbeit angeblicher Wolfsfreunde sind genau der falsche Weg.
Laut einer Antwort auf UIG-Anfrage zu einem Fall in Landkreis Celle wurde tatsächlich eine Schießgenehmigung nach dem Riss einer einzigen Heidschnucke ausgestellt, ohne Zaun, während des Hütens sollte der Vorfall passiert sein.

Unser Appell bleibt klar:


Das Wolfsmonitoring muss den Jägern vollständig entzogen werden. Es gehört in die Hände unabhängiger Institutionen – ohne Interessenkonflikte, ohne Jagdinteressen und ohne die Gefahr, dass Daten zu Abschussgrundlagen werden. Unsere Petition läuft weiter. Unterstützen Sie uns, damit der Schutz des Wolfs nicht länger von denen abhängt, die ihn töten wollen: 
Screenshot der Petitionsseite. Hier der Link: http://www.change.org/wolfsmonitoring
Quelle:

Wir brauchen Hilfe!

Auch die Praxis der geheimen Schnellabschüsse und die Ausweisung von Interventionsgebieten in Niedersachsen stellt aus Sicht von und von Wolfsschutz-Deutschland e. V. eine rechtlich höchst bedenkliche Einschränkung des Tier- und Naturschutzes dar. Durch die sechswöchige Informationsblockade wird der rechtzeitige Zugang zu behördlichen Daten systematisch erschwert, was die Einlegung effektiver Rechtsbehelfe durch anerkannte Natur- und Tierschutzverbände nahezu unmöglich macht. Dass Wölfe ohne vorherigen individuellen DNA-Nachweis auf bloßen Verdacht hin entnommen und in Interventionsgebieten ganze Rudel sukzessive ausgelöscht werden dürfen, widerspricht nach unserer Auffassung unseres Vereins den strengen Vorgaben des Bundes- und Europarechts zur Wahrung eines günstigen Erhaltungszustands. Anstatt mangelhafte Herdenschutzmaßnahmen zu rügen, verlagern die Behörden das erhebliche juristische Risiko von Fehlabschüssen einseitig auf die Jägerschaft. Besonders kritisch sehen wir auch die Rolle jener etablierten Verbände, die sich über die Mitwirkung eigener Wolfsberater in behördliche Strukturen einbinden lassen und weiterhin primär auf Spendenaufrufe für langwierige Klageverfahren setzen, obwohl die jüngsten Beschneidungen des Umwelt-Rechtsbehelfsgesetzes und die Praxis vollendeter Tatsachen die Aussichten reiner Gerichtsverfahren massiv geschmälert haben.
Um eine unabhängige, lückenlose Dokumentation direkt in den betroffenen Revieren sicherzustellen und dem Wolfsschutz eine unbestechliche Stimme zu geben, bittet Wolfsschutz-Deutschland e. V. dringend um finanzielle Unterstützung durch Spenden oder Fördermitgliedschaften.

Wir sind gerade mitten in den Abschussgebieten in Niedersachsen, Hessen, RLP und NRW und jetzt auch wieder in Bawü und Bayern unterwegs und kämpfen vor Ort gegen Wolfstötungen.
Damit wir das auch weiterhin vorausschauend und unabhängig tun können, brauchen wir jetzt eure finanzielle Unterstützung. Auch m
it einem monatlichen Abo von nur 5 Euro oder auch gerne mehr, helft ihr uns, weiter schnell reagieren zu können, Fakten gegen Hetze zu stellen und den Wolfsschutz dort zu verteidigen, wo er gerade am dringendsten gebraucht wird. Es ist kein Zufall, dass in Deutschland Todesurteile gegen Wölfe nicht in der Art vollstreckt werden können wie in der Schweiz und Österreich. 

Wolfstötung frei auf bloßen Verdacht: Wolfsschutz-Deutschland e. V. protestiert gegen Oberallgäuer Verfügung

Der Landkreis Oberallgäu hat eine weitreichende Allgemeinverfügung erlassen, die den vorbeugenden Abschuss eines Wolfes in den Allgäuer Bergen erlaubt. Damit greift die Behörde zu einem drastischen Mittel, noch bevor überhaupt ein einziges Nutztier gerissen wurde. Wolfsschutz-Deutschland e. V. verurteilt diesen Schritt aufs Schärfste. Wir lehnen diese anlasslosen Abschüsse konsequent ab und sehen generell keinerlei Rechtfertigung für die Tötung von Wölfen in der Region.

Die Allgemeinverfügung zur Erleichterung des Wolfsabschusses im Oberallgäu erstreckt sich auf alpine Weideflächen und Alpreviere südlich von Immenstadt. Betroffen sind Berggebiete und Täler rund um Oberstdorf, das Kleinwalsertal, Bad Hindelang sowie Fischen im Allgäu, Ofterschwang, Blaichach, Burgberg und Rettenberg.

Die rechtliche Grauzone und der Verstoß gegen das EU-Recht

Grundlage für das behördliche Vorgehen ist eine umstrittene Neuerung im Bundesjagdgesetz, die den Wolf seit April als jagdbare Art aufführt. Landkreise erhalten dadurch die Möglichkeit, selbstständig Weidegebiete auszuweisen, in denen die Wolfsbejagung trotz eines ungünstigen Erhaltungszustands der Population zulässig sein soll – und zwar rein präventiv. Das Oberallgäu nutzt diese Klausel nun demonstrativ aus und hat ein riesiges Areal ausgewiesen, das knapp 70 Jagdreviere und weite Teile der alpinen Weideflächen südlich von Immenstadt umfasst.
Aus juristischer Sicht steht diese Verfügung jedoch auf sehr tönernen Füßen: Das übergeordnete europäische Artenschutzrecht (FFH-Richtlinie) und die ständige Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) verbieten anlasslose Abschüsse ohne konkrete Schäden strikt. Dass die Abschussgenehmigung hier explizit trotz eines nachweislich ungünstigen Erhaltungszustands erteilt wurde, hebelt den biologischen Artenschutz komplett aus und macht die Verordnung europarechtlich hochgradig illegal.
Beispeilfoto Wolf. © Brigitte Sommer

Vorgeschobene Argumente und Befristung der Jagd

Die Behörden und die sogenannte Weideschutzkommission rechtfertigen die Allgemeinverfügung mit der Behauptung, dass ein wolfsabweisender Zaun im steilen und unübersichtlichen alpinen Gelände entweder unmöglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar sei. Für Wolfsschutz-Deutschland e. V. ist dies eine reine Schutzbehauptung, um sich aus der Verantwortung für moderne, flächendeckende Herdensicherungsmaßnahmen zu stehlen. Anstatt in funktionierende Schutzkonzepte und Hirten zu investieren, wird die Tötung eines geschützten Wildtieres als vermeintlich pragmatische Lösung verkauft. Diese hochgefährliche Schießgenehmigung gilt befristet bis zum 31. Oktober 2026. Doch das Landratsamt plant bereits, diesen Freibrief künftig zu jedem Beginn der Sommersaison neu zu erlassen.

