Hessen: Drückjagden mitten im Wildkatzenrevier und ehemaligem Wolfsrevier am Winterstein

Am 22. November 2025 dokumentierten wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. zusammen mit Pro Fuchs Hessen Wildtierschutz Deutschland Sektion Hessen auf dem offiziellen Wildkatzen-Walderlebnispfad Winterstein (Hochtaunus), einem von Hessenforst und BUND gemeinsam betreuten und beworbenen Lehrpfad, der Besucher explizit über die streng geschützte Europäische Wildkatze aufklärt, eine Drückjagd. Die Drückjagd, unter anderem auch von HessenForst, fand mitten im Revier statt. Mehrere Jagdhunde liefen frei. Sobald die Treiber uns bemerkten, wurden die Hunde hastig angeleint – offenbar in dem Bewusstsein, dass in diesem ausgewiesenen Wildkatzen-Lebensraum frei laufende Jagdhunde nichts zu suchen haben. Später hörten wir einige hundert Meter entfernt dann einen markerschütternden Schrei, der nur von einem Tier in Todesangst stammen konnte. Ein frei laufender Hund hatte es offenbar getötet.

Wir vermuten einen Fuchs, aber der Schrei hätte auch tatsächlich von einer streng geschützten Wildkatze stammen können – beide klingen in Panik sehr ähnlich. Jäger deuteten den Schrei eher auf ein Reh hin. Egal welches Tier es war: In einem Gebiet, das HessenForst und der BUND selbst als Schaufenster des Wildkatzenschutzes bewerben, dürfen Jagdhunde unserer Meinung  nicht frei laufen und Wildtiere hetzen oder reißen und schon gar kein Lebewesen quälen.
Wir dokumentierten an diesem Tag mehrere Jagden in verschiedenen Revieren am Winterstein, und es kamen so zirka 20 Kilometer zu Fuß zustande. Auffällig ist es, dass sich immer mehr Frauen als Treiber beteiligen. In diesem Revier versuchte uns ein herbei gerufener Jagdaufseher einzuschüchtern und zu vertreiben. Unser Tipp: Nicht einschüchtern lassen. Auf offiziellen Wegen darf man sich aufhalten, immer mindestens zu Zweit bleiben, weil Zeugen nötig sind, freundlich, aber beharrlich bleiben, nicht provozieren. Es können auch Leute aufgenommen werden, diese dürfen bei Veröffentlichung aber nicht erkennbar sein. © Brigitte Sommer

 

Im Gebiet der Wildkatze sind Infotafeln aufgestellt, die über die Wildkatze informieren. Darüber, was hier tatsächlich regelmäßig auch stattfindet, nämlich Jagden, bei denen frei laufende Jagdhunde bestimmt nicht unterscheiden können, was sie jagen dürfen und was nicht, informiert die Tafel nicht. Wie unser Film zeigt, sind Jagdhunde eben nicht jederzeit abrufbar. © Brigitte Sommer

 

Beispielfoto Wildkatze. © Brigitte Sommer

Filmtondokumentation über ein Tier, das unter Qualen sterben musste

 

Wir befanden uns direkt auf dem Wildkatzenwanderpfad unterhalb des Sendeturms auf dem Winterstein.

Hier weitere Bilder und Filme von der Drückjagd: https://www.facebook.com/share/r/12JribFQsM8/?mibextid=wwXIfr

 

Ein Parkplatz mit Tötungsgarantie. Nur wenige Meter dahinter befindet sich der Hochsitz, an dem die aufgeschreckten und in Panik versetzten Tiere vorbei getrieben werden. Damit Gastjäger die Hochsitze auch finden, sind sie markiert. © Brigitte Sommer

 

Auf dem Anhänger ist ein totgeschossenes Wildschwein zu sehen. Am Tag der Drückjagd herrschte Dauerfrost. Für die Wildtiere, die sich eigentlich im Ruhemodus befinden, bedeutet dies eine zusätzliche Katastrophe, aufgeschreckt und in Panik versetzt zu werden. Das Fleisch von solchen Tieren ist ohnehin meist ungenießbar. © Brigitte Sommer

