Die Angst vor dem Wolf als Symptom unserer entfremdeten Seele

Es ist ein paradoxes Schauspiel, das sich in Foren, Petitionen und Social-Media-Kommentaren wiederholt: Menschen, die sich lautstark gegen jede Form von Tierquälerei stellen, gegen Massentierhaltung wettern, Zoos ablehnen und für den Schutz bedrohter Arten kämpfen – diese selben Menschen bekommen Panik, sobald ein Wolf mal sichtbar wird. Einer, der nicht angegriffen hat, nicht bedroht hat, einfach nur da ist: Ein grauer Schatten am Waldrand, ein flüchtiger Blick aus gelben Augen. Und sofort ertönt der chorale Ruf: Vergrämen, sofort! Mit Paintball, Gummigeschossen, Knallapparaten, Drohnen – Hauptsache, er verschwindet wieder aus unserem Sichtfeld. Das ist neurotisch. Und es ist zutiefst aufschlussreich.

 

Meinungsartikel von Brigitte Sommer

Diese Forderung nach Vergrämung – also nach gezielter Verhaltensmodifikation eines wilden Tiers kommt tatsächlich aus der Mitte der Tierfreunde-Szene. Aus Kreisen, die sonst jede Form von Dressur, Zwang oder Technisierung am Tier ablehnen. Plötzlich aber soll der Wolf lernen, sich unsichtbar zu machen, scheu zu bleiben, den Menschen zu meiden – nicht durch natürliche Evolution, sondern durch technische Intervention. Das ist Kontrolle pur. Sterilisierung der Wildnis. Der Wolf darf existieren – aber nur als abstraktes Konzept im fernen Wald, nicht als lebendiges, unberechenbares Wesen, das mal vorbeiläuft und uns ansieht.
Beispielfoto Wolfspaar. © Brigitte Sommer
Warum diese Panik? Weil der Wolf das Letzte ist, was wir nicht domestiziert haben. Hunde kuscheln, Katzen schnurren, Häschen lassen sich füttern – alles kontrollierbar, berechenbar, Teil unseres Alltags. Der freie Wolf aber bleibt wild. Er gehorcht keinem Kommando, er kuschelt nicht, er hat keine App. Er symbolisiert genau das, was unsere moderne Welt immer mehr verdrängt: Lebendigkeit ohne Genehmigung. Etwas Unkontrollierbares, das einfach ist, ohne sich unserem Sicherheitsbedürfnis zu unterwerfen. Diese Angst ist kulturell tief verwurzelt – das berühmte Rotkäppchen-Syndrom. Der Wolf als das Böse, Heimtückische, Verschlingende. Märchen, Fabeln, religiöse Metaphern und der Adel, der im Wald alleine jagen wollte, haben ihn über Jahrhunderte zum Feindbild gemacht. Heute dient er der Politik als Sündenbock.
Selbst wer rational weiß, dass Wölfe in Deutschland seit ihrer Rückkehr keinen einzigen Menschen angegriffen haben und sich meist nur kurz sehen lassen, kann diese Urangst oft nicht abschalten. Sie sitzt im Unterbewussten. Und bei manchen Tierfreunden bricht sie genau dann durch, wenn der Wolf die unsichtbare Grenze überschreitet: von „romantischem Wildtier“ zu „realem Wesen in meiner Nähe“. Statt Staunen, Neugier oder respektvoller Distanz kommt die Forderung nach Technokratie: Vergrämung als mildestes Mittel? Für viele klingt das harmlos – aber es ist der Versuch, ein freies Tier zu konditionieren, ihm Schmerz zuzufügen (Gummigeschosse, Knall, Fallen), damit es lernt, uns aus dem Weg zu gehen.
Das ist keine Koexistenz. Das ist Verdrängung durch Technik. Genau die Logik, die unseren Alltag immer stärker prägt: Smart-Home-Kameras überwachen den Garten, Algorithmen filtern Risiken aus dem Newsfeed, Präventivmaßnahmen minimieren jede Unwägbarkeit. Der Wolf wird zum Testfall: Wenn schon eine Sichtung oder ein Nachschauen oder auch ein ruhiges Hinterhergehen Panik auslöst, wie sehr fürchten wir dann erst die echte Unkontrollierbarkeit des Lebens? Was fehlt, ist die Lebendigkeit. Die Bereitschaft, etwas zuzulassen, das nicht kuschelt, nicht gehorcht, nicht nützlich ist. Etwas, das uns einfach nur ansieht – und damit unsere eigene Entfremdung spiegelt.
Wir predigen Respekt vor der Natur, solange sie artig bleibt. Sobald sie wirklich wild wird, greifen wir zur Fernbedienung. Der Wolf ist ein Spiegel. Und in diesem Spiegel sehen viele Tierfreunde nicht den Wolf – sondern ihre eigene neurotische Angst vor dem, was nicht app-gesteuert, nicht versichert und nicht unsichtbar gemacht werden kann. Vielleicht wäre es an der Zeit, statt Vergrämung, Überwachung und Abschuss zu fordern, mal innezuhalten. Den Blick zu erwidern. Und zu akzeptieren: Manchmal läuft ein Wolf vorbei. Und das ist – bei aller Angst – genau das, was uns im heutigen Leben so fehlt: ein Stück echte, ungezähmte Lebendigkeit.