📋 Infokasten: Das neue Wolfsmanagement in Bayern (Stand: Sommer 2026)

    • Gesetzliche Grundlage: Seit der Reform des bayerischen Jagdgesetzes im Frühjahr 2026 ist der Wolf im Freistaat offiziell als jagdbare Art eingestuft. Darauf aufbauend hat das Jagdministerium im Sommer 2026 eine neue strategische Arbeitshilfe für regionale Managementpläne erlassen.
    • Das Zwei-Zonen-Modell:
        • Alpenraum (Weidegebiete): In steilen alpinen Lagen gilt der Herdenschutz (Zäunung) behördlich als unzumutbar. Hier ermöglichen pauschale Allgemeinverfügungen der Landkreise den vorbeugenden Abschuss von Wölfen – komplett ohne vorherige Nutztierrisse.
        • Flach- und Hügelland: In den übrigen Regionen greifen revierbezogene Managementpläne. Diese erlauben im Zeitraum vom 1. Juli bis zum 31. Oktober eine reguläre, nachhaltige Wolfsbejagung, sofern die Population stabil ist.
    • Das Hauptproblem (Erhaltungszustand): Die bayerische Praxis hebelt den biologischen Artenschutz aus. Abschussgenehmigungen – wie aktuell im Oberallgäu – werden von den Behörden explizit auch bei einem nachweislich ungünstigen Erhaltungszustand der Wolfspopulation erteilt.
    • Kritik des Artenschutzes: Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. (Wir sehen gar keinen Anlass zum Töten) und sogar der Bund Naturschutz (verurteilt das anlasslose Töten) verurteilen die neuen Richtlinien als reine „Abschusspläne“. Statt den Fokus auf die gesetzlich vorgeschriebenen Schutz oder den Ausbau von Herdenschutzmaßnahmen zu legen, ist das bayerische Konzept primär auf die Dezimierung und Tötung (insbesondere von Welpen im Spätsommer) ausgerichtet.

Intransparenz per Exklusivmeldung: Behörde informiert Medien statt Öffentlichkeit

Besonders skandalös an diesem Vorgang ist die gezielte Informationspolitik des Landratsamtes Oberallgäu: Eine offizielle, für jedermann transparent zugängliche Pressemitteilung oder eine direkte Veröffentlichung der Allgemeinverfügung auf den eigenen Kanälen der Behörde sucht man bis dato vergeblich. Stattdessen wurden die drastischen Pläne zur Wolfsjagd klammheimlich und exklusiv über ausgewählte Pressehäuser gestreut, sodass die kritische Öffentlichkeit erst durch die Zeitungsberichterstattung vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Dieses Vorgehen entlarvt das Lippenbekenntnis des Landrats zu angeblicher „Transparenz“ als reine Farce. Wer den Abschuss geschützter Arten unter dem Radar der offiziellen Behördenportale vorbereitet und stattdessen auf mediale Vorab-Rapporte setzt, scheut offensichtlich den direkten sachlichen und demokratischen Diskurs.
Wölfin mit Welpe. © Brigitte Sommer

Todesurteil für den unauffälligen Wolf von Rohrmoos?

Besonders perfide ist, dass die Verfügung den sesshaften männlichen Wolf bedroht, der westlich von Oberstdorf im Bereich Rohrmoos heimisch ist. Dieses Tier verhält sich seit jeher absolut unauffällig und hat nach offiziellen Angaben noch nie ein einziges Weidetier attackiert oder gerissen. Dennoch läuft er durch die pauschale Ausweisung seines Lebensraums Gefahr, völlig grundlos von Jägern erlegt zu werden. Ein solches Vorgehen entbehrt jeder wissenschaftlichen, ethischen und juristischen Grundlage. Da der Wolf keinerlei Schäden verursacht hat, haben juristische Eilanträge vor deutschen Verwaltungsgerichten erfahrungsgemäß noch exzellente Erfolgschancen, den Abschuss sofort zu stoppen. Wir fordern den Bund Naturschutz auf, Klage einzureichen.

Konsequente Strafanzeigen angekündigt

Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie der Artenschutz politischer Willkür geopfert wird. Sollte im Rahmen dieser Allgemeinverfügung im Oberallgäu bis zum Ablauf der Frist am 31. Oktober tatsächlich ein Wolf geschossen werden, wird Wolfsschutz-Deutschland e. V. unverzüglich und ohne Ausnahme Strafanzeige erstatten. Dies betrifft sowohl die politisch und behördlich Verantwortlichen, die diese rechtswidrige Verfügung unterzeichnet haben, als auch die Jäger, die den Abschuss vor Ort ausführen. Wir fordern die sofortige Rücknahme dieser Verordnung.

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Wölfe als unerwartete Gärtner der Natur – und warum ihr Schutz nicht von „Nützlichkeit“ abhängen darf

Eine neue Studie aus den USA zeigt eindrucksvoll, was Wölfe für Ökosysteme leisten können: Blaubeersamen, die den Verdauungstrakt von Wölfen passiert haben, keimen deutlich besser und schneller als Samen, die direkt aus den Beeren entnommen wurden. Der Keimerfolg lag bei 96 Prozent gegenüber 69 Prozent bei den Kontrollsamen. Auch die Keimgeschwindigkeit war spürbar höher – die mediane Zeit bis zur Keimung betrug 19 statt 26 Tage. Wölfe verbreiten die Samen zudem über große Distanzen, weil sie weite Strecken zurücklegen.