Stellungnahme von HessenForst

HessenForst beantwortete unsere Anfrage wie folgt. „Es ist richtig, dass das Forstamt Weilrod an der revierübergreifenden Jagd am Winterstein am 22.11.2025 beteiligt war und dass dort ein Wildkatzenvorkommen nachgewiesen ist. Grundsätzlich gibt es im gesamten Gebiet des Forstamts Weilrod Wildkatzenvorkommen und ein Vorkommen der Wildkatze bedeutet nicht per se, dass ein Jagdverbot herrscht. Das Durchführen von Bewegungsjagden findet bei HessenForst im Rahmen der gesetzlichen Regelungen des Bundesjagdgesetzes, des Hessischen Jagdgesetzes sowie der Hessischen Jagdverordnung statt. Darüber hinaus ist das Durchführen von Bewegungsjagden Teil des Jagdkonzeptes von HessenForst und dient der Erfüllung der Abschusspläne. Der Einsatz brauchbarer Jagdhunde ist gesetzlich vorgeschrieben und erlaubt. Füchse waren bei der Drückjagd von HessenForst nicht freigegeben.

Nach Prüfung ihrer Beschreibung kann ich Ihnen versichern, dass sich dieser Vorfall nicht bei HessenForst, sondern in einer der an uns angrenzenden Jagden ereignet hat. Wie schon in meiner vorherigen Mail beschrieben, war die Wintersteinjagd eine revierübergreifende Jagd, an der neben HessenForst und dem Bundesforst auch diverse private Jagdpächter mit ihren Jagdflächen beteiligt waren. Da sich dieser Vorfall nicht bei einer HessenForst-Jagd ereignet hat, sind wir zu weiteren Ermittlungen nicht berechtigt. Grundsätzlich ist zu sagen, dass ein Fehlverhalten bei Jagden von HessenForst nicht toleriert wird. Verstöße gegen Jagdrecht und Tierschutz werden bei der zuständigen Unteren Jagdbehörde des Kreises angezeigt.“

Nach Ende der Drückjagden wurde am Jagdhaus von HessenForst gemeinsam gefeiert. Uns wollte man als Beobachter nicht dabei haben. © Brigitte Sommer

 

Lange Reihe von Jägerfahrzeugen an der Zufahrt zur Jagdhütte. Die meisten dieser Fahrzeuge brausten vorher auch über Waldwege und schreckten die Wildtiere zusätzlich auf. © Brigitte Sommer

 

Vom BUND, der den Wildkatzenwanderpfad mit angelegt hat,  kam gar keine Stellungnahme zu unserer telefonischen Anfrage. Es sind aber nicht nur die ständigen Drückjagden, die Wildkatzen und andere seltene Tier stören. Auf dem Winterstein wird zudem eine Windkraftanlage geplant.  Hier eine Petition gegen die Windkraftanlage am Winterstein: https://c.org/cybmMcMpWV?fbclid=IwY2xjawO161BleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZBAyMjIwMzkxNzg4MjAwODkyAAEeBUTxnlFtfI6mu02MoMfVTyuoRWh48Hzh3Ff5w0ny4sxVlFw74HIb5oW2u8M_aem_WnVNQc1LXBUZk-jHsu7BMw

Das Revier war auch ein offizielles Wolfsterritorium, das es auch nicht mehr gibt. Wolf „Butzi“ aus dem Leuscheider Rudel hatte sich im Taunus niedergelassen. Wenig später kam auch noch eine Partnerin dazu. Zuerst verschwand sie und dann er spurlos. Wölfe, die sich einmal ein Territorium ausgesucht haben, wandern nicht mehr ab. Deshalb gehen wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. davon aus, dass die Wölfe illegal beseitigt worden sind, denn genau dort befindet sich auch ein Netzwerk krimineller Machenschaften.

Zeugen gesucht

Wer auch an diesem Tag in dem Waldgebiet gewesen ist und etwas gesehen hat, oder weiß, wer das betreffende Revier gepachtet hat, meldet sich bitte bei uns: Brigitte.Sommer@wolfsschutz-deutschland.de . Wir garantieren Anonymität.

