Verordnete Wolfstötungen in Österreich: Warum tun die großen Verbände zu wenig?

Während in Deutschland ab Sommer 2026 in mehreren Bundesländern die Tötung von Wölfen  und sogar eine Jagd auf Wölfe deutlich erleichtert wird, zeigt Österreich bereits jetzt, wohin der Weg führt: In den ersten beiden Monaten 2026 wurden bereits sieben Wölfe „legal“ getötet – fünf in Kärnten, zwei in Tirol. Alles auf Basis von Verordnungen. Gleichzeitig plant Salzburg als erstes Bundesland eine fixe präventive Tötungs-Quote von zwei Wölfen pro Jahr – ohne vorherigen Nutztierriss, einfach „zum Schutz der Almwirtschaft“. Das neue Gutachten des Instituts für Naturschutz und Naturschutzrecht Tübingen vom März 2026 ist eindeutig: Solche Wolfstötungen sind in Österreich derzeit unionsrechtswidrig. Und trotzdem gehen die Tötungen weiter.

 

Das neue Gutachten vom 24. März 2026

Das Rechtsgutachten des Instituts für Naturschutz und Naturschutzrecht Tübingen (im Auftrag von ANCA – Austrian Nature Conservation Agency) kommt zu einem eindeutigen Ergebnis:
Wolfsentnahmen in Österreich sind derzeit unionsrechtlich nicht rechtmäßig.

  • Warum? Der Wolf muss sich in einem günstigen Erhaltungszustand befinden (FFH-Richtlinie, Anhang V). Österreich hat das selbst in seinem offiziellen Artikel-17-Bericht an die EU verneint. Der Bestand ist zu klein, zu fragmentiert und viele Gebiete sind nicht dauerhaft besiedelt.
  • Die bloße Herabstufung des Schutzstatus auf EU-Ebene ändert nichts: Es gibt keine Freigabe zur regulären Bejagung. Abschüsse dürfen nur in außergewöhnlichen Einzelfällen (Art. 16 FFH-RL) erfolgen – nicht als vorsorgliches oder routinemäßiges „Management“.
  • Das Monitoring in Österreich ist nicht belastbar genug, um einen günstigen Zustand nachzuweisen.
  • Zusätzlich läuft seit März 2026 ein EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich (INFR(2022)2056): Die Kommission hat eine „mit Gründen versehene Stellungnahme“ geschickt – die letzte Stufe vor einer möglichen Klage vor dem EuG

Das wirft eine unangenehme Frage auf: Warum tun die großen, finanzstarken und zum Teil staatlich geförderten Naturschutzverbände nicht deutlich mehr?

Beispielbild Wolf © Brigitte Sommer

Verordnungen statt Bescheide – die perfekte Waffe gegen effektiven Wolfsschutz

Die Bundesländer haben ein System gefunden, das den Artenschutz elegant umgeht. Früher erfolgten Tötungen per individuellem Bescheid, der von Umweltorganisationen relativ schnell angefochten werden konnte – oft mit aufschiebender Wirkung. Heute setzen Kärnten, Tirol und nun auch Salzburg gezielt auf generell-abstrakte Verordnungen. Diese erlauben pauschal Tötungen in ganzen Gebieten, ohne konkrete Einzelfallprüfung, ohne DNA-Identifizierung und ohne zwingende Prüfung von Herdenschutzmaßnahmen. Gegen solche Verordnungen gibt es praktisch keinen schnellen Rechtsweg mit Stopp-Wirkung. Der Weg über die Aarhus-Konvention und den Verwaltungsgerichtshof (VwGH) ist lang und kommt meist zu spät.
Das Ergebnis: 25 getötete Wölfe 2025, sieben bereits im Frühjahr 2026 bei einer geschätzten Gesamtpopulation von nur rund 90–100 Tieren. Das ist systematische Ausrottung per Verordnung. Ein neues Gutachten bleibt wirkungslos – weil niemand konsequent klagt. Das Tübinger Gutachten ist glasklar: Die derzeitige Tötungspraxis und erst recht präventive Quoten verstoßen gegen europäisches Recht. Dennoch bleiben die Verordnungen in Kraft. Gegen die sieben Tötungen 2026 hat keine der großen Organisationen konkrete, fristgerechte Rechtsmittel eingelegt, die noch hätten wirken können. Stattdessen: Pressemitteilungen, Stellungnahmen und Appelle.
Als erstes Bundesland in Österreich plant jetzt auch noch eine fixe Abschussquote von zwei Wölfen pro Jahrpräventiv, also ohne vorherige Nutztierrisse. Die neue Wolfsverordnung (angekündigt am 10. April 2026 von LH-Stv. Marlene Svazek, FPÖ) soll „zum Schutz der Alm- und Weidewirtschaft“ gelten. Sie ist bereits in Begutachtung und soll ab Mai in Kraft treten.

