Fakenews

Hundehalterin bei Gifhorn nicht von Wolf gebissen!

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05.07.17 – Die Facebookseite „Wolf nein Danke“ meldet heute einen Vorfall, der sich am 03. April bei Gifhorn in Niedersachsen zugetragen haben soll. Ein Jäger soll dem Wolfsbüro einen Vorfall gemeldet haben, bei dem ein Wolf zuerst einen Hund einer Frau und dann die Frau selbst in die Hand gebissen haben soll. Wir haben mit der Hundehalterin gesprochen, dürfen sie aber nicht zitieren. Die Hundehalterin hat der Seite Wolf nein Danke die Meldung untersagt, die Seitenbetreiber halten sich aber nicht an das Verbot.  Das Ergebnis des Wolfsbüros ist jedoch eindeutig. Ob die Frau zwischen einen Streit ihrer eigenen Hunde geraten ist, ist unklar.

 

Kurti

Jungwolf Kurti, unschuldig zum Tode verurteilt?

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Für Menschen, die in Deutschland vor Gericht stehen, gilt der Grundsatz: „Im Zweifel für den Angeklagten.“ Bei Tieren ist dies nicht so, gelten sie doch noch immer als Sache. Noch schlimmer steht es in Deutschland in Punkto Tierrechte für Wölfe. Reicht es hier völlig aus, Lügengeschichten in Zeitungen und anderen Medien zu verbreiten? Einen unschuldigen Jungwolf quasi per Mutmaßungen zum Tode zu verurteilen?

Fakt ist, der aus dem Niedersächsischen Rudel aus Munster stammende Rüde Kurti (MT6) ist am 27. April des vergangenen Jahres durch einen Polizisten erschossen worden. Genehmigt wurde dies von einem Grünen Umweltminister. Wie lautete das Urteil? Kurti sei nicht scheu und hätte sich wiederholt Menschen gezeigt, ja sogar einen angeleinten Hund gebissen.  Es bestünde eine Gefahr für Menschen.

Doch stimmt das wirklich?

Wir rollen den Fall Kurti hier noch einmal auf und bringen die Fakten: Wie viele Jungwölfe in Deutschland hatte Kurti nicht die nötige Erfahrung, sich nicht sehen zu lassen. Wie alle Jungwölfe wanderte auch er im Alter von zwei Jahren herum. Als Jährling war er zusammen mit seiner Schwester besendert worden. Im Nachhinein hieß es, dass er und seine Schwester von vorne herein, wie das komplette Munster Rudel, auffällig gewesen seien. In Wirklichkeit sind Kurti und seine Schwester, die übrigens unter ungeklärten Umständen kurze Zeit nach ihm zu Tode kam, durch Zufall in die Falle geraten. Es hätte genauso gut die Geschwister treffen können. Besendert wurden sie durch LUPUS.

Nun kamen örtliche Politiker sowie Teile der Jägerschaft Niedersachsen,  die sich offen gegen Wölfe aussprechen, ins Spiel. Ganz vorne mit dabei Politiker W. und sein Bekannter P., der sich eine Villa am Rande des Wolfsgebietes gebaut hat. Die Frau des Bekannten P. sei, als sie mit Kinderwagen und Hund spazieren ging, von Kurti verfolgt worden. Zeitungen berichteten wochenlang über diesen angeblichen Vorfall. Wir schrieben damals Herrn P. an. Er schrieb zurück, dass Kurti parallel im Wald nebenher gelaufen wäre. Seine Frau hätte es mit der Angst zu tun bekommen. Kurti wäre erst abgedreht, als sie ihren Hund, einen Ridgeback, vor der Haustüre angeleint hätte.  Von Aggression seitens Kurti kein Wort. Später soll Kurti durch Ortschaften gelaufen sein. Ein völlig normales Jungwolfverhalten, wie eigentlich bekannt sein sollte. Es hieß, Kurti  sei von Soldaten angefüttert worden. Doch gibt es Beweise? Nein. Es seien Bilder gemacht worden. Wurden sie veröffentlicht? Nein.