Berufsjäger und Förster nicht „weniger schlimm“ als Hobbyjäger

Das Konzept „Wald vor Wild“ (auch als Leitlinie in der hessischen Schalenwildrichtlinie umgesetzt) priorisiert den Waldumbau und die Verjüngung von Baumarten vor den Bedürfnissen des Wildes und führt zu einer starken Erhöhung der Abschussquoten. Kritiker aus Wildtierschutz, Biologie und Teilen der Jagdszene sehen darin massive Probleme:

  • Es wird ein einseitig forstwirtschaftlich-betriebswirtschaftlicher Ansatz verfolgt, der wildbiologische Aspekte weitgehend ignoriert und zu einer genetischen Verarmung der Wildpopulationen führen kann (Landesjagdverband Hessen, 2019–2021).
  • Das Konzept schafft eine „Landschaft der Angst“, in der Wildtiere unter permanentem Jagddruck stehen, was Stress verursacht, das natürliche Verhalten stört und paradoxerweise höhere Wildschäden provozieren kann (Wildtierschutz-Experten wie Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, 2021–2023).
  • Der sogenannte „Wald-Wild-Konflikt“ ist in Wahrheit ein „Holz-Jagd-Konflikt“: Die eigentliche Ursache für Verbissschäden liegt oft in jahrzehntelanger waldbaulicher Fehlplanung (z. B. Monokulturen, äsungsarme Strukturen), nicht primär beim Wild – doch statt struktureller Waldverbesserung wird primär durch radikale Reduzierung der Bestände reagiert (BUND-Position, bundesweit und Hessen relevant).
  • Statt natürlicher Sukzession und Koexistenz mit Wild (wie in unbejagten Referenzflächen beobachtet) wird eine „Landschaft ohne Wild“ gefördert, was die Biodiversität langfristig schwächt und das Wild als integralen Bestandteil des Ökosystems stigmatisiert (Wildtierschutz Deutschland e. V. , BUND NRW/Hessen-Analogien).

In Hessen wurde das Konzept trotz Protesten (u. a. Landesjagdverband, also der „Hobbyjäger)) fortgesetzt und in der neuen Schalenwildrichtlinie (2025) mit dreistufigem Schadenssystem weiter verschärft – Kritiker sprechen von einer ideologisch getriebenen Priorisierung des Holzertrags über ökologische Balance und Tierschutz. Dazu zählen wir uns von Wolfsschutz-Deutschland e. V. auch. Deshalb setzen wir uns nicht nur für eine Beendigung der Hobbyjagd, sondern der allgemeinen Jagd ein. Das Konzept „Wald vor Wild“ wird in vielen weiteren Bundesländern eingesetzt. 

 

Es dokumentierten, von links: Brigitte Sommer (Wolfsschutz-Deutschland e. V. und Necla von Gartzen (Pro Fuchs Hessen / Wildtierschutz Deutschland Sektion Hessen) – https://www.facebook.com/ProFuchsHessen

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

Hessen: Erneute Drückjagden im Wolfsgebiet Butzbach

„Was im Wald passiert, darf nicht mehr im Wald bleiben“, nach diesem Motto wollen wir der Öffentlichkeit zeigen, wie Drück- und Treibjagden ablaufen. Wir dokumentieren in Film und Foto eine Revier übergreifende Jagd mit über 150 Jägern und teilweiseweise umstrittenen Hunderassen bei einer Jagd am und auf dem Winterstein, der zum Wolfsgebiet Butzbach zählt.

Von Brigitte Sommer

„Was im Wald passiert, bleibt im Wald“ ist ein Motto der Jägerschaft, das bislang auch fast immer umgesetzt wird. Es gelangt kaum an die Öffentlichkeit, wie mit Wildtieren umgegangen wird. Die Zeit vom 10 bis 13 Uhr im Wolfsgebiet Butzbach muss sich am 23.11.24 für die Wildtiere in ihrem Zuhause angefühlt haben wie Krieg. Durch den Wald schallte lautes Gebell, Geschrei von Treibern unterbrochen von Schüssen. Wildtiere hatten es in diesem Jahr sowieso schon schon schwer, durch den kalten und nassen Sommer zu kommen und nun werden sie durch wöchentliche, an manchen Orten sogar mehrmals wöchentlich stattfindenden Verfolgungen noch mehr unter Stress gesetzt. Gerade im Winter müssen Rehe, Hirsche und Wildschweine ihre Energiereserven schonen. Nicht die Kälte macht ihnen zu schaffen, sondern die Nässe, wie aktuell auch schon wieder.