Aktueller Wolfsbestand in Österreich laut dem Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs (Stand März 2026) und aktuellen Monitoring-Daten:

Ca. 92–102 nachgewiesene Wölfe.

Nur 8–9 Rudel (davon ca. 4 mit bestätigter Reproduktion).

Die Tiere stammen aus der alpinen, dinarisch-balkanischen und zentraleuropäischen Population.

Viele Nachweise sind Einzeltiere auf Wanderschaft; dauerhafte Rudel gibt es vor allem in Niederösterreich, Kärnten und vereinzelt in anderen Ländern.

Der Bestand wächst nicht mehr wie früher – auch wegen der hohen Abschusszahlen. 2025 wurden 25 Wölfe „legal“ oder illegal getötet (ca. ein Viertel der gesamten bekannten Population).

Österreich liegt damit weit unter den Mindestzahlen für einen günstigen Erhaltungszustand (z. B. 100 Rudel in den Alpen oder stabile Rudel im Waldviertel).

 

Beispielfoto Wolf. © Brigitte Sommer

Die großen Verbände: Starke Worte, wenig Konsequenz

Die wichtigsten Akteure in Österreich sind WWF Österreich, Naturschutzbund Österreich, ÖKOBÜRO – Allianz der Umweltbewegung sowie Tierschutz Austria und Protect. Diese Organisationen verfügen über erhebliche finanzielle Mittel, professionelle Strukturen, juristisches Know-how und erhalten zum Teil erhebliche öffentliche Förderungen und Projektgelder vom Bund und den Ländern. Sie alle haben den Tirol-Fall bis zum EuGH begleitet und kritisieren die Salzburger Präventiv-Verordnung zu Recht als „Dammbruch“. Doch bei einer so dramatischen Situation – ein Viertel der Population jährlich getötet, klare Rechtswidrigkeit per Gutachten und nun sogar präventive Tötungsquoten ohne jeden Rissnachweis – reicht das bei weitem nicht aus. Warum werden nicht jede einzelne Verordnung sofort mit einer Aarhus-gestützten Anfechtung beim VwGH überzogen? Warum keine systematischen Musterklagen, weitere unabhängige Gutachten und massive Lobbyarbeit bei Landesregierungen und im Nationalrat? Warum keine großen, öffentlichkeitswirksamen Kampagnen, Demonstrationen und gezielte Mobilisierung von Mitgliedern und Spendern? Es drängt sich der Verdacht auf, dass bei manchen dieser Verbände die professionelle Pressemitteilung und reine Öffentlichkeitsarbeit wichtiger geworden sind als der harte, langwierige und teure Kampf vor Gericht und in den politischen Hinterzimmern. Wer teilweise vom Staat finanziert wird, scheint bei Konflikten mit ebenjenen Landesregierungen auffallend zurückhaltend zu agieren. Schöne Worte und gut gemachte Stellungnahmen? Ist das am Ende nur Show für die Spender und die eigene Reputation?
Kleinere, unabhängige Vereine und Orgas können nicht die gleichen Ressourcen aufbringen. Gerade deshalb erwarten wir von den großen Playern deutlich mehr Einsatz. Die juristischen Möglichkeiten in Österreich sind bewusst begrenzt und werden von der Politik gezielt ausgenutzt. Die großen Naturschutz- und Tierschutzverbände dürfen sich damit jedoch nicht abfinden. Sie haben die Macht, das Geld und den Einfluss, das System massiv zu fordern – durch konsequente Klagen sowie echte Lobbyarbeit und öffentliche Mobilisierung. Solange in Österreich Wölfe per Verordnung und präventiver Quote getötet werden, während unabhängige Gutachten klare Rechtswidrigkeit attestieren, bleibt der Natur- und Tierschutz ein Papiertiger.
Wolfsschutz-Deutschland e.V. fordert die großen Verbände auf: Schluss mit halbherzigen Appellen und symbolischer Kritik. Mehr Klagen, mehr Konsequenz, mehr echter Einsatz – für den Wolf auf beiden Seiten der Grenze. Wolfsfreunde sollten zuem mehr kleine und unabhängige Vereine unterstützen, z. B. in Österreich den VGT oder Tierschutz Austria und in Deutschland uns von Wolfsschutz-Deutschland e. V. 
Quellen:

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

8 Gedanken zu „Verordnete Wolfstötungen in Österreich: Warum tun die großen Verbände zu wenig?

  1. das Morden der Tiere ist so abartig, statt eine Lösung zu finden. Was haben diese Menschen nur für einen Geisteszustand??? Das ist so pervers.

  2. Was für einen miesen Charakter müssen die Gesellen haben, die auf wehrlose Tiere schießen! Die Jagd muss endlich verboten werden. Der Wolf reguliert das Wild wesentlich effektiver.

  3. „IRONIE AN“
    Die Jägerschaft in Österreich macht doch alles richtig, oder nicht?
    Zitat aus der Pirsch:
    „Das Land Kärnten (Österreich) hat aktuelle Zahlen und Daten zum Wolfsgeschehen im ersten Quartal 2026 vorgestellt. Demnach wurden im Zeitraum vom 1. Januar 2026 bis 31. März 2026 sieben als Risikowölfe eingestufte Tiere getötet. Wie das Land aber in seiner Presseaussendung betont, seien in jedem Fall mehrere Vergrämungsschritte vorausgegangen, bevor es zur Entnahme der einzelnen Wölfe kam.
    Im ersten Quartal seien insgesamt 84 Vergrämungen gemeldet und dokumentiert worden. Insgesamt habe es 20 Entnahmemöglichkeiten für Problemwölfe gegeben. Man erkennt an diesen Zahlen sehr deutlich, wie dynamisch das Wolfsgeschehen in Kärnten auch abseits der Almsaison ist. Die rechtlichen Möglichkeiten, die wir zum raschen Einschreiten geschaffen haben, haben sich somit auch in diesem Winter bewährt“, erklärt Jagdreferent Landeshauptmannstellvertreter (LHStv.) Martin Gruber.“
    Erst vergrämen und dann schiessen. Gehen doch korrekt vor.
    84 Vergrämungen wurden im 1. Quartal 2026 durchgeführt.
    Also, alle Wölfe in Österreich wurden bereits mind. einmal vergrämt.
    Tolle Arbeit!
    „IRONIE AUS“

    Wahnsinn! Wer stoppt diese perverse „Grünrock-Ideologie“?

    Die NGO`s schreiben derweil „offene Briefe“.
    Gewissen beruhigt und weiter geht das Tagesgeschäft.

    https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260408_OTS0035/offener-brief-von-14-ngos-fordert-faktenbasierte-wolfsdebatte-wissenschaft-und-eu-recht-muessen-grundlage-politischer-entscheidungen-sein

  4. Die vom Staat geförderten großen Naturschutzverbände tun natürlich so wenig wie möglich um den Geldregen nicht zu unterbrechen.
    Das sind nur großspurige Reden ohne den ernsten Willen wirklich für die Wölfe einzutreten, diese ORGAS sollte man auch nicht unterstützen.
    Es ist ein Verbrechen was derzeit gegen die Wölfe von staatlicher Seite unternommen wird und die braven Bürger sind auch nicht bereit für die Wölfe zu kämpfen. Es ist einfach furchtbar mit welcher Frechheit und Arroganz die staatlichen Stellen handeln und Beschlüsse fassen.