Besonders beeindruckend ist, wie stark Blaubeeren im Sommer die Nahrung der Wölfe prägen. Im Greater Voyageurs Ecosystem in Minnesota machen Beeren während der Hauptsaison (Juli bis August) bis zu 83 Prozent der wöchentlichen Nahrung erwachsener Wölfe und über 30 Prozent der Nahrung der Welpen aus. Wölfe würgen die Beeren sogar für ihre Jungen hoch – ein Zeichen dafür, dass sie saisonal eine wichtige Rolle bei der Versorgung der Welpen spielen können.Lange Zeit wurde die Ausbreitung von Samen und die Förderung der Pflanzenvielfalt vor allem Weidetieren zugeschrieben – Rindern, Schafen und Ziegen, die durch Verbiss, Tritt und Kot die Landschaft gestalten.
Wölfe fressen Heidelbeeren. Das Bild ist KI-erstellt.
Die neue Untersuchung belegt nun, dass auch große Beutegreifer wie der Wolf solche Leistungen erbringen. Durch den massenhaften Verzehr von Früchten und die anschließende Ausscheidung der Samen tragen sie zur genetischen Vernetzung von Pflanzenpopulationen und zur Besiedlung neuer Standorte bei.Damit reiht sich die Studie in eine Reihe von Erkenntnissen ein, die immer wieder die ökologische Bedeutung von Beutegreifern unterstreichen. Wölfe beeinflussen nicht nur Beutetierbestände, sie wirken auch direkt auf die Verbreitung von Samen und sogar von Pilzsporen ein. Sie sind Teil eines komplexen natürlichen Gefüges.
Doch genau hier liegt ein wichtiger Punkt: Der Schutz des Wolfes – und aller wildlebender Tiere – darf nicht davon abhängen, wie „nützlich“ sie sich für den Menschen oder für bestimmte ökologische Ziele erweisen. Wölfe sind Geschöpfe, die von der Natur hervorgebracht wurden. In ihrem natürlichen Kreislauf hat jedes Lebewesen seinen Platz und seinen Sinn. Nur wir Menschen meinen, wir müssten ständig eingreifen, steuern und „herumfuhrwerken“, als sei die Natur ein System, das ohne unsere Kontrolle nicht funktioniere. Die Nützlichkeit, die Studien wie diese aufzeigen, ist ein wertvolles Argument in der gesellschaftlichen Debatte. Sie hilft, Vorurteile abzubauen und die vielfältigen Verbindungen sichtbar zu machen. Doch sie darf niemals zur Bedingung für den Schutz werden. Ein Lebewesen hat nicht deshalb ein Recht auf Existenz, weil es uns irgendwie dient.
Es hat dieses Recht, weil es Teil der lebendigen Natur ist.
Für Wolfsschutz-Deutschland e. V. bedeutet das: Wir freuen uns über jede wissenschaftliche Erkenntnis, die die Rolle des Wolfes in Ökosystemen besser verständlich macht. Gleichzeitig bleiben wir dabei: Der Wolf gehört in unsere Landschaften – nicht weil er immer wieder seine Nützlichkeit beweisen muss, sondern weil er ein natürliches Anrecht darauf hat. Unser Auftrag ist es, diesen Platz zu verteidigen und gleichzeitig den notwendigen Schutz von Weidetieren durch wirksame Herdenschutzmaßnahmen voranzubringen. Beides gehört zusammen.

Hier geht es zur Studie:

Die Macher dieser Studie sind Teil des Voyageurs Wolf Project, einer Forschungskooperation der University of Minnesota und des National Park Service. An der Veröffentlichung waren maßgeblich Forscher wie Austin D. Gross, Projektleiter Thomas D. Gable sowie Ökologen und Feldbiologen beteiligt.

https://royalsocietypublishing.org/rsbl/article/22/8/20260279/483026/Wolves-increase-germination-speed-and-success-of

 

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Nachruf auf Marcos Rodríguez Pantoja: Der Junge, der bei den Wölfen wahre Menschlichkeit fand

Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. sind zutiefst beeindruckt und bewegt von einer Lebensgeschichte, die wie kein zweites Schicksal die Brücke zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Wölfe schlägt. Marcos Rodríguez Pantoja, der als der „spanische Wolfsjunge“ weltbekannt wurde, ist am 15. August 2026 im Alter von 80 Jahren verstorben. Seine Geschichte ist ein lebendiges, schmerzhaftes Zeugnis dafür, wo wirkliche Empathie und Gemeinschaft in unserer Welt zu finden sind.

Verlassen von den Menschen – Aufgenommen vom Rudel

Marcos’ Weg in die Wildnis der Sierra Morena war kein romantisches Abenteuer, sondern das Resultat menschlicher Grausamkeit und Vernachlässigung. Nach dem frühen Tod seiner Mutter wurde er von seinem eigenen Vater im Alter von nur sieben Jahren an einen Ziegenhirten verkauft. Als dieser verstarb, blieb das Kind völlig schutzlos und isoliert in den Bergen zurück. Die menschliche Gesellschaft hatte Marcos im Stich gelassen, ihn ausgebeutet und wie eine Ware weggeworfen.
Doch in seiner dunkelsten Stunde, von Hunger und Angst getrieben, geschah das Unfassbare: Ein Wolfsrudel stieß auf den weinenden Jungen. Statt ihn als Beute zu sehen, erkannte die Leitwölfin die Not des Menschenkindes. Sie leckte ihm das Gesicht sauber, teilte Nahrung mit ihm und nahm ihn in ihren Bau auf. Zwölf Jahre lang sollte dieses Rudel Marcos’ einzige Familie bleiben.

Hintergrund:

Marcos wurde in Añora (Córdoba, Andalusien) geboren. Nach dem Tod seiner Mutter und einer schwierigen Kindheit mit Misshandlungen durch die Stiefmutter wurde er im Alter von etwa 6–7 Jahren (um 1953/1954) von seinem Vater an einen Großgrundbesitzer bzw. einen alten Ziegenhirten in der Sierra Morena übergeben. Nach dem Tod des Hirten lebte er jahrelang isoliert in der Natur – Berichten zufolge rund 11–12 Jahre – in einer Höhle, in Gesellschaft von Tieren, insbesondere Wölfen. Er ernährte sich von dem, was die Natur und die Tiere boten, und kommunizierte mit ihnen durch Laute.

Ki-generiertes Foto wegen Copyright.

 

1965, mit etwa 19 Jahren, fand ihn die Guardia Civil. Die Rückkehr in die menschliche Gesellschaft war sehr schwer: Er musste Sprache, Kleidung, Essen mit Besteck und soziale Normen neu lernen. Er hatte zeitlebens Schwierigkeiten mit der Zivilisation, bevorzugte oft das Leben in der Natur und mit Tieren und sprach später davon, dass die Jahre unter den Wölfen die glücklichsten seines Lebens gewesen seien.

Sein Fall wurde von dem Anthropologen Gabriel Janer Manila untersucht (Dissertation und später das Buch He jugado con lobos / „Ich habe mit Wölfen gespielt“). 2010 erschien der Film Entrelobos (Among Wolves) von Gerardo Olivares, in dem Rodríguez Pantoja selbst kurz auftrat.

In seinen späteren Jahren lebte er in Rante (San Cibrao das Viñas, Ourense/Galicien), wo er am 15. August 2026 im Alter von 80 Jahren starb.

Hier der Trailor zum Spielfilm:

 

Die Wolfsfamilie: Ein Ort der bedingungslosen Zuneigung

Was Marcos zeit seines Lebens an seiner Wolfsfamilie am meisten schätzte, war etwas, das ihm die Welt der Menschen bis dahin verwehrt hatte: bedingungslose Zuneigung, absolute Loyalität und ein unerschütterliches Gefühl der Zugehörigkeit. Bei den Wölfen gab es keine Lügen, keine Hinterlist und keine Ausgrenzung. Jeder hatte seinen Platz, jeder trug zum Überleben bei, und jeder wurde beschützt.
Es bleibt die bittersüße Tragik seines Lebens, dass Marcos – obwohl er zwölf Jahre lang von purer familiärer Fürsorge umgeben war – nach seiner erzwungenen Rückkehr in die Zivilisation im Jahr 1965 nie wieder eine eigene, menschliche Familie gründen konnte. Die Entwurzelung war zu tief, die Wunden der Vergangenheit zu groß.

