Wölfe und Rothirsche: Eine natürliche Symbiose in Deutschlands Landschaften

In Deutschland kehren Wölfe seit dem Jahr 2000 erfolgreich zurück. Im Monitoringjahr 2024/2025 leben hier etwa 1.600 bis 2.000 Wölfe in rund 276 Territorien, mit Schwerpunkten in Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen. Ihre Verbreitung hängt eng mit dem Vorkommen von Rothirschen zusammen – einer ihrer wichtigsten natürlichen Beutearten.

Die enge Verbindung zwischen Wölfen und Rothirschen

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Wölfe ihre Territorien bevorzugt in Gebieten etablieren, wo Rothirschdichten hoch sind. Rothirsche machen je nach Region bis zu 25 % der Wolfsnahrung aus. In beutereichen Landschaften sind Wolfsterritorien kleiner, was eine höhere Populationsdichte ermöglicht. Studien bestätigen: Die Dichte an Rothirschen ist oft der entscheidende Faktor für das Vorkommen von Wölfen. Beispiele wie das Pilotprojekt „Räuber und Beute“ in der Glücksburger Heide verdeutlichen diese Dynamik: Dort lebt ein Wolfsrudel inmitten einer starken Rothirschpopulation, was eine natürliche Koexistenz ohne übermäßige Belastung der Hirschbestände zeigt.
Eine weitere Studie aus den westlichen Europäischen Alpen (einschließlich Teilen Süddeutschlands) zeigt, dass die Dichte von Rothirschen der wichtigste Faktor für das Vorkommen von Wölfen ist, was eine klare Habitatüberlappung impliziert, da Wölfe Habitate wählen, die reich an Beute wie Rothirschen sind. Zusätzlich ergab eine europaweite Analyse, dass Rothirschbestände zwar stärker durch menschliche Jagd und Landnutzung beeinflusst werden als durch Wölfe, aber die Rückkehr der Wölfe in Deutschland (z. B. in Mitteleuropa) führt zu Interaktionen in gemeinsamen Habitaten. Wenngleich der Einfluss auf die Populationsdichte selbst begrenzt ist, halten Wölfe die Rothirschpopulation gesund, da es ihnen nicht um Trophäen geht, sondern sie jagen leicht zu erreichende Beute, wie alte, schwache, kranke und junge Tiere. 
Rothirschfamilie in Sachsen, Wolfsterritorium Knappenrode II.

Rothirsche als Bewohner offener Landschaften

Rothirsche sind ursprünglich Tiere offener und halboffener Habitate wie Steppen, lichte Auwälder oder Bergwiesen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Gräsern und Kräutern und leben in großen, wandernden Herden. In solchen Landschaften können sie als große Pflanzenfresser eine wertvolle Rolle spielen: Durch Fress- und Trittverhalten halten sie Flächen offen, fördern Strukturvielfalt und unterstützen die Artenvielfalt auf Magerrasen und Wiesen. Ein anschauliches Beispiel ist die Hohe Rhön im Grenzgebiet von Bayern, Hessen und Thüringen. Als UNESCO-Biosphärenreservat bekannt als „Land der offenen Fernen“, entstand diese Kulturlandschaft durch extensive Beweidung. Rothirsche könnten hier natürlicherweise zur Offenhaltung beitragen und die charakteristische Weite sowie Biodiversität der Bergwiesen und Magerrasen erhalten.

Natürliche Regulation und gesunde Populationen

Wo Wölfe und Rothirsche gemeinsam vorkommen, entsteht eine natürliche Balance. Wölfe selektieren oft schwächere Tiere, was zu vitaleren Hirschherden führt. Gleichzeitig verhindern sie lokale Überdichten, die sonst zu stärkerem Verbiss führen könnten. Europaweite Analysen zeigen, dass menschliche Einflüsse die Rothirschbestände stärker prägen als die Präsenz von Wölfen. Diese Interaktionen beleben Ökosysteme: Gesündere Wildpopulationen, vielfältigere Habitate und eine Rückkehr natürlicher Prozesse. In Regionen wie der Lausitz oder den westlichen Alpen beobachten Forscher, wie Wölfe Rothirschhabitate besiedeln und die Dynamik der Landschaft bereichern.
Rothirschkühe. © Brigitte Sommer

