Verordnete Wolfstötungen in Österreich: Warum tun die großen Verbände zu wenig?

Während in Deutschland ab Sommer 2026 in mehreren Bundesländern die Tötung von Wölfen  und sogar eine Jagd auf Wölfe deutlich erleichtert wird, zeigt Österreich bereits jetzt, wohin der Weg führt: In den ersten beiden Monaten 2026 wurden bereits sieben Wölfe „legal“ getötet – fünf in Kärnten, zwei in Tirol. Alles auf Basis von Verordnungen. Gleichzeitig plant Salzburg als erstes Bundesland eine fixe präventive Tötungs-Quote von zwei Wölfen pro Jahr – ohne vorherigen Nutztierriss, einfach „zum Schutz der Almwirtschaft“. Das neue Gutachten des Instituts für Naturschutz und Naturschutzrecht Tübingen vom März 2026 ist eindeutig: Solche Wolfstötungen sind in Österreich derzeit unionsrechtswidrig. Und trotzdem gehen die Tötungen weiter.

 

Das neue Gutachten vom 24. März 2026

Das Rechtsgutachten des Instituts für Naturschutz und Naturschutzrecht Tübingen (im Auftrag von ANCA – Austrian Nature Conservation Agency) kommt zu einem eindeutigen Ergebnis:
Wolfsentnahmen in Österreich sind derzeit unionsrechtlich nicht rechtmäßig.

  • Warum? Der Wolf muss sich in einem günstigen Erhaltungszustand befinden (FFH-Richtlinie, Anhang V). Österreich hat das selbst in seinem offiziellen Artikel-17-Bericht an die EU verneint. Der Bestand ist zu klein, zu fragmentiert und viele Gebiete sind nicht dauerhaft besiedelt.
  • Die bloße Herabstufung des Schutzstatus auf EU-Ebene ändert nichts: Es gibt keine Freigabe zur regulären Bejagung. Abschüsse dürfen nur in außergewöhnlichen Einzelfällen (Art. 16 FFH-RL) erfolgen – nicht als vorsorgliches oder routinemäßiges „Management“.
  • Das Monitoring in Österreich ist nicht belastbar genug, um einen günstigen Zustand nachzuweisen.
  • Zusätzlich läuft seit März 2026 ein EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich (INFR(2022)2056): Die Kommission hat eine „mit Gründen versehene Stellungnahme“ geschickt – die letzte Stufe vor einer möglichen Klage vor dem EuG

Das wirft eine unangenehme Frage auf: Warum tun die großen, finanzstarken und zum Teil staatlich geförderten Naturschutzverbände nicht deutlich mehr?

Beispielbild Wolf © Brigitte Sommer

Verordnungen statt Bescheide – die perfekte Waffe gegen effektiven Wolfsschutz

Die Bundesländer haben ein System gefunden, das den Artenschutz elegant umgeht. Früher erfolgten Tötungen per individuellem Bescheid, der von Umweltorganisationen relativ schnell angefochten werden konnte – oft mit aufschiebender Wirkung. Heute setzen Kärnten, Tirol und nun auch Salzburg gezielt auf generell-abstrakte Verordnungen. Diese erlauben pauschal Tötungen in ganzen Gebieten, ohne konkrete Einzelfallprüfung, ohne DNA-Identifizierung und ohne zwingende Prüfung von Herdenschutzmaßnahmen. Gegen solche Verordnungen gibt es praktisch keinen schnellen Rechtsweg mit Stopp-Wirkung. Der Weg über die Aarhus-Konvention und den Verwaltungsgerichtshof (VwGH) ist lang und kommt meist zu spät.
Das Ergebnis: 25 getötete Wölfe 2025, sieben bereits im Frühjahr 2026 bei einer geschätzten Gesamtpopulation von nur rund 90–100 Tieren. Das ist systematische Ausrottung per Verordnung. Ein neues Gutachten bleibt wirkungslos – weil niemand konsequent klagt. Das Tübinger Gutachten ist glasklar: Die derzeitige Tötungspraxis und erst recht präventive Quoten verstoßen gegen europäisches Recht. Dennoch bleiben die Verordnungen in Kraft. Gegen die sieben Tötungen 2026 hat keine der großen Organisationen konkrete, fristgerechte Rechtsmittel eingelegt, die noch hätten wirken können. Stattdessen: Pressemitteilungen, Stellungnahmen und Appelle.
Als erstes Bundesland in Österreich plant jetzt auch noch eine fixe Abschussquote von zwei Wölfen pro Jahrpräventiv, also ohne vorherige Nutztierrisse. Die neue Wolfsverordnung (angekündigt am 10. April 2026 von LH-Stv. Marlene Svazek, FPÖ) soll „zum Schutz der Alm- und Weidewirtschaft“ gelten. Sie ist bereits in Begutachtung und soll ab Mai in Kraft treten.

