Rettet Milan! – Kein Abschuss des Wolfs, der gerade eine neue Familie gründen könnte

Der Landwirtschaftliche Kreisverband Olpe hat einen Antrag auf Entnahme (Abschuss) des Wolfsrüden GW1896m („Milan“) gestellt. Begründet wird dies mit angeblich über 140 Rissgeschehen seit Oktober 2020. Ein genauer Blick in die offizielle Rissliste des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima NRW (wolf.nrw) zeigt jedoch ein deutlich nuancierteres Bild. Wolfsschutz-Deutschland e. V. protestiert scharf und fordert die Obere Jagdbehörde mit einem offenen Brief auf, den Antrag nicht zu genehmigen. Wolfsfreunde können sich an der Mitmachaktion beteiligen. 

Besonders der vom Kreisverband extra hervorgehobene Vorfall vom 04.04.2026 in Olpe-Rehringhausen betraf lediglich ein einziges Schaf – bei vorhandenem Grundschutz. Die weiteren bestätigten Risse durch GW1896m im April 2026 in Olpe und Wenden (u. a. 09.04., 10.04. und 19.04.) ereigneten sich dagegen bei nicht vorhandenem Grundschutz. Wie bei der großen Mehrzahl der Risse in den vergangenen Jahren fehlte auch hier oft der zumutbare, wolfssichere Herdenschutz.
Beispielfoto. Milan könnte eine Partnerin an seiner Seite haben. © Brigitte Sommer

Ein Vaterwolf auf der Flucht – und auf der Suche nach einem Neuanfang

GW1896m ist kein anonymer Wanderwolf, sondern der langjährige Leitwolf des Leuscheider Rudels im Westerwald. Nach jahrelanger massiver Verfolgung und Dezimierung seines Rudels hat er sein angestammtes Territorium Leuscheid verlassen und sich weiter östlich im Sauerland (Raum Olpe/Wenden) etabliert. Ansässige, erfahrene Wölfe verlassen ihr Revier nicht ohne schwerwiegenden Grund. Im Fall von Milan liegt dieser Grund auf der Hand: Das systematische Leid seines Rudels.
  • Zweimal wurde ihm seine Partnerin illegal oder unter fragwürdigen Umständen „weggeschossen“ bzw. verschwand spurlos (u. a. GW1415f und später GW1999f).
  • Mehrere Welpen und Rudelmitglieder fielen mutmaßlicher Wildtierkriminalität, illegalen Abschüssen oder anderen menschlichen Einflüssen zum Opfer.
  • Das gesamte Leuscheider Rudel stand jahrelang unter illegaler Verfolgung, Bespitzelung und Hetze.

Wolfsschutz-Deutschland e.V. hat diese traurige Geschichte ausführlich dokumentiert und wieder und wieder Rissprovokationen und mangelnden Herdenschutz nachgewiesen. Nun gibt es Hinweise, dass Milan im Sauerland möglicherweise mit der starken Wölfin GW5405f (ursprünglich aus dem niederländischen Rudel Noord-Veluwe) zusammen sein könnte, oder auch mit GW4373f aus dem Puderbacher Rudel zusammen sein könnte. Eine Paarung zweier erfahrener, wanderstarker Tiere wäre ein großer Hoffnungsschimmer für die Wolfspopulation in der Region. Genau in dieser sensiblen Phase eines möglichen Neuanfangs mit Welpen soll der Rüde nun getötet werden.

Die Interimslösung in NRW – ein gefährlicher Türöffner für Abschüsse

„Dass der Wolf bundesweit ins Jagdrecht kommen soll, ist eher Symbolpolitik. In anderen Bundesländern war er das auch bisher schon, einfacher gemacht hat das dort aber auch nichts.“ sagte Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) Ende Dezember, nach dem Beschluss, den Wolf ins Bundesjagdrecht zu übernehmen. Er fordert stattdessen konkrete, praktikable Kriterien für die rechtssichere Entnahme von Problemwölfen. Also ist es auch in NRW nicht so, dass Tötungswünsche ausschließlich von „Rechts“ kommen. 

Seit der Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz im April 2026 gilt in Nordrhein-Westfalen eine Übergangsregelung (Interimslösung), bis das neue Landesjagdgesetz angepasst ist:

  • Die untere Jagdbehörde (Kreis Olpe) prüft Anträge und stimmt sich eng mit der Oberen Jagdbehörde (Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Düsseldorf) ab.
  • Bei DNA-Bestätigung eines „schadstiftenden Wolfs“ und als „zumutbar“ eingestuftem Herdenschutz kann die Entnahme, wir sprechen von Tötung,  genehmigt werden.
  • Die Entscheidung liegt weitgehend bei diesen beiden Behörden. Gerichte können später noch eingeschaltet werden – die Hürde für Abschüsse ist jedoch spürbar niedriger als früher.
Beispielfoto Wolf.