 

Ab der Einfahrt zum Forsthaus Winterstein, die Straße kann normalerweise befahren werden, sperrten Ordner von 10 bis 13 Uhr die Wege ab. Wir machten uns für die Dokumentation dieser Drückjagd zu Fuß auf den Weg. © Brigitte Sommer

Als wäre dies nicht alles schon schlimm genug, wird ihnen nun ständig nach dem Leben getrachtet. Das Fleisch, das oft in Restaurants landet, schmeckt wegen des hohen Adrenalingehalts deshalb auch nicht wirklich gut, sondern es ist zäh.

Verbraucher können selbst entscheiden, ob sie Wildfleisch überhaupt noch essen möchten.

 

 

Am 23.11.2024 dokumentierten wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. zusammen mit einem Mitglied von Pro Fuchs Hessen / Wildtierschutz Deutschland Sektion Hessen eine weitere Revier übergreifende Drückjagd im Wolfsgebiet Butzbach. Von 10 bis 13 Uhr waren über 150 Jäger und auch wieder frei laufende Jagdhunde, auch wieder umstrittene hochläufige Jagdhunde, wie der im Film zu sehende Jagdlaika unterwegs. Selbst in Jägerkreisen ist diese Hunderasse umstritten. Ursprünglich für die Jagd auf Wölfe gezüchtet, hetzen solche Hunde lautlos.

 

Während einer Drückjagd scheuchen Treiber mit Hunden die Wildtiere, wie Rehe, Hirsche und Wildschweine in Richtung der Hochsitze, wo Jäger auf ihren Schuss lauern. Die Jagdhunde entfernen sich oft komplett von den Treibern und stöbern alleine herum. Für kleine Jagdhunde wie Dackel, können nicht nur Wölfe, sondern vor allem auch Wildschweine gefährlich werden. Passiert ihnen etwas, ist das Geschrei der Jägerschaft in den Medien groß. Zudem fand dieser Teil der Jagd in unmittelbarer Nähe der A 5 statt. © Brigitte Sommer

Willkommen waren wir wirklich nicht, oft werden wir bei unseren Dokumentationen auch nicht nur verbal bedroht, oft will man auch auf uns los gehen. Doch dies war bei dieser Drückjagd aber nicht der Fall. Wir kamen tatsächlich mit Jägern und Treibern ins Gespräch. Der Umgangston war meist freundlich. Nur Jägerinnen fielen durch Aggressivität uns gegenüber auf, die sich aber auf verbalen Drohungen, wie Fotos verbieten zu wollen, beschränkte.

Zu den für die Jagd frei gegebenen Hochsitzen sind Markierungen angebracht, damit Jagdgäste diese auch finden. Hier scheinen sogar Kinder mit auf zu Hochsitz genommen worden zu sein. Immer wieder zu beobachten: Viele junge Frauen machen mit beim Töten. © Brigitte Sommer

Ein 16-jähriges Mädchen war als Treiberin mit vor Ort. Sie berichtete uns stolz über ihren eigenen Jagdschein. Hier prallen wirklich zwei Lebensansichten aufeinander, die krasser kaum vorstellbar sind. Ich selbst bin Mutter von zwei Töchtern. Ich kann und mag mir nicht vorstellen, dass die beiden Tiere töten wollen. Ich mag mir nicht ausmalen, dass beide lächelnd neben einem toten Reh stehen könnten, dem die Gedärme aus dem Leib quillen und ein anderes gleichzeitig an einer Art Galgen hängend, brutal aufgeschnitten und ausgenommen wird.

Eines ist klar an diesem Tag. Die eine Seite wird die andere Seite nicht überzeugen können. Doch es ist wichtig, miteinander zur sprechen, so schwer es auch fallen mag. Hessen setzt, wie viele andere Bundesländer  das Konzept „Wald vor Wild“ um. Hierbei fällt auf, wie stark ideologisch geprägt es ist, Rehen und Hirschen die Schuld an Waldschäden unterzuschieben, wenn gleichzeitig überall große Gebiete abgerodet werden.

