Im Hier und Jetzt: Was wir vom Entspannen der Wölfe lernen können

Wölfe verbringen durchschnittlich vier bis zehn Stunden pro Tag mit Schlafen und Ruhen, nach einer erfolgreichen Jagd oder großen Mahlzeit können es sogar bis zu 18 Stunden sein. Während wir Menschen oft verlernt haben, einfach mal „nichts“ zu tun, beherrschen Wölfe die Kunst des kollektiven Nichtstuns in Perfektion. Sie leben im Hier und Jetzt, passen sich flexibel ihrer Umwelt an und zeigen uns, wie wertvoll bewusste Energiesparphasen sind.

Von Brigitte Sommer

Der unsichtbare Wolf: Einblicke aus dem Wildpark

Herzhaftes Gähnen. © Brigitte Sommer

Gestern war ich im Wildpark, um neue Fotos für unsere Vereinsarbeit zu machen. Wer schon einmal ein artgerechtes Wolfsgehege besucht hat, kennt das Phänomen: Es klingt so einfach, dort Bilder zu machen, doch die Realität sieht oft anders aus. Wenn Wölfe sich zurückziehen wollen, tun sie das. Gestern war genau so ein Tag mit wenig bis gar keiner Aktion.

Diese scheinbare „Faulheit“ ist in Wahrheit ein faszinierendes biologisches Erfolgskonzept. Da Wölfe bei der aktiven Jagd extrem viel Energie verbrauchen, nutzen sie jede Gelegenheit, um ihr System komplett herunterzufahren. Aus dieser tiefen Gelassenheit können wir Menschen eine wichtige Lektion für unseren stressigen Alltag mitnehmen: Solche Pausen sind die Voraussetzung für Leistungsfähigkeit.
Dösen auf Wolfsart. © Brigitte Sommer

Warum wir auf das Veröffentlichen von Fotos von frei lebenden Wölfen verzichten

Als Verein Wolfsschutz-Deutschland e. V. tragen wir eine hohe Verantwortung für den Schutz der Tiere. Deshalb verzichten wir ganz bewusst darauf, Fotos von frei lebenden Wölfen zu veröffentlichen. Der Grund ist simpel, aber gewichtig:
  • Ortsbestimmung vermeiden: Insider und Kriminelle sind oft in der Lage, spezifische Landschaftsmerkmale auf Bildern exakt zuzuordnen.
  • Sicherheit geht vor: Aufnahmen aus freier Wildbahn nutzen wir daher ausschließlich intern für unsere Dokumentation.
  • Anpassung im Monitoring: Auch Videos aus unserem internen Wolfsmonitoring teilen wir inzwischen fast nur noch als Nachtaufnahmen, um die genauen Standorte der Rudel effektiv geheim zu halten.

Das Schlafverhalten der Wölfe im Überblick

Die Jungwölfin hat keine Lust mehr zu ruhen und versucht die anderen durch wilde Sprünge aufzuwecken. © Brigitte Sommer
Wölfe schlafen anders als wir Menschen oder gar domestizierte Hunde. Ihre Ruhephasen sind perfekt auf das Überleben in der Natur abgestimmt:
  • Kurze Nickerchen: Statt eines langen, ununterbrochenen Schlafs bevorzugen Wölfe über den Tag verteilte, leichte Nickerchen.
  • Ständige Wachsamkeit: Sie schlafen meist sehr flach, um bei potenziellen Gefahren sofort alarmbereit zu sein.
  • Dämmerungsaktivität: Da ihre Beutetiere oft morgens und abends aktiv sind, passen sich Wölfe diesem Rhythmus an und verschlafen die heißen Mittagsstunden.
  • Verdauungsschlaf: Nach einer großen Mahlzeit sinken sie in einen tiefen, ausgiebigen Schlaf, der viele Stunden anhalten kann.

Der Weckruf: Wenn das Rudel erwacht

Die aktive Phase kann beginnen. © Brigitte Sommer
So tief die Entspannung auch war – das Ende einer solchen Pausenphase folgt meist einer ganz bestimmten Rudeldynamik. Es ist faszinierend zu beobachten: Meistens ist es einer der jüngeren Wölfe, der die Initiative ergreift. Mit jugendlicher Energie, spielerischen Annäherungsversuchen, einem sanften Stupser oder aufforderndem Schwanzwedeln „weckt“ der Jungspund nach und nach die ganze Bande wieder auf.
Aus dem kollektiven Nichtstun wird so in Sekundenschnelle wieder ein aktives Gemeinschaftsgefüge. Dieses gemeinsame Erwachen und die anschließende herzliche Begrüßung stärken den Zusammenhalt des Rudels enorm, bevor es wieder gemeinsam auf Streifzug geht.

Fazit: Gelassenheit als Stärke

Einfach mal Nichtstun. © Brigitte Sommer
Wölfe zeigen uns, dass wahre Stärke in der Balance liegt. Sie verschwenden keine Energie für Unwichtiges, sondern schalten genau dann ab, wenn es die Situation erlaubt. Ein bewusster Blick auf diese faszinierenden Beutegreifer kann uns dabei helfen, im eigenen Alltag wieder mehr im Moment anzukommen und die Kraft von bewussten Pausen neu zu schätzen.

Gerade jetzt, wo über unseren frei lebenden Wölfen in Deutschland wieder das Damoklesschwert der Ausrottung schwebt und wir Wolfsschützer uns tiefste Sorgen um ihre Zukunft machen, zeigt sich ihre größte Lektion: Die Wölfe selbst wissen nichts von der politischen Gefahr, sie meiden uns Menschen schlicht aus natürlicher Vorsicht. Während wir für ihr Überleben kämpfen, lehren sie uns im Gegenzug, im Hier und Jetzt zu verweilen und uns niemals von den Ängsten und Sorgen von morgen lähmen zu lassen.

Die Bilder entstanden im Wildpark „Alte Fasenerie“ in Hanau. Dort leben in großen Gehegen nicht nur Wölfe, sondern auch Luchse, Hirsche und weitere Tiere in großen Gehegen. Tipp für Fotografen: Mit Offenblende ist es möglich, durch den Zaun zu fotografieren.

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

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