Heimliches Todesurteil per Gesetz: 14 Wolfs-Abschussverfügungen entlarven Bayerns grausame Politik

Eine aktuelle parlamentarische Anfrage von Bündnis 90/DIE GRÜNEN an die bayerische Staatsregierung bringt ans Licht, was hinter den verschlossenen Türen von Jagdminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und den regionalen Behörden klammheimlich exekutiert werden sollte. Die erschreckende Bilanz: Seit der Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht wurden im Freistaat bereits 14 Abschuss-Erlaubnisse erteilt – weitgehend ohne jede öffentliche Bekanntmachung.

In der Pressemitteilung „Aiwanger treibt Wolfsjagd auf die Spitze – Bereits 14 Abschussgenehmigungen für Wölfe“ vom 22. Oktober 2026 kritisiert der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) die bayerische Wolfspolitik scharf und verweist auf die Landtagsanfrage der Grünen, die enthüllte, dass mit Stand vom 6. Oktober bereits 14 Abschuss-Erlaubnisse in elf Landkreisen weitgehend geheim erteilt wurden. Der Verband feiert zwar aktuelle gerichtliche Erfolge – wie das Einkassieren der Abschussfreigabe im Oberallgäu durch das Verwaltungsgericht Augsburg und das daraufhin freiwillige Zurückziehen der Genehmigung im Berchtesgadener Land –, wirft Jagdminister Hubert Aiwanger jedoch einen populistisch motivierten „politischen Alleingang“ vor. Die Wildtierexpertin Ronja Schlosser und der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer widersprechen dabei der behördlichen Argumentation, dass die im Bundesjagdgesetz verankerten regionalen „Managementpläne“ zwangsläufig Abschüsse beinhalten müssten, und verurteilen scharf, dass die Staatsregierung den in jahrelanger Gemeinschaftsarbeit ausgehandelten bayernweiten „Aktionsplan Wolf“ einseitig als „überholt“ abserviert und den sachlichen Dialog aufgekündigt habe.

Beispielfoto Wolf. © Brigitte Sommer

Das falsche Spiel mit Kompromissen: Die Mitverantwortung der großen Verbände

Wenn etablierte Naturschutzorganisationen sich jetzt lautstark darüber empören, dass Hubert Aiwanger geltendes Recht bricht und Abschüsse im Geheimen durchwinkt, offenbart das eine fatale Heuchelei. Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. kritisieren diese Verbände scharf dafür, dass sie sich überhaupt jemals auf den bayerischen „Aktionsplan Wolf“ eingelassen haben.
Wer sich an runde Tische setzt und Alibi-Kompromissen zustimmt, hat den Artenschutz bereits im Vorfeld geopfert. Denn schon in diesem vermeintlich „sachlichen“ Aktionsplan (Stufe 3) waren von Anfang an Abschüsse und sogenannte „Entnahmen“ vertraglich vorgesehen. Wer der Tötung von geschützten Wildtieren im Rahmen von bürokratischen Managementplänen einmal prinzipiell zustimmt, darf sich nicht wundern, wenn populistische Politiker die Tür, die man ihnen einen Spalt breit geöffnet hat, im Anschluss komplett eintreten.
Die Akzeptanz von Abschuss-Szenarien durch behördennahe Naturschützer hat den Weg für den heutigen Tötungswahn erst geebnet. Es gibt für uns keine „guten“ oder „geregelten“ Abschüsse – jede Freigabe ist ein ethischer Bankrott.
Doch Aiwangers Behörden treiben das Spiel noch weiter: Während der klassische Naturschutz Abschussfristen im Einzelfall auf maximal vier Wochen nach einem Riss begrenzt, hebeln die bayerischen Landratsämter dieses Recht über den Umweg des Jagdrechts komplett aus. Sie erteilen illegitime Dauer-Abschussbefehle über Monate hinweg bis zum 31. Oktober – völlig unabhängig davon, ob aktuell überhaupt ein Schaden vorliegt. Das ist eine dauerhafte, verdeckte Jagd auf eine geschützte Art!