  5. wie gesagt die floskel GÜNSTIGER ERHALTUNGSZUSTAND…ist eine zweifache absurdität.die zu nichts andeem dient als den mord an den wölfen zu legitimieren und zu legalisieren.
    was aber soll der sein,der günstige erhaltungszustand..das klingt schon nach korruption..und günstlingswirtschaft.. und das sind die jagdverbände ja dann auch..
    ethisch antiquierte günstlinge einer diebezüglichen lobby und jagdmaffia.jedenfalls ist das tiermorden nichts ehrnwertes o. doch nur so weit wie diese italienischen und anderen derartigen.. ehrnwehrten gesellschaften..tiermord ist tiermord.
    es hat keine notwendigkeit .
    wenn also wölfe sich heimisch fühlen im unbejagtem zustand und sich vermehren..soll es keine ökologische lösungen populationsintern haben,sondern
    wölfe sollen schon vorher im nicht mals zureichenden bestandszustand liquidiert werden.nicht nur in österreich. das aber nenne ich willkür. unwissenschaftliche objektivlose politische willkür..mit viel politisch formalem getue de jure und de facto.
    macht und rechtsmißbräuchlich.eu-strafrechtsrelevant.
    das müßte eigentlich den großen ngos auffallen und ,wenn sie denn zzueichende sind,auf europäischer ebene aus 2 wesentlichen gründen strafanzeige erstatten.
    1. antidemokratische sachverhalte 2. unwahre ,rechtsinplausible verantwortungsabschiebungen u. der begründete verdacht zumindest auf ethische koruption u. lobbyimus gegen die intressen der menschen u. d. eu….sowie die ökologie und den klimaschutz in europa.
    das wäre genau die aufgabe zu deren erhalt u. schutz sich ja viele ngos gegründet hatten. da fehlt es an europäischer kooperation.. immer noch.da sind die antimenschenrechsdemokraten aber euweit besser aufgestellt.

  6. es werden immer noch begriffe wie problemwölfe und entnahme..sowie schnelle entnahme bei den großen ngos als rechtsrelevante geführt.
    obwohl der begriff problemwölfe ein unbegriff ist,der die verantwortungspflicht der tierhalter u. a. auf die wölfe abwälzt..und sie zu opern der eigenen verantwortungslosigkeit gemacht werden.das wäre weil zutiefst rechtswidrig rechtsverdrehend und verantwortungsverweigernd.. eher ein strafrechtlicher begriff gegen die tierhalter..denen man versucht..diese haftungspflicht mit der verantwortungspflicht hinweg zu popularisieren. der begriff problemwölfe hat
    daher etwas rechtswidriges strafvereitelndes…sowie strafzuweisendes..ohne das wölfe real einer strafe zu geführt werden können,für ihr normales artgerechts verhalten. diese geschichten ,wölfe dürfen keine risse verursachen und weder unter noch über zäunen krabbeln..ist nicht sache der wölfe..sondern pflichsache der halter u. der ordnungs u. umweltämter sowie der lamdwirtschaftsämter.
    traurig das große ngos das nicht zureichend aufgeklärt und differenziert bekommen.
    und entnahme…damit ist immer die vorausgehende liquidierung gemeint. also was soll diese schönfärberei..man genehmigt sich wolfsmorde.rechswidrig. denn noch sind nicht alle reviere besetzt die es werden könnten..der best möglichste erhaltungszustand ist imer und überall die umfasende ökologische integration der wölfe..und ist die erflgt braucht es keine liquidation und sie wäre auch nicht nur eigentumsrechtlich rechtswidrig.denn das galt es ja mit dem wolfsartenschutz zu erreichen,die vollständige ökologische integraton der sich selbstregulirenden wolfspopulationen. dieser schwachsinnige sich selbst wichtigmachende interventionismus einiger zu tode gelangweilter antiquierter personalien und ihrer ebenso zu tode langweiligen geltungssuchtigen rechtsantiquierter verbände.. dieses unentbehrlich sein wollen und sich so populistisch auch so aufzustellen..
    hat eine form des antidemokratischen größenwahns ,den mittlerweile auch die afd und die neue rechte propagandisiert.
    es wird also zeit,daß sich die großen ngos mal einer selbstanalyse unterziehen..in wie weit sie in gefahr geraten teil des problems zu werden..statt der lösung.

  7. das trifft nicht nur für wölfe zu.solange die menschenrechtswidrige herrschaft von̈ sogenannten Menschen über Menschen besteht,geduldet und de jure für rechtens befunden,kann nicht von freien Menschen ausgegangen werden.wie will man sich als Mensch die permanenten continuierliche klima
    menschen und grundrechtszerstörung
    Innerhalb menschenrechtsprioritären Gesellschaftsform und Staaten denn erklären.?Anders als die herrschaft menschenrechtssuspendierender..
    Personalien und Organisationen.so auch die herabstufung der lebensrechte der freilebenden tiere und besonders der geschützten..bzw.ehemals geschützten.berechtigte macht ist immer menschenrechtsintern.

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