Während die Reduktion der Wildtierpopulation für viele Förster geradezu eine Art Religion zu schein scheint, stößt das Konzept „Wald vor Wild“ vielen Hobbyjägern sauer auf. Man will durchaus nicht alles zusammen schießen und die Bestände so weit reduzieren, dass sie kurz vor dem Aussterben sind. Freilich ist die Motivation von den Hobbyjägern, weiter etwas vor die Flinte zu bekommen und Trophäen schießen zu können, dennoch ist hier eine gemeinsame Schnittmenge mit uns Tierschützern, die auch Wald mit Wild wollen. Ganz einfach deshalb, weil auch die Wildtiere ein Recht auf ein Leben in ihrem Lebensraum haben. Der hohe Jagddruck hat auch erst Rothirsche, die eigentlich Steppentiere sind, in die Wälder hinein gezogen. Das Problem von angefressenen Bäumen ist also auch hausgemacht von Jägern.

 

Nicht nur Wölfe, auch Wildkatzen im Gebiet unterwegs

Das Gebiet zwischen Butzbach und Wehrheim gilt offiziell noch als Wolfsgebiet, obwohl es seit dem Frühjahr keinen offiziellen Nachweis mehr von Butzi GW  BUZ gibt. https://wolfszentrum.hessen.de/wolfsmonitoring/wolfsnachweise

Aktuell ist gar kein Wolfsgebiet mehr in Hessen bestätigt. Quelle: https://wolfszentrum.hessen.de/sites/wolfszentrum.hessen.de/files/2024-11/20241112_wolfsterritorien_in_hessen_seit_dem_monitoringjahr_2008_2009.pdf

 

Uneinigkeit bestand bei den an der Drückjagd teilnehmenden Jägern auch in Bezug auf die Einschätzung des Wolfsrevieres Butzbach. Während einige meinten, es gäbe keine Wölfe mehr dort, versicherten uns andere, dass sie Fotos und Filme auf ihren Wildkameras hätten und dass es sogar mehrere Wölfe wären, die dort leben würden.

 

Mit einem Flammenwerfer oder Bunsenbrenner  zerstörte Wildkamera des HLNUG an einen Weg am Winterstein Richtung Pfaffenwiesbach. Im August war diese Kamera noch intakt. Wir wissen, dass die Wölfe im Gebiet stark illegal verfolgt wurden. Unklar ist, ob der Rüde noch lebt, seine Partnerin wurde unseren Infos nach, umgebracht. ©Brigitte Sommer

 

Am 23.08.24 kurz nach 9 Uhr, war diese Wildkatze am Winterstein unterwegs. © Pro Fuchs Hessen / Wildtierschutz Deutschland Sektion Hessen.

 

Beispielfoto Wolf: Auch wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. haben seit über einem halben Jahr keine Nachweise mehr von Butzi oder seiner Partnerin. Seine Partnerin sei bereits Ende 23 illegal beseitigt worden, heißt es aus vertraulichen Kreisen.

Über Wölfe gab es auch durchaus verschiedene Meinungen. Während einige Jäger den Wölfen durchaus ihren Platz zugestehen wollen, meinen andere, dass die Bestände reguliert werden müssten und dass in dicht besiedelten Gebieten kein Platz für die großen Beutegreifer sei. Immerhin verzichte man darauf, während der Drückjagd auf Füchse zu schießen.

Unlängst wurde ein Jagdterrier während einer Drückjagd in Brandenburg von einem Wolf, der sich wehrte und sein Revier verteidigte getötet. Danach war das Geschrei der Jägerschaft in der Presse groß. Dabei ist nicht der Wolf für den Tod des Hundes verantwortlich, sondern die Jäger selbst. Sie gehen das Risiko für ihre Hunde bewusst ein. Doch gefährlicher für die Jagdhunde sind Wildschweine. Werden Hunde durch sie verletzt, gibt es kaum Aufschreie in der Presse. Auch verlorene oder überfahrene Jagdhunde sind kaum der Rede Wert, wie der folgende Beitrag aufzeigt

 

Dieser Schießstand darf sich nur am Boden befinden, weil die dahinter liegende Anhöhe als Kugelfang dient. Vom Boden aus darf nicht in eine Ebene hinein geschossen werden. © Brigitte Sommer

 

Hier hat ein Jäger einen mobilen Hochsitz direkt um einen Baum herum geschnallt. Diese Vorrichtung sahen wir zum ersten Mal. Solche Geräte machen auch gerade im Hinblick auf die illegale Tötung von Wölfen große Sorgen. © Brigitte Sommer

