Artenschutz am Ende? Warum Klagen das Greifensteiner Rudel nicht mehr schützen können

Dem Greifensteiner Rudel droht die fast vollständige Auslöschung: Sollten die Landesregierungen von Hessen und Rheinland-Pfalz ihre Pläne durchsetzen, wird die Wolfsfamilie bis auf die Mutterfähe Ulma (GW2479f) eliminiert. Die gerichtlichen Bestätigungen der Abschussfreigaben für den Rüden GW2478m sowie die Jungwölfe Diana (GW5369f) und Dian (GW5868m) beweisen, was wir seit langem befürchten: Der juristische Weg allein reicht angesichts des politisch aufgeweichten Artenschutzes nicht mehr aus. Unsere investigative Vor-Ort-Recherche entlarvt die offizielle Argumentation nun vollends. Statt des gesetzlich vorgeschriebenen Herdenschutzes dokumentieren wir mangelhafte Zäune, die Risse geradezu provozieren. Während dieser Schutz kollabiert, laufen in den Forstbezirken bereits die Vorbereitungen für großflächige Drückjagden auf Hochtouren, flankiert von konkreten Funden, die den dringenden Verdacht auf Jagdfrevel erhärten. Unser bebilderter Report dokumentiert ein eklatantes Staatsversagen im Spannungsfeld zwischen politischem Druck, Lobbyismus und systematischem Bruch des Natur- und Tierschutzes.

Die Situation in Hessen und Rheinland-Pfalz

In Hessen existieren derzeit lediglich drei bestätigte Wolfsterritorien (Greifenstein, Rüdesheim und Waldkappel). Die Gesamtzahl der sesshaften Tiere bleibt überschaubar. In Rheinland-Pfalz sind mehrere Rudel nachgewiesen, darunter grenzüberschreitende Vorkommen. Das Greifensteiner Rudel bewegt sich in einem Gebiet, das beide Bundesländer umfasst.
Vor Ort im Territorium des Greifensteiner Rudels stellen wir fest: Die Weidetierhaltung ist dort vergleichsweise gering ausgeprägt. Wir dokumentieren regelmäßig die vorhandenen Zäune und die tatsächlichen Haltungsbedingungen. Auf Grundlage dieser eigenen Beobachtungen und Dokumentationen zweifeln wir stark an einzelnen Angaben in den offiziellen Risslisten. Ebenso bezweifeln wir, dass in allen Fällen, die als Begründung für Abschussverfügungen herangezogen werden, ein ordnungsgemäßer Grundschutz vorhanden war. Eine kritische Prüfung der Risslisten und der Schutzsituation vor Ort ist daher dringend geboten.

Kritik an der Strategie mancher Verbände

Umso irritierender ist es, dass bestimmte Mitglieder klagefähiger Verbände weiterhin öffentlich den Eindruck erwecken, allein Klagen würden den Tieren helfen – und dass Wolfsfreunde selbst nichts weiter tun müssten. Manche gehen sogar so weit, die konkrete, aktive Arbeit vor Ort in den Wolfsgebieten zu boykottieren oder systematisch zu diskreditieren. Diese Haltung ist weder nachvollziehbar noch verantwortungsvoll. Entweder verkennen die Betreffenden die veränderte Rechtslage und die Realitäten vor Ort vollständig – oder sie halten bewusst an einer Narrative fest, die den tatsächlichen Schutzbedarf der Tiere verschleiert.
Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch die Vielzahl von Seiten und Organisationen, die Schutzaktivitäten vortäuschen, in der Praxis jedoch weitgehend die behördennahe Linie der großen Verbände mittragen. Solche Alibi-Strukturen schaffen den Anschein von Engagement, ohne den notwendigen Druck von unten und die konkrete Präsenz in den Revieren zu leisten. Sie tragen damit dazu bei, dass kritische, unabhängige Stimmen und die praktische Arbeit vor Ort isoliert oder behindert werden.

Unsere Position

Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. bleiben bei unserer klaren Haltung: Gerichtsverfahren sind ein wichtiges Instrument – aber sie ersetzen nicht die praktische Arbeit im Gelände.
Wer den Eindruck erweckt, man könne sich bequem zurücklehnen, weil „die Verbände schon klagen“, handelt nicht im Interesse der Wölfe.
Dem Greifensteiner Rudel haben wir Namen gegeben, um die Tiere nicht nur als Nummern, sondern als Individuen sichtbar zu machen:
Ulma (GW2479f), Milano (GW2478m) sowie die Nachkommen Diana (GW5369f) und Dian (GW5869m).
Wir fordern alle, denen der Schutz der Wölfe tatsächlich am Herzen liegt, auf, sich nicht hinter abstrakten Klageversprechen zu verstecken. Es braucht beides: rechtliche Schritte, wo sie noch greifen – und vor allem mutige, kontinuierliche Präsenz und Öffentlichkeitsarbeit vor Ort. Alles andere ist Selbsttäuschung oder bewusste Irreführung.

Gerichtsschlachten um das Greifensteiner Rudel

Die Verfahren um das Rudel graphisch dargestelt.

 

Beispielfoto kleines Wolfsrudel. Geht es nach dem Willen der Hessischen und rheinlandpfälzischen Regierungen müssten alle Familienmitglieder, bis auf die Mutter Ulma (GW2479f) sterben. Totgeschossen werden sollen Vater Milano (GW2478m) und die Nachkommen Diana (GW5369 und Dian (GW5868).

Kaltherzigkeit

Die Debatte um den Umgang mit unseren Mitlebewesen verschärft sich immer mehr. Im Zentrum steht eine Methode, die angeblich im Zuge der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest und steigender urbaner Wildschweinpopulationen eine Renaissance erfährt: der sogenannte Saufang. Was Behörden als hocheffiziente Maßnahme deklarieren, offenbart bei genauerer Betrachtung gravierende Mängel in Bezug auf Tierschutz, Jagdethik und Nachhaltigkeit.
Ein Saufang ist ein abgezäuntes Gatter, in das Wildschweine mittels Futter gelockt werden. Ist die Wildschweinfamilie im Inneren, schließen sich die Tore per Fernauslöser. Was folgt, gleicht einer industriellen Tötung: Die eingeschlossenem Wildschweine werden aus erhöhter Position systematisch totgeschossen. 
Aus Sicht des Tierschutzes wirft dieses Verfahren fundamentale Probleme auf. Befürworter argumentieren zwar, dass die Tötung der gesamten Rotte innerhalb weniger Minuten erfolge. Doch sobald die Tore zuschlagen und die ersten Schüsse fallen, bricht unter den hochintelligenten Tieren panische Angst aus. Dass Wildschweine mitansehen und miterleben müssen, wie Familienmitglieder direkt neben ihnen sterben, widerspricht dem Grundgedanken des Tierschutzes und der Vermeidung unnötigen Leidens elementar.
Zudem rüttelt der Saufang an den Grundfesten der Jagdethik. Das Prinzip des fairen Verhältnisses zwischen Mensch und Wild wird hier völlig zugunsten einer rein technokratischen Schadensbekämpfung aufgegeben. Die Fanganlage wird zum temporären Schlachthof. Selbst innerhalb der Jägerschaft ist die Methode deshalb hochgradig umstritten; selbst viele Jäger weigern sich, solche Anlagen zu bedienen.
Der Saufang stellt eine ethische Bankrotterklärung im Umgang mit unseren heimischen Wildtieren dar.  Die Reduktion von Lebewesen auf reine Seuchenvektoren oder urbane Störfaktoren blendet die menschliche Verantwortung aus.

 

Saufang. Foto privat. Er könnte nicht nur für die Wildschweine, sondern evtl. auch für das Auslöschen des Rudels gedacht sein.

