Timmy/Hope, die Wölfe und die Wahl der Wahrnehmung

Der junge Buckelwal Timmy, von vielen auch Hope genannt, könnte es geschafft haben. Nach wochenlangem qualvollem Leiden im flachem Ostseewasser vor der Insel Poel wurde er in einer aufwendigen, privat organisierten und finanzierten Aktion mit Hilfe einer Barge in tiefere Gewässer gebracht. Gestern konnte er offenbar freigelassen werden. Ein bewegendes Ende, das vielen Menschen in ganz Deutschland Hoffnung und Erleichterung geschenkt, aber auch durch fehlende Dokumentation in den entscheidenden Momenten wieder zur neuen Verwirrung und Streit geführt hat. Hier unser Versuch einer Einordnung. 

Der lange Weg bis zu dieser Rettung wirft unbequeme Fragen auf – nicht nur über unseren Umgang mit Wildtieren, sondern auch über Bürokratie, Medien und gesellschaftliche Spaltung. Und es gibt viele Parallelen im Ungang mit anderen gesellschaftlich relevanten Themen. 
Beispielfoto Wal und Wolf. Das Bild ist mit KI erstellt.

Widerstand und Bürokratie

Während das Tier immer wieder strandete und sichtlich litt, gab es wochenlang erheblichen Widerstand gegen eine aktive Rettung. Einige etablierte Naturschutzorganisationen wie Greenpeace oder Sea Shepherd Deutschland äußerten sich skeptisch oder lehnten bestimmte Maßnahmen ab – oft mit Verweis auf „natürliche Prozesse“, „die Wissenschaft“ oder zu hohes Risiko für das Tier. Mit Texten wie „Sprengt den Wal, macht ihn weg, lasst es Wal-Salami regnen…“, machte ein Band von sich reden. Gleichzeitig gab es offene Begehrlichkeiten, etwa vom Deutschen Meeresmuseum, das Interesse am Skelett des Wals signalisierte. Ausufernde Bürokratie, komplizierte Zuständigkeitsregelungen und technische Auflagen verzögerten jede Hilfe fast bis zum Schluss. Das hatte deutlich technokratische Züge: Das Schicksal eines fühlenden Individuums wurde mehr verwaltet als mit Herz und Verstand gerettet. Besonders auffällig war, dass Akteure wie eine Shantyband oder ein Meeres-Verlag besonders vehement gegen Rettungsversuche vorgingen – oft dieselben Stimmen, die in der Coronazeit die Regierungslinie mitgetragen und teilweise übelste Ausgrenzung gegen Ungeimpfte betrieben oder gefordert hatten. Und hier reimt sich etwas. 
News5 betitelte das Video so: „Bei einem ersten Überflug der Barge, mit dem der Buckelwal bis in die Nordsee gezogen worden ist, war „Hope“ am Samstagmorgen nicht mehr zu sehen. Bei einem Blick aufs Meer sah man dann die bekannten Luftstöße des Wals am Horizont. Sicher ist: der Wal ist aus der Barge geschwommen und lebt!“ Unsere Anmerkung: Der Moment der Freilassung konnte aus unbekannten Gründen wohl nicht dokumentiert werden und der Tracker, der am Wal angebracht wurde, funktonierte nicht, oder nur teilweise. So ist es nicht hundert Prozent sicher, dass es sich bei dem schwimmenden Wal auch um Timmy/Hope handelt. Es gibt also weiter Ungereimtheiten, auch darum, ob der Wal an der Hinterflosse gezogen worden sein soll, was von Tierärzten stark kritisiert worden war. Es wurden wohl auch Mithelfer ausgeschlossen, was Kritiker zu Frage bringt, ob der Wal nicht in Wirklichkeit heimlich entsorgt wurde.
Hier ein Statement von Dr. Kirsten Toennies, die auch beim Rettungsteam dabei war. Auch sie wurde angegeriffen und verleumdet. Hier ein Statement der zweiten Tierärztin: https://www.facebook.com/reel/981595591052892
Gegen die Schiffsbesatzung gibt es schwere Vorwürfe von den Rettungskräften. Nach vorliegenden Informationen sei das Team von News 5 sowie medizinisches Fachpersonal systematisch von der finalen Phase der Freilassung ausgeschlossen worden. Ziel sei es offenbar gewesen, eine Dokumentation der Ereignisse zu verhindern.

