Illegale Tötungen von Wölfen in den Niederlanden und die Konsequenzen für Deutschland
In den Niederlanden wurden zwischen Oktober 2021 und März 2026 mindestens 41 Wölfe illegal getötet. Das geht aus einer Studie des unabhängigen Wildlife-Crime-Forschungsbüros EcoJust hervor, die gerade veröffentlicht wurde.
Die Autorinnen sprechen von organisierter Wilderei: Viele Tiere wurden erschossen, vergiftet oder absichtlich überfahren. Die Kadaver wurden gezielt beseitigt – vergraben, verbrannt oder in Güllegruben entsorgt –, um Spuren zu verwischen. Damit fiel etwa jeder siebte genetisch nachgewiesene Wolf der Wilderei zum Opfer. Die Studie sieht Wilderei nicht als Einzelfall, sondern als systematische Bedrohung, begünstigt durch mangelnde Strafverfolgung und gesellschaftliche Polarisierung.
Ein prominentes Beispiel ist der Wolf Bram (GW3237m) aus der Region Utrechtse Heuvelrug. Nach mehreren Vorfällen mit Menschen erstellte die Provinz Utrecht eine Abschussgenehmigung. Wir berichteten hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/2025/12/04/der-kaltbluetige-abschuss-von-wolf-bram-ein-verlust-fuer-natur-und-menschlichkeit/
Am 1. Dezember 2025 wurde Bram jedoch um 23:10 Uhr erschossen – deutlich außerhalb der erlaubten Zeit (nur bis eine Stunde nach Sonnenuntergang). Kritiker, dazu gehören auch wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. werfen vor, dass Brams angeblich auffälliges Verhalten massiv übertrieben dargestellt wurde. Zudem wurden fachgerechte Vergrämungsmaßnahmen nicht oder nur unzureichend durchgeführt. Stattdessen ist Bram zum Sündenbock gemacht worden. Sein Tod als Vater und Partner hinterlässt eine Lücke im einzigen Rudel der Region. Mehrere Tierschutzorganisationen und die Werkgroep Wolf Leusden kritisieren die Vorgänge scharf und fordern Konsequenzen. Die Provinz bewertete es intern als „leichte Übertretung“ und hat nicht weiter gehandelt und es nicht nach außen kommuniziert. Erst eine WOO-Anfrage (vergleichbar mit unseren UIG-Anfragen) brachte diese Ungeheuerlichtkeit überhaupt ans Tageslicht.
Parallelen und Entwicklungen in Deutschland
In Deutschland zeigt sich ein vergleichbares Bild. Seit der Rückkehr der Wölfe wurden bundesweit rund 126 illegale Tötungen dokumentiert (DBBW-Daten, Stand Juni 2026). In den letzten fünf Jahren kamen mehrere Dutzend bestätigte Fälle hinzu, bei einer erheblichen Dunkelziffer. Viele Kadaver werden nicht gefunden, und die Aufklärungsquote bleibt niedrig.
Ab dem 1. Juli 2026 wird der Wolf in Deutschland in das Jagdrecht aufgenommen. Dies erleichtert künftig massenweisse Tötungen von Wölfen „legal“. Wolfsschutz-Deutschland e.V. lehnt Abschüsse grundsätzlich ab – egal ob illegal oder im Rahmen eines sogenannten Wolfsmanagements. Aus unserer Sicht ist eine Bestandsregulation durch Tötung weder ethisch gerechtfertigt, noch notwendig. Stattdessen sollten präventive Maßnahmen wie konsequenter Herdenschutz und Aufklärung im Mittelpunkt stehen.
Die niederländischen Erfahrungen – systematische Wilderei und der umstrittene Fall Bram – sollten in Deutschland als Warnung dienen. Illegale Tötungen, wir berichten hier über einen aktuellen Fall in Sachsen-Anhalt https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/06/26/wolfsschutz-deutschland-e-v-will-pathologisch-bestaetigte-illegale-wolfstoetung-in-sachsen-anhalt-aufklaeren/
und die Normalisierung von Abschüssen gefährden die Rudelstrukturen und den Erhalt der Wolfspopulation. Effektiv ist die konsequente Umsetzung von Herdenschutz und die Vermeidung unnötiger Eskalation und der auch durch Massenmedien und Politik geschürte Hass auf Wölfe.
Quellen:
Englische Version:
„Back in the Crosshairs: Wolf poaching in the Netherlands“
→ Englische PDF
„Back in the Crosshairs: Wolf poaching in the Netherlands“
→ Englische PDF
Niederländische Originalversion:
„Terug in het vizier: Wolvenstroperij in Nederland“
→ Niederländische PDF
(Veröffentlicht am 23. Juni 2026 von EcoJust, Autorinnen: Pauline Verheij & Naomi Louchouarn)
„Terug in het vizier: Wolvenstroperij in Nederland“
→ Niederländische PDF
(Veröffentlicht am 23. Juni 2026 von EcoJust, Autorinnen: Pauline Verheij & Naomi Louchouarn)
Zusätzliche Seite mit Infos:
ecojust.eu – Berichtsseite
ecojust.eu – Berichtsseite
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