 

Der Schießparcours bei Hof Heisterberg. Foto: privat

Im Rausch der Tötungseffizienz: Warum die Drückjagd die moralische Bankrotterklärung ist

Herbst und Winter sind in deutschen Wäldern traditionell die Monate, in denen die Natur eigentlich zur Ruhe kommen sollte. Stattdessen verwandeln staatliche Forstämter und private Hobbyjäger die Reviere in Kriegsschauplätze. Bei sogenannten Drückjagden werden große Waldareale systematisch umstellt, um Wildtiere mit Treibern und Hunden in Panik zu versetzen und sie den wartenden Schützen vor die Flinten zu treiben. Was als „ökologische Notwendigkeit“ und „effizientes Waldmanagement“ getarnt wird, ist ein grausames, unethisches Spektakel, das in einer aufgeklärten Gesellschaft keinen Platz mehr haben darf.
1. Staatlich sanktionierte Tierquälerei
Das ohnehin scheinheilige Argument der Jägerschaft, Tiere würden durch einen gezielten Schuss aus dem Hinterhalt schmerzfrei erlegt, bricht bei einer Drückjagd völlig in sich zusammen. Hier herrscht das Prinzip Masse statt Klasse. Wildtiere werden stundenlang in Todesangst versetzt und hetzen mit maximalem Adrenalispiegel durch den Wald. Im flüchtigen Lauf sind präzise Schüsse die Ausnahme. Die blutige Realität auf diesen Jagden sind zertrümmerte Gliedmaßen, weichgeschossene Bäuche und qualvolle Risse. Unzählige Tiere flüchten schwer verletzt und sterben oft erst Tage später qualvoll an ihren Wunden oder bei der oft mangelhaft durchgeführten Nachsuche.
2. Das Märchen vom „Waldschutz“
Sowohl die staatliche Forstwirtschaft als auch Hobbyjäger rechtfertigen das Massentöten mit angeblichen Verbissschäden an jungen Bäumen. Doch die Drückjagd erzeugt genau das Problem, das sie angeblich lösen will: Durch den extremen Lärm und den Stress werden die Tiere traumatisiert. Sie flüchten tief in die dichtesten Dickichte und Schonungen, wo sie sich tagelang aus Angst nicht mehr herausbewegen. Auf diesen engen Rückzugsräumen konzentriert sich dann der Verbiss massiv. Nicht die Tiere zerstören den Wald, sondern der Jagddruck treibt sie dazu. Das Ökosystem Wald braucht keine Jäger – es braucht Ruhe.
3. Zerstörung jeglicher Sozialstrukturen
Bei einer Drückjagd geht es um Schnelligkeit und Abschusszahlen. Die Schützen haben oft nur Sekundenbruchteile, um abzudrücken. Eine biologisch fundierte Auswahl findet nicht statt. Regelmäßig werden erfahrene Leittiere und Muttertiere (Bachen oder Alttiere) von ihren Jungen weggeschossen. Das führt zum völligen Kollaps der sozialen Strukturen in den Tierfamilien. Ohne Führung irren verwaiste Jungtiere orientierungslos umher. Bei Wildschweinen führt das Chaos nachweislich zu einer unkontrollierten, sprunghaften Vermehrung der verbliebenen Tiere – ein Teufelskreis, den die Jagdlobby wiederum als Argument für noch mehr Abschüsse nutzt.
4. Blutiges Event statt Naturschutz
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass bei Drückjagden der Eventcharakter und die Lust am Töten im Vordergrund stehen. Wenn am Abend beim „Streckelegen“ die Leichen Dutzender Tiere unter Jagdhornklängen martialisch zur Schau gestellt werden, um anschließend beim „Schüsseltreiben“ mit Alkohol auf den Jagderfolg anzustoßen, offenbart sich die tiefe moralische Verrohung dieses Hobbys. Hier wird das Töten von Mitgeschöpfen zum gesellschaftlichen Vergnügen degradiert. Dass der Staat solche Veranstaltungen in seinen Wäldern nicht nur duldet, sondern selbst organisiert, ist ein politischer und ethischer Skandal.
Die Drückjagd ist das lauteste und brutalste Symptom eines völlig veralteten Jagdsystems. Sie schützt weder den Wald, noch reguliert sie die Natur sinnvoll – sie befriedigt lediglich den Schießtakt von Hobbyjäger, Försterm und die Profitinteressen der Holzindustrie. Natur reguliert sich durch Nahrung, Raum und Klima von selbst. Es ist höchste Zeit, dieses blutige Relikt der Vergangenheit zu verbieten und unseren Wäldern endlich die Ruhe zurückzugeben, die sie dringend benötigen. Hier unsere Dokumentation einer Drückjagd aus dem Taunus: https://wolfsschutz-deutschland.de/2025/10/27/dokumentation-einer-drueckjagd-im-taunus-so-grausam-hetzen-jaeger-wildtiere-in-den-tod/

 

Diese Markierungen bereiten eine Drückjagd vor. Die Gastjäger sollen ihre Todschießstände auch finden. Foto: privat

 

Jagdhütte bei Leun. Foto: privat

 

Hier werden Totschießstände für die kommenden Drückjagen zusammen gezimmert. Bein Leun. Foto: privat

 

Weiterer Jagdfrevel

Oberhalb von Allendorf, vermüllter Jägerplatz. Foto: Privat

 

Hier die Wildkamera des Platzes. Foto: privat

 

Unter einem Hochsitz an einem so genannten Kirrplatz. In der Tonne befindet sich Mais zum Anlocken von Wildschweinen und Rehen, um sie dann beim Fressen zu erschießen. Links neben der Tonne befindet sich ein Fangkorb für Baujagd. Foto: privat.
An einer Wegekreuzung in der Nähe der Dianaburg werden im großen Stil Hochzitze zusammen gezimmert. Foto: Brigitte Sommer
Viele Wanderer gewinnen den Eindruck, in dem Gebiet gäbe es kaum Jagdaktivitäten. Dies ist ein Irrtum, denn alle paar hundert Meter führen Trampelpfade zu Kirr- und Luderplätzen, an denen Hochsitze aufgebaut sind. Direkt am Weg sind diese Schießbuden nicht zu sehen. Foto: Privat.
Jägermüll oberhalb von Allendorf. Unterhalb befindet sich eine weitere Jagdhütte. © Brigitte Sommer

 

Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. sind tatsächlich vor Ort und geben dies nicht nur vor. Bei Leun findet demnächst eine Drückjagd statt. Foto: privat

 

Markierungen für eine Drückjagd. Foto: privat

 

Zaundokumentationen:

Schafe zwischen Leun und Ehringshausen. Hier könnte ein Riss stattgefunden haben, denn hinter dem Maschendrahtzaun, der keinen Schutz bietet, wurde ein Stromnetz gestellt. Foto: privat.

 

Bei den Schafen zwischen Leun und Eringshausen wurde der Zaun doppelt gestellt. Vorher klaffte hier wohl ein großes Loch im Zaun. Foto: privat.

 

Zischen Leun und Ehringshausen Minishettys hinter Minilitzen. Foto: privat

 

22. August 2026

 

Die Regel, und nicht die Ausnahme. Quelle: https://www.facebook.com/groups/1724189194520979/

 

Staatliche Wildkameras in der Nähe von Rodenroth

 

22. August 2026

 

Unser internes Wolfsmonitoring

Das vereinsinterne Wolfsmonitoring von Wolfsschutz-Deutschland e. V. erweist sich in der Praxis als immer unverzichtbareres Instrument gegen die zunehmende Intransparenz beim behördlichen Umgang mit geschützten Wildtieren. Durch die konsequente Dokumentation vor Ort und die gezielte Nutzung des Umweltinformationsgesetzes (UIG) gelingt es uns regelmäßig, staatliche Geheimhaltung zu durchbrechen. 
Ein prominentes Beispiel für den Erfolg dieser Arbeit betrifft das Greifensteiner Rudel und dessen engere Verwandtschaft: So konnten durch das Monitoring verdeckte Pläne bezüglich des Wolfsrüden Milan (GW1896m) – dem Großvater der Jungwölfe Dian und Diana – rechtzeitig aufgedeckt und an die Öffentlichkeit gebracht werden. Ähnlich wie zuvor in Franken bei Tenni bauten die Behörden auch hier im Verborgenen Kulissen für Abschussverfügungen auf, die durch die zeitnahe Veröffentlichung des Vereins politisch und rechtlich massiv unter Druck geraten.

22. August 2026. Inzwischen ist die Jagd fast auf das komplette Rudel eröffnet. In RLP gibt es eine Schießgenehmigung auf den Vaterwolf Milano.

Ältere Losung, bereits von Mistkäfern entkernt. Haare und Knochen sind noch deutlicher sichtbar. Foto: privat.