Auf was müssen wir uns gefasst machen?

Diese Interimslösung schafft gefährliche Präzedenzen. Sie erleichtert es, Wölfe bei Konflikten schnell als „Problemtier“ einzustufen – auch dann, wenn viele Risse durch fehlenden oder unzureichenden Herdenschutz mitverursacht wurden. Langfristig droht eine Ausweitung von Einzelfall-Abschüssen hin zu Jagdquoten. 

Milan und seine mögliche Partnerin verdienen endlich Ruhe

Das Schicksal von GW1896m steht symbolisch für den fatalen Umgang mit Wölfen in Deutschland. Statt massiv in flächendeckenden, wirksamen Herdenschutz (Elektrozäune, Herdenschutzhunde, Förderprogramme) zu investieren und illegale Verfolgung konsequent zu verfolgen, greift man zur einfachsten und brutalsten Lösung: Der Tötung. Ein erfahrener Leitwolf, der bereits zwei Partnerinnen und Teile seiner Familie verloren hat und nun im Sauerland möglicherweise mit GW5405f oder GW4373f einen Neuanfang wagt, verdient Schutz. 

Wir fordern den Landwirtschaftlichen Kreisverband Olpe und das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW auf, den Antrag auf Tötung von GW1896m sofort abzulehnen, da es sein könnte, dass bereits Welpen mit der neuen möglichen Partnerin existieren. 

Wir brauchen nun dringend neue aktive Mitglieder und Unterstützer im Raum Olpe / Sauerland, die vor Ort dokumentieren, beobachten und Meldungen machen können. https://wolfsschutz-deutschland.de/mitglied-werden/

Mitmachaktion Offener Brief:

Einfach Text kopieren und schicken:


1. Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (Obere Jagdbehörde)

  • Postanschrift:
    Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
    Stadttor 1
    40219 Düsseldorf
  • poststelle@mlv.nrw.de

2. Landwirtschaftlicher Kreisverband Olpe

  • Geschäftsstelle:
    Landwirtschaftlicher Kreisverband Olpe
    In der Zitzenbach 2
    57223 Kreuztal (Ferndorf)
  • E-Mail: info-ferndorf@wlv.de

3. Untere Jagdbehörde Kreis Olpe (Kreisverwaltung Olpe)

  • Anschrift:
    Kreisverwaltung Olpe
    Untere Jagdbehörde
    Westfälische Straße 75
    57462 Olpe
  • E-Mail: m.lenz-beier@kreis-olpe.de

Betreff: Ablehnung des Abschuss-Antrags gegen Wolf GW1896m („Milan“) – u. a. Verstoß gegen Fortpflanzungsschutz

Sehr geehrte Damen und Herren im Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW
sowie
im Landwirtschaftlichen Kreisverband Olpe / Unteren Jagdbehörde,

hiermit protestieren wir gegen den Antrag auf Entnahme des Wolfsrüden GW1896m („Milan“). Milan hat nach jahrelanger Verfolgung sein Leuscheider Rudel verlassen müssen und sich im Raum Olpe ein neues Revier aufgebaut. Hinweise deuten darauf hin, dass er dort möglicherweise mit der starken niederländischen Wölfin GW5405f (vormals Noord-Veluwe) oder GW4373f zusammen ist und ein neues Rudel gründen könnte, bzw. eventuell schon gegründet hat. Ein Abschuss wäre nicht nur fatal für diesen Neuanfang, sondern auch rechtlich hochproblematisch, da bei einem reproduzierenden Paar Fortpflanzungsschutz / Elternschutz greift. Die Tötung eines Elternteils verstößt gegen die verbliebenen europäischen und nationalen Schutzvorgaben. Die offizielle Rissliste (wolf.nrw) zeigt zudem: Die große Mehrzahl seiner Risse – auch die meisten im April 2026 – ereigneten sich bei fehlendem Grundschutz. Selbst der vom Antrag hervorgehobene Fall vom 04.04.2026 betraf nur ein Schaf bei vorhandenem Schutz. Statt Milan zu töten, muss endlich wirksamer Herdenschutz gefördert,  aber auch gefordert und illegale Verfolgung konsequent geahndet werden. Wir fordern Sie auf, den Antrag auf Entnahme sofort abzulehnen.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfsschutz-Deutschland e. V.