Wenn Wölfe sich „menschlicher“ verhalten als Menschen

Marcos’ spätere Kritik an der modernen menschlichen Gesellschaft war messerscharf und regt zum tiefen Nachdenken an. Er betonte oft, dass er sich in der Wildnis, umgeben von Raubtieren, niemals einsam oder bedroht gefühlt hatte – in den Städten der Menschen dagegen ständig.
Seine Erfahrung zwingt uns zu einem unbequemen Spiegel: Wölfe kämpfen, um zu überleben, um ihre Welpen zu ernähren oder ihr Revier zu verteidigen. Menschen hingegen betrügen, belügen, bekämpfen und töten einander oft ohne jeden ersichtlichen Grund. In Marcos’ Leben haben sich die Wölfe schlussendlich weitaus fürsorglicher, sozialer und „menschlicher“ verhalten als jene Spezies, die diesen Begriff für sich beansprucht.

Zurück im ewigen Ganzen

Sein Leben in der Zivilisation war ein lebenslanger Versuch, sich anzupassen, doch sein Herz blieb immer in den Bergen der Sierra Morena. Er versuchte in späteren Jahren mehrfach, zu den Wölfen zurückzukehren, doch die alten Rudel waren längst verschwunden, und die Natur hatte sich verändert.
Nun, da Marcos diese Welt verlassen hat, schließt sich der Kreis. Wir glauben fest daran, dass er im Tod den Weg zurück zu seiner wahren Familie gefunden hat. Er ist nun erlöst von den Zwängen einer ihm oft fremd gebliebenen Zivilisation. Marcos ist eingegangen in das ewig Ganze – ein Teil der Natur, der Wälder und der Wölfe, die ihn einst retteten. Er ist nun eins mit allem, was war, was ist und jemals sein wird.
Marcos, deine Geschichte wird in unserer Arbeit für den Schutz der nachkommen Deiner geliebten Wolfsfamilie und allen Wolfsfamilien weiterleben. Rufe Deine Eltern, sie warten auf Dich.
Ki erstelltes Bild.

Unabhängiger Schutz für Spaniens Wölfe im Hier und Jetzt 

Inmitten des aktuellen politischen Konflikts in Spanien leistet die NGO FAPAS (Fondo para la Protección de los Animales Salvajes) unverzichtbare Arbeit:
    • Unabhängige Zählung: FAPAS bricht das Informationsmonopol von Staat und Jagdlobby, indem sie durch eigenes Fotofallen-Monitoring die echten, oft künstlich hochgerechneten Wolfszahlen wissenschaftlich belegen.
    • Herdenschutz & Aufklärung: Die Organisation unterstützt Landwirte bei Schutzmaßnahmen und der schnellen Rissbegutachtung, um illegale Rache-Abschüsse und Giftköder-Einsätze zu verhindern.
    • Natürliche Nahrungsquellen: FAPAS kämpft dafür, dass Viehkadaver in den Bergen liegen bleiben dürfen. Das sichert Wölfen und Geiern ihre natürliche Nahrung und minimiert Angriffe auf lebende Nutztiere.
Mehr Infos unter fapas.es oder auf der deutschsprachigen Infoseite fapasdeutsch.com

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

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Soft Power und Technokratie im Wolfsschutz – Wie das Vergrämungs-Narrativ der NI den Abschuss von Grindi vorbereiten könnte

Eine kritische Analyse aus Sicht von Brigitte Sommer, Wolfsschutz-Deutschland e.V.

Der aktuelle Text der Naturschutzinitiative e.V. (NI) zur geplanten „Vergrämung“ des Hornisgrinde-Wolfs GW2672m (von uns „Grindi“ genannt) wird von Teilen der Öffentlichkeit als schützende Maßnahme wahrgenommen. Aus Sicht von Wolfsschutz-Deutschland e.V. lässt sich der Text jedoch als ein subtil konstruiertes Argumentationsmuster interpretieren, das technokratische Züge trägt. Nach unserer Auffassung wird hierdurch die öffentliche Wahrnehmung schrittweise an staatliche Eingriffe gewöhnt. Statt offener Aggressivität dominieren in dem Text aus unserer Sicht eine stark wissenschaftlich untermauerte Autorität und sprachliche Umschreibungen, die ethische und politische Fragen der Wolfspolitik in den Hintergrund rücken lassen.

1. Das Kern-Narrativ: Vom „Retter“ zum „Vorbereiter“?

Auf den ersten Blick versucht der Text, ein Retter-Narrativ zu etablieren. Auffällig ist dabei jedoch eine Tendenz zur Entemotionalisierung: Durch die nüchterne Nennung der ID GW2672m und die Bezeichnung „Hornisgrinde-Wolf“ wird das Tier in unseren Augen stark auf eine Verwaltungsnummer und ein bestimmtes Territorium reduziert.
Gleichzeitig wird suggeriert, das geplante Vorgehen sei „auf das Verhalten genau dieses Tieres abgestimmt“. Das erzeugt in der Öffentlichkeit den Eindruck einer quasi-wissenschaftlichen, fast partnerschaftlichen Interaktion. Aus unserer Sicht könnte dies jedoch dazu dienen, eine spätere Eskalation argumentativ vorzubereiten. Wir befürchten, dass das, was heute als angeblich maßgeschneiderte „Vergrämung“ dargestellt wird, in Zukunft als Begründung für weitergehende Maßnahmen – bis hin zu einem potenziellen Abschuss – herangezogen werden könnte. Für uns stellt sich dies nicht als partnerschaftlicher Ansatz dar, sondern als ein Prozess, der die Akzeptanz für staatliche Eingriffe in der Bevölkerung erhöhen soll.
Besonders widersprüchlich erscheint uns in diesem Zusammenhang, dass die NI damit nach unserem Kenntnisstand einem eigenen früheren Gutachten entgegensteht. Darin hatte sie Grindi ausdrücklich ein „Nationalparkverhalten“ zugeschrieben – also ein Verhalten, das auf Scheu und Natürlichkeit hindeutet. Dieser Positionswechsel wirkt auf uns wie eine taktische Anpassung an die veränderte politische Lage und weniger wie eine konsequente Schutzzusage.
Beispielfoto schwimmender Wolf.. © Brigitte Sommer