 

 

Wir sind ständig in den Wolfsgebieten vor Ort und wir freuen uns über Verstärkung, aktuell auch ganz besonders im Raum Greifenstein. Die Indentität unserer Aktiven bleibt vertraulich, links Brigitte Sommer, rechts Ulrike de Heuvel mit den Wolfdogs Liv und Lycan:  https://wolfsschutz-deutschland.de/mitglied-werden/
Von links: Ulrike de Heuvel und Brigitte Sommer mit den Wolfdogs Lycan und Liv. Die beiden zeigen auch Wolfslosung an.  Diese Infos nutzen wir selbstveständlich nicht dazu, um den Wölfen nachzustellen, sondern dazu, die Wege zu kennen, die wir nach Abschussverfügungen laufen müssen. Foto: Privat

 

Alba, die Podencohündin von Gudrun ist dazu ausbildet worden, Wolfslosung zu finden. © Brigitte Sommer

 

Trittsiegel . © Brigitte Sommer

 

Blick ins Territorium des Greifensteiner Rudels

 

Ein Naturdenkmal bei Leun. © Brigitte Sommer

 

Die Dianaburg liegt verwunschen mitten in der Natur. Von ihr ist der Name des Welpen abgeleitet, der getötet werden soll: Dian. © Brigitte Sommer

 

See im ehemaligen Lehmabbaugebiet oberhalb von Allendorf. Foto: privat

 

Wanderweg zwischen Dianaburg und Leun. © Brigitte Sommer

 

Karstlandschaft im ehemaligen Kiesabbaugebiet. © Brigitte Sommer

 

Bei Rodenroth gibt es einen Fernwanderweg Richtung Arborn. Dort in der Nähe von Arborn sind bereits zwei Jährlinge überfahren worden. © Brigitte Sommer

 

Wanderweg bei Rodenroth. © Brigitte Sommer

 

Wanderweg zwischen Leun und Ehringshausen. © Brigitte Sommer

 

Fischteich bei Hof Heisterberg. © Brigitte Sommer

 

Die Gegend ist für Wölfe sehr gut geeignet. © Brigitte Sommer

 

Bei Biskirchen. Wie hier gut zu erkennen ist, gibt es wenig Weidetierhaltung. © Brigitte Sommer

 

Bei Biskirchen © Brigitte Sommer

 

Wegekreuzung zwischen Holthausen, Ulm und Allendorf. © Brigitte Sommer

 

Im Bereich des ehemaligen Kiesabbaugebietes holt sich die Natur ihr Terrain zurück. © Brigitte Sommer

 

Nur Hobbyjäger Häscher?

Der Kreis der Personen, die theoretisch über das nötige Fachwissen sowie legalen Zugang zu entsprechenden Langwaffen zum Totschießen der Wölfe verfügen, lässt sich keineswegs auf die Gruppe der organisierten Freizeit- und Hobbyjäger beschränken. Wir betonen, dass in derartigen Szenarien grundsätzlich alle Personengruppen mit Jagdausübungberechtigung oder waffentechnischer Qualifikation im betroffenen Areal in Betracht gezogen werden müssen. Dazu gehören neben privaten Jagdausübenden ebenso Berufsjäger, Forstbedienstete sowie Angehörige der zuständigen Sicherheits- und Ermittlungsbehörden. Sollten Tiere aus dem Greifensteiner Rudel erschossen werden, kündigen wir Strafanzeigen an.

Zeigt Präsenz: Aufruf zum Waldspaziergang im Revier des Greifensteiner Rudels

Das Greifensteiner Rudel braucht jetzt unsere friedliche Präsenz im Wald. Um ein Zeichen für den Artenschutz zu setzen und die Situation vor Ort aufmerksam zu beobachten, rufen wir dazu auf, das Grenzgebiet zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz in den kommenden Wochen verstärkt für Spaziergänge zu nutzen.
Wichtig zu wissen – Eure Rechte im Wald:
Ein einfacher Waldspaziergang oder das legale Sammeln von Pilzen ist keine Jagdstörung. Das Betreten des Waldes zur Erholung ist in den Landeswaldgesetzen als Grundrecht verankert. Niemand kann Euch verbieten, Euch friedlich in der Natur aufzuhalten und Fotos und Filme zu machen,  solange ihr Euch an die geltenden Regeln haltet. Eure bloße Anwesenheit im Revier schafft Aufmerksamkeit und sorgt dafür, dass Missstände im Wald nicht im Verborgenen bleiben.
Haltet Euch bitte an folgende Verhaltensregeln:
    • Auf den Wegen bleiben: In Naturschutzgebieten (NSG) gilt ein striktes Wegegebot. Verlasst die offiziellen Wege dort unter keinen Umständen, um die Tier- und Pflanzenwelt nicht zu beeinträchtigen. Das Pilzesammeln solltet ihr daher nur außerhalb von ausgewiesenen Naturschutzgebieten durchführen.
    • Absperrungen respektieren: Sollten Wege wegen Waldarbeiten oder offiziell genehmigten Jagdveranstaltungen (z. B. durch Schilder wie „Jagd – Betreten verboten“) temporär gesperrt sein, solltet ihr diese Absperrungen respektieren und umgehen. Das Missachten behördlicher oder rechtmäßiger Sperrungen ist eine Ordnungswidrigkeit.
    • Hunde an die Leine: Führt eure Hunde im Waldgebiet an der Leine, um jegliche Beunruhigung von Wildtieren zu vermeiden.

Schnappt Euch eure Rucksäcke und zeigt maximale Präsenz:
Wir müssen flächendeckend wandern und spazieren gehen, besonders in folgenden Schwerpunktgebieten:📍 Hof Heisterberg📍 Dianaburg (Greifenstein)📍 Allendorf📍 Rodenrod📍 Bei Braunfels📍 Naturschutzgebiet Wetzlarer Weinberg & westlich davon📍 Ehringshausen📍 Aßlar-Berghausen📍 Ulm📍 Obershausen📍 Leun📍 Solms-Biskirchen📍 Löhnberg📍 Sinn
Klagen retten keine Leben mehr – unsere Präsenz vor Ort tut es.
Macht euch auf den Weg, teilt diesen Aufruf in allen Wander-, Natur- und Tierschutzgruppen. Jeder Schritt im Wald ist ein Schutzschild für Dian und sein Geschwisterchen Diana.

Quellen:

https://wolfszentrum.hessen.de/sites/wolfszentrum.hessen.de/files/2026-10/20261002_wolfsnachweise_2026_27_neues_cd.pdf

https://wolfszentrum.hessen.de/aktuelles-0

https://wolfszentrum.hessen.de/sites/wolfszentrum.hessen.de/files/2026-10/20261001_gemeldete_nutztierschaeden_2026_27_0.pdf

https://wolf.rlp.de

https://urteile.news/VG-Koblenz_1-L-112026KO_Wolf-GW2478m-darf-im-Westerwald-gejagt-werden~N36288

https://verwaltungsgerichtsbarkeit.hessen.de/presse/entnahme-von-vier-jungwoelfen-im-lahn-dill-kreis-ist-zulaessig

 

Hier weitere Artikel von Wolfsschutz-Deutschland e. V. zum Rudel Greifenstein: https://wolfsschutz-deutschland.de/?s=Greifenstein

 

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

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Tragödie am Schluchsee – Es ist der Leitrüde GW1129m, der von den Behörden getötet wurde

Das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg hat die genetischen Untersuchungsergebnisse zu dem am 28. September 2026 getöteten Wolf im Territorium Schluchsee bekannt gegeben. Es ist die traurige Gewissheit: Bei dem Tier handelt es sich um den territorialen Leitrüden GW1129m. Mit seinem Tod ist das Schluchsee-Rudel komplett ausgelöscht.

