Zwei tote Wolfswelpen in Spremberg – wirklich nur ein tragischer Unfall?

Am 15. März 2026 wurden in einem Löschteich bei Spremberg/Grodk zwei Jungwölfe tot aufgefunden. Einer der beiden Welpen war besendert. Die Behörden erklären den Tod mit Ertrinken und machen vor allem offene Komposthaufen und Katzenfutter der Anwohner verantwortlich. Wir finden das merkwürdig. 

Beispielbild spielende Wolfswelpen im Alter von 10 Monaten.

Nach Angaben des Brandenburger Landesamtes für Umwelt (LfU) sind die Tiere ums Leben gekommen, ohne, dass Menschen eingewirkt hätten. Das sagte ein Sprecher dem rbb auf Nachfrage Ende März. Wie die Wölfe den Absperrzaun überwinden konnten, der den Löschteich umgibt, sei nicht bekannt. Die Feuerwehr hätte die toten Tier geborgen.

Das Spremberg-Rudel lebt jedoch bereits seit 2018/2019 – also seit über sieben Jahren – in der Region. Es handelt sich um ein langjährig etabliertes Territorium.In den Wochen und Monaten vor dem Tod der Welpen kam es zu folgenden bestätigten Nutztierrissen durch dieses Rudel:

  • Februar 2026: 1 Zwergziege in Hornow getötet
  • Anfang März 2026: Erneut 1 Zwergziege („Ella“) in Hornow getötet – an derselben Adresse
  • März 2026: 2 Schafe getötet, 1 schwer verletzt
  • März 2026: 3 Ziegen getötet
  • Weitere kleinere Vorfälle mit verletzten Tieren

Trotz dieser Risse hat das zuständige Veterinäramt offenbar nicht konsequent bei den betroffenen Kleinsthaltern eingegriffen, obwohl diese ihre Tiere wiederholt unzureichend geschützt hatten. Stattdessen wurden die Anwohner der Region mit Bußgeldandrohungen wegen offener Komposthaufen und Katzenfutter unter Druck gesetzt. Diese einseitige Schuldzuweisung an die Allgemeinheit könnte von den eigentlichen Verantwortlichkeiten ablenken. Es drängen sich ernste Fragen auf:

  • Wie wahrscheinlich ist es, dass gleich zwei Welpen aus einem seit Jahren ansässigen Rudel „zufällig“ in einen künstlichen noch dazu umzäunten Löschteich geraten und nicht mehr herauskommen?
  • Warum stirbt gerade der besenderte Welpe nur kurze Zeit nach der Besenderung?
  • Wurde hier möglicherweise nach den Rissen versucht, das Rudel gezielt zu dezimieren?

Wir schließen nicht aus, dass hinter dem Tod der beiden Welpen auch illegale Handlungen stehen könnten. Die schnelle und einseitige Erklärung der Behörden („die Anwohner haben sie angelockt“) erscheint zu einfach und dient möglicherweise dazu, andere Ursachen nicht näher untersuchen zu müssen. Warum wird der genaue Ort des Löschteichs nicht angegeben? Warum gibt es keine Fotos, auf denen dieser Löschteich zu sehen ist? 

Blick von der sächsischen Seite auf das Kraftwerk Spremberg, bei Mortka. © Brigitte Sommer

Besonders kritikwürdig ist der Einsatz von Soft Catch Traps (Fangfallen mit weichen Backen), die in Brandenburg zur Lebendfang und Besenderung von Wölfen verwendet werden. Diese Fallen sind aus unserer Sicht nicht tierschutzkonform. Selbst bei ausgewachsenen Wölfen können sie schwere Quetschungen, Frakturen und langanhaltende Verletzungen verursachen. Bei Welpen und Jungtieren, die noch nicht einmal ein Jahr alt sind, ist das Risiko von schweren Verletzungen, Schock und massivem Stress noch deutlich höher.Dass ausgerechnet ein besenderter Welpe kurze Zeit nach dem Fang tot aufgefunden wird, passt in ein beunruhigendes Muster. Die Besenderung scheint die Tiere nicht zu schützen, sondern sie zusätzlich zu belasten und möglicherweise leichter zum Ziel zu machen.

Brandenburg hat die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz ausdrücklich begrüßt und plant, die neuen Möglichkeiten für ein aktiveres Wolfsmanagement zu nutzen. Gleichzeitig werden Vorfälle wie dieser schnell als „natürliche Mortalität“ oder „Schuld der Anwohner“ abgetan. Solange das System auf umstrittene Fangmethoden, Besenderung, Schuldzuweisung an die Bevölkerung und schrittweise Akzeptanz von Abschüssen setzt, werden solche Fälle kein Einzelfall bleiben. 
Quelle:

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

Besenderung von Wölfen: Telemetriedaten als Grundlage für künftige Abschüsse?