Kurti soll schließlich sogar dem Hund der Familie M. in den Hintern gebissen haben. Etliche reißerische Artikel und Sendungen sind noch heute darüber zu finden. Doch stimmt das? Fakt ist, dass kein DNA-Ergebnis diese Geschichte bestätigt. In einem Filmbeitrag des NDR, in dem die Familie M., übrigens auch Bekannte von Politiker W., ihre Geschichte erzählt, wurde keine Wunde des Hundes gezeigt. In einem späteren Beitrag wurde ein angebliches Foto einer Wunde gezeigt. Darauf war eine geklammerte Blessur am After zu sehen, die mehr nach einer ausgedrückten Fistel aussah, als nach einem Wolfsbiss. Es zeigte lediglich einen Kratzer. Erstellt hatte dieses Foto die Fotografin Anne F., die als freie Mitarbeiterin bei mehreren Tageszeitungen im Gebiet arbeitet. Doch wie glaubhaft ist diese Fotografin? Sie hatte sich mehrmals als Wolfsgegnerin öffentlich geäußert. Normalerweise sind Fotografen und Journalisten, die an einem speziellen Thema arbeiten, verpflichtet, neutral zu sein.

Wegen Kurtis angeblich mangelnder Scheu wurde sogar ein Wolfsexperte aus Schweden eingeflogen. Zum Vergrämen und Beschießen mit Gummigeschossen. Doch Kurti zeigte sich zu scheu, um vergrämt zu werden. Karlsson bescheinigte Ungefährlichkeit. https://www.kreiszeitung.de/lokales/heidekreis/lueneburger-heide-wolfsexperte-jens-karlsson-spuert-wolf-kurti-6190855.html

Doch trug dies zu Kurtis Entlastung bei?

Nein, ganz im Gegenteil. War sein Abschuss längst beschlossene Sache? Waren NABU und Co. bereit, einem Bauernopfer zuzustimmen? Unklar. Doch Fakt ist, dass der Nabu seinen Wolfsbotschaftern folgenden Maulkorb verpasst hat:

„Liebe Wolfsbotschafterinnen, liebe Wolfsbotschafter, in den letzten Wochen hat das offizielle Monitoring in Niedersachsen eine Häufung von Nahbegegnungen des Wolfes MT6 festgestellt. Gemäß der Kriterien im niedersächsischen Managementplan, der BfN-Richtlinien und der Facheinschätzung des Bundesumweltministeriums, der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (Institut LUPUS) sowie einer Beratung des AK Wolf in Niedersachsen, bei dem auch der NABU vertreten ist, haben wir es somit erstmalig mit einem „auffälligen“ Wolf in Deutschland zu tun.

Es besteht hier ausdrücklich Handlungsbedarf, denn wie wir aus verschiedenen Studien wissen, kann durch einen solchen Wolf für Menschen eine gefährliche Situation entstehen. Eine gefährliche Situation muss bei so kurzer Distanz nicht primär von dem Wolf ausgelöst werden. Auch andere Faktoren können ausschlaggebend sein: z.B. panische oder unüberlegte Reaktionen des Menschen, ein aggressiver Hund oder andere Dinge, die den Wolf plötzlich erschrecken können. Für uns als NABU ist es von extrem großer Bedeutung, unserem Motto „Wir nehmen die begründeten Ängste und Sorgen der Menschen ernst“ jetzt gerecht zu werden. Ihr als Wolfsbotschafter seid Ansprechpartner für die Menschen in Eurem Umfeld, daher ist es wichtig, dass Ihr diese Situation aus Sicht des Natur- und Artenschutzes bewertet. Dazu gehört: – Bitte unterscheidet zwischen Meldungen in den Medien und offiziellen Berichten des Monitorings! Immer wieder wird verkürzt dargestellt oder falsch zitiert.

Eure Informationen sollten jedoch aus sicheren, verifizierten Quellen stammen. Wir vom Bundesverband recherchieren aktuelle Fälle und überprüfen diese. Das kostet Zeit. Zeit, die wir uns nehmen müssen (Sorgfalt vor Schnelligkeit) und so dürft Ihr Euch als WoBos nicht zu Statements auf Basis von Medienberichten hinreißen lassen. – Offiziell bestätigte Nahbegegnungen sollten niemals bagatellisiert oder als unglaubwürdig dargestellt werden. Menschen mit Ängsten vor Wölfen müssen Informationen zur Vergrämung des Wolfes MT6 in Niedersachsen ernst genommen werden – ihnen allen pauschal eine Form der Phobie zu unterstellen, ist kontraproduktiv. 