Wir berichteten bereits hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/10/01/verletzter-wolf-von-behoerden-in-baden-wuerttemberg-getoetet/

Die Behörden sprechen von „komplexen Frakturen im Bereich der Lendenwirbelsäule“, die vermutlich von einem Verkehrsunfall auf der nahegelegenen B500 stammen. Schussverletzungen wurden ausgeschlossen. Doch für uns reiht sich dieser Vorfall in eine unerträgliche Kette von „Zufällen“ ein: Nach der totgefahrenen Fähe im April 2024 und einem verunglückten Welpen auf derselben Bundesstraße sowie dem bis heute unaufgeklärten Kriminalfall von 2017, bei dem ein erschossener Wolf im Schluchsee versenkt wurde, ist dieses Rudel nun Geschichte. Wie viele Wölfe im Bundesgebiet werden absichtlich angefahren und wie viele Fahrzeuge werden zunehmend als lautlose Waffe missbraucht, um den Strafen zu Wildtierkriminalität zu entgehen? 

Das Alibi der Straße: Illegale Wolfsjagd per „Stoßstangen-Hege“

Dass Wölfe immer wieder exakt auf denselben Abschnitten unter die Räder kommen, wirft dringende Fragen auf. Es ist in klandestinen Kreisen längst ein offenes Geheimnis, dass die illegale Wolfsjagd nicht mehr nur mit dem Gewehr stattfindet. Neben dem berüchtigten „SSS-Prinzip“ (Schießen, Schaufeln, Schweigen) hat sich im ländlichen Raum eine noch perfidere Methode etabliert: die sogenannte „Stoßstangen-Hege“.
Dabei werden Fahrzeuge vorsätzlich und gezielt als lautlose Waffe gegen die geschützten Tiere eingesetzt. Der Grund dafür ist rein pragmatisch und feige: Ein illegaler Abschuss hinterlässt Projektile und zieht kriminalistische Ermittlungen nach sich. Ein plattgefahrener Wolf hingegen wird von den Behörden fast immer sofort als „normaler Wildunfall“ abgetan. Die Täter wissen, dass ihnen mangels Zeugen kaum ein Vorsatz nachzuweisen ist. Dass die Polizei auch im Fall des Rüden GW1129m im Vorfeld gar nicht erst wegen Wilderei ermittelt hat, könnte Tätern dieses verdeckten Krieges gegen den Wolf direkt in die Karten spielen.
Beispielfoto Wolfsrüde © Brigitte Sommer

Sprachliche Verharmlosung: „Erlegt“ statt erlöst!

Wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. kritisieren aufs Schärfste den Duktus der behördlichen Pressemitteilung. Dort heißt es kalt, das Tier sei „tierschutzgerecht erlegt“ worden. Dieses Wort entlarvt das rein jagdlich geprägte Denken der Verantwortlichen. Ein verunfalltes, leidendes Wildtier wird nicht „erlegt“ wie eine Beute auf der Pirsch. Wenn jede Hilfe zu spät kommt, müsste es von seinen Qualen erlöst werden. Doch die Nutzung des Jägerbegriffs „erlegen“ zeigt, wohin die Reise in Deutschland geht.
Das Alibi Bundesjagdgesetz: Nur die Tötung wird geregelt – Hilfe bleibt illegal.
Wer gehofft hatte, dass sich durch die Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz am 2. April 2026 zu den ganzn negativen Aspeken vielleicht irgendetwas zum Positiven für verunfallte Tiere ändert, wird bitter enttäuscht. Die Gesetzesänderung und die neu eingefügten Bestimmungen wurden von der Politik ausschließlich dafür geschaffen, den Abschuss und die Bestandsregulierung rechtssicher zu erleichtern. 
Wenn es jedoch um das Helfen, Heilen und Therapieren geht, greift das deutsche Rechtssystem mit einer erbarmungslosen Härte durch:
    1. Das staatliche Behandlungsverbot: Der Wolf bleibt trotz des Jagdrechts eine geschützte Art nach der EU-Habitatrichtlinie. Das bedeutet: Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) verbietet es Privatpersonen, Jägern und selbst Tierärzten weiterhin strikt, einen verletzten Wolf einzufangen, zu transportieren oder medizinisch gesundzupflegen. Wer einem verunfallten Wolf hilft, um sein Leben zu retten, macht sich strafbar.
    2. Der Tötungs-Automatismus: Weil es in Deutschland keinerlei staatliche Strukturen (wie spezialisierte Notärzte oder Wildtierkliniken) gibt, um verletzte Wölfe zu bergen und operativ zu versorgen, läuft die bürokratische Maschinerie automatisch auf den finalen Abschuss hinaus. Heilung und anschließende Auswilderung sind im deutschen System schlichtweg nicht vorgesehen.

Italien zeigt: Wo ein Wille ist, wird um das Leben gekämpft

Dass dieser staatlich verordnete Tod keine biologische Notwendigkeit, sondern eine rein politische Entscheidung ist, beweist der Blick nach Südeuropa. Während man in Deutschland verletzte Wölfe per Gesetz ihrem Schicksal oder dem schnellen Abschuss überlässt, investiert man in Italien aktiv in deren Rettung. Das zeigt nicht nur der aktuelle Beschluss zum Bau einer neuen 1,7-Millionen-Euro-Wildtierklinik an der Universität Udine, sondern auch die gelebte Praxis der dortigen Rettungsnetzwerke.
Wie lebendig und unvoreingenommen dieser Wille zur Hilfe ist, dokumentiert eine brandaktuelle Meldung von ENPA Genova: Anfang Oktober 2026 wurde auf den Anhöhen von Sori eine schwer geschwächte, einsame Jungwölfin (Francesca) aufgegriffen, die den Anschluss an ihr Rudel verloren hatte. Völlig dehydriert, abgemagert, von Würmern befallen und humpelnd irrte sie umher.
Anstatt das geschwächte Tier als „nicht überlebensfähig“ abzustempeln und zu liquidieren, rollten die italienischen Behörden und Tierschützer des CRAS-Zentrums sofort eine medizinische Rettungskette aus. Die Mediziner versuchten unter Hochdruck, das Jungtier zu stabilisieren. Obwohl der WElpe aus diesem Jahr die Nacht aufgrund ihrer extremen Schwäche letztlich nicht überlebte, steht ihr Fall symbolisch für eine völlig andere Ethik: ENPA Genova engagiert sich gegen das System des Hasses und der Ignoranz gegenüber Wildtieren. In Italien besitzt ein verletzter Wolf das Recht auf einen Rettungsversuch. In Deutschland dagegen herrscht ein kalter Tötungs-Automatismus.
Während man in Deutschland verletzte Wölfe per Gesetz ihrem Schicksal oder dem schnellen Abschuss überlässt, investiert man in Italien aktiv in deren Rettung. Das zeigt nicht nur der aktuelle Beschluss zum Bau einer neuen 1,7-Millionen-Euro-Wildtierklinik an der Universität Udine, sondern auch die gelebte Praxis der italienischen Netzwerke.
Francesca hat es am Ende leider nicht geschafft und erlag ihren schweren Verletzungen.
Der Tod des Schluchsee-Rüden GW1129m offenbart die ethische Bankrotterklärung des deutschen Systems.

Wir fordern

  • Aufhebung des Behandlungsverbots: Qualifizierten Wildtierärzten und Auffangstationen muss es gesetzlich erlaubt werden, verletzte Wölfe zu behandeln und zu pflegen.
  • Finanzierung von Rettungsstationen: Deutschland muss dem Vorbild Italiens folgen und finanzielle Mittel für die tiermedizinische Rehabilitation geschützter Beutegreifer und anderer Wildtiere bereitstellen.