Vorstand

Ulrike de heuvel

Jürgen Götz

Volke Vogel

Brigitte Sommer

 

Beispielfoto Wolfsrudel

https://wolf.nrw/wolf/de/nutztierfaelle

 

Direkte Artikel von Wolfsschutz-Deutschland e.V. für weitere Infos

Das ursprüngliche Leuscheider Rudel existiert in seiner früheren Form nicht mehr oder ist stark geschwächt. Der bekannteste Überlebende Milan (GW1896m) hat das Gebiet verlassen und versucht offenbar einen Neuanfang weiter östlich. Die Geschichte des Rudels ist geprägt von wiederholten Verlusten durch Risse, Abschussversuche (teilweise gerichtlich gestoppt), illegale Verfolgung und Verkehrsunfälle.

Weitere wichtige Berichte:

Das Leuscheider Rudel wird dort als eines der am stärksten verfolgten Rudel beschrieben: Mehreres „Verschwinden“ von Muttertieren, Jungwölfen wie Butzi, illegale Abschüsse (z. B. GW4599f erschossen) und wiederholte Versuche, den Leitwolf zu entnehmen – oft gestoppt durch Gerichte.

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

Oder:

Wolfsschutz-Deutschland e.V.
Berliner Sparkasse
IBAN DE79 1005 0000 0190 7118 84
BIC BELADEBEXXX

7 Gedanken zu „Rettet Milan! – Kein Abschuss des Wolfs, der gerade eine neue Familie gründen könnte

  1. Ich fordere die Politik auf endlich das Sinnlose abschiessen der Wölfe zu unterlassen. Das hat mit Herdenschutz nichts zu tun.

  2. Ich werde keine Partei mehr wählen, die für Wolfsabschüsse eintritt! Es gibt in Deutschland erst 1.600 Wölfe, da bedarf es keiner Abschüsse und keines Managements.

  3. Meine Mail an die angegebenen Adressen der Mitmachaktion:
    Sie sollten sich schämen!!!!
    Wie viele Arten von menschlichen Verbrechen gibt es?
    Wie viele menschliche Verbrecher gibt es, die fast ungestraft davon kommen?
    Wie viele Wiederholungstäter gibt es?
    Wie viele Tiere werden täglich durch Mensch getötet und das nicht „nur“ zur Ernährung – von der Haltung rede ich lieber nicht…

    Intelligenz: Wort und Definition hat Mensch erfunden!!!! Sicher würde uns kein anderes Lebewesen – uns es gibt unzählig viele – so bezeichnen!
    Ich übrigens auch nicht…

    B. Prinz

  4. Das sinnlose Morden hört nicht auf…
    Habe soeben alle drei Institutionen angeschrieben.
    „Schiessen-Schnauze halten-Schaufeln“. Das ist alles, was diese hirnentkernten schiesswütigen Mörder in ihrer Beschränktheit können!
    Wir alle könnten so viel von diesen intelligenten, hoch sozialen Beutegreifern lernen!
    Aber diese nichtsnutzige Regierung samt ihren Marionetten und Schergen schaut tatenlos zu und unterstützt diese Idioten auch noch aktiv.
    Augen auf und Ohren gespitzt, Hirn einschalten bei der nächsten Wahl!!

  5. Meinen Vorrednern stimme ich uneingeschränkt zu.
    Es ist kaum noch erträglich, wie mit den Wölfen umgegangen wird, eigentlich mit allen Tieren, egal um sogenannte Nutztiere oder Wildtiere. Die absolut dummen und korrupten Politiker und die Medien sorgen für diesen Zustand.
    Ich fordere, dass die Wölfe endlich in Ruhe gelassen werden und jegliches Verbrechen gegen die Wölfe endlich bestraft wird. Was ist das eigentlich für eine Gesellschaft, in der Minderheiten gestützt durch die Politik Verbrechen an unschuldigen Tieren begehen darf?
    Es muss gezielt auf den Herdenschutz geachtet werden und Tierhalter, die dies nicht erfüllen, haben die Tierhaltung aufzugeben. Es ist auch verwerflich, wie die Medien durch ihre Schreiberei Angst in der Bevölkerung schüren. Wölfe sind vorsichtige und scheue Tiere, weil sie schon genug Elend durch Menschen erfahren haben. Sie brauchen Frieden und wir alle brauchen Frieden.

  6. Mein Kommentar wurde geplockt mit der Begründung, ich hätte diesen Kommentar doppelt abgegeben, was nicht stimmt.
    Deshalb schreibe ich jetzt nichts mehr und stimme lediglich meinen Vorrednern zu.

    1. Hallo Renate, ich weiß nicht, was Du mit Blockieren meinst, wenn Du mal richtig hinschaust, ist Dein Kommentar doch veröffentlicht! Es kommt zwar vor, dass Kommentare doppelt erscheinen und wir dann einen davon löschen, aber Dein Kommentar war nicht doppelt und ist natürlich von uns auch veröffentlicht worden. Manchmal dauert es bei einigen Usern etwas länger, bis der Kommentar dann auch zu sehen ist.

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