2. Technokratische Züge und sprachliche Strategien

Appell an die Autorität und Verknüpfung mit Expertenwissen
„Zahlreiche Wissenschaftler und Wolfsexperten werden im Vorfeld ein Konzept entwickeln…“
Mit solchen Formulierungen wird aus unserer Sicht eine anonyme Expertise als argumentativer Schutzschild genutzt. Wer dem Vorgehen widerspricht, läuft Gefahr, als „unwissenschaftlich“ abqualifiziert zu werden. Das Papier wirkt dadurch klar technokratisch geprägt: Komplexe politische und ethische Fragen werden in anonyme Expertenkonzepte verschoben; Transparenz und öffentliche Kontrolle treten in den Hintergrund.
Wir vermissen hierbei die notwendige Offenheit: Welche Wissenschaftler genau werden befragt? Bleiben ihre Namen und Institutionen geheim? Handelt es sich um weisungsgebundene Experten? Die Erinnerung an den Welpen von Großhennersdorf, der im Rahmen einer Hard-Release-Aktion erhebliche Belastungen erfahren musste, nährt aus unserer Sicht berechtigte Zweifel an der Unabhängigkeit mancher Expertenkreise.
Demgegenüber steht die praktische Erfahrung vor Ort: Ich, Brigitte Sommer, bin Grindi im Februar 2026 zufällig begegnet. Meine persönliche Einschätzung widerspricht derjenigen der NI und der behördlichen Experten. Ich konnte Grindi leicht und ohne Gewalt verscheuchen. Die Formulierungen der NI schaffen aus unserer Sicht daher keine Transparenz, sondern eine schwer angreifbare Rechtfertigungsebene für staatliches Handeln.
Screenshot des Beitrages der Ni auf der Facebookseite. Quelle, siehe unten.

 

Sprachliche Umschreibungen

Die Abgrenzung von „normalen“ Vergrämungsmaßnahmen wie dem Beschießen mit Gummigeschossen erweckt einen humanen Eindruck. Der Begriff „Vergrämung“ wird dadurch sprachlich abgemildert. Wir sehen darin eine sprachliche Strategie: Vertreibung und erhebliche Störungen des Tieres werden als schonend gerahmt. Aus unserer Sicht deutet jedoch wenig auf eine tatsächlich schonende Umsetzung hin; wir müssen stattdessen mit den Belastungen einer Hard-Release-Vergrämung inklusive der Absicht eines Senderhalsbandes rechnen. Diese Wortwahl bereitet unserer Auffassung nach den Boden für die nächste Eingriffsstufe.

Konstruktion von Feindbildern und Ausgrenzung von Kritik

„Das Nachstellen und Verfolgen des Wolfes ist völlig kontraproduktiv…“

Mit diesem Satz werden Touristen und kritische Beobachter pauschal und präventiv als potenzielle Störer dargestellt. Diese Ausgrenzung schützt aus unserer Sicht nicht primär den Wolf, sondern soll das behördliche Narrativ vor kritischen Blicken schützen. Die Realität vor Ort stellt sich für uns anders dar: Unsere Aktiven sind selbst regelmäßig im Nordschwarzwald im Einsatz. Wir haben niemanden gesehen, der dem Wolf nachstellte. Aus unserer Sicht gibt es dort keinen „Wolfstourismus“. Die Behauptung dient nach unserer Einschätzung der Konstruktion eines Feindbildes, um von den eigentlichen, kritischen Fragen abzulenken.
Zudem bleibt unklar, wie man Wanderer auf offiziellen Wegen rechtssicher ausschließen will. Eine solche Einschränkung öffentlicher Wege wäre ein erheblicher Eingriff in die Rechte der Allgemeinheit und unterstreicht aus unserer Sicht die Unverhältnismäßigkeit der gesamten Argumentation.

Rhetorischer Widerstand und das Verhalten der Beteiligten

„Sollte es dennoch zu einer Abschussgenehmigung kommen, würden wir diese nicht klaglos hinnehmen.“
Das Wort „klaglos“ signalisiert eine Kampfbereitschaft, die in unseren Augen im Widerspruch zur Realität steht, da die Klage keinen Erfolg hatte. Der rhetorische Widerstand erscheint uns daher wie ein Agieren im vorgegebenen Rahmen, das die grundsätzliche Akzeptanz staatlicher Eingriffe nicht substanziell in Frage stellt.

3. Fehlende Transparenz, mangelnde Verhältnismäßigkeit und die Absurdität der behördlichen Risikoabwägung

Besonders schwer wiegt aus unserer Sicht die mangelnde Transparenz im gesamten Verfahren sowie die eklatante Unverhältnismäßigkeit der behördlichen Maßnahmen. Die frühere Tötungsgenehmigung vom 23.01.2026 beruhte nach unseren Informationen lediglich auf einer „wahrscheinlichen“ oder „vorstellbaren“ Gefahr – einer rechtlich aus unserer Sicht bedenklich niedrigen Hürde.
Hier offenbart sich eine argumentative Absurdität, die wir aufs Schärfste kritisieren müssen: Um eine lediglich theoretisch vorstellbare Gefahr durch den Wolf abzuwehren, wurden drei Personen ermächtigt, Grindi mit halbautomatischen und automatischen Waffen, Nachtsichtgeräten und Bildverstärkern aus stehenden Fahrzeugen heraus zu jagen. Eine Tötung sollte sogar pauschal bei einer „Gefahr für die Gesundheit der Menschen“ gerechtfertigt sein.
Nach unserer Auffassung wurde hierbei die Verhältnismäßigkeit völlig auf den Kopf gestellt: Während die angebliche Gefahr durch den Wolf rein spekulativ war, war die Gefährdung unbeteiligter Menschen, Spaziergänger und Wanderer durch den Einsatz von Schusswaffen und visierten „Häschern“ im öffentlichen Raum real. Es ist aus unserer Sicht rational nicht nachvollziehbar, wie der Schutz der Bevölkerung als Argument vorgeschoben werden kann, wenn gleichzeitig bewaffnete Akteure in ein viel besuchtes Naherholungsgebiet geschickt werden, wodurch das Risiko von Fehlschüssen oder Unfällen drastisch steigt.
Zudem wird völlig ausgeblendet, dass das Zusammentreffen mit Wildtieren in einer Kulturlandschaft oder gar in einem ausgewiesenen Nationalpark zum allgemeinen Lebensrisiko gehört. Ein Wolf, dem die NI selbst zuvor „Nationalparkverhalten“ attestierte, der sich über fünf Jahre völlig unauffällig verhielt und nachweislich Distanz wahrte (bei rund 180 Sichtungsmeldungen wurde fast ausnahmslos ein Abstand von weit über 20–25 Metern eingehalten), erfüllt die Kriterien einer realen Bedrohung in keiner Weise. Meine eigene, friedliche Begegnung im Februar 2026, bei der Grindi leicht zu verscheuchen war, unterstreicht dies. Dazu kommen wohl aktuell sechs Sichtungen.
Die Verhältnismäßigkeit wird vollends zur Farce, wenn man die Realität statistischer Gefahren betrachtet: Während durch diesen Wolf nachweislich keinem Menschen auch nur ein Haar gekrümmt wurde, werden in Deutschland jährlich tausende Menschen von Haustieren wie Hunden gebissen oder im ländlichen Raum von Nutztieren wie Kühen schwer verletzt. Diese realen, alltäglichen Gefahren werden gesellschaftlich als Lebensrisiko akzeptiert. Dass beim Wolf jedoch bereits eine bloß vorstellbare Präsenz ausreicht, um bewaffnete Jäger zu autorisieren und das Leben von Spaziergängern real aufs Spiel zu setzen, entlarvt die behördliche Praxis aus unserer Sicht als reine Symbolpolitik auf Kosten des Arten-, Tier- und Naturschutzes.