Gleichzeitig Antiwolfs-Propaganda gegen wehrlose Touristen im Südschwarzwald

Das Schild „Wir und der Wolf“, an vielen Wanderwegen im Südschwarzwald zu sehen, auch in der Nähe des Schluchsees, übertreibt und verzerrt die Situation erheblich. Es stellt den Herdenschutz als praktisch unmöglich dar und suggeriert, die Weidehaltung im Schwarzwald stehe unmittelbar vor dem Aus. Dabei setzt es die reale Gefährdungslage völlig außer Verhältnis und blendet wichtige Fakten aus.
1. Die tatsächliche Wolfspräsenz und die Risszahlen zeigen, dass im gesamten Schwarzwald derzeit nur wenige sesshafte Wölfe leben. Aktuell sind in Baden-Württemberg etwa sechs erwachsene Wölfe territorial nachgewiesen, davon der Großteil im Nordschwarzwald. Dort könnte sich kürzlich wieder ein kleines Rudel gebildet haben, was wir aber anzweifeln: https://wolfsschutz-deutschland.de/…/das-baiersbronn…/
Im Südschwarzwald hält sich im Wesentlichen ein einzelnes Tier auf. Evtl. wurde dieser sesshafte Wolf von den Behörden getötet: https://wolfsschutz-deutschland.de/…/verletzter-wolf…/
Die Zahl der bestätigten Wolfsrisse ist entsprechend gering:
Im Jahr 2025 wurden in ganz Baden-Württemberg 36 Nutztiere durch Wölfe geschädigt (getötet, verletzt oder vermisst), davon 32 Schafe und Ziegen. Es gab lediglich 14 dokumentierte Übergriffe. Im Monitoringjahr 2024/25 wurden sogar nur acht Fälle genetisch eindeutig dem Wolf zugeordnet.
2. Schlachtzahlen im Vergleich
Zum Vergleich: In Baden-Württemberg werden jährlich rund 150.000–170.000 Schafe und Lämmer sowie 5.000–6.000 Ziegen geschlachtet.
Die durch Wölfe verursachten Verluste liegen damit im Promillebereich und sind statistisch gesehen äußerst gering.
3. Zäune – die technische Darstellung ist falsch
Das Schild spricht von „hohen Zäunen“, die an steilen Hängen nicht aufgestellt und gepflegt werden könnten. In der Praxis dominieren jedoch mobile Elektrozäune (Weidenetze und Litzenzäune), die gesteckt und wieder abgebaut werden. Diese sind flexibel und auch in steilem Gelände einsetzbar. Entscheidend ist: Wölfe überspringen Zäune in der Regel nicht. Sie versuchen fast immer, darunter durchzuschlüpfen oder zu untergraben. Deshalb ist ein guter Bodenabschluss (unterste Litze maximal 20 cm über dem Boden) und zuverlässige Elektrifizierung weit wichtiger als extreme Höhe. Korrekt aufgebaute und gewartete mobile Elektrozäune gelten als wirksamer Grundschutz.
4. Die realen wirtschaftlichen und strukturellen Probleme der Bauern
Trotz dieser Klarstellungen bleiben natürlich auch Belastungen für die Weidetierhalter:
Mehraufwand: Mobile Zäune erfordern regelmäßiges Auf- und Abbauen, tägliche Kontrollen und Freischneiden. Das Aufsteilen auf unübersichtlichen oder großflächigen Weiden ist zeit- und kostenintensiv und sollte unbürokratisch gefördert, aber auch gefordert werden.
Bereits geringe Bestände: In Baden-Württemberg gibt es nur rund 209.000 Schafe und ca. 33.000–35.000 Ziegen. Die Weidetierhaltung ist bereits eine Nische, Flächenfreihaltung wenig relevant.
Wirtschaftlicher Druck, unabhängig vom Wolf:
Steigende Kosten, Preisdruck, Bürokratie und der allgemeine Strukturwandel belasten die Betriebe stark. Viele arbeiten bereits am Limit.
Bodenmarkt und Flächenzugang:
Die Preise für landwirtschaftliche Flächen sind auf über 35.000 €/ha gestiegen. Der Anteil außerlandwirtschaftlicher Käufer hat zugenommen und erschwert den Flächenerwerb für aktive Landwirte zusätzlich.
5. Fazit
Das Schild macht aus realen, ernstzunehmenden Schwierigkeiten eine übertriebene Unmöglichkeitsthese. Bei aktuell wenigen Wölfen und sehr geringen Risszahlen (36 Tiere im Jahr 2025 gegenüber 150.000–170.000 geschlachteten Schafen/Lämmern) steht die Dramatik in keinem angemessenen Verhältnis zur tatsächlichen Lage.
Die Weidetierhaltung im Schwarzwald steht unter erheblichem wirtschaftlichem und strukturellem Druck. Der Wolf verschärft diesen Druck lokal äußerst gering. Wer die Weidehaltung wirklich erhalten will, muss die realen Kosten, den Mehraufwand und die strukturellen Probleme (inkl. Bodenmarkt) angehen – und darf die Situation nicht mit verzerrten technischen Behauptungen und übertriebener Dramatik darstellen.
Der BLHV ist der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband e.V. Es handelt sich um den berufsständischen Interessen- und Unternehmerverband der Landwirte, Forstwirte, Winzer und Obstbauern in Südbaden (Regierungsbezirk Freiburg). Touristen, die sich nicht mit der Thematik beschäftigt haben, werden hier von einem Lobbyverband massiv beeinflusst.

Wir vergessen auch Grindi nicht!

Aufruf zum Weiterwandern!

 

Quelle:

https://mlr.baden-wuerttemberg.de/de/unser-service/presse-und-oeffentlichkeitsarbeit/pressemitteilungen/pressemitteilung/pid/untersuchungsergebnisse-erlegter-wolf-vom-28-september-2026

 

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

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Bayern: Geheim-Abschuss auf „Tenni“? Managementplan im Tennenloher Forst wirft Fragen auf

Wolfsschutz-Deutschland e. V. liegen Informationen vor, wonach eine Schießgenehmigung für die Wölfin GW4977f – von uns „Tenni“ genannt – bereits erteilt worden sei bzw. eine Eilverfügung vorbereitet werde. Öffentlich gemacht worden ist diese Verfügung bislang nicht. Die Nachricht sorgt für Bestürzung, denn das Gebiet wurde eben erst offiziell zum Wolfsgebiet erklärt. Wir zeigen in unserem Artikel, dass die Ziegen keinen Schutz hatten, rufen zu Wanderungen auf und protestieren auf das Schärfste.

Hunderte Kilometer für eine neue Heimat

Hinter der offiziellen Ausweisung des Landkreises Erlangen-Höchstadt als Wolfsgebiet steht die beeindruckende Geschichte einer weiten Wanderung: Die Wölfin „GW4977f“, Tenni, stammt ursprünglich aus dem sächsischen Territorium „Neustadt Spremberg“. Getrieben von ihrem natürlichen Instinkt nahm das Tier eine Hunderte Kilometer lange, kräftezehrende Reise auf sich, um sich schließlich im Tennenloher Forst vor den Toren Erlangens niederzulassen. Seit Ende 2025 hat sie sich in diesem dichten Gebeit, das zum Teil auch einen ehemaligen Truppenübungsplatz umfasst, erfolgreich behauptet. Dass sie über ein halbes Jahr lang in der Region standorttreu geblieben ist, zeugt von ihrer enormen Anpassungsfähigkeit. Hier ein Foto von ihr von einer Wildkamera der Behörde: https://www.nn.de/erlangen/wildkamera-liefert-erstes-foto-vom-wolf-in-erlangen-auf-jagd-im-tennenloher-forst-rep-1-1.15298679

Beispielfoto Wölfin.

Todesurteil trotz ungeschützter Ziegen

Die Wölfin solle damit in den genannten Revieren bejagt werden können.Das betroffene Gebiet im Landkreis Erlangen-Höchstadt ist erst vor kurzem als Wolfsgebiet ausgewiesen worden. Dennoch sei ein revierübergreifender Managementplan aufgestellt worden, der die Jagd auf ein Exemplar bis zum 31. Oktober 2026 in folgenden Revieren freigebe:

  • EJR Tennenlohe
  • StJR Sebalder Reichswald
  • GJR Uttenreuth-Weiher
  • GJR Kalchreuth-Röckenhof
  • StJR Eisenstraße
  • StJR Kraftshof
  • StJR Felsenkeller
  • GJR Buckenhof-Ratzsberg-Spardorf
  • GJR Brand-Unterschöllenbach-Oberschöllenbach
  • GJR Großgeschaidt-Kleingeschaidt
  • GJR Heroldsberg
  • GJR Marloffstein-Adlitz
  • GJR Eschenau-Forth-Frohnhof
  • GJR Bubenreuth

 

Ungeschützte Pfauenziegen:  Der Wilddraht ohne Spannungslitze, dazu noch die gebrochenen Gatterbalken dienen nicht als Schutz, sondern als Kletterhilfe. Foto: privat

 

Bei dieser Art der Unterbringung kann die Wölfin sich immer wieder ein Tier holen. Das ist auch für die Ziegen tragsich, doch verantwortlich ist der Mensch. Die Trägerschaft der Herde hätte längst aufrüsten müssen. Allerdings liegt es auch an der schleppenden Ausweisung von Wolfsgebieten in Bayern. Erst nach einer solchen Ausweisung erhalten Halter Förderung von Schutzmaßnahmen. Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. fordern seit Gründung, dass Herdenschutz in ganz Deutschland unbürokratisch übernommen werden sollte. Einige Bundesländer, wie NRW, haben dies inzwischen umgesetzt. Foto: Privat.