Die Bürokratie des Todes: Diese Landkreise haben Wölfe zum Abschuss freigegeben

Die Daten der Staatsregierung zeigen das schockierende Ausmaß der absurden bayerischen Anti-Wolfspolitik. Mit akutem Stand vom 6. Oktober waren Wölfe in folgenden Landkreisen und kreisfreien Städten zum Abschuss freigegeben:
    • Lindau, Oberallgäu und Kempten
    • Ostallgäu (2 Genehmigungen) und Bad Tölz-Wolfratshausen (2 Genehmigungen)
    • Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen und Miesbach
    • Rhön-Grabfeld und Erlangen-Höchstadt
Ein Teil des Abschussareals Tenni GW4977f bei Tennenlohe bei Erlangen. Wir berichteten bereits hier https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/10/13/bayern-nach-massivem-druck-landratsamt-muss-jagd-auf-woelfin-tenni-einraeumen/  und hier  https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/10/04/bayern-geheim-abschuss-auf-tenni-managementplan-im-tennenloher-forst-wirft-fragen-auf/ . Die Behörden mussten nach unserem öffenltichen Druck die Schießgenehmigung einräumen. Foto: Privat.
Zusammen mit einer bereits vorher außer Kraft gesetzten Genehmigung im Oberallgäu und dem Abschussbefehl im Berchtesgadener Land (mittlerweile zurückgezogen) summiert sich das staatlich verordnete Sterben auf 14 Erlaubnisse.

Tragödie in der Rhön: Wie im Landkreis Rhön-Grabfeld ganze Rudel vernichtet werden

Der Landkreis Rhön-Grabfeld zeigt besonders brutal, dass es den Behörden um die systematische Auslöschung ganzer Wolfsfamilien geht. Ein Name steht hierbei symbolisch für den gnadenlosen Tötungswahn: die Wölfin „Frigga“.
Frigga war die Mutterwöflin des Rudels Hohe Rhön. Anstatt die Weidetierhalter in der Region zu lückenlosem, funktionierendem Herdenschutz zu verpflichten, gaben die Behörden Frigga nach Nutztierrissen kurzerhand zum Abschuss frei.
Wanderer dürfen diese Wege nicht betreten, Jäger und Bauern schon. © Brigitte Sommer – November 25.

 

Müll am Wegesrand. Foto aus dem November 25.
In den Teilen der Langen Rhön, wo Wanderer nicht hin dürfen, wird die Jagd und nicht die Natur geschützt. Autos befahren die angeblich doch so empfindlichen Böden.  Foto: Privat aus dem November 25.

 

Privaten jagdpächtern ist es erlaubt, Wildkameras in Bereichen aufzuhängen, die Wanderer nicht betreten dürfen. Doch nicht nur das, die Behörden haben kein Problem damit, wenn Jäger Aufnahmen von Personen, die unter das Datenschutzgesetz fallen, weitergeben. Foto privat, aus dem November 25.
Die Mutterfähe wurde daraufhin illegal beseitigt und ließ ein traumatisiertes, führungsloses Rudel zurück. Nur durch den mutigen Einsatz von Spaziergängern und einer Wildtierrettungsstation, die den Fall an die Öffentlichkeit brachte, gelang es damals, ihren hilflosen Welpen „Nuka“ zu retten und in einer spezialisierten belgischen Auffangstation unterzubringen. Wie berichteten hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/?s=Frigga
Besonders unerträgliche Ausmaße nimmt diese Politik im Landkreis Rhön-Grabfeld an. In der Langen Rhön – dem größten bayerischen Naturschutzgebiet außerhalb der Alpen – wird eine effektive zivilgesellschaftliche Kontrolle der verdeckten Abschussfristen für die Bürger nahezu unmöglich gemacht. Während engagierten Natur- und Wolfsfreunden unter dem Deckmantel des strengen Artenschutzes das Verlassen der offiziellen Wanderwege bei drakonischen Strafen strikt verboten ist, wird mit zweierlei Maß gemessen. Denn genau dieselben Behörden, die besorgten Bürgern den Zutritt verwehren, gewähren Jägern und ihren Schießkommandos mit schweren Geländewagen freie Fahrt abseits aller Wege bis tief in die sensibelsten Kernzonen hinein. Dieses scheinheilige Wegegebot entpuppt sich so als perfektes Instrument der Vertuschung: Es sperrt die kritische Öffentlichkeit systematisch aus, während andere im Verborgenen freie Hand haben, um das verbliebene Rudel rund um die Lange Rhön ungestört und ungesehen auszurotten.