Die Besenderung von Wölfen mit GPS/GSM-Halsbandsendern birgt nach Auffassung von Wolfsschutz-Deutschland e. V. ein erhebliches Risiko: Die gewonnenen Echtzeit-Daten zu Aufenthaltsorten, Wanderwegen und Verhalten einzelner Tiere können künftig direkt zur gezielten Identifikation und Tötung von Wölfen genutzt werden – insbesondere im Rahmen der Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz.

Wie wir wissen, hat der Bundestag hat am 5. März 2026 die Aufnahme des Wolfs als jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz beschlossen (Bundesrat-Zustimmung voraussichtlich Ende März 2026). Ab Inkrafttreten – realistisch ab Sommer 2026 – ermöglicht das Gesetz in Regionen mit günstigem Erhaltungszustand eine reguläre Jagd (Jagdzeit 1. Juli bis 31. Oktober) sowie die ganzjährige Tötung sogenannter „Problemwölfe“ und sogar Wolfswelpen. Wir berichteten hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/03/06/wolf-im-jagdrecht-der-naechste-schritt-zum-toetungsrausch-grosse-zeiten-der-heuchelei/
Die Kombination aus individuellen Telemetriedaten und dem populationsbasierten offiziellen Monitoring der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf schafft präzise Voraussetzungen für solche Tötungen: Aktuelle Senderdaten können ein schnelles und zielgerichtetes Auffinden und Erschießen ermöglichen.
Beispielfoto Wolf.
In Sachsen läuft seit 2019 ein Landesbesenderungsprogramm, in dem regelmäßig Wölfe gefangen und besendert werden. Zu den jüngsten Fällen zählen MT15 (November 2025) und MT16 (Dezember 2025); aktuell senden mehrere Tiere Daten. In Niedersachsen wurde vor Kurzem eine junge Wölfin im Kreis Gifhorn besendert. Bundesweit existiert tatsächlich keine zentrale Übersicht, die Programme bleiben länderspezifisch.
Offiziell dienen die Maßnahmen der wissenschaftlichen Erfassung von Raumnutzung, Wanderungen und Rudelstrukturen sowie der Optimierung von Herdenschutz und „Konfliktmanagement“. Die Bezeichnung birgt bereits mehr als eine Andeutung. Die Telemetriedaten ermöglichen tatsächlich eine exakte Lokalisierung in Echtzeit – eine Information, die bei der Umsetzung von Abschussverfügungen oder „Wolfsregulierungen“ entscheidend sein kann.
Zur Besenderung ist das Fangen der Tiere erforderlich. Hierfür werden gepolsterte Fußfallen (Soft Catch Traps) eingesetzt. Diese Fallen sind mit Gummi- oder Schaumstoffpolstern an den Bügeln versehen und verfügen über Sensoren, die eine schnelle Bergung des gefangenen Tiers ermöglichen sollen. Die EU-Kommission hat 2018 klargestellt, dass ihr Einsatz für Monitoringzwecke, die den Erhaltungszustand verbessern sollen, nicht unter das Verbot der Tellereisenverordnung fällt – vorausgesetzt, es gibt keine milderen Alternativen und Vorkehrungen gegen Verletzungen und Stress werden getroffen. Dennoch bestehen erhebliche tierschutzrechtliche Bedenken: Das Verfahren verursacht Stress, Schmerzen und Verletzungsrisiken (z. B. Prellungen oder Frakturen trotz Polsterung).
Wolfsschutz-Deutschland e. V. hält Soft Catch Traps https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Soft-catch_trap.jpg für tierschutzwidrig und bezweifelt die tatsächliche Minimierung von Leiden sowie die Verhältnismäßigkeit invasiver Eingriffe, zumal bereits umfangreiche Daten zum Wanderverhalten vorliegen.
Die Besenderung legt somit nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse vor, sondern schafft die technische Grundlage für eine kaltblütige Umsetzung der zu erwartenden Wolfsjagden. Die Transparenz über die genaue Weiternutzung der individuellen Telemetriedaten bleibt begrenzt, was die Befürchtung verstärkt, dass diese Programme primär der Vorbereitung von Wolfstötungen dienen werden. Besenderte Wölfe können zudem Häscher zum gesamten Rudel führen. Menschen, die Daten an das offizielle Wolfsmonitoring liefern, können nun auch nicht länger verleugnen, dass ihre Angaben eben nicht nur für Schutz und Wissenschaft dienen, sondern dazu gebraucht werden können, Wölfe zu töten.
Wolfsschutz-Deutschland e. V. fordert eine unabhängige Überprüfung aller Besenderungsprogramme sowie eine konsequente Priorisierung gewaltfreier Herdenschutzmaßnahmen statt Fang, Besenderung und Wolfsjagden.

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/