Unsere Vor-Ort-Dokumentation zeigt ein anderes Bild als die offizielle Darstellung. Das eingezäunte Wildgehege im Tennenloher Forst ist sehr groß und umfasst mehrere Kilometer. Eigentümerin der Fläche ist die DBU Naturerbe GmbH (Deutsche Bundesstiftung Umwelt), die die Flächen als Nationales Naturerbe betreut. Das Beweidungsprojekt mit Przewalski-Pferden und Pfauenziegen wird gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken und dem Bundesforst durchgeführt. Es handelt sich somit nicht um einen privaten Hobbyhalter, sondern um ein Projekt unter Beteiligung einer finanzstarken Stiftung. Ein vergleichbarer Fall hatte sich unlängst bei den Moorschnucken des LBV ereignet. Die Betreiber wirken bemüht und haben erkennbar Zeit und Arbeitskraft investiert. Nach unserer Einschätzung kommen die Maßnahmen jedoch zu spät, sind nicht ausreichend und teilweise ungeeignet:

  • An mehreren Stellen war erkennbar, dass ein Tier – mutmaßlich die Wölfin – den Zaun untergraben hatte.
  • Als Reaktion waren dort Steine und Äste vor, an und auf den Zaun gelegt worden. Auf dem sandigen Boden erscheint diese Maßnahme wenig wirksam, da ein Wolf an anderer Stelle erneut untergraben könnte.
  • Eine stromführende Litze am unteren Zaunende zur Verhinderung des Untergrabens war nicht vorhanden.
  • Die in der Mitte des Zaunes angebrachte Stromlitze führte zum Zeitpunkt unserer Prüfung keinen Strom (Handtest an mehreren Stellen).
  • Derzeit werden an den oberen Pfosten Litzenträger montiert. Es ist davon auszugehen, dass eine weitere stromführende Litze nachgerüstet werden soll, was aber nichts nutzt, wenn kein Untergrabschutz installiert wird. 

 

Der Wilddraht in Kombination mit den Holzstangen können wunderbar als Kletterhilfe dienen. Foto: privat.

 

Es wird jetzt nachgerüstet, aber anscheinend nicht an Untergrabschutz gedacht. Foto: privat.

 

Oben und in der Mitte werden Litzen angebracht. Foto: privat
Unten sind anscheinend keine Litzen vorgesehen, was nicht vor Untergraben schützt. Foto: privat.
Am Tag der Doku, 04.10.2026, wies die Litze keinen Strom auf. Foto: privat.

 

Auch die Eingangstore weisen keinen Untergrabschutz auf. Foto: privat.

 

Lebensraum Tennenloher Forst


Das direkt vor den Toren Erlangens gelegene Naturschutzgebiet Tennenloher Forst – ein ehemaliger Truppenübungsplatz – beherbergt eine in Bayern einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Um die wertvollen, offenen Sandbiotope vor der Verbuschung zu bewahren, setzt das dortige Wildtierprojekt seit 2003 auf vierbeinige Landschaftspfleger: Eine Junggesellenherde seltener Przewalski-Urwildpferde hält die Steppenlandschaft von Bäumen frei. Unterstützt werden sie seit 2012 von einer Herde gefährdeter Pfauenziegen, die als Gehölzspezialisten gezielt Sträucher zurückdrängen. Genau dieses weitläufige, 90 Hektar große und eigentlich geschützte Weideareal hat sich die Wölfin als Territorium ausgesucht, was zu den jüngsten Konflikten im Tennenloher Forst führte.

 

Das Territorium umfasst ein riesiges Gebiet mit sehr guten Wandermöglichkeiten. Foto: privat.

 

Hier sind die durchaus wehrhaften Wildpferde untergebracht.

 

Auch hier ist am Eingstor kein Untergrabschutz angebracht Foto: privat.

 

Gatter der Wildpferde. Foto: privat.
Das Gatter ist 1,40 Meter hoch und auch hier können Balken und Wilddraht als Kletterhilfe dienen, sofern die Straomlitzen keine Spannung aufweisen. Foto: privat. Doch selbt wenn Spannung auf den Litzen ist, bietet ein fehlender Untergrabschutz eben keinen Schutz, wie auf dem Foto eindrucksvoll zu sehen ist. Foto: privat.

 

Hier haben sich schon Tiere mehrmals unten druch gegraben. Foto: privat.

 

Der Koppelzaun ist 1,40 Meter hoch. Foto: privat.
Auch an dieser Stelle wurde gegraben und die Lücke mit Stöcken provisorisch gechlossen. Ohne Untergrabschutz wird sich ein Tier aber einfach die nächste Stelle suchen. Foto: privat.

 

Weitere Stelle, wo bereits untergraben wurde. Foto: privat.

 

Beim Wandern sollte man auf den Wegen bleiben. Foto: privat.

 

Von Informanten und Anwohnern wurde uns mitgeteilt, es seien mehr Ziegen gerissen worden als öffentlich bekannt gegeben. Die gerissenen Tiere hätten in keinem entsprechend gesicherten Gehege gestanden. Die verbleibenden Ziegen sollten in Kürze in ein anderes  Gehege umgesiedelt werden, das wegen der Schweinepest derzeit nicht genutzt werde und angeblich besseren Schutz biete.

Herdenschutz statt Wolfsabschuss

Dieser Fall unterstreicht nach unserer Auffassung eindrucksvoll, was Wolfsschutz-Deutschland e. V. seit seiner Gründung fordert:

Herdenschutz sollte nicht erst nach der offiziellen Ausweisung von Wolfsgebieten nachgerüstet werden – das ist häufig zu spät. Er muss bundesweit und unbürokratisch gefördert und gefordert werden. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise ist dieser Weg bereits beschritten worden.

Unsere Forderungen und Aufruf

  1. Sofortige und vollständige Offenlegung einer etwaigen Abschussverfügung.
  2. Prüfung und gegebenenfalls Klage der klagefähigen Verbände gegen eine solche Verfügung.
  3. Kein Abschuss.
  4. Bundesweite, unbürokratische Förderung und Verpflichtung zu wolfsabweisendem Herdenschutz – unabhängig von der Ausweisung von Wolfsgebieten.

Aufruf an die Öffentlichkeit:

Wir rufen zu Wanderungen im Tennenloher Forst und den umliegenden Revieren auf – besonders in der Dämmerung. Beobachtungen und Dokumentationen möglicher Jagdaktivitäten (Fahrzeuge, Personen, Schüsse) können an uns gesendet werden. Ein Abschuss einer standorttreuen Wölfin, während der Zaun eines Projekts unter Beteiligung der DBU Naturerbe GmbH nach unserer Dokumentation noch Lücken aufweist, erscheint uns absolut inakzeptabel.

Wolfsschutz-Deutschland e. V. bleibt vor Ort und wird diesen Fall weiter öffentlich begleiten und wir werden Strafanzeigen gegen Verantwortliche und Ausführende erstatten, sollte die Wölfin oder ein anderer Wolf getötet werden. Wir freuen uns über Verstärkung: https://wolfsschutz-deutschland.de/mitglied-werden/

 

Quellen:

https://www.lfu.bayern.de/natur/wildtiermanagement_grosse_beutegreifer/wolf/faq_wolf/index.htm

Weitere Infos zum Schutzgebiet:

https://www.erlangen-hoechstadt.de/leben-in-erh/naturschutz-naherholungsgebiete/tennenloher-forst/

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

Oder:

Wolfsschutz-Deutschland e.V.
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Erste Wölfe heimlich in Niedersachsen offiziell getötet

Das Landwirtschaftsministerium bestätigt zwei heimliche Wolfsabschüsse. Warum schweigen die großen Verbände und wer saß wirklich am Drücker? Jetzt lesen!