Die Frage, ob dieses distanzlose Wolfsverhalten aus biologischer Sicht „normal“ oder „unnormal“ ist, tritt in den Hintergrund. Entscheidend ist viel mehr, dass die Sicherheit des Menschen an erster Stelle steht und daher die Kaskade von Maßnahmen weiter verfolgt werden muss (1. Besenderung, 2. Vergrämung, 3. Entnahme).

Die Besenderung von MT6 ist ja bereits im Sommer erfolgt, so dass an dieser Stelle nun die Vergrämung notwendig wird. – Nach wie vor kann über die Ursache des distanzlosen Verhaltens dieses Wolfes nur spekuliert werden. In der Wissenschaft sind als Auslöser für dieses Verhalten Krankheiten wie die Tollwut und positive Erfahrungen mit Menschen bekannt. MT6 wurde bei der Besenderung untersucht – eine Erkrankung kann also weitgehend ausgeschlossen werden. Insofern spricht zurzeit alles für eine Futterkonditionierung, weshalb es umso wichtiger ist, die Menschen darüber zu informieren, dass eine vermeintlich gut gemeinte Fütterung eines Wolfes zu seinem Tod führen kann. – Der AK Wolf Niedersachsen hat durch den NABU initiiert beschlossen, dass bei dem betroffenen Rudel Munster eine ausführliche Ursachenforschung betrieben wird. Wenn menschliches Fehlverhalten die Ursache für dieses Wolfsverhalten sein sollte, muss diese aus der Welt geschaffen werden! – Wir als NABU begleiten die Rückkehr der Wölfe aus Sicht des Natur- und Artenschutzes* – nicht als Tierschützer. Das bedeutet konkret, dass wir uns, sollte die Vergrämung nicht funktionieren, für die Tötung des Wolfes aussprechen werden. Eine Verbringung in ein Gehege lehnen wir aus Tierschutzgründen ab – derlei Versuche in der Vergangenheit haben gezeigt, dass die in Freiheit geborenen und aufgewachsenen Tiere in einem Gehege einem enormen Stress ausgesetzt sind, an dem sie nach nicht allzu langer Zeig verenden. Ausnahmen kann es z.B. geben, wenn der betreffende Wolf sehr jung ist. Das ist bei MT6 nicht der Fall. – Zu einer sachlichen Auseinandersetzung ohne übermäßige Emotionalisierung gehört auch, dass wir eventuell auffälligen Wölfen keine Namen geben! Im derzeitigen Fall bleibt es bei MT6 und nicht bei Kurt oder Kurti. – Wichtig ist: Ihr seid als NABU-Wolfsbotschafter an die offiziellen Positionen und Kommunikationslinien des NABU gebunden. Hierzu gehört, dass Ihr als NABU Wolfsbotschafter keine Petitionen unterstützt, die der NABU-Meinung zuwider laufen und auch keine Diskussionen anzettelt, die fachlich nicht begründbar sind (wie z.B. das Verbringen eines Wolfes in ein Gehege). Wir weisen sicherheitshalber darauf hin, dass ein Verstoß gegen diese Richtlinien zur Folge hat, dass Ihr das Amt als Wolfsbotschafter abgeben müsst. – Bitte vermeidet hektischen Aktivismus. Prüft, ob Petitionen, die Ihr als Privatpersonen unterstützt, vernünftig formuliert und an die richtigen Stellen adressiert sind. Wenn wir als NABU keine Petition starten, hat das einen guten Grund. Petitionen oder sonstigen Aktionismus dürft Ihr nicht in der Rolle als NABU-Wolfsbotschafter unterstützen, solange der NABU die Petition nicht offiziell unterstützt. *Artenschutz umfasst den Schutz der Populationen wild lebender Arten, während der Tierschutz auf das einzelne Tier und seine Unversehrtheit zielt. Das bedeutet, dass im begründeten Einzelfall der Artenschutz höher einzustufen ist als der Tierschutz.“

Das schrieb Sebastian K., ein Tierfilmer, dazu:

„Wenn Du das Interview vollständig gehört hast, weißt Du auch, dass ich MT6 derzeit als für Menschen nicht gefährlich halte. Dies ist eine Einschätzung und kein Wissen. Ich habe die Hoffnung, dass die kürzlich erfolgten Vergrämungsversuche oder vielleicht einfach die weitere Entwicklung des jungen geschlechtsreifen Wolfes dazu führen, dass er sich nicht mehr tagsüber in Menschennähe zeigt. Sollte er aber sein auffälliges Verhalten weiter zeigen, müsste man meines Erachtens die „Entnahme“ veranlassen; nicht weil ich – wie gesagt – unmittelbare Gefahr für Menschen in Verzug sehe, sondern weil ich die ländliche Bevölkerung als noch nicht ausreichend erfahren im Zusammenleben mit Wölfen ansehe, als dass sie Wölfe, die sich tagsüber in Menschennähe zeigen akzeptieren könnte – wie dies z.B. ja wohl in Bezug auf die Wölfin Timisch in Rumänien der Fall war.“

Glaubten manche Naturschützer ernsthaft, dass es danach Ruhe gibt, wenn man ein unschuldiges Tier dem Mob zum Fraß vorwirft?

Das Gegenteil ist seit dem Abschuss von Kurti passiert. Es gibt fast keine Woche, in der nicht weitere Abschüsse von Jungtieren gefordert werden. Christiane Schröder, Landesgeschäftsführerin des NABU-Brandenburg, stimmte dem Abschuss des Jungwolfes Filou bei Rathenow zu.  Dem Abschuss von Kurti stimmten LUPUS, NABU, Freundeskreis frei lebender Wölfe, WWF, GzSdW sowie weitere Vereine gemeinschaftlich zu. Auch für den Jungwolf Pumpak in Sachsen gab es einen Abschussentscheid, gegen den die Umweltverbände Klage einreichen wollten, dies aber nicht taten. Nur ein Verein reagierte wirklich: Wolfsschutz-Deutschland (Grüne Liga Sachsen).

Ist das Drama um Kurti damit zu Ende? Nein, nicht einmal im Tod, hat das Jungtier Frieden. Sein malträtierter Körper wird nun im Landesmuseum Hannover ausgestellt. Hier ein Bericht des NDR dazu http://www.ardmediathek.de/tv/Hallo-Niedersachsen/Wolf-Kurti-kommt-ins-Museum/NDR-Fernsehen/Video?bcastId=25231206&documentId=42317918

Weil sein Körper zu dünn und zu schmal war, musste das Fell zusätzlich gedehnt und der Plastikdummy verkleinert werden. Deutschland in Angst vor einem Jungtier, das kaum größer als ein Fuchs war?

Nach der Ausstellungseröffnung lautet ein Artikel „Selfies mit dem Problemwolf!“ http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Selfies-mit-dem-Problem-Wolf

Bettina Jung, von der Partei Ethia protestierte dagegen. Auch die Mitglieder unseres Vereines finden diese Darstellung und Vorführung respektlos.

 

 

Fakenews

Die Facebookseite Wolf nein Danke fordert zu Straftaten auf

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30.06.17 – Angeblich sollen zwei Wölfe ihren Hund gebissen haben. Diesen Vorfall meldet eine Pferdehalterin auf der Seite Wolf nein Danke. Wir überprüfen das gerade. Als „Beweis“ zeigte die Frau Fotos von Trittsiegeln. Hier sieht man deutlich, dass es sich um alte Trittsiegel handelt. An dem Tag hat es in der Nähe von Magdeburg zudem geregnet. Folglich können das keine Spuren vom angeblichen Vorfall sein. Lügengeschichten sind das Eine, Aufforderungen zu Straftaten das Andere. 3 x S heißt nichts anderes als schießen, schaufeln, schweigen. Hier wird dazu aufgefordert ein streng unter Schutz stehendes Tier illegal zu beseitigen. Die Seitenbetreiber von Wolf nein Danke haben das auch noch mit einem Like versehen. Die Seite wird immer wieder Facebook gemeldet, aber dort wird nichts dagegen unternommen. Noch schlimmer: Tageszeitungen schreiben ohne Recherche dort ab.