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

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Panikmache statt Info: Der unsägliche Umgang der Massenmedien mit Jungwölfen

Im Winter, wenn die Welpen knapp zwei Jahre alt sind, beginnen sie das elterliche Rudel zu verlassen. In Deutschland, wo die Lebensräume durch menschliche Aktivitäten stark beeinflusst sind, stellt dies eine besondere Herausforderung dar. Der Höhepunkt der Paarungszeit, die aktuell stattfindet, markiert auch die größte Abwanderung von Jungtieren. Leider ist dies auch mit alljährlicher Wiederkehr von Angst- und Panikmache in den Medien verbunden, obwohl die Redaktionen inzwischen längst wissen müssten, dass die wandernden Jungtiere keine Gefahr für Menschen darstellen.

In Deutschland, wo die Wolfspopulation in den letzten Jahrzehnten wieder an Bedeutung gewonnen hat, beginnt die Paarungszeit der Wölfe im Winter, typischerweise zwischen Januar und März. Diese Zeit ist geprägt von intensiven sozialen Interaktionen innerhalb der Rudel: Innerhalb eines Wolfsrudels bestimmen die Wolfseltern die Fortpflanzung. Hierbei zeigt sich, dass das Elternpaar üblicherweise das einzige Paar ist, das sich während dieser Zeit paart, um die Ressourcen für die aufkommenden Welpen zu sichern. Heulkonzerte sind während dieser Phase häufig, da sie nicht nur zur Kommunikation mit anderen Rudelmitgliedern dienen, sondern auch zur Abgrenzung und Verteidigung des Territoriums. Diese Heulrituale stärken auch die Bindung innerhalb des Rudels.
Fortpflanzung: Nach einer Tragzeit von etwa 63 Tagen gebären die Wölfinnen ihre Welpen im Frühling, meist zwischen April und Mai. Die Paarungszeit markiert auch den Höhepunkt an Abwanderungen von Jungwölfen aus den Wolfsfamilien, die aus Vater, Mutter und Welpen aus dem vergangenen Jahr bestehen, von denen viele noch nicht abwandern, sondern in diesem Jahr noch bei der Aufzucht der neuen Welpen helfen und Geschwistern, die knapp zwei Jahre alt werden. Diese machen sich jetzt auf die gefährliche Reise, denn sie wollen einen Partner finden und eine eigene Familie gründen.
Junge Wölfe im Alter von neun Monaten bis 1,5 Jahren machen sich hauptsächlich von Januar bis März alleine auf ihre gefährliche Reise. Beispielfoto © Brigitte Sommer