Aktueller Wolfsbestand in Österreich laut dem Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs (Stand März 2026) und aktuellen Monitoring-Daten:

Ca. 92–102 nachgewiesene Wölfe.

Nur 8–9 Rudel (davon ca. 4 mit bestätigter Reproduktion).

Die Tiere stammen aus der alpinen, dinarisch-balkanischen und zentraleuropäischen Population.

Viele Nachweise sind Einzeltiere auf Wanderschaft; dauerhafte Rudel gibt es vor allem in Niederösterreich, Kärnten und vereinzelt in anderen Ländern.

Der Bestand wächst nicht mehr wie früher – auch wegen der hohen Abschusszahlen. 2025 wurden 25 Wölfe „legal“ oder illegal getötet (ca. ein Viertel der gesamten bekannten Population).

Österreich liegt damit weit unter den Mindestzahlen für einen günstigen Erhaltungszustand (z. B. 100 Rudel in den Alpen oder stabile Rudel im Waldviertel).

 

Beispielfoto Wolf. © Brigitte Sommer

Die großen Verbände: Starke Worte, wenig Konsequenz

Die wichtigsten Akteure in Österreich sind WWF Österreich, Naturschutzbund Österreich, ÖKOBÜRO – Allianz der Umweltbewegung sowie Tierschutz Austria und Protect. Diese Organisationen verfügen über erhebliche finanzielle Mittel, professionelle Strukturen, juristisches Know-how und erhalten zum Teil erhebliche öffentliche Förderungen und Projektgelder vom Bund und den Ländern. Sie alle haben den Tirol-Fall bis zum EuGH begleitet und kritisieren die Salzburger Präventiv-Verordnung zu Recht als „Dammbruch“. Doch bei einer so dramatischen Situation – ein Viertel der Population jährlich getötet, klare Rechtswidrigkeit per Gutachten und nun sogar präventive Tötungsquoten ohne jeden Rissnachweis – reicht das bei weitem nicht aus. Warum werden nicht jede einzelne Verordnung sofort mit einer Aarhus-gestützten Anfechtung beim VwGH überzogen? Warum keine systematischen Musterklagen, weitere unabhängige Gutachten und massive Lobbyarbeit bei Landesregierungen und im Nationalrat? Warum keine großen, öffentlichkeitswirksamen Kampagnen, Demonstrationen und gezielte Mobilisierung von Mitgliedern und Spendern? Es drängt sich der Verdacht auf, dass bei manchen dieser Verbände die professionelle Pressemitteilung und reine Öffentlichkeitsarbeit wichtiger geworden sind als der harte, langwierige und teure Kampf vor Gericht und in den politischen Hinterzimmern. Wer teilweise vom Staat finanziert wird, scheint bei Konflikten mit ebenjenen Landesregierungen auffallend zurückhaltend zu agieren. Schöne Worte und gut gemachte Stellungnahmen? Ist das am Ende nur Show für die Spender und die eigene Reputation?
Kleinere, unabhängige Vereine und Orgas können nicht die gleichen Ressourcen aufbringen. Gerade deshalb erwarten wir von den großen Playern deutlich mehr Einsatz. Die juristischen Möglichkeiten in Österreich sind bewusst begrenzt und werden von der Politik gezielt ausgenutzt. Die großen Naturschutz- und Tierschutzverbände dürfen sich damit jedoch nicht abfinden. Sie haben die Macht, das Geld und den Einfluss, das System massiv zu fordern – durch konsequente Klagen sowie echte Lobbyarbeit und öffentliche Mobilisierung. Solange in Österreich Wölfe per Verordnung und präventiver Quote getötet werden, während unabhängige Gutachten klare Rechtswidrigkeit attestieren, bleibt der Natur- und Tierschutz ein Papiertiger.
Wolfsschutz-Deutschland e.V. fordert die großen Verbände auf: Schluss mit halbherzigen Appellen und symbolischer Kritik. Mehr Klagen, mehr Konsequenz, mehr echter Einsatz – für den Wolf auf beiden Seiten der Grenze. Wolfsfreunde sollten zuem mehr kleine und unabhängige Vereine unterstützen, z. B. in Österreich den VGT oder Tierschutz Austria und in Deutschland uns von Wolfsschutz-Deutschland e. V. 
Quellen:

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

Jägerpsyche: In Wirklichkeit geht es ihnen nur um ihre Wolfstrophäe

In Österreich ist schon wieder ein Jungtier zum Abschuss freigegeben worden. Bis zum 29. Mai ist ein Tier in Kärnten seines Lebens nicht mehr sicher, denn Hobbyjäger lauern darauf, künftig jeden totgeschossenen Wolf als Trophäe behalten zu dürfen. Eine Novelle des Jagdgesetzes soll dies in Zukunft ermöglichen.

Der Fehler des Jungwolfes des Dobratschrudels: Beim Abwandern aus seinem Elternrevier musste es an Wohnhäusern vorbei.  Es ist längst wissenschaftlich erwiesen und selbst Laien ist es doch verständlich, dass Jungtiere, die ihr Rudel verlassen und auf die Suche nach einem eigenen Revier wandern, weder eine Landkarte noch ein Navigationssystem im Gepäck haben. Alleine bis nach Kärnten scheint die Logik, dass solche Jungtiere auch an Ortschafen und Häusern vorbei müssen, noch nicht vorgedrungen zu sein. Anscheinend erst Recht nicht bei bei Landeshauptmannstellvertreter Martin Gruber (ÖVP). Dieser hat den Jungwolf gleich zum Abschuss frei gegeben, statt Herdenschutzmaßnahmen anzugehen.

Beispielfoto ausgestopfter Wolf. ©Lara.

Trotz eines kritischen EU-GH-Urteils  https://wolfsschutz-deutschland.de/2024/01/19/eu-generalanwaeltin-auf-der-seite-der-woelfe-in-oesterreich/  wurden in Österreich im vergangenen Jahr zwölf Wölfe erschossen.

Auch in Diex bei Völkermarkt wurde ein Jungtier gefilmt. Österreichische Tierschützer erwarten hier ebenfalls eine Schießgenehmigung. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT – Martin Balluch), der sich auch mit der Wolfproblematik in Österreich beschäftigt, bereite gerade wieder Anzeigen gegen Jäger und Gruber vor, heißt es in einem Artikel in der Tiroler Tageszeitung. Besonders das Mölltal hätten die Mitarbeiter von Balluch im Visier. Dort wurde in der Nähe von Spittal an der Drau ein Wolf erschossen. Es sei nicht einmal geklärt, ob dieser Abschuss überhaupt legal gewesen ist. Weil ein  Herdenschutz in Kärnten weiter kein Thema ist, rechnen die Tierschützer wieder mit Viehverlusten auf den Almen.  Jüngst sei ein Wolf, der mehrere Brillenschafe in einem Pferch tötete, einfach von Jägern erschossen worden.

Geht die geplante Jagdnovelle tatsächlich durch, wird es mit dem Schießen auf Wölfe wahrscheinlich kein Halten mehr geben. Ähnlich wie in Deutschland, gehen auch in Österreich vor allem kleine Vereine dagegen vor.

Sicherlich blickt so mancher Hobbyjäger hier nun sehnsüchtig auf die Ereignisse in Österreich, denn auch in Deutschland würden sich wohl viele Jägerinnen und Jäger teure Trophäenreisen in weit entfernte Länder bestimmt lieber sparen und nach lustvollem Töten ihren toten Bettvorleger oder Kaminvorleger am liebsten möglichst in der Nähe erlegen.

Psychopathen, Narzissten und Hobbyjäger teilen einen dunklen Kern

Laut einer Studie besteht eine Verbindung zwischen dunklen Charaktereigenschaften und der Tendenz, die eigenen Interessen immer über alles zu stellen. Leute, wie zum Beispiel Hobby-Jäger, quälen oft und auch gerne, heißt es in einem Artikel auf „Wild-beim-Wild“. Jagdtrophäen tragen dabei sicherlich dazu bei, Erinnerungen an den Tötungsvorgang immer wieder in Phantasien abrufen zu können.