Hier ist der Bußgeldkatalog: https://tierschutz.bussgeldkatalog.org/artenschutz/

Unterwegs

Zu Besuch im Wolfspark Werner Freund in Merzig

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„Auhuuuuuuu…“ Das Rudel Polarwölfe kommuniziert seine Zusammengehörigkeit. Mitten drin im Rudel sitzt Tatjana Schneider. Die Wölfe heulen mit ihr und sie mit ihnen. Darum herum ist kein weiterer Laut zu hören. Alles befindet sich im Gleichklang, pure Harmonie, echtes Gänsehautgefühl. Dabei polarisiert kaum ein Tier in Deutschland so sehr wie der Wolf. Die einen fürchten, die anderen lieben ihn. Tatjana arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren mit und für Wölfe. Im Wolfspark in Merzig, dessen Leitung sie nach dem Tod des bekannten Wolfsforscher Werner Freund  Jahr übernommen hat, leben 24 dieser stolzen Tiere, darunter die weißen Polarwölfe, schwarze Timber- und graue Europäische Wölfe. Sie hat tagtäglich hautengen Kontakt zu den einzelnen Rudeln. Alle Elterntiere sind per Hand aufgezogen, damit sie ihre natürlich Scheu vor dem Menschen verlieren. Mit ihren wilden Vertretern in der Natur sind sie deshalb vom Verhalten her nicht zu vergleichen, auch wenn sie außerhalb ihres Geheges wieder scheu sein würden. Wilde Wölfe sind scheu und weichen dem Menschen aus. Handaufgezogene Wölfe haben diese Scheu nur gegenüber ihren menschlichen Adoptiveltern nicht. „Wölfe sind keine aggressiven Tötungsmaschinen, sondern faszinierende Beutegreifer, deren Sozialleben dem unseren so ähnlich ist. Auch sie leben in Familien, auch sie sorgen für ihre Jungen, auch sie kommunizieren miteinander. Doch im Gegensatz zum Menschen tötet ein Wolf nur, wenn er Hunger hat.“

Tatjana Schneider (48)

 

Neben Reh, Wildschwein und Co. fressen sie auch Schafe, die nicht ausreichend geschützt sind. Genau da treten die größten Probleme auf. Viele Schaf- und Nutztierhalter sind nicht bereit, ihre Gehege wolfssicher zu machen. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Von Herdenschutzhunden bis hin zu speziellen Zäunen. Von vielen Bundesländern gibt es dazu sogar Unterstützungen, bzw. auch Entschädigungen. 70.000 Euro flossen im vergangenen Jahr an Betroffene. Auch ehrenamtliche Helfer engagieren sich im Herdenschutz.

Dabei verursachen Wölfe geringe Schäden. Zum Vergleich. Die Kirschessigfliege verursachte 2015 Schäden von zwei Millionen Euro. Viele Jäger, die den Wolf als Beutekonkurrenten sehen, sind nicht bereit das, Tier hier zu akzeptieren, obwohl Wölfe europaweit den höchsten Schutzstatus haben. Immer wieder kommt es zu illegalen Abschüssen. 20 Fälle sind bekannt. Auch Deutschlands erste Wölfin Einauge wurde gleich mehrmals Opfer von Wilderern. Als man das Tier nach seinem Tod untersuchte, fand man etliche Geschosse im Körper. Schüsse, die Einauge überlebt hatte. So verlor dabei sogar ein Auge, was ihr den Spitznahmen verlieht. Die Täter können so gut wie nie dingfest gemacht werden. Ob sie aus der Jägerschaft kommen ungewiss? Fakt ist aber, dass sich viele Landes- und Ortsgruppen der Jägerschaft gegen den Wolf aussprechen und entsprechende Propaganda betreiben. Sie sind bei vielen Entscheidern der Wirtschaft, bis hin in die Politik vernetzt. Politiker haben das Thema Wolf als Wahlkampfhilfe entdeckt.

