Wolf gegen Kuh: Absurde Einordnung von Risiken in den Medien
Während der Wolf Grindi (GW2672m) aus dem Schwarzwald und der verirrte Jungwolf Alster in Hamburg seit Wochen für Schlagzeilen, Dramatisierung und Abschussforderungen sorgen, ereigneten sich fast zeitgleich schwere Vorfälle mit Weidetieren. Zwei aktuelle Beispiele: In Osttirol wurde am 17. Mai 2026 eine 67-jährige Wanderin von einer Herde Mutterkühe getötet, ihr 65-jähriger Ehemann schwer verletzt. Im Main-Kinzig-Kreis (Hessen) brach ein Jungbulle aus, griff in Brachttal-Hellstein ein Auto an und wurde kurze Zeit später von einem Jäger erschossen.
Der Vorfall mit der Kuhherde ereignete sich am Sonntag, dem 17. Mai 2026, in der Gemeinde Oberlienz im Bezirk Lienz (Osttirol). Ein einheimisches Ehepaar war auf einem offiziell ausgeschilderten Wanderweg im Talboden neben dem Fluss Isel unterwegs, als eine Herde von rund 50 Kühen plötzlich in Aufruhr geriet und das Paar attackierte. Die Frau erlitt durch die Attacke der Tiere so schwere Verletzungen, dass sie noch direkt auf der Weide verstarb. Ihr 65-jähriger Ehemann wurde ebenfalls schwer verletzt und mit einem Notarzthubschrauber in die Klinik geflogen. Anders als bei vielen früheren Zwischenfällen in den Alpen spielte nach ersten Erkenntnissen der Polizei diesmal kein mitgeführter Hund eine Rolle. Zudem soll sich nur Stunden zuvor ein weiterer Vorfall ereignet haben.

Die Realität der Risiken
In den letzten fünf Jahren (2021–2026) gab es vor allem in Österreich mehrere schwere Vorfälle:
- Österreich: Mindestens drei tödliche Angriffe auf Wanderer (Osttirol Mai 2026, Steiermark September 2025, Salzburg Sommer 2024). Zwischen 2011 und 2021 gab es bereits 69 gemeldete Verletzungen durch Weidevieh, davon zwei tödlich.
- Deutschland: Die Berufsgenossenschaft für Land- und Forstwirtschaft (SVLFG) verzeichnet jährlich mehrere tausend meldepflichtige Arbeitsunfälle mit Rindern.
- Schweiz: Eine Studie dokumentierte zwischen 2012 und 2021 94 Verletzungen durch Rinder. https://smw.ch/index.php/smw/article/download/3229/5424?inline=1
Keine Angriffe wildlebender Wölfe auf Menschen
Diese sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit der Rückkehr der Wölfe nicht existent. Es gibt keine dokumentierten tödlichen Wolfsangriffe auf Menschen in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten.
Fehlende Verhältnismäßigkeit
In Österreich wurden in den letzten Jahren mindestens 60 bis 70 Wölfe über behördliche Abschussverordnungen getötet, nachdem sie von den Bundesländern als sogenannte „Risikowölfe“ oder „Schadwölfe“ eingestuft worden waren.