Jungwölfe auf der gefährlichen Suche nach einem eigenen Revier

Diese Jungwölfe suchen sich neue Reviere, um eine eigene Familie zu gründen. Dies kann bedeuten, dass sie durch dicht besiedelte Gebiete oder landwirtschaftlich genutzte Flächen wandern müssen, wo sie natürlich gesehen werden können. Die Wanderungen können weitreichend sein, manchmal über hunderte oder sogar tausende von Kilometern. In Deutschland, ein Land mit einer relativ hohen Bevölkerungsdichte und vielen Straßen, sind diese Wanderungen auch mit einem erhöhten Risiko von Unfällen verbunden. Jungwölfe müssen sich an die spezifischen Bedingungen in Deutschland anpassen, wo sie auf landwirtschaftliche Nutzflächen, Autobahnen und Siedlungen treffen. Dies erfordert eine hohe Anpassungsfähigkeit und Intelligenz, um sowohl menschliche Begegnungen zu vermeiden, als auch neue, sichere Lebensräume zu finden.

Natürliches Verhalten wird für Panik- und Angstmache genutzt

Da die Jungwölfe weder einen Kompass, noch Landkarten oder Navi haben, kann es passieren, dass sie sich auch in Ortschaften oder Gärten verirren können. Sie sind überhaupt nicht gefährlich für Menschen und man sieht auf den zahlreichen Filmen, die jetzt wieder in den sozialen Netzwerken herum geistern, dass sie eigentlich nur aus der Situation weg wollen. Deutliches Anzeichen ist ein eingezogener Schwanz. Die Wanderungen der Jungwölfe in Deutschland sind ein ganz normales Verhalten, das zeigt, dass sich Wölfe weder unkontrolliert vermehren, noch dass in einem Revier zu viele von ihnen leben und praktisch den Wald leer fressen würden.
All dies ist seit der Rückkehr der Wölfe vor mehr als zwanzig Jahren nach Deutschland längst bekannt, doch leider beteiligen sich viele Massenmedien an Fake-News und Lügen der Jagd- und Agrarlobby.
Sollten Sie ein solches Jungtier sehen, bitte stellen Sie keinen Film davon in soziale Netzwerke, bitte keinesfalls an Medien oder den „Jäger, bzw. Landwirt des Vertrauens“ geben. Jegliche Verbreitung bringt die Jungtiere in Gefahr und wird für Propagandazwecke genutzt. Hier ein aktuelles Beispiel aus der NRZ.

Hetze statt Information

 

Die NRZ nahm als Titelbild für ihren Artikel ein Standbild aus einem Film, der völlig aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Unbedarfte Leser müssen so glauben, dass der Wolf den Filmer beißen wollte. Tatsächlich aber ist das Tier in Angst und Panik gegen die Fensterscheibe geknallt. Natürlich ist die restliche Information hinter Bezahlschranke: https://www.nrz.de/niederrhein/article408326913/wolf-steht-vor-der-terrassentuer-familie-filmt-geschockt-mit.html

Hier das komplette Video

 

 

Dieses Video von diesem sich in Mönchengladbach verirrten Jungtier geistert seit einigen Tagen im Netz umher mit immer abstruseren Geschichten dazu. Nun veröffentlichen es auch die Massenmedien und Haterseiten und es kursieren Lügengeschichten. Dieses Jungtier hat sich offensichtlich in einen Garten verirrt und es nimmt die Glasscheibe nicht wahr. So versucht es sich an einem vermeintlichen Ausgang, rennt aber mit dem Kopf an die Scheibe, was natürlich schmerzhaft ist. Jeder würde hier das Gesicht verziehen.  Eine weitere logische Erklärung wäre, dass das bereits total gestresste Tier plötzlich einen nicht vorhandenen Artgenossen im Spiegelbild wahrnimmt und sich erschreckt. Ein solches Jungtier hat natürlich keinerlei Erfahrung mit Fensterscheiben.  In Deutschland ist übrigens die Tollwut ausgerottet, aber natürlich hält dies Hass-Seiten nicht davon ab, zu verbreiten, dass das Tier Tollwut hätte.

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Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

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