Wölfe benutzen Werkzeuge – eine Entdeckung, die uns zwingt, sie endlich als intelligente Mitlebewesen zu sehen

Im November 2025 ging eine wissenschaftliche Sensation durch die Welt: Forscher in British Columbia (Kanada) dokumentierten erstmals, wie eine wildlebende Wölfin  zu einer Krabbenfalle schwimmt, sich das Rückholseil mit dem Maul heran zieht. Schließlich holt sie die versunkene Falle ans Ufer um an den Fischköder zu gelangen. Systematisch, zielgerichtet. Einfach clever. Das Video und die Studie in der Fachzeitschrift Ecology and Evolution lassen keinen Zweifel: Das ist Werkzeuggebrauch.

Die Falle gehörte zum Programm der Haíɫzaqv Nation (Heiltsuk First Nation) an der zentralen Küste British Columbias, wo Fallen seit 2021 gegen invasive Europäische Grünkrebs eingesetzt werden – mit Hering oder Seelöwenfleisch als Köder. Ab 2023 häuften sich Beschädigungen: Netze zerrissen, Köderbecher herausgerissen, Fallen ans Ufer gezogen.Die Kamera (aufgestellt ab Mai 2024) zeichnete am 29. Mai 2024 folgendes auf: Die Wölfin schwimmt hinaus, nimmt den Schwimmkörper (Buoy) ins Maul, trägt ihn an Land, lässt ihn fallen. Dann greift sie das Seil, zieht rückwärts bergauf, bis die Falle teilweise auftaucht. Sie wiederholt das mehrmals – Seil fallen lassen, zurückgehen, wieder ziehen –, bis die Falle flach genug liegt. Schließlich beißt sie durchs Netz, holt den Köderbecher heraus, frisst den Inhalt und verschwindet. Die gesamte Sequenz dauert nur etwa drei Minuten.
Beispeilfoto Wolf beim Fischen. © Brigitte Sommer
Ein zweiter Vorfall am 14. Februar 2025 zeigt ein weiteres Hereinholen einer teilweise versunkenen Falle; nach acht Minuten liegen zwei Fallen am Strand, Köderbecher entfernt. Die Autoren sprechen von einem „sophisticated understanding of the trap“ – einem ausgeklügelten Verständnis der Fallenmechanik. Die Wölfin erkennt offenbar die Kausalität. Sie muss am Seil ziehen, um an den Fisch oder Krabben zu kommen. Ob das streng als Werkzeugnutzung gilt, bleibt umstritten: Viele Definitionen schließen reines Seilziehen aus, weil das Tier das „Werkzeug“ nicht selbst herstellt. Andere sehen genau in der zielgerichteten, mehrstufigen Handlung einen Beleg für komplexes Denken.
Vergleiche zu anderen Tieren drängen sich auf: Seeotter benutzen Steine, um Muscheln zu knacken; Neukaledonische Raben formen Haken aus Zweigen; Kapuzineraffen nutzen Steine als Nussknacker. Bei Caniden galt Werkzeugnutzung bisher fast ausschließlich als Gefangenschaftsphänomen (z. B. Dingos in Gehegen, die Objekte verschieben). Im Freiland war das bislang unbekannt. Die Forscher betonen: Solche Beobachtungen sind selten, weil Wölfe scheu sind und in Gebieten mit geringer menschlicher Verfolgung (wie hier) eher exploratives Verhalten zeigen können. Die Kooperation mit den Haíɫzaqv Guardians ermöglichte die Entdeckung überhaupt.
Für uns in Deutschland bedeutet das: Wölfe sind keine simplen Instinktwesen, wei alle anderen Wildtiere und soar Haustiere eben auch. Sie zeigen kognitive Fähigkeiten, die wir sonst vor allem Primaten zuschreiben: Planung, Problemlösung, Lernen durch Beobachtung oder Versuch. Trotzdem behandeln wir sie hier oft wie Störenfriede: heimliche Abschussgenehmigungen, Abschusspläne für angeblich auffällige Individuen, die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht. Wir von Wolfsschutz-Deutschland e.V. sehen darin einen klaren Widerspruch. Wenn wir intelligente, lernfähige Mitwesen wie Menschenaffen schützen und respektieren, warum nicht endlich auch Wölfe?
Wir von Wolfsschutz-Deutschland e.V. sagen: Wölfe sind Mitwesen. Sie haben Gefühle, Strategien, Familienbande und jetzt auch nachgewiesenen Werkzeuggebrauch. Sie verdienen denselben Respekt, den wir längst Menschenaffen zugestehen. Stattdessen werden sie in Deutschland und der EU als „Jagdobjekt“ diskutiert und ins Jagdrecht aufgenommen. Das ist unwürdig.

Diese Bilder zeigen uns, was wir längst wissen sollten: Wölfe sind keine Maschinen, die man einfach ‚entsorgen‘ kann. Sie sind hochentwickelte Lebewesen mit eigener Intelligenz. Wer sie trotzdem abschießt, ignoriert auch die ethische Verantwortung gegenüber unseren Mitgeschöpfen.
Quelle:
Artelle, K. A. & Paquet, P. C. (2025). Potential Tool Use by Wolves (Canis lupus): Crab Trap Pulling in Haíɫzaqv Nation Territory. Ecology and Evolution. https://doi.org/10.1002/ece3.72348

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