4. Diskussionslenkung und Einschränkung des Debattenraums

Die Einschränkung der Kommentarfunktion mit dem Verweis auf „widersprüchliche, wenig hilfreiche und teils beleidigende“ Kommentare ist aus Sicht von Wolfsschutz-Deutschland e.V. keine neutrale Moderation. Indem sachliche, aber widersprüchliche Kritik sprachlich mit Beleidigungen in einen Topf geworfen wird, wird legitimer Protest in unseren Augen pauschal entwertet. Diese Form der Diskussionslenkung schützt das eigene Narrativ vor kritischen Gegenargumenten und verhindert den offenen, demokratischen Austausch.

Gerade in Zeiten, in denen behördliche Maßnahmen zunehmend hinter verschlossenen Türen beschlossen werden, zeigt sich die unverzichtbare Bedeutung unabhängiger Organisationen. Ein Blick in die Geschichte lehrt uns, dass es noch nie die Ja-Sager, die Konformisten oder die bedingungslos Regierungstreuen waren, die Fehlentwicklungen korrigiert oder Schlimmeres verhindert haben – Fortschritt und der Schutz von Rechten basierten stets auf dem Mut zum Widerspruch. Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e.V. sind als kritische Instanzen im Natur- und Artenschutz daher notwendiger denn je, um Intransparenzen aufzudecken, die Verhältnismäßigkeit staatlichen Handelns einzufordern und sich im Zweifel konsequent zu trauen, ein klares „Nein“ gegen die schleichende Akzeptanz von Wolfsabschüssen auszusprechen.

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

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Der Wolfskalender 2027 von Wolfsschutz-Deutschland e. V. ist da – Jetzt vorbestellen!

Viele von Ihnen haben uns schon seit dem Frühjahr ungeduldig danach gefragt – jetzt ist es endlich so weit. Wir freuen uns riesig, ab sofort unseren neuen Wolfskalender für 2027 präsentieren zu dürfen. In diesem Jahr erwartet Sie wieder ein ganz besonderer Wandschmuck: Freuen Sie sich auf herzerwärmende Momente und exklusive Einblicke direkt aus dem Familienleben der Wölfe. Unsere Aufnahmen zeigen die faszinierende sozialen Bindungen, das harmonische Miteinander und die tiefe Vertrautheit innerhalb des Rudels. Bilder, die berühren und die wilde Schönheit dieser Tiere auf einzigartige Weise einfangen.

Ab sofort können Sie unseren exklusiven Wolfskalender für 2027 vorbestellen. Die Auslieferung startet Mitte September.
Mit dem Kauf dieses Kalenders verschönern Sie nicht nur Ihre Wände, sondern unterstützen auch direkt die wichtige Arbeit unseres Vereins zum Schutz der Wölfe.
Das erwartet Sie:
    • Exklusive Einblicke: 12 wunderschöne, vereinseigene Wolfsfotos, von Brigitte Sommer erstellt – keine Agenturbilder, nur bei uns erhältlich.
    • Hohe Qualität: Gedruckt im edlen Großformat (DIN A3) auf hochwertigem Papier.
    • Nachhaltig: Nach Ablauf des Jahres lassen sich die Motive wunderbar ausschneiden und rahmen.
    • Streng limitiert: Es gibt in diesem Jahr nur 400 Exemplare!

Preis: 22,00 €, inklusive Versand

Unser Kalender 2027 © Brigitte Sommer

 

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Hier ein Blick in den Kalender

 

 

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Der Hirsch als Sündenbock: Wenn „Naturschützer“ zur Büchse greifen

In den Köpfen vieler Menschen gilt der Naturschutz als eine harmonische Bewegung, in der alle Akteure dasselbe Ziel verfolgen: den bedingungslosen Schutz von Flora und Fauna. Wer an große Organisationen wie den BUND Naturschutz in Bayern (BN) oder den NABU denkt, sieht meist Aktivisten vor sich, die sich für den Schutz aller Tiere einsetzen. Doch die Realität ist weitaus widersprüchlicher. Ein drastisches Beispiel hierfür ist die wiederkehrende Forderung dieser Verbände nach einer massiven Erhöhung der Abschusszahlen von Rothirschen und Rehen. Unter dem ideologischen Deckmantel des Prinzips „Wald vor Wild“ mutiert eine vermeintliche Tierschutzbewegung hier zum Treiber einer gnadenlosen Jagdpolitik. Der Hirsch wird dabei zum reinen Schädling degradiert, den es im Namen des Klimaschutzes radikal zu dezimieren gilt.

Dabei haben die großen Naturschutzverbände eine mächtige Allianz gebildet, die eine bittere Wahrheit über das vermeintliche Fachpersonal des Waldes offenbart. Hand in Hand mit dem Ökologischen Jagdverein (ÖJV), forstwirtschaftlichen Verbänden und grüner Politik wird ein massiver Druck auf die Bestände ausgeübt. Viele Menschen glauben fälschlicherweise immer noch, dass Förster und Berufsjäger die „guten“, besonnenen Hüter des Waldes seien, die im Einklang mit der Natur handeln. Doch genau hier werden sie eines Besseren belehrt: Es sind gerade die staatlichen Forstbetriebe und Berufsjäger, die im Auftrag der Holz- und Forstwirtschaft den radikalsten Abschuss fordern. Für sie zählt nicht das Tierwohl, sondern die schadensfreie Holzproduktion.
Beispielfoto Rothirsche. © Brigitte Sommer
Auf der anderen Seite agieren die klassischen Hobbyjäger. Doch auch deren Motivation entspringt keinem reinen Tierschutzgedanken: Sie setzen sich oft nur deshalb für den Erhalt des Wildes ein, weil sie es letztendlich selbst für ihre Trophäen schießen möchten. Zwischen diesen beiden Fronten wird das Wildtier zum bloßen Spielball degradiert. Während die einen es aus sportlichem Eigeninteresse erhalten wollen, fordern die Naturschutzverbände im Verbund mit den Förstern seine rücksichtslose Reduktion. Dass dabei Jagdzeiten ausgeweitet und Schonzeiten verkürzt werden, zeigt ein rein utilitaristisches Naturverständnis. Das Beispiel zeigt schmerzhaft, dass das Etikett „Naturschutz“ nicht automatisch Tierschutz bedeutet. Wer den Wald retten will, indem er im Verbund mit Förstern und Berufsjägern dessen treueste Bewohner zum Abschuss freigibt, hat das Prinzip der Ganzheitlichkeit der Natur aus den Augen verloren.
Vor diesem Hintergrund entpuppt sich auch die ständig wiederholte, moralisierende Forderung an kleinere Organisationen, sie müssten doch „am gleichen Strang ziehen“ und sich den großen Verbänden anschließen, als pure Naivität. Wer so argumentiert, übersieht völlig, dass diese vermeintliche Einigkeit ein Trugbild ist. Große Verbände wie der BN oder der NABU haben sich längst in politischen und forstwirtschaftlichen Netzwerken verheddert, bei denen pragmatische Kompromisse und wirtschaftliche Interessen den echten, konsequenten Tierschutz verdrängt haben. Ein blindes Einreihen kleinerer Organisationen in diese Phalanx würde bedeuten, die eigenen, oft viel ehrlicheren Ideale für eine verfehlte Jagdpolitik zu opfern. Wahre Vielfalt im Naturschutz entsteht nicht durch erzwungenen Gleichschritt, sondern durch den Mut, dem zerstörerischen Kurs der großen Akteure und ihrer forstwirtschaftlichen Verbündeten entschieden zu widersprechen, wie wir es von Wolfsschutz-Deutschland e. V. tun.
Der natürliche Regulator des Wildes ein Störfaktor einer technokratischen Entwicklung? © Brigitte Sommer