Sadismus, Psychopathie oder gar Gemeinheit sowie Bösartigkeit: Die Eigenschaften, welche die dunklere Seite der Menschheit zeigen, hätten laut Studie einen ‚dunklen Kern‘ gemeinsam. Und wer eine dieser Tendenzen habe, dürfte auch einige andere aufweisen. Egoismus scheine dabei vielleicht nicht so extrem wie Psychopathie. Doch eine neue Studie käme zum Schluss, dass Leute mit diesen so genannten dunklen Charaktereigenschaften die Tendenz haben und vor allem ihre eigenen Interessen zu verfolgen. In vielen Fällen quälen solche Menschen auch gerne andere.

Anscheinend  weisen auch viele Politikerinnen und Politiker psychopathische Charaktereigenschaften auf, denn die Salzburger FPÖ-Landesrätin Marlene Svazek schmückt die Wand hinter ihrem Schreibtisch seit kurzem mit dem Foto eines getöteten Wolfs.

 

Quellen:

https://www.tt.com/artikel/30882261/ausgestopfter-wolf-im-wohnzimmer-jaeger-sollen-trophaee-behalten-duerfen?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTAAAR2dSTQVLPAh4Azw–P-0ZkIXyQLZbwAR-QYlEwFI1OFJJ-EhYBwHOfOxgs_aem_AdOZn1KcJxn8U7m0EcQDCV_8HmsxY3B4i3h3HDErGsH8HEnEPH89h7f3QDSkwkOua3Bx7o7XFUciKUzdkBOC5XS0

https://baer-wolf-luchs.at/verbreitungskarten/wolf-verbreitung

https://www.tt.com/artikel/30882261/ausgestopfter-wolf-im-wohnzimmer-jaeger-sollen-trophaee-behalten-duerfen?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTAAAR2dSTQVLPAh4Azw–P-0ZkIXyQLZbwAR-QYlEwFI1OFJJ-EhYBwHOfOxgs_aem_AdOZn1KcJxn8U7m0EcQDCV_8HmsxY3B4i3h3HDErGsH8HEnEPH89h7f3QDSkwkOua3Bx7o7XFUciKUzdkBOC5XS0

https://wildbeimwild.com/psychopathen-narzissten-sadisten-und-hobby-jager-teilen-einen-dunklen-kern/

„Wie krank“: Politikerin hängt sich stolz Foto von getötetem Wolf ins Büro | oekoreich

 

Wir freuen uns über Unterstützung

Schon kleine, regelmäßige Beiträge, wie z. B. ein monatlicher Dauerauftrag von 5 Euro können uns helfen. Seit Vereinsgründung vor fünf Jahren standen wir ohne wenn und aber und politische Winkelzüge auf der Seite der Wölfe.  Gerade in diesen schweren Zeiten ist ein Verein wie der unsere essentiell, der sagt, was ist und sich mutig Lobbyisten in den Weg stellt.

Wolfsschutz-Deutschland e.V.

Berliner Sparkasse

IBAN DE79 1005 0000 0190 7118 84

BIC BELADEBEXXX

Auch Paypal ist möglich: https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

Wolfsverordnungen in Österreich laut Gerichtsurteil illegal

Ein aktuelles Urteil des Verwaltungsgerichtshofs könnte die wilden Schießereien auf Wölfe, die einige Bundesländer in Österreich eröffnet hatten, beenden. Dort heißt es nämlich, dass Verordnungen zur Tötung streng geschützter Arten wie Wölfe, Biber und Fischotter nicht rechtskonform sind. Und auch die Senkung des EU-Schutzstatus wurde im Agrarrat abgeschmettert.

Mit einem Trick hatte man mit dem wahllosen Abschuss auf Wölfe begonnen. Statt wie früher mit Bescheiden zu arbeiten, gegen die Umweltorganisationen vorgehen konnten, versuchte man nun deren Klagemöglichkeiten per Verordnung zu umgehen.