EuropŠäische Wöšlfe
Brigitte Sommer bei Tatjana Schneider

Tatjana hat ein anderes Konzept als Parkgründer Werner Freund. Sie mischt sich in die Machtverhältnisse unter den Tieren nicht ein. „Für die Wölfe bin ich eine Art Tante, sie freuen sich wenn ich sie besuche, und nicht nur, wenn ich Futter bringe. Ich mische mich allerdings nicht in ihre Spiele ein. Im Laufe der Jahre ist so ein echtes Vertrauensverhältnis entstanden. Den Respekt vor ihnen verliere ich dennoch nicht. Schließlich sind es Wildtiere.“ Keine Frage, die Niederländerin hat sich mit ihrer Arbeit einen Lebenstraum erfüllt, dabei war ihr Start in den Job eher skurril. „Als ich Werner damals fragte, ob ich bei Handaufzuchten mithelfen durfte, grummelte er ein „ja“, schleppte mich aber sogleich mit in den Schlachthof. Er wollte testen, ob ich nicht nur fürs Kuscheln, sondern auch für den Alltag tauge, denn Wölfe fressen nun mal Fleisch und Mitarbeiter dürfen nicht davor zurückschrecken, kranke Tiere zu erlösen. Eine Zwergziege, die kerngesund als Wolfsfutter gespendet werden sollte, hat Werner Freund allerdings höchstpersönlich weitervermittelt,“ erzählt Tatjana lächelnd von der weichen Seite des raubeinigen Forschers. Genau wie Werner Freund, der ursprünglich Gärtner war, ist auch Tatjana Schneider eine Quereinsteigerin, hat sich ihr Wissen im Laufe der Jahre selbst beigebracht. Heute ist sie eine Koryphäe und gibt ihr Wissen an die nächste Generation weiter. Neben ihrem Engagement als Wolfsforscherin sind vor allem ihre Arbeiten als Malerin bekannt. Sie und ihr Freund Michael (37) kämpfen tagtäglich um das Image des Wolfes. So lässt die beiden auch die Diskussion um die in Deutschland wieder eingewanderten Tiere nicht kalt. „Es wird so viel Unsinn erzählt,“ erbost sich Tatjana. „In jedem Frühjahr wurden viele Wölfe gesehen. Manche Leute setzen diese Sichtungen mit mangelnder Scheu gleich. Das ist totaler Blödsinn. Die Wölfe, die man gesehen hat, waren allesamt Jungwölfe auf der Suche nach einem neuen Revier. Wie sollen sie es denn im dichtbesiedelten Deutschland hinbekommen, auf ihren Wanderungen nicht gesehen zu werden?“

EuropäŠischer Wolf.

Die Folge: Forderungen nach Abschuss wurde einem Jungwolf namens Kurti zum Verhängnis. Der Welpe hatte sich in Niedersachsen, im Gegensatz zur landläufigen Meinung, auch tagsüber sehen lassen, und er wirkte wenig scheu. Ein schwedischer Experte sollte das Tier im Frühjahr vergrämen. Doch es kam nicht dazu, weil der Wolf vor dem Wolfsschützer flüchtete, sich also doch scheu zeigte. Der Experte bescheinigte dem Jungtier daraufhin Ungefährlichkeit. Kurti wurde trotzdem am 28. April des vergangenen Jahres abgeschossen. Politiker, Landwirte und Jäger in Niedersachsen ernteten danach viel Kritik, weil sie die Angst geschürt haben sollten. Angeblich soll Kurti immer wieder Menschen erschreckt, und einen Labrador in den Po gebissen haben. Beweise? Fehlanzeige. Nicht einmal einen Nutztierriss konnte man dem Welpen nachweisen. Der prominente Tierfilmer Andreas Kieling beklagte via Facebook die Tötung von Bruder Wolf und Elli Radinger stelle in einem offenen Brief die Frage „War Kurti ein Bauernopfer? Wahrscheinlich ja.“  Doch auch die Reaktion einiger Naturschutzverbände konnten viele Menschen nicht nachvollziehen: Eine an die Öffentlichkeit gelangte Mail des Nabu an seine Mitglieder erklärte die Zustimmung zum Abschuss so: „Die Frage, ob dieses distanzlose Wolfsverhalten aus biologischer Sicht „normal“ oder „unnormal“ ist, tritt in den Hintergrund.“ Die Ängste der Menschen seien ausschlaggebend. Hunde- und Wolfsexperte Günther Bloch bezeichnete die Deutschen in einem Interview mit dem ZDF als naturentfremdet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unterwegs

Unterwegs in der Laußnitzer Heide

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Unser Mitglied Patrick Grube war mit Tochter und Hund unterwegs um nach einem Platz für unsere Wildkamera zu suchen. Hier ist sein kurzes Feedback:

Am heutigen Tag war ich, mit meiner Tochter und unserem Familienhund Murphy, in der wunderschönen Laußnitzer Heide unterwegs. Den besten Zugang bekommt man über die B97, zwischen Ottendorf-Okrilla und Laußnitz. Es gibt dort einen kleinen Waldparkplatz vom Forstamt  Laußnitz, linksseitig in Richtung Laußnitz. Wegen des starken  Verkehrs muss man gerade mit Kindern und Hunden allerdings bei Überquerung der Straße aufpassen. Doch dann taucht man hinein, in die Natur. Vom Waldparkplatz aus, sind es ca 15 Meter zurück zum Wolfsdenkmal (Jagddenkmal). Dieses wurde für den letzten Wolf errichtet, welcher am 11.11.1740 in der Heide geschossen wurde. Wir von Wolfsschutz setzen uns dafür ein, dass es in Zukunft kein zweites Denkmal dieser Art geben darf. 

