Hamburger Wolf „Alster“: Neue Infos und unsere klare Forderung nach Freilassung

Vor Kurzem haben wir bereits ausführlich über den Vorfall mit dem jungen Wolf „Alster“ in Hamburg-Altona berichtet. Seitdem hat sich die Lage weiterentwickelt. Neue Informationen sowie unser Telefonat mit dem Pressesprecher der Hamburger Umweltbehörde (BUKEA) liefern wichtige zusätzliche Informationen. Wir nehmen dies zum Anlass, den aktuellen Stand zusammenzufassen und unsere Position deutlich zu machen.

Am 30. März 2026 kam es in einer Einkaufspassage in der Großen Bergstraße (Nähe IKEA) zu einem Vorfall zwischen einem jungen Wolf und einer 65-jährigen Frau. Die Frau versuchte, das stark verängstigte und desorientierte Tier aus der Passage nach draußen zu führen. Dabei wurde sie im Gesicht verletzt und musste ambulant behandelt werden. Sie konnte noch am selben Abend das Krankenhaus wieder verlassen.
Da greift sich selbst der Wolf an den Kopf. Beispielfoto.

Der Musicaldarsteller Lionel von Lawrence-Oehlen, der sich mit seiner zweijährigen Tochter zum Zeitpunkt des Vorfalls im selben Supermarkt aufhielt, schilderte dem NDR:

„Dann sah ich das Riesentier und dachte erst, es wäre ein Hund. […] Die verletzte Frau mit einer Wunde im Gesicht war ansprechbar. Wie sie es mir erklärt hat, wollte sie den vermeintlichen Hund nach draußen führen. Der war so verängstigt, dass er einfach nur zugeschnappt hat. Er wollte einfach nur raus und ist mit Wucht gegen die Glasscheibe gerannt, bis sie sich selbst geöffnet hat. Die Frau wurde im Gesicht verletzt und konnte nach ambulanter Behandlung noch am selben Abend das Krankenhaus wieder verlassen.

Stellungnahme der Hamburger Umweltbehörde

Auf unsere Nachfrage teilte der Pressesprecher der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), Alexander Fricke, mit, dass der Wolf die Frau verletzt habe. Die Behauptung, die in sozialen Netzwerken kursiert, es habe sich lediglich um einen „Kratzer“ durch die Pfote gehandelt, konnte er nicht bestätigen. Zu den genauen Verletzungen des Wolfs sowie zum weiteren Vorgehen machte er derzeit keine Angaben. Eine Entscheidung stehe noch aus. Für uns von Wolfsschutz-Deutschland e. V. ist es nicht ausschlaggebend ob es sich um einen Biss oder Kratzer gehandelt hat. Auch ein Biss dürfte auf keinen Fall eine rechtliche Grundlage für die Tötung des Wolfs darstellen. 

Unsere Position

Unsere Vorsitzende Brigitte Sommer hat gestern im unten stehenden Video deutlich gemacht: „Die betroffene Frau befand sich genau wie der Wolf in einer extremen Ausnahmesituation. Wir verurteilen ihr Verhalten nicht und laden sie ausdrücklich ein, sich bei uns zu melden. Wir möchten das Gespräch suchen und sind offen für ihre Perspektive. Vielmehr verurteilen wir das Verhalten der Medien, die zunächst von lebensgefährlichen Verletzungen gesprochen und einen tendenziösen Newsticker nach dem anderen heraus brachten. 

Brigitte Sommer berichtete zudem von eigenen Erfahrungen: Mit 15 Jahren wurde sie im Reitstall von einem Hofhund ins Bein gekniffen – damals machte niemand großes Aufhebens darum. Vor einigen Jahren biss sie eine junge Katze in die Hand. Auch das betrachtete sie als normales Lebensrisiko. Sie betonte: „Solche Begegnungen gehören zum Leben dazu – genau wie eine zufällige Begegnung der Frau mit einem hochgradig gestressten Wolf in der Innenstadt.“

Das Tier ist noch ein Welpe

Ein von der BUKEA an die Medien – hier die BILD weitergegebenes Foto https://www.bild.de/regional/hamburg/exklusives-foto-hier-liegt-der-bissige-wolf-aus-hamburg-69cd088027bf87e811dd8a7c  zeigt deutlich: Es handelt sich um ein sehr junges Tier, das jetzt gerade ein Jahr alt wird. Das Welpenfell ist noch gut erkennbar. „Alster ist hier völlig erschöpft und am Ende seiner Kräfte zu sehen. Jungwölfe im Alter von zirka zwei Jahren sind noch auf der Suche nach einem eigenen Revier und wandern oft weite Strecken. Dass sich dieser Wolf in die Hamburger Innenstadt verirrt hat, ist ungewöhnlich, aber nicht unmöglich, schließlich haben die Jungtiere weder Karten noch Kompass. Auffällig ist jedoch, dass das Tier seine Familie so jung verlassen hat. Wir schließen Nachstellungen oder andere menschliche Einflüsse an dieser Stelle nicht aus.

Unsere Forderung

Wolfsschutz-Deutschland e.V. fordert die sofortige Freilassung dieses Jungwolfs – ohne Besenderung. „Alster“ hat sich in einer für ihn völlig ungeeigneten städtischen Umgebung befunden und stand unter enormem Stress. Nach seiner Erholung sollte er die Chance bekommen, in einem geeigneten Gebiet wieder in die Freiheit entlassen zu werden. Statt weiterer Aufregung und schneller Schuldzuweisungen brauchen wir Mitgefühl für die verletzte Frau und Verständnis für den panischen Jungwolf – sowie eine sachliche und transparente Kommunikation der Behörden.
Quellen:

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