 

Wir fordern die Abschaffung der allgemeinen Jagd

Gleichzeitig offenbart die öffentliche Debatte eine tiefgreifende Absurdität: Tierschützer, die sich rein auf die Kritik an der Hobbyjagd fokussieren, erzielen merkwürdig hohe Reichweiten und ernten in den sozialen Medien massiven Beifall. Das Motiv des Freizeitjägers, der aus Lust am Töten oder für Trophäen in den Wald geht, bedient ein leicht verständliches, hochemotionales Feindbild. Doch diese laute Empörung wirkt wie ein perfektes Ablenkungsmanöver, das den großen Verbänden und der Forstwirtschaft in die Karten spielt. Während sich die breite Masse am Hobbyjäger abarbeitet, entsteht der naive Irrglaube, der Abschuss durch Förster und Berufsjäger sei irgendwie „besser“ oder „professioneller“. Unter diesem Sichtschutz können staatliche Forstbetriebe im Verbund mit dem BN eine weitaus radikalere und systematischere Dezimierung des Wildbestands vorantreiben, als es Einzeljäger je könnten. Die künstlich hochgehaltene Reichweite der reinen Hobbyjagd-Kritik vernebelt so den Blick auf die eigentliche, strukturelle Bedrohung unserer Wildtiere durch die Forstindustrie.
Betrachtet man diese Entwicklung weiter, wird deutlich, dass hier langfristig der Weg für ein rein technokratisches Staatsziel geebnet wird: die vollständige Verstaatlichung der Jagd. In einer zunehmend daten- und effizienzgetriebenen Politik gilt das traditionelle, auf private Hobbyjäger setzende Revierjagd-System als unzuverlässiger Störfaktor. Eine technokratische Regierung, die den Wald primär als CO₂-Speicher und Rohstofflieferanten optimieren will, verlangt nach mathematischer Planbarkeit. Das Ziel ist eine Jagd ohne Emotionen und Traditionen, gesteuert durch KI, Drohnentechnologie und staatliche Vegetationsgutachten. Ausführende Organe wären dann keine Hobbyjäger mehr, sondern angestellte Berufsjäger und Forstbeamte, die Abschussquoten wie ein betriebswirtschaftliches Soll-Ergebnis exakt abarbeiten. Indem große Naturschutzverbände und Forstbetriebe die Jagd permanent als reines Regulierungswerkzeug framen, bereiten sie unbewusst oder sogar bewusst den Boden für ein solches staatliches „Wildtiermanagement des Grauens“.
Waschbären werden als angeblich invasiv gnadenlso zusammen geschossen.

 

Dies erklärt letztendlich auch, warum hinter den Kulissen bereits der politische Wunsch reift, den Wolf wieder vehement einzudämmen oder gar komplett zu verdrängen. Als natürlicher Regulator stört der Wolf ein solches technokratisches Konzept fundamental. Ein Beutereifer jagt nicht nach staatlichen Tabellen, hält sich an keine Jagdbezirke und entzieht sich jeder bürokratischen Kontrolle. Er ist das lebende Gegenteil von mathematischer Planbarkeit. Indem große Naturschutzverbände und Forstbetriebe die Natur permanent als reines, künstlich zu regulierendes Werkzeug framen und unberechenbare Faktoren wie den Wolf bekämpfen, bereiten sie den Boden für ein rein staatliches Wildtiertötungsmanagement. Am Ende dieses Weges steht die totale Kontrolle: Ein bürokratischer Apparat, der den Wald endgültig zur staatlich verwalteten Holzfabrik degradiert und jeglichen ethischen Bezug zum Mitgeschöpf Wildtier eliminiert. Noch haben wir Zeit selbst zu entscheiden, in welch einer Welt wir leben wollen. Kritisch zu hinterfragen wäre der notwendige Anfang.

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Flammenmeer im Hohen Venn: Wolfsrudel entkamen wahrscheinlich der Katastrophe

Ein historischer Großbrand hat das Herz des grenzüberschreitenden Naturschutzgebiets Hohes Venn erschüttert. Begünstigt durch eine extreme sommerliche Trockenperiode fraßen sich die Flammen seit dem 14. August 2026 innerhalb weniger Tage durch rund 3.200 Hektar wertvolle Hochmoor- und Heidelandschaft, womit es sich offiziell um den schwersten Brand in dieser Region seit dem Jahr 1911 handeltBezüglich der Ursache ermitteln die belgischen Behörden und die Staatsanwaltschaft Lüttich bereits auf Hochtouren in alle Richtungen. Da das Feuer in einer Phase extremer Trockenheit ausbrach, steht der Verdacht auf fahrlässige oder gar vorsätzliche Brandstiftung im Raum. Kriminalisten können das unwegsame Ausbruchsareal im Kerngebiet jedoch erst physisch untersuchen, wenn die akute Gefahr am Boden vollständig gebannt ist. Für uns als Wolfsschützer stand sofort die brennende Frage im Raum, was diese Naturkatastrophe für die Tierwelt und insbesondere für die Wölfe bedeutet. Das offizielle, rund 505 Quadratkilometer große „Wolfsgebiet Eifel – Hohes Venn“ verbindet ostbelgische Biotope direkt mit den dichten Wäldern Nordrhein-Westfalens, doch die Auswirkungen des aktuellen Feuers unterscheiden sich drastisch, je nachdem, auf welcher Seite der Grenze man auf die Rudel blickt.

