Wolfsrisse 2025 weiter rückläufig: „Ernste Schäden“ als Abschussargument widerlegt

Der aktuelle Bericht der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) für das Jahr 2025 zeigt erneut: Die Anzahl der Wolfsübergriffe auf Nutztiere ist deutschlandweit um elf Prozent, die Zahl der geschädigten Tiere sogar um dreizehn Prozent gesunken. Das Schadensniveau liegt damit unter dem von 2022. Gleichzeitig lag der Großteil der Übergriffe auf Schafe und Ziegen in den Ländern, die dazu Angaben machen, bei fehlendem oder unzureichendem Mindestschutz. Herdenschutz wirkt, wenn man denn will. In unserem Bericht liefern wir jede Menge Argumente. 

Auffällig ist vor allem die finanzielle Dimension: Für Herdenschutzmaßnahmen (vor allem Zäune) wurden 2025 rund 17,16 Millionen Euro ausgegeben, für Ausgleichszahlungen lediglich rund 747.000 Euro. Im Vergleich zu anderen staatlichen Ausgaben sind diese Beträge verschwindend gering.
Wir bezweifeln daher die Behauptung „ernster landwirtschaftlicher Schäden“ als Argument für Wolfsabschüsse. Die Zahlen belegen vielmehr, dass die Schäden beherrschbar sind und vor allem dort entstehen, wo der Schutz mangelhaft ist. Dabei sind Nutztierhalter gesetzlich verpflichtet, ihre Tiere angemessen zu schützen. In der Praxis bleibt diese Pflicht bislang jedoch ein zahnloser Tiger: Veterinärämter greifen nur in den seltensten Fällen ein und Strafanzeigen verpuffen meist wirkungslos. Zusätzlich bemängeln wir, dass weder die Förderung von Schutzmaßnahmen, noch die entsprechenden Anforderungen bundesweit einheitlich geregelt sind. Eine konsequente, einheitliche Umsetzung von Schutz und Förderung wäre der deutlich bessere Weg als Abschüsse. Warum also töten? 
Beispielfoto Wolf. © Brigitte Sommer

Hier eine Zusammenfassung des Berichts zu Prävention und Nutztierschäden 2025 der DBBW (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf)

.Gesamtentwicklung der Schäden 2025

  • Die Anzahl der bestätigten Wolfsübergriffe auf Nutztiere sank deutschlandweit um 11 % gegenüber dem Vorjahr.
  • Die Anzahl der geschädigten Nutztiere (getötet, verletzt oder vermisst) sank um 13 %.
  • Das Schadensniveau lag damit unter dem des Jahres 2022.

Positiv für Wölfe:


Trotz eines etablierten und gewachsenen Wolfsbestands (Monitoringjahr 2024/25: 219 Rudel, 48 Paare und 15 territoriale Einzeltiere) sind die Schäden rückläufig. Das spricht dagegen, dass mehr Wölfe automatisch zu proportional mehr Schäden führen.
Verteilung der Schäden

  • Gesamt 2025: 990 Übergriffe mit 3.783 geschädigten Nutztieren.
    • 87 % Schafe und Ziegen
    • 4 % Rinder (meist Kälber)
    • 8 % Gehegewild
    • Rest: andere (u. a. Pferde, Alpakas etc.)

Die Entwicklung war regional sehr unterschiedlich. In den Bundesländern mit den meisten Wölfen (> 10 Territorien) gingen die Übergriffe fast überall zurück – Ausnahme: Sachsen-Anhalt.

Besonders positiv für Wölfe:

Schäden sind stark auf wenige Hotspots konzentriert. In vielen Wolfsterritorien gibt es nur wenige oder gar keine Übergriffe. Eine Auswertung aus Sachsen (ähnlich auch anderswo beobachtbar) zeigte: In etwa zwei Dritteln der Territorien gab es pro Jahr maximal 1–2 Übergriffe, in fast der Hälfte sogar null. Die allermeisten Schäden entfallen auf relativ wenige Gebiete/Rudel.

