Hessen 2020 wieder Wolfsgebiet? Faktencheck und Zaunkontrolle bei Ulrichstein – Jagdfrevel und meist ungeschützte Weidetiere

Zwischen dem 27. Oktober und dem 2. November 2019 seien sowohl im Vogelsberg, als auch in den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, im Schwalm-Eder-Kreis und im Werra-Meißner-Kreis mehrere Tiere, vorwiegend Nutztiere, aber auch Wildtiere, von Wölfen gerissen worden, schreibt das Hessische Landesumweltamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) heute in einer Pressemitteilung. Nun würden auch die Ergebnisse der genommenen Genproben vorliegen. In allen fünf Fällen wäre  die Individualisierung gelungen – es handle sich um die beiden Wölfinnen, die das HLNUG bereits mehrfach genetisch dokumentiert hat.

Weidetierhalter fordern Wolfsabschuss

Wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. haben uns die Gegend, in der sich die Wölfin GW1166f – von uns Ulli von Ulrichstein genannt –  wohl ansiedeln wird, am Sonntag, den 15.12.19 mal etwas näher angeschaut. Die Gegend ist hügelig bis bergig, weitläufig, wenig besiedelt und Waldflächen wechseln sich mit Wiesen und Feldern ab. Ein ideales Gebiet für Wölfe, das einen ähnlichen Eindruck macht, wie die Heimat des Rosenthaler Rudels in Sachsen. Wir haben dort insgesamt fünf Weiden kontrolliert – auch im Bereich der nachgewiesenen Risse sowie auch Müll im Wald gesammelt. Hierbei sind wir auch auf Jagdfrevel gestoßen. Die Schafsweide entsprach den Mindestanforderungen in Hessen. Allerdings lag ein Schaf hilflos auf der Seite und es kam nicht mehr von alleine hoch. Wird es nicht gedreht, kann das Tier sterben. Wir haben die Polizei Alsfeld informiert und die freudige Nachricht erhalten, dass sich der Schäfer wie auch schon angekündigt, gleich auf den Weg gemacht hatte und das Schaf wieder hingestellt hatte, das daraufhin kurz danach Zwillinge zur Welt gebracht hatte. Mutter und Lämmchen geht es gut. Sämtliche Rinderweiden hatten keinen Mindestschutz, sondern es war lediglich eine Litze in Höhe von 80 bis 90 Zentimetern gespannt. Dass hier Kälber gerissen werden, ist bei solchen Weiden, die NICHT den Mindestanforderungen entsprechen, alles andere als verwunderlich.

Umso erstaunlicher ist es, dass sich von Rissen betroffene Bauern in der Lokalpresse mit solchen Forderungen präsentieren, wie Schäfer Bernd W. in der Oberhessischen Zeitung: „Die Weidetierhaltung darf nicht länger einer falschen Romantik und der ungehemmten Verbreitung des Wolfes untergeordnet werden, genauso wenig, wie das Sicherheitsgefühl der Menschen in den ländlichen Räumen.“

Zwei Wölfinnen, eine im Vogelsberg, die andere in Nordhessen, werden sesshaft

Zitat aus der Pressemeldung des HLNUG: „Die Wölfin mit dem Laborkürzel GW1166f wurde bei einem Rehriss im Vogelsberg am 27. Oktober erneut genetisch bestätigt. Nur zwei Tage später, am 29. Oktober, hinterließ dasselbe Tier beim Riss eines Angus-Kalbs im Vogelsberg seinen genetischen Fingerabdruck. Erstmals war GW1166f am 12. Juli 2019 anhand einer Losungsprobe (Wolfskot) identifiziert worden, sie hält sich seither im Gebiet um Ulrichstein im Vogelsberg auf. Nach wiederholtem Nachweis dieser „Ulrichsteiner Wölfin“ mittels DNA-Analyse über sechs Monate hinweg, würde GW1166f ab Mitte Januar 2020 als „territorial“ betrachtet (GW= Grauwolf, 1166= Labornummer, f= weiblich).“

Das zweite Tier, das erstmals seit dem Rüden vom Reinhardtswald in Hessen als territorial bezeichnet werden könnte, trägt das Kürzel GW1409f und wurde erstmalig am 1. August 2019 bei Herlefeld im Schwalm-Eder-Kreis an einem Rotwild-Alttier nachgewiesen. Diese Wölfin war laut der jüngsten Analyseergebnisse verantwortlich für drei Rissvorfälle in drei verschiedenen Landkreisen. Sie würde bei weiteren Bestätigungen am 1. Februar 2020 als sesshaft bezeichnet werden.