Gestern hat das niedersächsische Landwirtschaftsministerium erst auf gezielte Mediennachfrage des NDR bestätigt, dass die ersten beiden Wölfe im Rahmen der neuen Schnellabschussverfahren getötet wurden. Eine eigene, proaktive Pressemitteilung gab es vonseiten der Behörde nicht. Wo genau und von wem die geschützten Tiere geschossen wurden, hält das Ministerium unter Verweis auf eine sechswöchige Frist geheim. Aus Sicht von Wolfsschutz-Deutschland e. V. ist diese Intransparenz inakzeptabel. Sie entzieht staatliches Handeln beim Umgang mit geschützten Wildtieren der demokratischen und rechtlichen Kontrolle.

Dass die lokalen Jäger nach eigenen Angaben von den Abschüssen im Vorfeld nichts gewusst haben, deutet auf eine fortschreitende Technokratisierung des Wolfsmanagements hin. Anstatt auf die „ehrenamtliche“ Jägerschaft zu setzen, scheint das Land im Verborgenen staatliche Strukturen zu nutzen. Dies deckt sich mit Konzepten, wie sie unter anderem vom Leiter des Wolfcenters Dörverden, Frank Faß, vorgeschlagen wurden: Er plädiert seit längerem für eine professionelle, staatlich finanzierte Fachgruppe für Wolfsabschüsse – bestehend aus staatlich angestellten Berufsjägern oder Förstern –, da die rechtlichen Risiken und die Komplexität für Hobbyjäger im Alltag zu hoch seien.
Beispielfoto Wolfspaar. © Brigitte Sommer

Die Absurdität der Obergrenze: Rechnen nach politischer Willkür

Wie sachfremd das neue System agiert, zeigt ein Blick auf die festgesetzte Abschussquote: Für das Jagdjahr 2026/27 sieht der ministerielle Managementplan eine Obergrenze von maximal 27 ausgewachsenen, territorialen Wölfen vor – aufgeteilt in 22 Tiere für die atlantische und 5 für die kontinentale Region Niedersachsens. Diese Zahl entspringt keiner biologischen Logik, sondern reiner Bürokratie. Das Absurde daran: Jedes einzelne Tier, das durch einen Verkehrsunfall stirbt oder als sogenanntes Fallwild tot aufgefunden wird, wird auf diese Quote angerechnet.

Dieses Rechenmodell entlarvt die politische Argumentation, dass die Abschüsse dem gezielten Schutz von Nutztieren dienten, als reine Farce. Wenn ein Wolf auf einer Bundesstraße überfahren wird, verringert das statistisch die Zahl der „erlaubten“ Abschüsse, ändert aber absolut nichts an der vermeintlichen Konfliktsituation auf den Weiden vor Ort. Ein solches System verwaltet lediglich willkürliche Zahlen, anstatt ökologische Zusammenhänge zu begreifen. Es zeigt deutlich, dass es der Landesregierung um bürokratisch konstruierte Abschusslisten geht.

Verunsicherung an der Basis: Jäger verweigern Abschüsse

Dass das Vertrauen zwischen“ehrenamtlichen“  Jägern und Landesregierung beschädigt zu sein scheint, könnte auch an Plänen des Ministeriums, den Jagdverbänden das wissenschaftliche Wolfsmonitoring zu entziehen, liegen. Gleichzeitig wächst an der jagdlichen Basis die Verunsicherung über die rechtliche Haltbarkeit der Abschussgenehmigungen.
Wie ein aktuelles Beispiel aus der Gemeinde Farven (Landkreise Rotenburg und Stade) zeigt, verstrickt sich die Jägerschaft zunehmend in Widersprüche. Nach einem dortigen Fohlenriss im August erteilte das Ministerium eine sechswöchige Abschussgenehmigung. Doch die Frist verstrich am 21. September ergebnislos – kein Jäger will abgedrückt haben. Offiziell begründete die Kreisjägerschaft dies mit der Heimlichkeit der Wölfe. Intern sickerte jedoch durch, dass die Angst vor juristischen Konsequenzen und die Sorge wegen Verstößen gegen den gesetzlichen Elterntierschutz die Jäger von den Hochsitzen abhielten. Wer im Spätsommer ein Elterntier erschießt, riskiert wegen des Verhungerns der Welpen eine strafrechtliche Verfolgung. Die Hobbyjäger merken offensichtlich selbst, dass sie das rechtliche Risiko eines europarechtswidrigen Tötungswahns einseitig aufgehalst bekommen, während sich die Ministerialbürokratie schadlos hält.

Gezielte Reichweite: Die technokratische Verengung der Medien

Dieses technokratische System spiegelt sich zunehmend auch in der öffentlichen Debatte wider. Seit einiger Zeit lässt sich beobachten, dass einer ganz bestimmten Form der Jagdkritik eine merkwürdig hohe Reichweite eingeräumt wird. Influencer, die praktisch aus dem Nichts auf den sozialen Plattformen erschienen sind, bespielen das Thema hochprofessionell. Doch ihr Fokus ist verengt: Sie kritisieren fast ausschließlich die Hobbyjagd und fordern als Lösung den Übergang des Wildmanagements in die Hände staatlicher Ranger-Strukturen.
Diese Stimmen werden sichtlich gepusht, weil sie perfekt in die technokratische Agenda der Landesregierung passen. Sie hinterfragen das Prinzip des Tötens an sich nicht, sondern fordern lediglich dessen staatliche Perfektionierung. Unsere konsequente Haltung – die den Jägern zwar das Wolfsmonitoring sofort entziehen will, aber gleichzeitig jede Form der Jagd aus ethischen Gründen ablehnt – wird in diesen digitalen Diskursen hingegen systematisch ausgeblendet, weil sie sich nicht in dieses staatliche System einfügen lässt.
Beispielfoto verwaister Welpe. © Brigitte Sommer

Das laute Schweigen der etablierten Verbände

Inmitten dieser Eskalation offenbart sich jedoch noch ein ganz anderes Defizit: das verhaltene Agieren etablierten Naturschutzverbände. Viele dieser Organisationen werben bis heute beharrlich mit dem Narrativ, dass Wölfe am effektivsten durch langwierige Gerichtsklagen geschützt werden könnten. Zwar wird hinter den Kulissen medienwirksam gegen den neuen niedersächsischen Managementplan geklagt  sowie auch wie angekündigt, gegen Geheimhaltung– doch bis es zu einer endgültigen gerichtlichen Entscheidung kommt, vergehen Monate oder Jahre.
In dieser Zwischenzeit werden, wie wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. immer wieder gewarnt haben, im Verborgenen längst blutige Fakten geschaffen. Während die juristischen Mühlen langsam mahlen, sind die ersten Wölfe bereits tot. Das Vertrauen auf den reinen Rechtsweg greift völlig ins Leere, wenn das Wolfsmanagement in intransparente, technokratische Behördenprozesse ausgelagert wird, die Fakten exekutieren, bevor ein Richter überhaupt die Akten öffnen kann. Was wir jetzt brauchen, sind keine juristischen Lippenbekenntnisse, sondern Aktive direkt vor Ort, die Präsenz zeigen.