Screenshot aus http://www.dbb-wolf.de. GW3092f war Frigga, GW3222m Anton, der verbliebene Rüde, Griso, GW 3519m stammt aus dem Rudel Wildflecken. GW3859f stammt auch ursprünglich aus dem Territorium des Truppenübungsplatzes Wildflecken. Warum hier in de Liste der DBB-Wolf Herkunft nicht zugeordnet steht, erschließt sich uns nicht. Zusammen mit ihrem Bruder (GW3519m) bildete sie ab dem Jahr 2024/2025 das etablierte Rudel „Hohe Rhön“, welches sich im Grenzgebiet von Bayern (Landkreis Rhön-Grabfeld), Hessen und Thüringen aufhält. Eine weitere Schwester  wurde „versehentlich“ erschossen.
Doch die Behörden in Rhön-Grabfeld geben keine Ruhe. Mit der aktuellen Abschussfreigabe wird das verbliebene Rudel weiter unbarmherzig gejagt und auch das Nachbarrudel Wildflecken ist betroffen.
Scrennshot von. http://www.dbb-wolf.de Mehrere Welpen des Rudels Wildflecken wurden überfahren. Eine junge Fähe wanderte in den Nordschwarzwald ins Enztal. Es gibt keine neuen Nachweise von ihr.
Der Truppenübungsplatz Wildflecken öffnet ein Mal im Jahr seine Türen für Wanderer. © Brigitte Sommer
Blick ins Kerngebiet des Truppenübungsplatzes Wildflecken. Ein Mal im Jahr öffnet der Truppenübungsplatz die Türen für Wanderungen. Das Rudel Wildflecken ist in diesem ahr noch nicht bestätigt, ein Sprecher des Bundesforstes bestätigte dies am Wandertag des Truppenübungsplatzes.  © Brigitte Sommer

 

Auf dem Stand des Bundesforstes wurde diese präparierte, vormals überfahrene Wölfin aus dem Rudel Wildflecken präsentiert. Seither sind weitere Wölfe aus dem Rudel überfahren worden. © Brigitte Sommer

Schafe ohne Schutz im Kerngebiet Wildflecken am 25. Juli 2026

⚠️ HÖCHSTE ALARMSTUFE: Abschussfristen laufen noch

Lasst Euch nicht täuschen: Der 6. Oktober war lediglich der Tag der behördlichen Datenerhebung für die Landtagsanfrage. Einige der tödlichen Fristen laufen aktuell in diesem Moment weiter.
In Regionen wie dem Landkreis Erlangen-Höchstadt – wo das Landratsamt erst nach massivem zivilgesellschaftlichem Druck die verdeckte Jagd auf die Wölfin „Tenni“ (GW4977f) im Tennenloher Forst einräumen musste – greift der revierübergreifende Managementplan exakt bis zum 31. Oktober 2026. Auch in den anderen Gebieten verbleiben den Schießkommandos nur noch wenige Tage bis zum Ende der Weide- und Jagdsaison, um im Verborgenen vollendete Tatsachen zu schaffen. Jede Minute zählt.

Warum Zivilcourage vor Ort den Unterschied macht: Geht spazieren

Während juristische Schritte oft zu spät kommen und im Verborgenen agierende Behörden Fakten exekutieren, setzt Wolfsschutz-Deutschland e. V. auf die direkte Präsenz im Gelände.
Nutzt Euer Recht und geht in den betroffenen Gebieten wandern
    • Ein Waldspaziergang oder Pilze suchen im Rahmen Eures gesetzlichen Betretungsrechtes zur Erholung ist keine Jagdstörung.
    • Eure aufmerksame Präsenz auf den Wegen – besonders in den sensiblen Dämmerungsstunden – schafft eine wirksame soziale Kontrolle. Wo Bürger im Wald unterwegs sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit für verdeckte Abschussaktionen im Verborgenen strak erschwert.
    • Ob in Rhön-Grabfeld, im Allgäu oder im Tennenloher Forst: Eure Schritte im Wald zwingen die Akteure vor Ort zu absoluter Gesetzstreue.
Es gilt, die digitale Passivität zu überwinden und aktiv zu werden. Das Verteilen von traurigen Emojis rettet keine Leben. Schnappt euch eure Rucksäcke, geht raus und werdet zum Schutzschild für unsere Wölfe!
Verdächtige Beobachtungen (Jagdaktivitäten, neu errichtete Hochsitze, ungesicherte Weiden) meldet Ihr bitte direkt an: Volker.Vogel@wolfsschutz-deutschland.de oder per Hotline. Wir garantieren all unseren Informanten und Aktiven vor Ort absoluten Quellenschutz und strikte Anonymität.
Unterstützt unsere Teams vor Ort und werdet Mitglied: https://wolfsschutz-deutschland.de/mitglied-werden/
Weitere Quellen:

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Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

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