 

Während der Drückjagd waren über 150 Jäger aus verschiedenen Jagdgesellschaften im Gebiet um den Winterstein im Taunus unterwegs. Neben Hobbyjägern war auch HessenForst, wo auch Jagdflächen gepachtet werden können, involviert. Von 10 bis 13 Uhr bedeutete dies extremen Stress für die Wildtiere, die schon unter einem zu kalten und nassen Sommer zu leiden hatten. Am Ende der Jagd versammelten sich die verschiedenen Jagdgesellschaften an getrennten Plätzen und nahmen die geschossenen Tiere aus. Bei dieser Gesellschaft sahen wir drei tote Rehe. © Brigitte Sommer

 

Neben den Hobbyjägern ist auch HessenForst mit Jagdpächtern und auch Förstern an den Drückjagden beteiligt gewesen. Die getöteten Wildtiere werden in solchen Wannen oder auch oft nur auf Gestellen abtransportiert. HessenForst hat das Monitoring von Wölfen übernommen und die Öffentlichkeitsarbeit sowie auch das Wolfszentrum. Dass sich ausgerechnet HessenForst auch an Drückjagden im Wolfsgebiet beteiligt, kritisierten wir bereits hier stark: https://wolfsschutz-deutschland.de/2024/10/29/jagdlobby-eskalation-in-hessen/

 

 

Am Ende einer Drückjagd werden alle totgeschossenen Tiere zu einem Sammelplatz verbracht und an Balken aufgehängt um sie auszunehmen. Wir sahen bei dieser Jagdgesellschaft nur drei tote Rehe. Früher wurden Abschusszahlen nach Drückjagden veröffentlicht. Heute ist kaum etwas über die Menge an toten Tieren zu erfahren. Mit bei dieser Jagdgesellschaft machte auch eine Jägerin, die sich im Frühjahr an Kitzrettungen beteiligt hatte. © Brigitte Sommer

 

Dieses Reh war unserer Ansicht nach nicht sofort tot. Wie lange es noch leiden musste, können wir nicht sagen, aber dieses Tier zu sehen und seine heraus quellenden Därme zu fotografieren, war nicht leicht. © privat.

Viele Jäger bissen geradezu herzhaft in ihren mitgebrachten Pausensnack wie Brötchen, während andere die toten Rehe aufschnitten, denen anschließend die Gedärme aus dem Körper quollen und in einem unter dem Tier stehenden Eimer aufgefangen wurden. Für mich eine geradezu bizarre Situation. Neben und an einer Waldkreuzung parkten etliche Jägerautos, in einen der kreuzenden Waldwege hinein war ein Pavillon und einige Bankreihen aufgebaut. Nach der Jagd feierte man mit Getränken sowie Erbsensuppe mit Wursteinlage in geselliger Runde.

Uns erlaubte man, zu beobachten und dabei zu stehen. Der Ton war freundlich, man lud uns sogar zu einer warmen Suppe ein, was wir aber ablehnten. Einige Jäger wollten für Verständnis werben. Ihre Arbeit sei Naturschutz, die Wildtiere müssten reguliert werden und sie hätten Abschussquoten zu erfüllen. Was auch stimmt, doch niemand zwingt die Männer, Frauen und Jugendlichen dazu, ihren Jagdschein zu machen, um anschließend Tiere zu töten.

Ihnen sei auch eine hohe Qualität des Essens wichtig, Fleisch aus Massentierhaltungen käme für sie nicht infrage. Sie trügen mit der Jagd zu einer besseren Essensqualität bei, was ich bezweifele, denn die heute getöteten Tiere sind mit Sicherheit nicht so aus dem Leben gerissen worden, dass sie nichts mehr gemerkt haben. Ihnen wurden die letzten Stunden zur Hölle gemacht. Was für eine Angst mögen sie gefühlt haben? Hatten sie extreme Schmerzen vor dem Tod? Gibt es viele verwaiste Kitze? Diese Fragen gehen mir noch heute durch den Kopf. Das Leid der Tiere verfolgte mich heute Nacht in meinen Träumen.

Dennoch ist es wichtig, zu dokumentieren, wie wir Menschen mit unseren Mitgeschöpfen umgehen.