Wahrnehmung und Mitleid

Es ist eine Frage der Wahrnehmung, ob wir bei Mitgeschöpfen Mitleid empfinden. Wäre der Wal auf einer abgelegenen Sandbank gestrandet, wo ihn niemand gesehen hätte, wäre sein Schicksal allein der „Natur“ überlassen worden – genau das Argument, das viele Gegner einer Rettung vorgebracht hatten. Viele machten den Rettern und Mitfühlenden den Vorwurf, dass man das Leid in der Massentierhaltung nicht im gleichen Maß bemitleide wie den Wal. Ja, man kann es den Leuten nur bedingt vorwerfen, denn das Leid der Massentierhaltung ist größtenteils unsichtbar. Wenn diese Art der Unterbringung Glaswände hätte und die Tiere öffentlich geschlachtet würden, gäbe es hier mit Sicherheit deutlich mehr Protest und Aufschreie.demons
Immerhin hat sich inzwischen in Deutschland auch wieder eine Friedensbewegung gebildet, die gegen die Kriege demonstriert, die die Menschheit gegeneinander führt und in denen unfassbare Grausamkeiten auf allen Seiten begangen werden. Viele Menschen haben also Mitgefühl und auch ein Unrechtsbewusstsein. Nur reicht es nicht, seinen Unmut und Protest im Netz durch Kommentare verpuffen zu lassen. Es ist wichtig, sich vor Ort zu organisieren und den Protest auf die Straße zu bringen und sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen. Timmy/Hopes Schickals wurde auch dazu genutzt, Tierschützer gegeneinander aufzubringen. Jetzt gehen Menschen, die fest daran glauben wollen, dass Timmy/Hope tatsächlich gerettet wurde, gegen die vor, die die Geschichte hinterfragen und skeptisch sind und umgekehrt.

Die Rolle der Medien

Die Berichterstattung verstärkte die Problematik. In manchen TV-Beiträgen (u. a. auf RTL) wurden die Menschen, die tatsächlich real vor Ort protestierten und emotional mitfieberten, pauschal als „verwirrte Schaulustige“ dargestellt. Kompetente, sachliche Stimmen für eine Rettung bekamen hingegen oft nur wenig Reichweite oder wurden gar nicht gesendet. Stattdessen wurde die komplette private Rettungsinitiative teilweise sogar politisch eingeordnet und als „rechts“ angeprangert – weil man offenbar die Gesinnung einzelner Beteiligter unter die Lupe genommen hatte. Dazu kamen unterschiedlichen Ansichten und Streit unter den Rettern. Das Thema war wochenlang omnipräsent und lenkte von anderen wichtigen gesellschaftlichen und politischen Fragen ab. Viele Menschen fieberten mit – doch es wirkte stellenweise mehr wie ein großes Spektakel und Unterhaltung, denn wie echtes, tiefes Mitgefühl für ein leidendes Mitgeschöpf.

Die Millionärsproblematik

Schön, dass am Ende Millionäre eingesprungen sind und die Rettung ermöglicht haben. Das zeigt aber auch ein widersprüchliches Bild unserer Gesellschaft: Ein einzelnes charismatisches Tier kann gerettet werden, wenn genug Geld und private Initiative dahinterstehen. Was wäre jedoch passiert, wenn kein Millionär eingesprungen wäre? Wäre Timmy dann einfach verendet, während die Bürokratie ihre Formulare sortiert? Schon immer lag die Macht beim Geld. Heute liegt sie bei Geld und Daten. Dabei sollte sie doch eigentlich beim Volk liegen. 
Die Millionärin Karin Walter-Mommert (zusammen mit MediaMarkt-Gründer Walter Gunz Hauptgeldgeberin der Rettung) äußerte sich in der BILD fassungslos über die O-Töne von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus. Backhaus hatte mehrfach angedeutet, für den Wal Timmy (Hope) ein Denkmal auf der Insel Poel errichten zu wollen und sich in Medienauftritten (u. a. bei SternTV) als Teil einer erfolgreichen Rettungsstruktur dargestellt.Walter-Mommert widerspracht in einem Artikel der BILD scharf:
  • Sie würde stattdessen ein „Denkmal der Schande“ errichten, weil das Tier viel zu lange hilflos liegen gelassen wurde.
  • Backhaus habe die private Initiative lange Zeit behindert oder nur geduldet.
  • Die Retter hätten keine echte Verantwortung und Kontrolle bekommen.
  • Backhaus habe ihnen sogar eine Liste mit 23 Fragen gestellt, die innerhalb kürzester Zeit beantwortet werden mussten, sonst wäre die Duldung entzogen worden.
  • Erst als die Barke sichtbar war, seien sie ernst genommen worden.

Sie betont, dass sie und ihr Team (nicht der Minister oder Behörden) die eigentliche Arbeit geleistet haben – unter schwersten Bedingungen und gegen Widerstände. Insgesamt hätten sie und Gunz bereits ca. 1,5 Millionen Euro investiert (ohne Schiffe).Positiv äußert sie sich über den aktuellen Zustand von Timmy: Er werde immer aktiver, singe kräftiger und habe eine enge Bindung zur Tierärztin aufgebaut. Sie sei stolz auf ihr Team, das trotz Anfeindungen alles gegeben habe. Quelle: https://www.facebook.com/derkinderschutzaktivist

 

Beispielfoto spielende Wölfe.