In Osttirol wären seit Mitte Mai zwei Wölfe zum Abschuss freigegeben, so der ORF am 31. Mai in einer Pressemitteilung. Seitdem würden mehr als 300 Jäger die Tiere verfolgen, um sie zu töten.  In Prägraten wurde eine Prämie von 1.000 Euro für den Abschuss ausgesetzt. Dem Schützen wäre zudem auch noch Anonymität zugesichert worden. Auch diese Jäger sollten sich nun unserer Meinung nach nicht mehr zu sicher fühlen.

Wie schon in Kärnten, Tirol und Niederösterreich sollten ab 1. Juli auch in Oberösterreich per Verordnung Wölfe abgeschossen werden dürfen. Auch in Salzburg wollte man nachziehen.

Längst wissenschaftlich erwiesen: schießt man in Wolfsrudel hinein, erhöhen sich Risse eher noch, weil unerfahrene Jungtiere ohne Eltern nach leichtere Beute greifen. Foto: Säugende Wolfsmutter @Brigitte Sommer

Abschussverordnungen ohne Beteiligung von Umweltorgas illegal

Nun stellt die sogenannte Aarhus-Konvention klar, dass Umweltschutzorganisationen nicht nur das Recht haben müssen, in die Entnahmeverfahren von streng geschützten Tierarten eingebunden zu sein, sondern diese auch auf ihre Vereinbarkeit mit dem Unionsrecht überprüfen zu lassen. Durch die zuletzt verabschiedeten Verordnungen wurde das Beschwerderecht allerdings ausgehebelt, beklagten WWF und Ökobüro, die mit einer außerordentlichen Revision dagegen vorgegangen waren.

Meilenstein für den bröckelnden Artenschutz in Österreich

Der VwGH habe solchen Umgehungskonstruktionen nun einen Riegel vorgeschoben und klargestellt, „dass Umweltschutzorganisationen einen unionsrechtlich gebotenen Anspruch auf Überprüfung umweltbezogener Bestimmungen haben“, so die Umweltjuristin Lisa Schranz von der Organisation Ökobüro. Verordnungen zur Tötung streng geschützter Arten wie Wölfe, Biber und Fischotter in mehreren österreichischen Bundesländern wären daher nicht rechtskonform, betonte auch der WWF in einer Pressemitteilung von gestern und sieht einen „Meilenstein für den bröckelnden Artenschutz in Österreich“.

In Österreich leben gerade einmal 40 Wölfe

Laut des Leiters des Österreichzentrums Bär-Wolf-Luchs, Albin Blaschka, leben in Österreich zirka 40 Wölfe. 2022 hätten sie rund 800 Schafe und Ziegen auf den Almen gerissen. In der diesjährigen Almsaison seien es bisher etwa 150. Das Monitoring zählt aktuell sieben Rudel und eine Reihe wandernder Einzelwölfe.

Viel mehr tote Schafe durch andere Ursachen

Jedes Jahr werden in Österreich aber auf über 8000 Almen mehr als 300000 Rinder, 100000 Schafe, 10000 Ziegen und 8800 Pferde gealpt (Obweger 2017). Und während es von Wölfen gar keinen Angriff auf Menschen gibt, werden jährlich Menschen von Kühen schwer verletzt oder sogar getötet. Hier noch eine Zahl aus 2021: Im Schnitt kommen pro Jahr auf Österreichs Almen 3300 Schafe ums Leben. Der Anteil an Wolfsrissen beträgt knapp 14 Prozent.

„Die Abschüsse ersparen keinesfalls den Herdenschutz“, sagte Blaschka zur Sächsischen Zeitung. Aber gerade der sollte wohl kein Thema sein. Das Land Tirol erklärte einfach alle 2100 Almen zum Alpschutzgebiet und den Herdenschutz in dem oft steilen Gelände als nicht machbar. Die Almen mit Zäunen zu schützen sei deshalb auch für das Bundesland Salzburg keine Option: „Herdenschutz funktioniert im hofnahen Bereich, die Salzburger Bauern haben bereits mehr als 800 000 Euro dafür investiert“, sagte der Wolfsbeauftragte des Landes Salzburg, Hubert Stock. Aber hoch oben im Gelände sehe es anders aus.

Fünf Wölfe sinnlos erschossen

Besonders aktiv bei der Wolfsbejagung war Österreichs südlichstes Bundesland Kärnten. Hier wurden nach Angaben der Landesregierung in den vergangenen eineinhalb Jahren fünf als problematisch eingestufte Tiere erschossen.

