Das Wolfskompetenzzentrum in Mecklenburg-Vorpommern: Ein technokratischer Schritt zur institutionalisierten Wolfsjagd?

In Mecklenburg-Vorpommern hat das neu eingerichtete Wolfskompetenzzentrum im Schwerpunktforstamt Jasnitz seine Arbeit aufgenommen – ein Schritt, den Umweltminister Till Backhaus (SPD) als „Erfolg für den Artenschutz“ feiert, der aber tatsächlich die Weichen auf eine künftige Wolfsjagd stellt. Mit 400.000 Euro jährlichem Landesbudget soll es Monitoringdaten liefern, die explizit auch als Grundlage für „Regulierungen“ – also Abschüsse – dienen. Das ist genau das, was wir von Wolfsschutz-Deutschland e.V. seit Jahren kritisieren: Die Verschmelzung wissenschaftlicher Daten mit politisch motivierter Jagd. Und das ist kein Einzelfall: Bundesweit entstehen ähnliche Zentren, koordiniert durch die bundesweite DBBW, die weisungsgebunden ist. 

Beispielfoto Wolf.

Offizielle Bestätigung einer langjährigen Kritik

Das Wolfskompetenzzentrum Mecklenburg-Vorpommern, das seit Jahresbeginn 2026 im Schwerpunktforstamt Jasnitz angesiedelt ist, wird direkt vom Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt betrieben und ist damit voll weisungsgebunden. Neben dem jährlichen Budget von 400.000 Euro Landesmitteln werden zwei neu Stellen geschaffen, um Monitoring und Management zu bündeln – wobei es explizit wissenschaftliche Daten für Regulierungsentscheidungen (einschließlich Abschüssen) liefert, ohne selbst zu entscheiden. Eine eigene Leitungsperson wird öffentlich nicht namentlich genannt; das Zentrum nutzt die bestehenden Strukturen und Kontakte des Forstamts Jasnitz (geleitet von Dr. Ursula Rüping). Es soll künftig also Daten für Abschüsse liefern, die Landkreise genehmigen – mit ministerieller Beratung. Das offizielle Monitoring, koordiniert von Dr. Norman Stier (TU Dresden), ist ebenfalls weisungsgebunden ans Ministerium und finanziert aus Landesmitteln (inkl. Jagdabgabe). Wer jetzt Daten – Sichtungen, Spuren, Meldungen – an dieses System liefert, trägt unwissentlich dazu bei, dass diese Informationen direkt in Abschussentscheidungen einfließen können.
Minister Backhaus machte die Intention klar:
„Es ist längst an der Zeit, dass wir zu einem gerichtsfesten Verfahren kommen, um auffällige Wölfe entnehmen zu können.“ (Pressemitteilung Regierungsportal MV, Mai 2025)
Und weiter: Er sieht den „guten Erhaltungszustand“ längst erreicht und fordert aktives Bestandsmanagement, um Konflikte zu minimieren – oft mit dem Ergebnis von Entnahmen. Solche Aussagen, kombiniert mit laufenden Ermittlungen gegen ihn wegen unrechtmäßiger Abschüsse (z. B. 2025 in MV), unterstreichen die Priorität: Nicht primär Schutz, sondern Regulierung und Reduzierung.
Auf der Umweltministerkonferenz im November 2025 in Saarbrücken stimmte Backhaus mit allen anderen Ländern für die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz – eine Forderung, die er selbst als ‚erfreulich‘ bezeichnete und mit der Erwartung verknüpfte, dass der Bund nun ‚rechtssichere Entnahmen‘ ermöglicht. Dies unterstreicht die bundesweite Agenda: Vom Schutz zum Schuss.
Das Monitoringjahr 2024/25 (Oktober 2025) bestätigte 28 Wolfsrüden, fünf Wolfspaare und einen territorialen Einzelwolf – insgesamt 34 Territorien mit Reproduktionsnachweis in 24 Rudeln und mindestens 93 Welpen. MV zählt zu den wolfsreicheren Regionen Deutschlands. Nach Meldung des günstigen Erhaltungszustands (Oktober 2025) und der geplanten Änderung des Bundesjagdgesetzes plant das Land bis Ende 2026 einen neuen Managementplan mit Abschussquoten – ein weiteres, deutliches Signal für reguläre Wolfsjagden.

Die technokratische Struktur: Ein Echo auf James Corbett

Dieses System entspricht der Technokratie, wie James Corbett sie beschreibt: Herrschaft durch Experten und datenbasierte Algorithmen, die natürliche Prozesse steuern und abweichende Stimmen marginalisieren. Wölfe werden zu steuerbaren Datenpunkten in einem staatlichen Apparat, der „Management“ propagiert – oft zulasten von Natur- und Artenschutz. Unser Gegenmodell: Vereinsinternes Wolfsmonitoring. Deshalb betreiben wir ein eigenes, unabhängiges Monitoring: Transparent, lobbyfrei, mit UIG-Anfragen, Dokumentation illegaler Tötungen und Belohnungen für Hinweise.
Das Kompetenzzentrum ist kein echter wissenschaftlicher Fortschritt, sondern ein Werkzeug für gezielte Wolfstötungen, zu denen die Daten herangenommen werden können. Wir fordern volle Transparenz, unabhängige Kontrolle und ein Verbot von Abschüssen zugunsten echter Prävention.

Quelle:

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/kompetenzzentrum-wolf-nimmt-die-arbeit-auf,wolfskompetenzzentrum-100.html

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

 

Skandal in Sachsen-Anhalt: Ließ das Wolfskompetenzzentrum absichtlich einen Jungwolf erfrieren?

Die Wolfsmonitoringzahlen für Sachsen-Anhalt liegen nun vor. Mit 22 Rudeln und drei Paaren hat sich die Zahl der Wölfe im Vergleich zum Vorjahr mit 19 Rudeln und vier Paaren leicht erhöht. So weit, so erfreulich ist es auch, dass die Risse an Weidetieren abgenommen haben. Herdenschutz wirkt also. Doch auch einen Skandal geben die Daten des Monitorings preis. Ein unter Räude leidendes Jungtier ließ man wohl erfrieren und verhungern, obwohl es mehrere Medikamente zur Behandlung von Räude gibt. Wolfsschutz-Deutschland e. V. zeigt sich entsetzt über die Herzlosigkeit. Denn es hätte relativ einfach geholfen werden können.

Beispielbild Jungwolf, zirka vier Monate alt.

Gegen Räude gibt es drei sehr wirksame Medikamente, die sowohl bei Hunden als auch bei Wölfen eingesetzt werden könnten. Es gibt sogar Tabletten, die in Köderform verabreicht werden könnten.

Zitat aus dem Monitoringbericht:

Rudel Oranienbaumer Heide (OH)

„Wieder wurden schwere Räudefälle bei mehreren Tieren des Rudels bekannt. In der Umgebung wurden im Januar/Februar 2021 bei strengen Nachfrösten (-18°C) zwei Fälle von schutzsuchenden Wölfen in privaten Pferde-Offenställen bekannt. In beiden Fällen gab es keine Nutztierübergriffe, vielmehr suchten die von Räude gekennzeichneten Jungwölfe in selbst angelegten Strohnestern Witterungs- und Kälteschutz. Beide Vorfälle wurden sofort dem WZI gemeldet. Eines der Tiere erfror unweit des zuvor aufgesuchten Pferdestalles, der Verbleib des zweiten Tieres ist unklar.“

Dass die Natur oft unerbittlich und grausam ist und man nicht eingreifen dürfe, wird oft auch als Erklärung für eine solche „unterlassene Hilfeleistung“ hergenommen. Dabei wurde vor ein paar Jahren noch ein Tierfilmer frenetisch gefeiert, der sich über dieses ungeschriebene Gesetz hinweggegsetzt hatte und statt nur mit der Kamera draufzuhalten, den Tieren geholfen hatte. Siehe Bericht in der Welt: https://www.welt.de/kmpkt/article191244587/Tierfilmer-retten-Pinguine-vor-dem-Tod.html

Unserer Ansicht nach, hätte nach Kenntnis dieser beiden in Not geratenen Jungtiere, die ja geradezu in einem Stall „um Hilfe gebeten hatten“, auch eine Hilfe erfolgen müssen. Uns ist auch die Kaltschnäuzigkeit der StallinhaberInnen unerklärlich. Wie kann man es verantworten, dass Tiere praktisch in der Haustüre leiden und erfrieren? Solche entkräftigten Tiere hätten bestimmt auch betäubt und eingefangen werden können. Es gibt mehrere Päppelstationen in Deutschland. Aus Italien und anderen benachbarten Ländern werden immer wieder Erfolgsgeschichten gemeldet, während sich in Deutschland eine erschreckende Kaltherzigkeit immer mehr auszubreiten scheint.

Hier ist ein Wolf mit einer fast ausgeheilten Räude zu sehen.

Mehr Wölfe, weniger Risse

„In diesem Jahr bemerkenswert ist die positive Entwicklung bei den Nutztierrisszahlen. Sowohl die Zahl der Übergriffe als auch die Anzahl getöteter/verletzter Tiere ging trotz steigender Wolfspopulation spürbar zurück. Mindestens teilverantwortlich sind neben möglichen unbekannten Faktoren die Wahrnehmung der Fördermöglichkeiten des Landes für Maßnahmen des Herdenschutzes vor dem Wolf durch die Nutztierhalter, aber auch eine intensivierte Beratung/Begleitung durch alle Akteure, die sich mit dem Thema Herdenschutz beschäftigen. Bei den meisten Vorfällen waren trotzdem fehlender Untergrabungsschutz bzw. Mängel in Zaunführung und Elektrifizierung auszumachen, so dass ein Eindringen von Wölfen in die Herden zu einfach möglich war.“

Karte der Wolfsterritorien.

ß

 

 

 

Hier der komplette Monitoring-Bericht aus Sachsen-Anhalt: https://lau.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MLU/LAU/Naturschutz/WZI/Dateien/Monitoringbericht_2020-21.pdf

Hier auch noch einmal Zahlen zum Vergleich auf DBB-Wolf: https://www.dbb-wolf.de/Wolfsvorkommen/territorien/status-und-reproduktion?Bundesland=&Jahr=2020

 

Sachsen-Anhalt: kein neues Wolfsrudel bei Dessau

Zahlreiche Medien melden seit mehren Tagen, dass es bei Dessau in Sachsen-Anhalt ein neues Wolfsrudel geben würde. Laut unserer Rückfrage beim Wolfskompetenzzentrum in Iden, ist das eine Falschinformation. Es gebe in Wirklichkeit keine Hinweise auf ein neues Rudel in dem Gebiet, sagte uns Mitarbeiter Österreich am Telefon.

Ein Mitarbeiter sei von einer Tageszeitung falsch zitiert worden und seither mache die Meldung über ein neues Rudel die Runde. Das Gerücht sei in Zusammenhang mit einem Riss in der Gegend entstanden, der aber die umliegenden, bereits ansässigen Rudel zurückzuführen wäre.