Die Gennachweise im Einzelnen:

02.11.2019     Sontra/Werra-Meißner-Kreis, Genetik Schafe, Wolf HW01, GW1409f
31.10.2019     Herlefeld/Schwalm-Eder-Kreis, Genetik Schaf, Wolf HW01, GW1409f
29.10.2019     Seifertshausen/Hersfeld-Rotenburg, Genetik Rotwild, Wolf HW01, GW1409f
29.10.2019     Unter-Seibertenrod/Vogelsbergkreis, Genetik Kalb, Wolf HW01, GW1166f
27.10.2019     Lardenbach/Vogelsbergkreis, Genetik Reh, Wolf HW01, GW1166f

Hier unser Faktencheck in Bildern:

Schafweide bei Romrod

Dieses festliegende Schaf fanden wir bei unserer Kontrolle am Sonntag Abend, den 15.12.19. Es kommt immer wieder vor, dass Schafe von alleine nicht wieder hochkommen. So werden sie auch leicht zum Opfer von streunenden Hunden oder Beutegreifern. Wir haben in diesem Fall auch nicht die Weide betreten und das Schaf umgedreht (was nicht legal gewesen wäre), sondern wir haben die Polizei angerufen. Nach einigem Hin und Her hatte die Polizei Alsfeld und auch zugesichert, den Weidetierhalter ausfindig machen zu lassen und darüber zu informieren, dass er sein Schaf umdrehen muss.

UPDATE: 18.12.19 – Die Polizei Alsfeld hat nachgeforscht, was mit dem Schaf weiter passiert ist und nun die freudige Nachricht erteilt, dass sich der Schäfer wie auch schon angekündigt, gleich auf den Weg gemacht hatte und das Schaf wieder hingestellt hatte, das daraufhin kurz danach Zwillinge zur Welt gebracht hatte. Mutter und Lämmchen geht es gut.

Das festgelegene Schaf gehörte zu dieser Schafsherde bei Romrod.
90 Zentimeter hohe Standardnetze gelten in Hessen als ausreichende Umzäunung, während in anderen Bundesländern 1,10 Meter mit zusätzlichem Flatterband üblich ist.
Überall maßen wir. Hier sind es 10.000 Volt – auch auf der Litze am Boden.
Das Gelände, auf dem sich die Wölfin „Ulli von Ulrichstein“ niedergelassen hat, gleicht dem des Rosenthaler Rudels in Sachsen. Hier wechseln sich kleinere Waldflächen mit Wiesen und Äckern ab.