Update: DAs LANUK veröffentlichte inzwischen eine Pressemitteilung mit dem Inhalt, dass der alte Rüde Akela tot bei Euskirchen aufgefunden worden sei: https://wolf.nrw.de/wolf/de/aktuelles/2026-08-21

Besonders hart hat es das etablierte belgische Venn-Rudel getroffen,  da das Epizentrum des Brandes mitten in seinem angestammten Territorium lag. Dieses Pionierrudel wurde im Jahr 2021 vom bekannten Leitwolf Akela und der Fähe Maxima gegründet, die seither fast jährlich erfolgreich Welpen im Hohen Venn großgezogen haben. Dank offizieller Berichte der belgischen Behörden gibt es zumindest eine große Erleichterung, da bislang keine verletzten oder getöteten Wölfe der Nachkommen von Akela und Maxima im Brandareal nachgewiesen wurden. Wölfe besitzen einen hochentwickelten Geruchssinn, wodurch das Rudel den giftigen Brandrauch frühzeitig bemerkte und eigenständig aus den Gefahrenzonen flüchtete. Wildbiologen vermuten die Tiere derzeit in den tieferen, unversehrten Waldgebieten rund um Jalhay im Westen sowie in den südlich gelegenen Wäldern von Malmedy. Auch ein weiteres, jüngeres Rudel, das von einem männlichen Nachkommen Akelas nördlich von Malmedy angeführt wird, musste seine Streifzüge den veränderten Bedingungen anpassen. Obwohl die Wölfe lebend entkamen, stehen sie vor dem ökologischen Nichts, da durch die großflächige Zerstörung auch die dortigen Beutetiere geflohen sind und dem Rudel im Venn auf Monate hinaus die Jagdbasis fehlt. Da sie nun in dichter besiedelte Übergangsregionen ausweichen müssen, steigt das Risiko von Konflikten mit dem Straßenverkehr und ungeschützten Nutztierweiden erheblich.
Beispielfoto Wölfe vor Flammenmeer. Der Bild wurde mit KI erstellt.

Die deutsche Seite: Das Rudel „Nordeifel“ als sicherer Hafen

Auf der deutschen Seite der Grenze, im Bereich der rheinland-pfälzischen und nordrhein-westfälischen Eifel, stellt sich die Situation für die dortigen Wolfsvorkommen glücklicherweise ganz anders dar. Das offizielle Wolfsgebiet umfasst die Kommunen Monschau, Roetgen, Simmerath, Schleiden und Hellenthal. Ein genauer Blick in die offiziellen Wolfsnachweise des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUK) zeigt, dass hier nicht mehr nur Einzelwölfe umherziehen, sondern das eigenständige Wolfsrudel „Nordeifel“ fest etabliert ist. Angeführt von den Elterntieren mit den Kennungen GW2391m und GW2545f zieht dieses Rudel, zu dem auch mehrere Jährlinge und Welpen gehören, seine Runden vor allem in den ausgedehnten Waldgebieten des Kreises Euskirchen.
Die verheerende Flammenwalze verbreitete sich zwar aus Belgien kommend in Richtung Osten, konnte jedoch knapp zwei Kilometer vor der deutschen Bundesgrenze durch einen massiven, internationalen Verbundeinsatz gestoppt werden. Neben rund 350 Einsatzkräften am Boden spielten Löschflugzeuge und Hubschrauber eine entscheidende Rolle; so unterstützte unter anderem durch die Bundeswehr die Löscharbeiten vom Fliegerhorst Nörvenich aus mit zwei NH90-Transporthubschraubern. Deutsche Feuerwehrkräfte und das THW errichteten mobile Löschwasserbecken bei Monschau-Kalterherberg, um Riegelstellungen zu sichern und ein Übergreifen zu verhindern. Da der nahegelegene Nationalpark Eifel und die umliegenden Wirtschaftswälder völlig unversehrt blieben, ist das Revier des deutschen Rudels „Nordeifel“ zu keinem Zeitpunkt direkt gefährdet gewesen. Die intakten Eifelwälder dienen den flüchtenden Wölfen aus Belgien nun als potenziell überlebenswichtiger Rückzugsraum mit ausreichend Sichtschutz und stabilen Wildbeständen, auch wenn dies vorübergehend zu Revierverschiebungen und erhöhtem Druck in den Grenzregionen führen kann.

Untätige Wolfsschützer?

Im Zuge der Berichterstattung tauchten in den sozialen Medien vereinzelt Vorwürfe von Wolfsgegnern auf, die behaupteten, Wolfsschützer würden tatenlos zusehen und den Tieren im brennenden Hohen Venn nicht helfen. Diese emotionale Kritik entbehrt jedoch jeder fachlichen Grundlage und ignoriert die biologische Realität sowie die extreme Gefahrenlage vor Ort. Wölfe sind hochentwickelte, scheue Wildtiere und kein menschlicher Rettungsversuch könnte sie in einer solchen Ausnahmesituation evakuieren. Ein Eindringen in das verrauchte Gebiet würde die Tiere lediglich in Todesangst versetzen und panische Fehlreaktionen hervorrufen, die sie erst recht in die Flammen treiben könnten. Die beste Hilfe für den Wolf ist es, ihm den Raum für seine eigenen Instinkte zu lassen, da er Gefahren koordiniert ausweicht, solange Fluchtwege nicht durch menschliche Präsenz blockiert werden. Zudem ist das Betreten des verbrannten Bodens aufgrund sogenannter Zombie-Feuer lebensgefährlich. Da das Feuer im ausgetrockneten Torfboden unterirdisch weiterglimmt, entstehen unsichtbare Hohlräume und Einsturzkamine, aus denen hochgiftiges Kohlenmonoxid ausgetreten ist, welches bereits zu Rauchgasvergiftungen bei Einsatzkräften führte. Jede eigenmächtige Suchaktion ist von den Behörden tatsächlich zu Recht streng untersagt, obwohl sich die Lage seit dem 20. August deutlich entspannt hat.
Beispielfoto spielendes Wolfsrudel.
Das binationale Wolfsmonitoring in Nordrhein-Westfalen und Wallonien hat seine Arbeit bereits intensiviert und wird, sobald die unterirdischen Brandherde erloschen sind, unbeschädigte Wildtierkameras auslesen sowie Kot- und Haarproben sammeln. Nur so lässt sich zweifelsfrei klären, ob das Hautes-Fagnes-Rudel um Akela und Maxima in den Ausweichrevieren intakt zusammengeblieben ist. Dass die Tierwelt trotz der Zerstörung Überlebenschancen hat, zeigt ein kleiner Lichtblick der Rettungskräfte, denen es gelang, mitten im verbrannten Moor ein seltenes und stark bedrohtes Birkhuhn lebend zu bergen und in eine Pflegestation zu bringen. Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. bleiben an den Entwicklungen dran und überwachen die Ausweichgebiete in unerem eigenen Monitoring intensiv, um die Tiere in ihren neuen, ungeschützten Territorien vor Verkehrsrisiken und illegalen Abschüssen zu bewahren, während wir auf eine baldige Rückkehr der Rudel in ein regeneriertes und regnerisches Hohes Venn im Herbst und Winter hoffen.

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