Immerhin hörten wir uns die Argumente an, auch mit einem Jäger, der gleichzeitig im NABU ist, sprachen wir. Was ich an diesem Tag jedoch vermisste, war die Bereitschaft, sich auch unsere Argumente anzuhören. Viele Studien und auch die Aussagen von Wildtierexperten und ehemaligen Jägern bestätigen heute, dass wir keine Jagd brauchen, die Natur könnte alles alleine regeln, wenn wir Menschen nicht ständig hinein pfuschen würden.

Die Tiere sind unsere Brüder, die großen wie die kleinen. Erst in dieser Erkenntnis gelangen wir zum wahren Menschentum. Diese Verbundenheit zwischen Mensch und Mitlebewesen hat der heilige Franziskus von Assisi (1182 bis 1226) erkannt.

 

Es ist legal, Drückjagden in Film und Foto zu dokumentieren. Tiere haben keine Persönlichkeitsrechte und können aufgenommen werden. Auch Menschen dürfen gefilmt werden, allerdings dürfen die Filme nicht ohne weiteres veröffentlicht werden. Die Identität der Menschen muss unkenntlich gemacht werden. Es ist legal, auch während einer Jagd auf den Hauptwegen zu spazieren. Wichtig ist es, auffällige, leuchtende Kleidung zu tragen, damit man nicht versehentlich beschossen wird. Die Ordner weisen deutlich darauf hin, dass man nicht durch das Gebiet gehen sollte, weil zu gefährlich. Verbieten können sie es nicht. Man begeht das Gebiet auf eigene Gefahr. Einige Jäger drohen immer wieder mit Anzeigen, andere stellen sie auch. So versucht man die Macht der Justiz dazu zu benutzen, Tierschützer einzuschüchtern und mürbe zu machen. Foto: Brigitte Sommer © privat.

 

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung

Für Spenden ab 20 Euro gibt es ganz neu unseren exklusiven Wolfskalander für 2025. Wie das Bestellen funktioniert, ist hier ganz genau erklärthttps://wolfsschutz-deutschland.de/2024/09/24/unser-wolfskalender-2025-ist-da/

 

 

Thüringen: Platz für Wölfe, Wildkatzen und Luchse

In Thüringen gibt es reichlich Platz für kleine und große Beutegreifer. Neue Wildkamerabilder zeigen, dass sich Wölfe, Wildkatzen und Luchse wohl in Thüringens Kulturlandschaften und Wildnisgebieten fühlen.

Wölfin aus Brandenburg hat ihr Zuhause in der Rhön gefunden

Perfekte Tarnung. Diese Wölfin ist im Gebüsch fast nicht zu erkennen. © Brigitte Sommer

Gefährliche Wanderung von Brandenburg nach Thüringen. Eine Wolfsfähe mit der Bezeichnung „GW1422“, die sich im Gebiet um Zella/Rhön im Wartburgkreis aufhält, stuft das Kompetenzzentrum Wolf, Biber, Luchs am Thüringer Umweltministerium in einer Pressemitteilung vom 27.01.2021 aufgrund genetischer Nachweise als standorttreu ein. Die Fähe stammt aus dem Wolfsrudel „Göritz/Klepzig“ in Brandenburg. Sie wurde genetisch bereits im Februar 2020 bei Weilar nachgewiesen – über einen weiteren Rissabstrich an einem Wildtierkadaver in diesem Jahr erfolgte nun der zweite genetische Nachweis bei Kaltensundheim. Wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. hatten der Wölfen bereits im vergangenen Jahr den Namen Rhönhild gegeben.

Dem MDR hätte das Umweltministerium am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass im Wartburgkreis nun eine zweite Wölfin sesshaft geworden sei. „Im Wartburgkreis hat eine weitere Wölfin ein Revier gefunden. Damit sind es bereits zwei. Fachleute konnten über einen längeren Zeitraum das Vorkommen des Tieres über Genanalysen nachweisen. Das teilte das Umweltministerium am Freitag mit. Erstmals sei das Weibchen im April 2020 nahe nahe des Bad Salzunger Ortsteils Hämbach nachgewiesen worden. Sein Territorium erhält die Bezeichnung „Tiefenort““, schreibt der MDR in einem Bericht.