Beispielfoto Wolf. © Brigitte Sommer

Rolle des Herdenschutzes:

In den Bundesländern, die detaillierte Angaben zur Schutzsituation veröffentlichen, war bei knapp der Hälfte bis deutlich über drei Viertel der Übergriffe auf Schafe und Ziegen kein oder nur ein eingeschränkter Mindestschutz vorhanden (Beispiele: Brandenburg 69 %, Niedersachsen 73 %, NRW 86 %, Sachsen 46 %, Sachsen-Anhalt 57 % usw.). Der Bericht betont ausdrücklich:

  • Wölfe lernen schnell, dass ungeschützte oder schlecht geschützte Schafe/Ziegen leichte Beute sind.
  • Fälle, in denen Wölfe nachweislich empfohlene (gute) Schutzmaßnahmen wiederholt überwinden, sind selten.
  • Viele Wölfe, die Probleme bereiten, haben zuvor an unzureichend geschützten Weiden gelernt.


Die allermeisten Schäden entstehen nicht, weil Wölfe „besonders problematisch“ sind, sondern weil der Schutz oft fehlt oder unzureichend ist. Mit konsequentem, gutem Herdenschutz (höhere Elektrozäune, funktionstüchtig, bodennah) lassen sich die meisten Übergriffe vermeiden. 

Finanzielle Seite

  • Ausgaben für Herdenschutzmaßnahmen (Prävention): ca. 17,16 Millionen €
  • Ausgaben für Ausgleichszahlungen (Schäden): ca. 747.000 €

Die Präventionsausgaben waren damit über 20-mal so hoch wie die reinen Schadensausgleiche.

Positiv:

Es wird massiv in Prävention investiert – deutlich mehr als in den bloßen Ausgleich von Schäden. Das zeigt die politische und gesellschaftliche Machbarkeit, auf Koexistenz und Vorbeugung zu setzen, statt nur auf Entschädigung oder auf das Töten von Wölfen, wie etzt im Bundesjagdrecht, das die Länder nun auch umsetzen.

Beispielfoto Wolf. © Brigitte Sommer

Fazit: Der Bericht 2025 liefert starke Argumente für den Wolf:

  1. Schäden sinken trotz (weiter) wachsendem Bestand.
  2. Die große Mehrheit der Wolfsterritorien verursacht kaum oder keine Nutztierschäden.
  3. Die allermeisten Übergriffe hängen mit fehlendem oder unzureichendem Schutz zusammen – nicht mit einer grundsätzlichen Unvereinbarkeit von Wolf und Weidetierhaltung.
  4. Gute Prävention wirkt und wird finanziell stark gefördert.

Der Bericht macht gleichzeitig klar, dass der Schutz flächendeckend und frühzeitig verbessert werden muss, damit einzelne Wölfe nicht „lernen“, Nutztiere zu erbeuten. Das ist aber ein Umsetzungsproblem und überhaupt kein Argument gegen den Wolf an sich.

Das Thema Wolf wird künstlich hochgekocht, um Bauern von den eigentlichen Problemen abzulenken und bequeme Sündenböcke zu schaffen. Während die realen Herausforderungen der Landwirtschaft – Preisdruck, Bürokratie, Höfesterben und fehlende Zukunftsperspektiven – kaum angegangen werden, lenkt man die Wut gezielt auf den Wolf. Die aktuellen Zahlen der DBBW entlarven dieses Spiel: Die Schäden sind rückläufig, die Kosten im Verhältnis gering und die allermeisten Übergriffe entstehen durch mangelhaften Schutz. Wer trotzdem weiter auf grausames Töten setzt, sucht keine Lösungen.

Quelle: https://www.dbb-wolf.de/mehr/literatur-download/berichte-zu-praevention-und-nutztierschaeden

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