Dabei gebe es bereits 70 Almen, die Herdenschutz erfolgreich praktizieren, so die Tierschutzorga VGT. Obmann Martin Balluch schickte eine Rechnung für einen Rehschutzzaun für seine Jungbäume an Wolfshetzer. Die illegale Ausrottung des Wolfes führe zu einer Schädigung des Ökosystems, so sein Argument. Die wichtige Rolle der großen Beutegreifer fiele dadurch aus. Und neben der Funktion als Gesundheitspolizei, schütze der Wolf u.a. vor zu starkem Verbiss. Österreich hätte deshalb die mit Abstand größte Rehdichte in ganz Europa. Mit Wölfen würde sich die Rehpopulation einem ökologisch verträglichen Maß nähern und damit den Jungwuchs im Wald fördern. Deswegen hätten seine  gepflanzten Jungbäume mit Zäunen geschützt werden müssen.

Erneuter Vorstoß auf Senkung des Schutzstatus des Wolfs in der EU abgeschmettert

Politiker der konservativen ÖVP und der rechten FPÖ wollen den Druck in Richtung Brüssel hochhalten. Die EU habe verschlafen, den Schutzstatus des Wolfs anzupassen.

Bär und Wolf waren am 26. Juni unter anderem Thema des EU-Agrarrats in Luxemburg. In einer auf Initiative von Rumänien abgehaltenen Aussprache forderte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) erneut länderübergreifende Maßnahmen und eine „praxisnahe Ausnahme vom strengen Schutz des Wolfs“.

Rumänien forderte einen Paradigmenwechsel der bisherigen EU-Politik gegenüber „Beutegreifern“ und „innovative Lösungen“, um ein gedeihliches Zusammenleben von Mensch und Tier weiter zu ermöglichen. Man müsse der „realen Situation Rechnung tragen“.

Diese zeige etwa, dass in Rumänien zwei Drittel des europäischen Braunbärenbestands angesiedelt seien, der durch die wachsende Zahl vermehrt Probleme in Landwirtschaft und Tourismus verursache. „Wir sprechen von 8.000 Bären. Und die Zahl steigt“, so die rumänische Vertreterin.

Weg zur Koexistenz

Die größten Probleme seien aber Wölfe. In der Slowakei habe ein Wolfsrudel in der vergangenen Woche 300 Schafe angegriffen, von denen zwei Drittel dabei getötet oder verletzt wurden, hieß es seitens des Nachbarlandes, das ebenso wie Tschechien Rumäniens Vorstoß auf EU-Ebene unterstützte.

Es sei Zeit, den Schutzstatus bestimmter Arten zu überdenken, hieß es von tschechischer Seite. Dieser Haltung schlossen sich andere Ländervertreter an. Einzig Deutschland sah zwar „einen schwierigen Weg zur Koexistenz“ mit den Großraubtieren, aber für eine Änderung der 1992 beschlossenen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie „derzeit keinen Handlungsbedarf“, heißt es in einer Pressemitteilung des ORF.

Mindestens fünf Wölfen kostete eine Politik, die sich nicht nach dem Wohl der Allgemeinheit richtet, sondern ganz offensichtlich den Wunsch nach Trophäen erfüllt und dazu noch leichtgläubigen Bauern einen Sündenbock serviert hat, das Leben. Den Entscheidern muss von Anfang an klar gewesen sein, dass Verordnungen zum Wolfsabschuss rechtswidrig gewesen sein müssten, denn sonst hätte man nicht gleichzeitig eine Änderung der FFH-Richtlinie in Brüssel angestrebt. Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. hoffen sehr, dass mit dieser Klientelpolitik nun aufgeräumt wird und dies auch ein Schlaglicht auf Vorgänge in Deutschland wirft.

Quellen:

https://orf.at/stories/3321738/

https://www.saechsische.de/politik/international/oesterreich-und-schweiz-senken-die-abschuss-huerden-fuer-woelfe-5878545.html?fbclid=IwAR3fnTQKZYmwGq90FN2TPtemabVCBnJOZM_NQj86orPVEvy1Zr-9KiqE1jE

https://www.facebook.com/reel/286610863734820

https://www.oekobuero.at/

https://www.wwf.at/

https://orf.at/stories/3318646/

https://www.sn.at/panorama/oesterreich/woelfe-rissen-heuer-450-schafe-109691149