Neben den beiden Wölfinnen lebt noch Wölfin Ohrdri auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf, zusammen mit einem Wolfsrüden und ihrem Nachwuchs. Aktueller Bericht hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/2021/01/19/thueringer-umweltministerium-zieht-schiessgenehmigung-auf-woelfin-zurueck-und-zahlt-weiter-weidepraemie/

Wildkatzen im Nordwesten

Wildkatze ©Brigitte Sommer

 

Aktuelle Fotofallenbilder aus dem Nordwesten Thüringens würden zeigen, dass die Waldgebiete des Vorharzes in den Landkreisen Eichsfeld und Nordhausen nördlich der A38 stellen einen idealen Lebensraum für die Wildkatze darstellen. Im Rahmen eines Projektes des BUND Thüringen wären dort kürzlich so viele Wildkatzen von Fotofallen abgelichtet worden, wie nirgendwo sonst in Europa in einem vergleichbaren Zeitraum, so nach Verleutbarung in der Pressemitteilung des Umweltministeriums.

Luchse gesucht, Wildkatzen gefunden

Die Belege für die Ausbreitung der Wildkatze wären ein Nebenfang eines BUND-Projektes, das vorrangig zum Ziel hätte, die Ausbreitung des Luchses in Mitteldeutschland zu erforschen. Es sei vom Umweltministerium im Jahr 2020 in Höhe von 35.000 Euro gefördert worden. Neben zahlreichen Nachweisen des Luchses wären eben auch ungewöhnlich viele Aufnahmen der Wildkatze gelungen. Erste Aufnahmen seien kürzlich im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Georg-August-Universität Göttingen ausgewertet worden Zwar ließe sich der Bestand der Wildkatzen mit den verwendeten Methoden nicht direkt ermitteln, die Häufigkeit, mit der die Wildkatzen im Vorharz abgelichtet worden wären, und die Anzahl der fotografierten Tiere würden aber daraufhin deuten, dass die Art dort in großer Individuenzahl vorkommt.

Beispielbild Luchs. ©Brigitte Sommer

Luchs im Thüringer Schiefergebirge

Nach ersten Fotofallenbildern eines Luchses im Thüringer Schiefergebirge sei dem Kompetenzzentrum Wolf, Biber, Luchs im Umweltministerium jetzt die Identifizierung gelungen. Es handele sich um den weiblichen Luchs Mira, so das Thüringer Umweltministerium in einer Pressemitteilung. Mina wurde 2019 in der Woiwodschaft Westpommern (Polen) im Rahmen eines von der EU geförderten Life-Projektes ausgewildert. Sie hätte bereits in Polen eine beträchtliche Strecke zurückgelegt, bevor sie Ende 2020 nach Deutschland gekommen wäre, heisst es weiter.  Bewegungsdaten durch ein GPS-Senderhalsband seien bei Mira allerdings zwischenzeitlich ausgefallen. Eine Mitarbeiterin des Kompetenzzentrums hätte allerdings gemeinsam mit dem örtlichen Jäger sowie dem zuständigen Revierförster Mira geortet. Nun soll durch weiteres Monitoring herausgefunden werden, ob Mira nur zu Besuch ist, oder bleiben werden, heisst es abschließend in der Pressemitteilung.

Wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. sehen Besenderungsaktionen durchaus kritisch, weil Tiere auch durch Wilderer geortet werden könnten. Viele wölfe hatten dies bereits mit ihrem Leben bezahlt.

 

Hier die Pressemitteilungen mit original Fotofallenbildern: https://umwelt.thueringen.de/aktuelles/anzeigen-medieninformationen/wildkatzen-foto-studie-belegt-gute-bedingungen-im-vorharz

https://umwelt.thueringen.de/aktuelles/anzeigen-medieninformationen/erster-nachweis-eines-weiblichen-luchses-im-thueringer-schiefergebirge

https://umwelt.thueringen.de/aktuelles/anzeigen-medieninformationen/woelfin-im-wartburgkreis-standorttreu

https://www.mdr.de/thueringen/west-thueringen/wartburgkreis/zweiter-wolf-tiefenort-100.html?fbclid=IwAR3EaDNleJBi70dpnXdtSb6cWHeFxmjDMIffEUhF6UMrU8IsBRw4xQGlp0E