Verbotene Hilfe beim Wolf

Genau diese Diskrepanz zeigt sich auch beim Wolf. In Deutschland ist es tatsächlich verboten, verunfallten oder verletzten Wölfen zu helfen, in Italien oder Polen wird versucht, sie zu retten. Wölfe gelten als streng geschützte Wildtiere (§ 7 BNatSchG in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung und europäischem Recht). Menschliches Eingreifen – ob Bergen oder medizinische Versorgung – ist in der Praxis nur unter sehr engen Voraussetzungen und mit ausdrücklicher Ausnahmegenehmigung möglich. Wer eigenmächtig handelt, riskiert eine Straftat. In dieser Woche verunfallte erneut ein Wolf nach einem Verkehrsunfall (bei Debstedt in Niedersachsen). Er wurde durch den Jagdpächter erschossen. Ob er tatsächlich so schwer verletzt war, dass keine Rettung mehr möglich war, ist nicht überprüfbar. Hier ein Bericht mit einem Foto des Wolfs.  https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/wolf-unfall-debstedt-a-siebenundzwanzig-100.html
Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) führt eine zentrale Datenbank zu Totfunden. Dort wurden seit 2000 bis Ende April 2026 insgesamt ca. 1.053–1.054 Wölfe durch Verkehr (überwiegend Straßen) getötet (von insgesamt rund 1.407 Totfunden). In den letzten Jahren lagen die jährlichen Zahlen meist bei 100–150 Verkehrsopfern. Wie viele von diesen Wölfen nach dem Unfall getötet und nicht behandelt wurden, wissen wir nicht. Auch Wölfe, die unter Räude litten, werden immer wieder getötet, obwohl es drei wirksame Medikamente gibt, die die Milben, die die Krankheit verursachen, abtöten.
Tatsächlich hatte Umweltminister Backhaus im Jahre 2020 eine Wölfin, nur wegen des puren Verdacht, dass sie sich mit einem Hund gepaart haben könnte, erschossen. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Schritte unternommen und die Anonymität von Backhaus wurde, nachdem wir Strafanzeige erstattet hatten, wegen den Ermittlungen aufgehoben: https://wolfsschutz-deutschland.de/2025/05/08/staatsanwaltschaft-will-gegen-umweltminister-backhaus-wegen-illegaler-wolfstoetung-anklage-erheben/

Vom Wal zum Wolf – und was wir daraus lernen können

Der Fall Timmy/Hope kann uns helfen, wieder mehr Mitgefühl für alle Schicksale zu entwickeln und genauer hinsehen – bei Walen, bei Wölfen, bei Menschen, bei Wildtieren und bei so genannten Nutztieren. Timmy/Hope zeigt, dass Rettung möglich ist, wenn der Wille da ist. Gleichzeitig erinnert er uns daran, dass wir bessere Wege finden müssen, mit Andersdenkenden umzugehen, statt sofort auf Propaganda, die spaltet oder verurteilt, herein zu fallen. Hier ein neues Interview zum Thema mit Dr. Jonas Tögel: https://www.youtube.com/watch?v=BLaLleEcAuM
Hinter denen im Rampenlicht stehen Politikern scheint es noch eine weitere Macht zu geben, die tatsächlich entscheidet. Denn das Verhalten von Backhaus ist kein Einzelfall, Bei dem verirrten Wolf Alster in Hamburg oder bei Grindi im Schwarzwald, waren es Politiker von anderen Parteien, die zunächst ähnlich kaltschnäuzig auftraten. Erst massiver Druck, ausgehend von den Bürgern, scheint gewirkt zu haben. Dazu ist es aber auch wichtig, die Realität wahrzunehmen. Hier ein Interview mit Ton-Oliver Regenauer: https://www.youtube.com/watch?v=YAc8xsM4UA0
Bei Wolfsschutz-Deutschland e.V. kämpfen wir täglich um jedes einzelne Wolfsleben. Also genau um das, was vielen bei Timmy/Hope so wichtig war. Wir sind unabhängig, transparent und handeln vor Ort in den Wolfsgebieten. Jeder, der sich ehrlich für den Schutz der Wölfe einsetzt, ist bei uns willkommen – ohne Ausgrenzung.
Wir wissen nicht, ob Timmy/Hope jetzt tatsächlich überleben wird, aber es war für viele Menschen wichtig, ihm seine Chance zu geben. Sie hatten sein Leid wahrgenommen und Menschen sind ins Handeln gekommen. Sollte Timmy/Hope doch sterben, so wird sein Körper in den natürlichen Kreislauf des Lebens eingehen und anderen Arten als Nahrung dienen.
Statement von Brigitte Sommer vom 25.04.2026

Wer sich wirklich für Wildtiere einsetzt, muss lernen loszulassen. Die Natur erinnert uns immer wieder daran, dass sie sich unserer Kontrolle entzieht – sei es bei einem Wal wie Timmy oder bei Wölfen mit Trackern und Sendern. Sie ist nicht beherrschbar. Und genau das wirft uns auf unsere wahre Rolle zurück: Wir sind nicht die Herren der Schöpfung, sondern nur eine Variante von vielen.

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