Niedersachsen eröffnet die Jagd auf Wölfe: Wolfsschutz-Deutschland e. V. warnt vor massivem Interessenkonflikt der Jäger

Niedersachsen hat sein Wolfsmanagement weiter verschärft. Mit einer neuen Handlungsempfehlung vom 2. April 2026 erhalten die Unteren Jagdbehörden (Landkreise) deutlich einfachere Möglichkeiten für Schnellabschüsse. Das Verfahren wurde „jagdrechtlich modifiziert“ und bürokratisch erleichtert. Damit ist die Jagd auf Wölfe in Niedersachsen praktisch eröffnet. Zusätzlich legt die Handlungsempfehlung jährliche Entnahme-Quoten, was nichts anderes als Wolfstötungen heißt, fest.

Für das Jagdjahr 2026/2027 dürfen in der atlantischen Region maximal 22 adulte, territoriale Wölfe (inklusive Fallwild) entnommen werden, in der kontinentalen Region maximal 5. Sobald diese Obergrenze erreicht ist, muss die Jagd für das Jagdjahr beendet werden. Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. lehnen jeden Abschuss von Wölfen ab – egal ob als „Schnellabschuss“, „Problemwolf“-Regelung oder im Rahmen solcher Quoten. Die aktuelle Entwicklung ist aus unserer Sicht ein weiterer schwerer Rückschritt für den Schutz der Wölfe und öffnet für Türen für deren erneuter Ausrottung. 
Beispielfoto Wölfe. © Brigitte Sommer

Jäger kontrollieren jetzt Monitoring „und“ Abschussentscheidungen

Das Wolfsmonitoring in Niedersachsen wird bereits seit Jahren maßgeblich von der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) durchgeführt. Der offizielle Wolfsbeauftragte des Landes ist Raoul Reding von der LJN. Dieselbe Organisation, die vom Abschuss profitiert, liefert also die Datengrundlage für Bestandsschätzungen, Rissanalysen und Managemententscheidungen. Mit der neuen Regelung erhalten die Unteren Jagdbehörden (Landkreise) nun noch mehr praktische Entscheidungskompetenz bei Schnellabschüssen. Der Begriff „zumutbarer Herdenschutz“ bleibt schwammig und gibt den Behörden großen Spielraum. Damit haben die Jäger faktisch sowohl die Überwachung, als auch die Abschussentscheidungen weitgehend in der Hand. Raoul Reding wurde in den letzten Tagen mehrfach zum Hamburger Wolf zitiert und warnte vor „unberechenbaren“ Wölfen sowie vor „falsch verstandener Tierliebe“. Solche Aussagen aus der Jägerschaft sind kein Zufall – sie kommen von der gleichen Seite, die gleichzeitig Daten liefert und Abschüsse durchführt.

Auch der Hamburger Wolf „Alster“ ist betroffen

Macht mit bei unserer Protestaktion, schreibt an die Hamburger Umweltbehörde und an Katharina Fegebank. Ihr könnt das Bild auch ausdrucken und verteilen. https://www.change.org/p/bundesministerium-für-umwelt-naturschutz-und-nukleare-sicherheit-bundesministerin-svenja-schulze-der-wolf-gehört-zu-deutschland/u/34452930
Der junge Wolf aus Hamburg befindet sich derzeit in einer Auffangstation in Niedersachsen. Er ist ein Jungtier (knapp ein Jahr alt), bei dem das Welpenfell noch erkennbar ist. Jungwölfe wandern in diesem Alter oft weite Strecken auf der Suche nach einem eigenen Revier. Dass er sich bis nach Hamburg verirrt hat, ist ungewöhnlich, aber nicht unmöglich. Wir berichteten hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/04/02/hamburger-wolf-alster-neue-infos-und-unsere-klare-forderung-nach-freilassung/
Wir schließen Nachstellungen oder andere menschliche Einflüsse nicht aus. Sollte Hamburg den Wolf in Niedersachsen auswildern oder dauerhaft unterbringen, könnte er künftig direkt unter die neue, erleichterte Abschussregelung fallen. Wolfsexperte und Wolfspädagoge Thomas Frost fordert daher eine Auswilderung des Tieres möglichst in Mecklenburg-Vorpommern. Wir schließen uns dieser Forderung an – dort erweist sich die Lage für den Wolf erst einmal sicherer, da kein vergleichbares Schnellabschuss-Verfahren existiert und die Umsetzung des neuen Bundesrechts zögerlicher verläuft. Wichtigste Bedingung: Die Auswilderung muss ohne Sender erfolgen. Ein GPS-Halsband würde das Tier unnötig markieren und könnte es in Konfliktregionen schneller in den Fokus von Behörden und Jägern rücken und die Sender könnten gehackt werden. Nur eine unauffällige Freilassung gibt „Alster“ eine echte Chance, sich natürlich einzuleben und Häschern zu entkommen. 

Unsere Forderungen:

Keine Abschüsse von Wölfen – weder „Schnellabschuss“ noch „Problemwolf“-Regelung noch über festgelegte Quoten.

Das Wolfsmonitoring muss unabhängig von der Jägerschaft erfolgen.

Konsequenter, flächendeckender Herdenschutz statt Tötung von Wölfen.

Wir haben dazu eine Petition auf Change.org, in der wir fordern, dass das Wolfsmonitoring in Niedersachsen der Jägerschaft entzogen wird: http://www.change.org/wolfsmonitoring

Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. warnen seit Jahren vor genau diesen Entwicklungen und wir wurden dafür beleidigt und gecancelt. Nun ist es endgültig an der Zeit, dass sich Wolfsfreunde endlich den Realitäten stellen. Und gerade die, die immer noch persönliche Vorteile vom Melden der Daten an die Jägerschaft ziehen, haben nun gar keine Ausrede mehr. Das Mobbing gegen uns muss aufhören, sonst wird der aktive Wolfsschutz noch weiter geschwächt. Bei denen, die dies noch immer nicht einsehen, muss gefragt werden, ob sie nicht auch selbst Interessenkonflikte haben und nicht die Wolfsfreunde sind, für die sie sich ausgeben.

 

Quelle: https://www.ml.niedersachsen.de/presse/pressemitteilungen/wolf-im-jagdrecht-hinweise-an-die-jagdbehorden-ubermittelt-249999.html

 

 

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