Nach einer kleinen Waldwanderung und einer leckeren Brotzeit, haben wir uns auf den Weg gemacht einige wichtige Punkte für ein eventuelles Monitoring zu suchen und auch zu finden.

Es war ein sehr schöner Ausflug trotz der hohen Temperaturen ist es im Wald angenehm kühl,  und es lohnt sich.

Herzlichst Euer Patrick Grube

Bitte helfen Sie uns, damit wir die Wölfe in der Lausitz beschützten können. Dazu brauchen wir eigene Wildkameras.

Spenden: Erzgebirgssparkasse

IBAN DE 78 8705 4000 0725 0179 88

BIC WELADED1STB

 

Fakenews

Fußt die ganze Wolfsdiskussion komplett auf Lügengeschichten?

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23.06.17 – Die Welt brachte heute folgenden Artikel: Zitat:

Leibsch/Potsdam – Zwei Kälber sind in der Nacht zu Donnerstag bei Unterspreewald (Dahme-Spreewald) vermutlich von einem Wolf gerissen worden. Ein einwöchiges Tier sei in Leibsch mit charakteristischen Bissverletzungen auf der Weide gefunden worden, teilte der Bauernbund Brandenburg in Lennewitz (Prignitz) mit. Das Fleisch sei an beiden Hinterkeulen bis auf die Knochen abgefressen gewesen, sagte der Besitzer Frank Michelchen, der auch Wolfsbeauftragter des Bauernbundes ist. Bei mehr als fünf Kilo abgefressenem Fleisch gehe man davon aus, dass ein Wolf das Tier gerissen habe, sagte er.  Hier geht es weiter: https://www.welt.de/regionales/berlin/article165825034/Zwei-Kaelber-vermutlich-von-einem-Wolf-gerissen.html

Nicht nur die Welt sondern auch ein Radiosender und die Berliner Zeitung machen ähnlich auf.

Doch was passierte wirklich? Wir fragen nach: In Wirklichkeit ist es nicht wahrscheinlich, dass es ein Wolf war, sondern die Ursache ist unklar.

Wir fragen: Warum recherchieren die Zeitungen scheinbar nicht? Warum erzählt ein Biolandwirt derartige Geschichten?

Aktualisierung – Pressemeldung vom 05.07.17 vom LFU Brandenburg

Eine veterinärpathologische Untersuchung der beiden Kadaver habe ergeben, dass eines der Kälber an Austrocknung gestorben sei. Hinweise auf einen Riss habe es nicht gegeben. Kleinere Aasfresser hätten sich Fleisch von einem toten Kalb, das auf der Weide des Biobauern in Leibsch gefunden worden war, einverleibt.

Das zweite tote Kalb im Nachbarort Märkische Heide sei eine Totgeburt gewesen. Ein größerer Fleischfresser hat laut Gutachten von dem Kadaver gefressen. «Es kommt nur ein großer Hund oder ein Wolf in Frage», sagte Behördensprecher Thomas Frey.

 

 

 

 

Fakenews

Müssten solchen Schäfern nicht die EU-Fördergelder entzogen werden?

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Quelle: Aus MOZ 16.06.17

Schäfer Dirk Hoffmann setzte in die Märkische Oderzeitung eine halbseitige Anzeige, die die Seite „Wolf nein Danke“ als redaktionellen Beitrag verkaufen wollte. Anzeigen in der MOZ kosten zwischen 8000 im Anzeigenblättchen und 11.000 Euro in der normalen Ausgabe.

In mehreren Zeitungsartikeln klagte der Schäfer über Geldnot wegen des Wolfes, fürchtete sogar seinen Beruf aufgeben zu müssen. http://www.maz-online.de/Lokales/Teltow-Flaeming/Schaefer-verliert-erneut-18-Tiere-an-den-Wolf

Aber für eine solche Anzeige ist Geld da?