Kritik am aktuellen Rothirsch-Management

Trotz dieser Vorteile wird die Ausbreitung der Rothirsche in Deutschland stark eingeschränkt. In vielen Bundesländern, besonders im Süden und Westen (z. B. Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen), existieren Rotwildbezirke – festgelegte Gebiete, in denen Rothirsche vorkommen dürfen. Außerhalb davon gilt oft ein Abschussgebot, was die natürliche Wanderung behindert und zu isolierten Populationen führt. Diese Regelung beschränkt das Vorkommen auf nur etwa 25–30 % der Landesfläche und verursacht Probleme wie genetische Verarmung und Inzucht, da der Austausch zwischen Populationen erschwert wird. Kritiker, wie wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V., sehen darin einen kontraproduktiven Ansatz, der primär forstwirtschaftliche Interessen schützt. Intensive Jagd und Beunruhigung treiben die Tiere zudem in dichte Wälder, wo sie stärker auf Rinde angewiesen sind – was die beklagten „Schäden“ verstärkt, anstatt sie zu mindern. In offenen Landschaften wie der Hohen Rhön könnten Rothirsche hingegen eine positive Rolle bei der Landschaftspflege spielen, ohne dass künstliche Beschränkungen nötig wären. Die Koexistenz von Wölfen und Rothirschen zeigt, wie resilient und vielfältig Deutschlands Natur sein kann – ein faszinierendes Zusammenspiel natürlicher Prozesse, das durch mehr Raum für Wildtiere noch bereichert werden könnte.
Copyright: Deutsche Wildtierstifung. Verbreitungskarte Rothirsche. http://www.deutschewildtierstiftung.de

 

Copyright: DBB-Wolf. Verbreitungskarte Wölfe. http://www.dbb-wolf.de

 

 

 

Quellen:

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2 Gedanken zu „Wölfe und Rothirsche: Eine natürliche Symbiose in Deutschlands Landschaften

  1. Dank Euch 🎶🇪🇺📚🌍🦉

    …gutes tiefes Wissen…
    leider in Schulen u nd Unis
    zu wenig
    ..siehe .PISA s Subtexte ..
    z.B. Feb. didacta – 2026 Köln Messe
    Deutz – –
    starkes Aufgebot von Jagd – Forst – Staat …- sehr souverän …
    – Brüssel/EU – bunt und liebenswert🐰🙈🇪🇺🪆🌱🎶
    für ein Format
    Bitte um Kontakt
    02423 401593
    E.H. Lehrer

  2. „wölfe und rothirsche …“ – man stellt sich als mensch vor, auch der wolf (und alle sog. „carnivoren“ = fleischfresser) wären primär (nur) am fleisch ihrer beuten ^(schnitzel, steaks, usw) interessiert, das stimmt aber nicht, meist werden nach der kadaveröffnung erst die lebern, darm- und magen- inhalte verputzt, und aus gutem grund, weil gerade sie „vorverdautes“ enthalten, und das heisst, mit vitaminen und vitamin- vorstufen, enzymen und mineralien angereichertes material, und das ist auch für „reine carnivoren“, etwa eisbären, überlebenswichtig, weil auch sie nur von reinem nur-fleischverzehr nicht überleben würden, deshalb fressen auch land-carnivoren immer 10-20% pflanzenmaterial keineswegs nur nebenbei (etwa auch wölfe, die friedlich grasen und kräutern und früchte nehmen) – die geschichte geht aber noch weiter, indem carnivoren und gemischtköstler in natura auch erhebliche mengen erde und matsche fressen, weil auch diese organische stoffe und mineralien liefern, und vor allem auch sog. „bakteriophagen“ (= viren die bakterien fressen, und somit erhebliche mengen an organischen stoffen freiwerden lassen) // deshalb auch kann es nützlich und therapeutisch wirksam sein, die eigene oder fremd-scheisse zu fressen, wie hunde, wölfe usw es oft tun, weil damit durch die aufnahme von bakteriophagen aller möglichen klassen infektiöse magen/darmerkrankungen spezifisch (selektiv) bekämpft werden können, denn jede bakteriophagenart hat ihre selektive bakterienart-klasse zum fressen (und ist somit rundumschlags-„antibiotika“ im prinzip haushoch überlegen) // meerwasser enthält pro qubik-meter etwa 1 milliarde bakterien und ca 10 milliarden viren, von letzteren sind 2 milliarden bakteriophagen, die täglich ca 20% der meeresbakterien vernichten und damit erhebliche mengen organica freisetzen, von denen sich andere lebewesen ernähren (etwa meereswürmer usw), nur deshalb ist meerwasser nach 3-4 milliarden jahren existenz der meere „sauberes meerwasser“ und keine stinkend-bakterienverseuchte schleim-sumpfige brühe = bakteriophagen seis gedankt

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