Kosten-Irrsinn: Warum Abschüsse teurer sind als Zäune

Wolfsschutz-Deutschland e. V. lehnt jede Form von Wolfsabschüssen fundamental ab. Der Wolf wurde durch die Aufnahme in das Bundesjagdgesetz gezielt herabgestuft, um Abschüsse politisch zu erleichtern – ein fataler Fehler. Oder sogar Absciht. Dabei zeigt die wissenschaftliche Faktenlage eindeutig, dass Abschüsse das Problem nicht lösen: Sie zerstören Rudelstrukturen, was oft zu mehr statt weniger Rissen führt. Was in der Debatte zudem völlig verschwiegen wird, ist die ökonomische Absurdität: Das Einrichten behördlicher Jagdgebiete, die wochenlange Bereitstellung von Personal, die logistische Koordination und die juristische Absicherung staatlicher Abschusskommandos verschlingen immense Summen an Steuergeldern.
Es deutet sich an: Diese staatlich organisierte Schießerei ist um ein Vielfaches teurer als eine unbürokratische, vollständige Finanzierung von effektiven Herdenschutzmaßnahmen. Ein flächendeckender, unbürokratisch bezahlter Zaunbau schützt Weidetiere dauerhaft. Ein Abschuss stellt lediglich ein teures, blutiges Placebo für die Agrarlobby dar. Wir fordern die Landesregierung auf, diesen ökologischen und ökonomischen Irrweg sofort zu beenden. Steuergelder gehören in den präventiven Herdenschutz, nicht in die verdeckte Verfolgung einer geschützten Art.
Beispielfoto. Wolfswelpen aus diesem Jahr sind jetzt so groß wie dieser kleiner Wolf links. Sie sind noch auf beide Elternteile angewiesen. © Brigitte Sommer

Dringender Aufruf: Wir brauchen mehr Hilfe in Niedersachsen

Die Behörden versuchen, die Abschüsse im Verborgenen zu vollziehen – doch die Wahrheit lässt sich vor Ort nicht verheimlichen. Man kann sehr genau rekonstruieren, wo die Abschusskommandos aktiv werden sollen, wenn man die Artikel der Lokalpresse aufmerksam verfolgt und ein offenes Ohr für die Stimmen aus der lokalen Bevölkerung hat.
Bitte meldet uns solche Beobachtungen, Hinweise und Gerüchte dringend!
    • Wir garantieren absoluten Quellenschutz.
    • Wir sichern all unseren Informanten und Aktiven vor Ort strikte Anonymität zu.

Kontakt über: Volker.Vogel@wolfsschutz-deutschland.de

Oder: https://wolfsschutz-deutschland.de/kontakt/

Oder Hotline: 0176 – 48 73 26 12

 

Quellen:

https://www.ml.niedersachsen.de/startseite/themen/wald_holz_jagd/wolf_ins_bundesjagdrecht_aufnehmen/schnellabschusse/veroffentlichung-der-interventionsgebiete-sowie-der-beendeten-schnellabschussverfahren-252705.html?fbclid=IwY2xjawUti8xleHRuA2FlbQIxMABwZG9mAWJyaWQRMHM0eFk3ajJmTkh1QzhMZm5zcnRjBmFwcF9pZBAyMjIwMzkxNzg4MjAwODkyAAEexuwV_eD2PHfP-hanHyc6QJtOv6Sf27IDiNO5GD4I0c5pDwx4r1BuNala-LU_aem_2hS-yUHtR9GH-NeoAe_stA

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/gesetz-geaendert-zwei-woelfe-in-niedersachsen-erschossen,wolf-690.html

https://wolfsschutz-deutschland.de/2023/08/03/buerger-sollen-wolfskillerteam-in-niedersachsen-finanzieren/

https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/08/11/todesurteil-fuer-wolfsfamilien-niedersachsen-besiegelt-mit-geheim-gehaltenen-abschusszonen-das-sterben-ganzer-rudel/

https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/08/03/weitere-acht-geheimjagden-auf-woelfe-in-niedersachsen-so-hebeln-politik-und-behoerden-den-rechtsstaat-aus/

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/nach-wolfsriss-abschussgenehmigung-abgelaufen-wolf-lebt,wolf-688.html

Verletzter Wolf von Behörden in Baden-Württemberg getötet

Am 28. September 2026 ist nahe der Bundesstraße B500 am Schluchsee (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) ein schwer verletzter Wolfsrüde gefunden worden. Nach Angaben des baden-württembergischen Ministeriums für Ländlichen Raum sei das Tier „nicht überlebensfähig“ gewesen. Es sei daraufhin aus Tierschutzgründen getötet worden. Nach SWR-Informationen habe der Wolf an Lähmungen beider Hinterläufe gelitten. Wer das Tier genau getötet habe und ob es eingeschläfert oder erschossen worden sei, bleibe bislang unklar. Die Polizei sehe derzeit keinen Anlass für Ermittlungen. Das Ministerium und die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) schlossen eine Schussverletzung als Ursache aus. Der Kadaver werde untersucht, Ergebnisse zu Identität und genauer Verletzungsursache stünden noch aus. Möglicherweise handele es sich um den in der Region sesshaften Rüden GW1129m. Wir kritisieren diese Vorgehensweise aus folgenden Gründen: 

Kritik an der behördlichen Vorgehensweise

Wie so oft in Deutschland wird auch in diesem Fall sehr schnell die endgültige Entscheidung getroffen: Tötung statt Rettungsversuch. Transparenz fehlt weitgehend. Die Öffentlichkeit erfährt kaum Details über den genauen Veterinärbefund, die Entscheidungswege und die Frage, ob überhaupt ernsthaft geprüft wurde, ob das Tier hätte gerettet werden können. Die Polizei stellt die Ermittlungen ein, obwohl die Umstände – schwer verletzter Wolf direkt an einer stark befahrenen Straße – durchaus Fragen aufwerfen.Wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. kritisieren diese Praxis scharf. Ein geschütztes Wildtier wird nach kurzer Begutachtung getötet, ohne dass die Öffentlichkeit nachvollziehen kann, auf welcher Grundlage die Entscheidung „nicht überlebensfähig“ getroffen wurde. In Deutschland ist dies leider der Standard: Schwer verletzte Wölfe werden in der Regel euthanasiert. Eine echte Chance auf Rehabilitation erhalten sie so gut wie nie.
Beispielfoto Wolf. © Brigitte Sommer

Es geht auch anders – Beispiele aus Italien und Tschechien

Dass eine andere Vorgehensweise möglich und erfolgreich sein kann, zeigen eindrucksvolle Fälle aus dem Ausland:In Italien wurde der Wolf „Navarre“ 2012 mit Lähmung der Hinterläufe, schwerer Unterernährung und 35 Schrotkugeln im Körper aus einem Fluss gerettet. Trotz der dramatischen Ausgangslage erhielt er intensive veterinärmedizinische Behandlung und Physiotherapie. Er lernte wieder zu laufen. Weitere dokumentierte Fälle betreffen Wölfe nach Autounfällen mit Frakturen, die operiert, rehabilitiert und erfolgreich in die Freiheit entlassen wurden. Einige davon wurden anschließend per GPS-Halsband über Monate und Jahre überwacht. In Tschechien erregte der Fall des jungen Wolfs „Bubla“ großes Aufsehen. Der Rüde wurde 2022 nach einem Autounfall mit schweren Verletzungen an Wirbelsäule, Hüfte und Kiefer hilflos in einem Straßengraben gefunden. Trotz schlechter Prognose wurde er mehrfach operiert und monatelang gepflegt. Anfang 2023 konnte Bubla wieder ausgewildert werden. Spätere Nachweise per Wildkamera und Telemetrie bestätigten, dass er überlebt hat und sich in der Landschaft bewegt.
Diese Beispiele beweisen: Auch bei Lähmungserscheinungen und schweren Unfallverletzungen ist eine Rettung möglich, wenn der Wille und die entsprechenden Strukturen vorhanden sind.
Erst vor wenigen Tagen hatten wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. das Sterben von Wölfen in Baden-Württemberg scharf kritisiert. Schon damals bemängelten wir die heimliche Beseitigung von Wölfen, die in dem Bundesland praktisch seit Jahren vor aller Augen stattfindet – oft ohne transparente Aufklärung und ohne nennenswerte Konsequenzen. Der aktuelle Fall am Schluchsee reiht sich in dieses Muster ein und wirft erneut die Frage auf, wie offen und gründlich die Behörden mit dem Tod von streng geschützten Tieren umgehen. https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/09/26/das-baiersbronn-raetsel-soll-ein-alibi-welpe-den-weg-fuer-grindis-abschuss-ebnen/
Besipielfoto Wolf.

Wir fordern Aufklärung und stellen eine UIG-Anfrage

Wolfsschutz Deutschland e. V. wird daher eine Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz (UIG) an das Ministerium für Ländlichen Raum Baden-Württemberg und die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt stellen. Wir verlangen Einsicht in den vollständigen Veterinärbericht, die Entscheidungsgrundlagen für die Tötung sowie alle vorliegenden Untersuchungsergebnisse zu Identität und Todesursache des Wolfes. Deutschland muss endlich von den positiven Beispielen unserer Nachbarländer lernen und vorhandene Rehabilitationsmöglichkeiten für verletzte Wölfe nutzen. Wir werden weiter berichten.

Quellen: