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Niedersächsische Politiker beugen mit ihren Forderungen nach Wolfstötungen ganz klar EU-Recht

Kommentar

 

Der niedersächsische Umweltminister Lies wurde in einem Bericht des NDR damit zitiert, dass er sich in Brüssel für eine Abschussquote für Wölfe einsetzen wolle. Seine Vorstellungen: auch in Niedersachsen sollten künftig, ähnlich wie in Frankreich, bis zu 50 Wölfe geschossen werden dürfen. Allerdings räumt der Minister in dem Beitrag selber ein, dass der Erhaltungszustand des Wolfs erreicht sein müsse. Ist die Forderung des Ministers als nichts anderes als billiger Populismus, oder gar eine Unterwerfungsgeste an den Koalitionspartner CDU zu bewerten? Denn ganz nach dem Motto „Schlimmer geht immer“ behauptete der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Martin Bäumer, am Donnerstag in einer Tageszeitung: „In Deutschland leben zurzeit 1000 Wölfe, 2022 werden es über 4000 und 2030 über 40.000 Wölfe sein. Dieser jährliche Zuwachs von rund 30 Prozent wird es notwendig machen, auch in Niedersachsen Wölfe konsequent zu töten.“ Wo Martin Bäumer diese Zahlen hergenommen haben will, ist uns völlig rätselhaft.

Laut einer Pressemitteilung des Niedersächsischen Umweltministeriums habe angeblich die EU-Kommission ein einheitliches Monitoring der Wolfspopulation zwischen Polen und Deutschland ausdrücklich begrüßt und dafür ihre Unterstützung zugesagt. Erfreulich sei zudem die Aussage, dass es den Nationalstaaten, also dem Bund, obliege, den Erhaltungszustand in selbst definierten Zeiträumen zu bestimmen. Um der dynamischen Populationsentwicklung gerecht zu werden, sei es demnach durchaus möglich, den Erhaltungszustand nicht nur alle sechs Jahre, sondern jährlich zu bestimmen.

Wir von Wolfsschutz Deutschland sind entsetzt darüber, wie man sich augenscheinlich Zahlen passend machen möchte. Und dies nur um Bauernverband und Jägerlobby schönzutun? Sollte die EU tatsächlich die Aufweichung des Schutzes durch das Dazuzählen der polnischen Wolfspopulation in Erwägung ziehen, so werden sich Politiker und Lobbyisten endgültig von Recht und Gesetz verabschieden.

Dazu schreibt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) Ende 2017 in seiner Zusammenfassung: In der Roten Liste der gefährdeten Tiere Deutschlands (2009) wird der Wolf als eine vom Aussterben bedrohte Art eingestuft. Wenngleich sich der deutsche Wolfsbestand in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hat, weist die Art – gemäß dem deutschen FFH-Bericht von 2013 – immer noch eine ungünstige Erhaltungssituation auf. Das ist auch in Niedersachsen so. Hier nennt Lies übrigens auch eine falsche Zahl. Er sagt, es gäbe 14 Rudel. In Wirklichkeit sind es zehn Rudel, vier Paare und zwei Einzeltiere. Die Anzahl der Territorien ist im Vergleich von 15/16 um fünf gestiegen. 2015/2016 wurden sechs Rudel, vier Paare sowie ein Einzeltier gezählt.

In Niedersachsen haben sich die Wölfe wirklich erfolgreich vermehrt und das soll auch so sein. Denn dies ist ja Sinn und Zweck des Abkommens der EU, das den Wolf unter den höchsten Schutzstatus gestellt hat. Eine Zunahme von 30 Prozent wäre also im Sinne des EU-Abkommens sogar erfreulich. Allerdings ist dies, bundesweit gesehen, nicht der Fall. Ferner behauptet Lies in dem NDR-Bericht, dass zusammen mit der Begrenzung der Population auf bestimmte Gebiete letztlich die Akzeptanz für den Wolf in der Bevölkerung steigen würde. Auch diese Behauptung ist nicht richtig. Laut Umfragen zweier Umweltverbände begrüßen eine Mehrheit der Deutschen und Österreicher sowie auch Dänen den Wolf.

Eine Lobby aus Weidetierhaltern, Landwirten und Hobbyjägern hatte dagegen von Anfang an ein Problem mit der Akzeptanz des Wolfes. Diese Lobby nutzt jede Gelegenheit, um in der Bevölkerung Angst und Panik zu verbreiten. Raum dazu geben die Medien. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht falsche, oder grotesk aufgebauschte Berichte in Tageszeitungen erscheinen. 2.398 Meldungen über die Sichtung von Wölfen gab es in Niedersachsen. Mehr als die Hälfte davon ist allerdings unbestätigt. Die Zahlen beweisen aber auch, wie problemlos das Zusammenleben von Wolf und Mensch in der Kulturlandschaft Niedersachsen funktioniert. Passiert ist nämlich gar nichts. Auch die Schäden an Nutztieren sind im Vergleich zu den Schlachtzahlen geradezu lächerlich: 166 Übergriffe gab es auf Schafe. Davon wurde der Wolf sogar 33 Mal ausgeschlossen. In 46 Fällen war eine Feststellung nicht möglich. 43 Übergriffe auf Rinder sind gezählt worden. Nur neun Mal war es auch der Wolf. Angriffe auf Pferde durch Wölfe gab es gar keine.

In Tageszeitungen wird Lies immer wieder im Zusammenhang mit dem Thema Wolf zitiert, dass die Sicherheit der Bevölkerung an erster Stelle stehen solle. Wir fragen uns: Wie kommt es dann, dass immer mehr Niedersachsen an gesundheitlichen Folgen wegen des Pflanzengiftes Glyphosat leiden? Ferner werden in Niedersachsens Gewässern immer mehr multiresistente Keime entdeckt. Durch Wölfe ist kein Mensch verstorben, ja nicht einmal angegriffen worden. Ein Mann verstarb allerdings an Keimen in einem Gewässer.

Wir von Wolfsschutz Deutschland fordern die Landesregierung in Niedersachsen auf, den Nebenkriegsschauplatz  „Wolf“ endlich zu befrieden und sich mit den echten Herausforderungen und Problemen im Land Niedersachsen zu befassen. Würde das Land wirklich Wölfe schießen, könnten neben Rügen der EU auch empfindliche Strafzahlungen auf  Niedersachsen zukommen. Zahlen müssten diese Strafen am Ende wieder die Steuerzahler.

 

Brigitte Sommer
Vorsitzende Wolfsschutz Deutschland, Verein in Gründung
 

Quellen:

https://www.umwelt.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/umweltminister-lies-spricht-mit-eu-kommission-zum-thema-wolf–162572.html

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Lies-will-Abschuss-Quote-fuer-Woelfe,wolf3380.html 

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/LandForstwirtschaftFischerei/TiereundtierischeErzeugung/AktuellSchlachtungen.html

https://www.wolfsmonitoring.com/fileadmin/dateien/wolfsmonitoring.com/pdfs/Wolfsmonitoringbericht_LJN_2016_2017.pdf 

https://www.gifhorner-rundschau.de/gifhorn/article213653461/Ich-war-von-dem-Glyphosat-Wert-meines-Sohns-Noel-geschockt.html

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Gefaehrliche-Keime-in-Baechen-Fluessen-und-Seen,keime302.html

https://www.kreiszeitung.de/lokales/niedersachsen/fordert-konsequentes-toeten-woelfen-niedersachsen-9676387.html

 

 

 

 

 

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12 Gedanken zu „Niedersächsische Politiker beugen mit ihren Forderungen nach Wolfstötungen ganz klar EU-Recht

  1. Wenn ich das höre ,rasante Vermehrung – mit Wölfen – Vermehrt sich Deutschland nicht auch mit Migranten .Lasst die Tiere in Ruhe , Sie gehören in die Natur. Andere Tiere ,wie Nutztiere werden auch in Massen gezüchtet,nur um Geld zu verdienen. da müsste mal ein Riegel zu geschoben werden . nicht nur Wölfe , Füchse ,usw quälen ,für diese Pelzindustrie. gerade hier in Deutschland. Mich kotzt es schon an ,zu sehen -wie in anderen Ländern keine Rücksicht genommen wird ,und Tiere wie Hund,Katzen ,uvm getötet werden in barbarischen Verhältnissen . Was ist aus Menschen nur geworden , und ich gehöre noch zu diesen . . Sie leben auch . nichts anders ,als wir Menschen es auch geboren mit Herz ,Fleisch,Blut wie wir..mal endlich kürzen alles und umdenken ,anders zu handeln -Das geht schon ,nur Menschen werden immer gieriger – so schaut es doch aus . !

    1. Ich gebe ihnen zu 100% recht. Haben wir keine anderen Probleme ? Nein, immer nur auf dem Wolf rumhacken! Diese Politclowns sollen sich mal den tatsaechlichen Problemen annehmen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis in Deutschland das Sozialsystem kollabiert. Heute morgen las ich auf Focus dass die Balkanroute wieder fuer Migranten interessant wird, sprich 15 Tsd pro Monat kommen nach Deutschland. Das sind Probleme aber nicht die handvoll Woelfe die ,verdammt nochmal, eine Daseinsberechtigung haben.

    2. so ist es.statistiken die nicht stimmen ,wölfe stehen unter dem washingtorartenschutz und unter allem unter tierschutz/naturschutz und dürfen nicht getötet werden,der mensch ist das einzigste lebewesen was sich rassant vermehrt und seid es dieser spezies gibt nur unheil an richtet.

  2. Politker auf den vorderen Hockern werden sich immer ähnlicher: Sie hauen wie echte Dumpfbacken Parolen raus – ohne überhaupt sich vorher nur ein bisschen schlau gemacht zu haben, dazu zählt auch Frau Merkel mit ihren unqualifizierten Bemerkungen zur Essener Tafel. Schade, dass alle nie und nirgendwo zur Rechenschaft gezogen werden. Und Tiere können sich nunmal gar nicht wehren, das ist das Erbärmlichste am Menschen und zu seiner sündhaften Haltung zur Natur…

    1. Was soll man zu Merkel schon sagen? Beste SED Ausbildung! Wie sie sagten, es ist einfach auf wehrlose Tiere zu feuern. Erbaermlich was in diesem Land passiert!!

  3. volvo kreirt sich z. z. werbemässig so: alle wollen immer mehr. andersrum hat sich etwas abgelatscht: geiz ist geil. kann das eine wie das andere eine redliche geschäftspartnerschaft darstellen?
    in der politik läuft es halt je nach dem nicht anders. ist erst mal posten, gehalt, nachversorgung sicher, lässt sich politik machen ohne rot zu werden, wie hier oben sehr deutlich nachgewiesen wurde. welchen wert verströmt dann ein solches amt? vom minister zum bürgermeister zum landrat zum amtsdirektor baut sich eine nicht übersehbare bugwelle auf, die mit korrupt sicher treffend beschrieben ist. eine lobby aus verbänden,bünden,vereinen bis hin zu instituten und weidetierhalter, bauern, hobbyjägern, waldbesitzern, nehmen direkten einfluss auf die veränderung bestehender gesetze. was ist der gegenwert? wählerstimmen! dies nicht als vorgang von korruption wahrzunehmen ist wie von rotkäppchen vorlesen.

  4. Postengeschacher, Waehlerwillen nicht beruecksichtigen und das dumme Wahlvieh beluegen ! Erst grosse Toene spucken: Der Wolf gehoert zu Deutschland ! Und kaum gibts etwas Gegenwind schon ist alles vergessen. Wie kann man solche Kasper fuer voll nehmen ??

  5. Es war bereits zu befürchten als fest stand, dass die SPD mit der CDU zusammen eine Regierung bildeten. Ich denke, dass die SPD die Quittung für den Knie Fall vor der CDU bekommen wird und muss damit leider auch meine Enttäuschung über Stefan Weil klar zum Ausdruck bringen. Ob Olaf Lies überhaupt Politik lebt, lässt mich sehr zweifeln, denn wenn er auftritt, kennt er kaum ein anderes Thema als „Der Wolf“. Der mann macht sich langsam lächerlich und kann als Minister meiner Ansicht nach, mit nichts punkten. Als Wähler kann man solch einen Politiker nicht für voll nehmen. Das Land Niedersachsen ächzt unter den Massen Tier Haltungen und den damit für den Menschen verbundenen Folgen und Risiken und der Politiker Olaf Lies beschäftigt sich permanent mit dem Thema “ Wolf“. Es wird Zeit, dass die Regierungsparteien endlich einmal echte Politik vollziehen und dem Bürger zeigen, was sie für ihre hohen Bezüge tun, die sich immerhin aus Steuer Geldern finanzieren. Die Niedersächsische Regierung sollte sich schämen, dass sie in dem großen Fläche Land dem Wolf keine Chance gibt, seinen Platz im Öko System einzunehmen um es zu vervollkommnen.

  6. Leider spitzt sich die Lage enorm zu!! Auch bei einzelnen Wolfsichtungen, drehen die durchgeknallte Jäger und Nutztier Lobby durch!! In Bayern soll es ganz schlimm sein! Wir bekommen das in Bayern nicht so mit! Aber ein befreundeter Mitstreiter für die Luchse hat es selber schon mitbekommen. In Bayern ist die durchgeknallte Jäger und Nutztier Lobby ausser Rand und Band! Selbst bei einzelnen Wolfsichtungen drehen die durch!! Statt auf den präventiven Herdenschutz zu setzen kommt es im schwarzbraunen Bayern zur Eskalation der Wolfsentnahme! In Bayern kommt das nicht so an die Öffentlichkeit aber scheint gang und gebe zu sein!! Ergo haben wir in Bayern bei den Wahlen nicht nur uns um die Tierversuche zu kümmern- sondern auch die Politiker wegen Wolfsentnahmen anzuprangern!! Unsere jungen Tierschützer werden es über Facebook verbreiten! Wir Tierschützer werden zu jeder Wahlveranstaltung gehen und fordern , nicht hier heimlich Wölfe zu entnehmen!! Ein trauriger Tag für alle Tierschützer!!

  7. wie das funktionieren kann sei noch kurz beschrieben.
    in brandenburg existiert ein bauernbund brandenburg (nicht zu verwechseln mit dem bauernbund von thomas müntzer). welcher nach eigenem anspruch den wiederstand gegen den wolf anführt. vor allem bauernbundführer jung(gf) verkleistert immer wo nur geht per medienklick die sicht auf sachlichkeit. sein adju, „bio“bauer michelchen – nachgewiesenermassen nicht grad der sauberste vertreter seiner zunft – macht den wolfsberater u. die wolfsfreiezone.de. darüber u. a. wurde nun seit geraumer zeit zunächst zu wolfswachen, dann zu wolfsfeuer u. jetzt wieder zu wolfswachen die mittelalterliche trommel geklopft. so was wie vorgezogene osterfeuer, in verschiedenen orten brandenburgs, um das tierische eigentum zu beschützen vor dem wolf. denn niemand kann mehr die hirten bezahlen um die herden zu führen. um 18.00 , z.b. auf der weide hinterm gasthof, auf dem dorfplatz, an der bushaltestelle usw. immerhin gäbe es 5600 unterstützer. ist die freiwillige feuerwehr überall da in alarmbereitschaft? wer bezahlt dann diese kameraden? wer bezahlt wenn gar feuer ausbrechen? also eine höchst windige angelegenheit. hoffentlich fängt nicht noch ein politiker oder amtsträger dabei feuer.

    1. In meinen Augen sind die alle besessen, vor eingenommen und ein bisschen „irre“, denn wer sich solch einem Haufen anschließt, dem fehlt meiner Meinung nach doch eine ganze Menge an Geist. Dieser Trubel, der da um den Wolf gemacht und wie der Spezies permanent (unschuldig) beschuldigt wird, gleicht wirklich den Hexen Jagden (Hexen Verbrennungen) im Mittelalter. Die Leute sollten sich schämen, dass sie sich auf solch eine Niveau herab lassen.

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