Der Text in der Anzeige ist nicht nur hetzend, sondern auch noch komplett falsch. Weder fressen Wölfe derartige Mengen an Fleisch, noch vermehren sie sich explosionsartig. Im Gegensatz zu Wölfen sind Mufflons keine heimische Tierart. Wir waren in den Wolfsgebieten vor Ort. Von Angst in den Wald zu gehen, kann gar keine Rede sein.

Wir haben auch mit dem Amt für Umwelt und Naturschutz Brandenburg gesprochen: Der Übergriff ist gemeldet, dass es der Wolf gewesen sein sollte, ist keinesfalls erwiesen. Das DNA-Ergebnis steht noch aus. Der Hundeschutz war gegeben. Ausgleichszahlungen sind beantragt und werden erfolgen. Förderantrag auf Zäune ist gestellt und er hat z.Z. sogar Leihzäune erhalten.

Unterwegs

Eine Reise auf Pumpaks Spuren nach Polen

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von links: TWH Anori, Brigitte Sommer (Öffentlichkeitsarbeit), Alexander Januszkiewicz (Zoologe) und Katarzyna Bojarka (Biologin) sowie zwei Praktikanten.

 

Alexander Januszkiewicz , Volker Vogel, Fiona und Brigitte Sommer haben Katarzyna Bojarska (www.wilknet.pl) besucht. Die polnische Biologin ist diejenige, in deren Forschungsgebiet Pumpak aufgewachsen ist. Das Gebiet des Ruszow-Rudels, zu dem auch Pumpak gehört, ist riesengroß. Lichte Wälder mit Heidelbeerpflanzen wechseln sich mit Lichtungen ab. Zu vielen Ortschaften in diesem Gebiet führen keine geteerten Straßen. „Wir sind fast eine halbe Stunde auf Waldwegen gefahren, um zu der keinen Ortschaft Polana zu gelangen. Die Häuser stehen verteilt im Wald, der nächste Nachbar ist 500 Meter entfernt. Auch ein Auerhahnprojekt gibt es hier,“ sagt Brigitte Sommer. Die Biologin Katarzyna hat auch keinerlei Spuren mehr von Pumpak gefunden. Auch seine Schwester ist verschwunden. Was allerdings auch normal für zweijährige Wölfe ist. Sie wandern ab. Die Mutter hat einen neuen Partner. In Polen ist das Problem mit Wilderern fast noch schlimmer als in Deutschland, weil dort mit Schlingen gefangen wird.  Die eigentliche Beute sind Rehe und Hirsche der Wolf oft nur „Beifang.“ Katarzyna hat uns Bilder und Videos von Pumpak als Jährling gezeigt. Er kümmerte sich liebevoll um seine vier Geschwister, die alle noch am Leben sind, während seine Mutter auf Jagd ging. Er ist wirklich ein ganz außergewöhnliches Tier. Charakteristisch ist seine Stupsnase und ein heller Sattel auf der Schulter. Katarzyna hat sich einen Teil aus der Akte Pumpak kopiert.  In Polen fürchtet sich niemand vor Wölfen. Man lacht dort über die „German Angst.“ Mitten im Wolfsgebiet werden Kühe und Pferde gehalten.

 

„Wolfsbotschafter“ Anori pura Gioia vor einer Pferdekoppel. Die Tiere sind mitten im Wolfsgebiet so gut wie gar nicht geschützt. Es passiert dennoch nichts.

Es passiert ihnen gar nichts. Die Pferde, die übrigens so gut wie gar nicht gesichert sind, haben wir uns angesehen. Sie sind weder aufgeregt gewesen, noch haben sie scheu gewirkt. Im Gegenteil: „Sie sind neben uns hergelaufen und sie fanden unseren „Wolfsbotschafter“, unseren Tschechoslowakischen Anori, extrem interessant.“ Von Angst keine Spur. Kein Wunder, denn Pferde machen keinen Unterschied zwischen Wölfen und Hunden. Kinder spielen dort unbekümmert auf der Straße. Die Bushaltestellen sind mitten in der Natur. Keiner hat Probleme damit, selbst in der Dunkelheit, auf den Bus zu warten.