Vier Rinderweiden bei Ulrichstein Unter- und Oberseifertenrod

Rinderweide bei Seibertenrod, direkt mit Hochsitz. Bei Haltung einer kleinen Anzahl von Rindern oder Pferden wird laut Hessischem Wolfsmanagementplan ein Elektrozaun mit 4 Litzen und maximal 20cm Bodenabstand empfohlen. Die Funktionsfähigkeit von Zaun und Elektrogerät muss regelmäßig überwacht werden. Bereits aus Tierschutzgründen muss der Zustand der Tiere einmal pro Tag überprüft werden. Hierbei ist die Kontrolle der Einzäunung auf unversehrte Funktionsfähigkeit wichtig.
Während unserer Kontrolle überquerte eine Wildschweinfamilie (siehe Hintergrund) die Weide. Dadurch gerieten auch die Kühe in Bewegung und rannten hinter den Schweinen her.
Eine einzige Litze, 78 Zentimeter hoch und völlig ohne Spannung.
Die Rinder kamen im hinteren Teil der Weide zum Stehen. Zum Glück muss man sagen, denn auf der einzelnen Litze war keine Spannung. So wundert es nicht, dass ständig ausgebrochene Weidetiere gemeldet werden.
Weide mit Mutterkühen, Bullen und Kälbern bei Seibertenrod, Auch hier wird wie überall in dem Gebiet, die Weide von einer einzigen Litze begrenzt. Für Spaziergänger unter Umständen gefährlich. Bei einem Bullen mit auf der Weide wird sich die Wölfin höchstwahrscheinlich nicht herantrauen, doch kleine Kälber können selber unter der Litze hindurch und finden evtl. den Weg nicht mehr zurück. So können sie eben doch leicht zum Opfer von wildernden Hunden oder Beutegreifern werden.
Kleine Kälber stehen hier auf einer Wiede, die nur von einer Litze umzäunt ist.
Die nächste Weide mit Mutterkühen, Bullen und Kälbern bei Seibertenrod wird von Büschen umrahmt. Innen sind zwei weitere Litzen aus Metall ohne Spannung angebracht. Eine einzige Litze in Höhe von 80 Zentimetern führt 4.000 Volt. Doch hier kommen Beutegreifer mühelos unten durch.
Hier ein Nebeneingang zur Weide.
Die Mutterkühe, Kälber und Bullen leben unter idealen Bedingungen in Weidehaltung. Dennoch werden sie nicht ordentlich geschützt. Eine Litze in Höhe von 80 Zentimetern ist zu wenig.
Eine Litze in Höhe von 83 Zenitmetern mit 10.000 Volt reicht dennoch nicht aus, weil sowohl Kälber, als auch Beutegreifer unten durch gelangen können.
In einem Waldstück südlich von Romrod haben wir diesen Jagdfrevel entdeckt. Jäger ließen ein erschossenes und ausgeweidetes Wildschwein einfach im Wald liegen. Problematisch in Zeiten der ASP. Siehe auch hier: https://umwelt.hessen.de/presse/pressemitteilung/hessen-bereitet-sich-auf-afrikanische-schweinepest-vor
Jagdfrevel in einem Waldstück bei Romrod. Scharen von Raben und einige Bussarde führten uns zu diesem Kadaver. Wir dachten zuerst einen Wolfsriss entdeckt zu haben, doch es stand sehr schnell fest, dass hier zweibeinige Jäger am Werk gewesen sind.
Auf der gegenüberliegenden Seite waren Einweghandschuhe achtlos weggeworfen worden. So wird der Wald von Jägern vermüllt.

 

 

Einweghandschuh neben dem toten Wildschwein.

 

 

 

Quellen: https://www.hlnug.de/presse/pressemitteilung?tx_news_pi1[action]=detail&tx_news_pi1[controller]=News&tx_news_pi1[news]=292&cHash=78fe7f469093cd552c24ba3c78af6f5a&fbclid=IwAR226vHIMwRdr23UtkCV_g0TAuaMIp18z9asELaoUTe-py0f93eEdfPbyc8

https://umwelt.hessen.de/sites/default/files/media/hmuelv/wolfsmanagementfuerhessen.pdf

https://umwelt.hessen.de/presse/pressemitteilung/hessen-bereitet-sich-auf-afrikanische-schweinepest-vor

https://www.hlnug.de/presse/pressemitteilung?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=316&cHash=404d7a82240ebbf5b30b1c2448fe1366

https://www.oberhessische-zeitung.de/lokales/vogelsbergkreis/ulrichstein/wolf-reisst-kalb-bei-ulrichstein_20855248?fbclid=IwAR0edbKXCjG6E1kR2H6vQ09gxV-lq5ZIv4Pwbtdvx-TaFyOr11l5amopdbo

 

 

 

 

Wölfe auch in Hessen wieder daheim – HLNUG mahnt Weidertierhalter zum Schutz ihrer Tiere an.

Nutztierhaltern in Hessen wird dringend empfohlen, ihre Weidetiere nach guter fachlicher Praxis mit standardgemäßen Stromzäunen zu schützen, denn es muss jederzeit überall in Hessen mit durchziehenden Wölfen gerechnet werden, schreibt das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie in einer Pressemitteilung vom 31. Oktober 2019.

Wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. halten Standardzäune in einer Höhe von nur 90 Zentimetern allerdings für nicht ausreichend. Auch eine Spannung von nur 2.000 Volt erachten wir als zu niedrig an. In anderen Bundesländern, in denen sich Wolfsrudel niedergelassen haben, werden nicht ohne Grund wolfsabweisende Netze in Höhe von 1,10 Metern, verstärkt mit einer zusätzlichen Litze sowie das Anbringen von Flatterbändern empfohlen. Auch wären 4.000 bis 10.000 Volt auf solchen Zäunen wirkungsvoller. Unsere Weidekontrollen in Wolfsgebieten wiesen allerdings nach, dass auf sehr vielen Zäunen gar kein Strom vorhanden war.

Indes fordern Weidetierhalter wohl, dass ihnen Standartzäune und die besseren wolfsabweisenden Netze von extra eingestellten Mitarbeitern kostenfrei aufgebaut werden sollen. Dies ist unserer Ansicht nach der völlig falsche Weg. Vielmehr sollte es endlich eine bundesweit einheitliche Lösung mit der kompletten Bezahlung von wolfsabweisenden Zäunen für alle Berufs- und Hobbyweidetierhalter in ganz Deutschland (was auch wandernde Jungwölfe einschließen würde) geben, wie es ja auch von der EU seit Anfang des Jahres erlaubt wurde. Desweiteren fordern auch wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. eine höhere Weidetierprämie für Weidetierhalter *innen. Dafür sollte es dann aber auch keine Entschädigung bei Rissen mehr geben. Ganz zu schweigen von Abschussgenehmigungen aufgrund von Rissen. Dies zieht lediglich alle möglichen Tricksereien bestimmter Weidetierhalter *innen nach sich, die das Wohl ihrer Tiere aufs Spiel setzen, um einen Abschuss zu erlangen. Wir haben bei zahlreichen Kontrollen nachgewiesen, dass hier teilweise kein Strom auf den Zäunen war und sich große Lücken in den Zäunen befanden. Wir halten deswegen auch die Änderung des Naturschutzgesetzes (Lex-Wolf) für völlig verfehlt. https://wolfsschutz-deutschland.de/2019/10/26/bundestag-oeffnet-der-wiederausrottung-der-woelfe-tuer-und-tor-debatte-in-der-nacht-zeigt-den-maechtigen-einfluss-der-lobbyisten/

Am 14. Oktober 2019 sei ein Landwirt bei Rotenburg-Seifertshausen/Landkreis Hersfeld-Rotenburg von Spaziergängern darüber informiert worden, dass ein totes Schaf weit abseits der Koppel gelegen hätte. Der Schafhalter hätte dann festgestellt, dass die gesamte Herde ausgebrochen war und ein weiteres Schaf sei später am Tag ebenfalls tot aufgefunden worden. Laut HLUNG lag der Verdacht nahe, dass hier ein großer Beutegreifer am Werk gewesen sein könnte, weshalb ein geschulter Rissgutachter des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hinzugezogen worden sei. An den toten Schafen sei jetzt eindeutig Wolfs-DNA nachgewiesen worden, d.h. die Tiere seien von einem Wolf getötet worden.

Ein weiterer Landwirt hatte am 04. Oktober drei tote Schafe vorgefunden. Ein weiteres Schaf musste durch den hinzugezogenen Tierarzt auf Grund seiner Verletzungen eingeschläfert werden, schreibt das HLUNG. Die Tiere seien ebenfalls durch einen Wolf getötet worden.

Hintergrund:
Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg kam es seit Ende März 2019 bereits zu drei Vorfällen, bei denen Schafe nachweislich durch einen Wolf getötet wurden und zwar am 30.03.2019 bei Alheim/Licherode und am 14.06.2019 bei Ronshausen und am 04.10.2019 bei Dens-Nentershausen.
Mittlerweile ist genetisch bestätigt, dass es sich bei den Vorfällen in Dens-Nentershausen und einem getöteten weiblichen Rotwild (01.08.2019 bei Herlefeld, Schwalm-Eder-Kreis) um dieselbe Wölfin mit dem Laborkürzel GW1409f (GW= GrauWolf, 1409=fortlaufende Nr., f= weiblich) handelt.
Ob diese Wölfin auch für den jüngsten Fall in Seifertshausen verantwortlich ist, wird sich klären, wenn die weiteren genetischen Untersuchungen eine Individualisierung erlauben. Bisher gelang nur die genetische Zuordnung zur sogenannten mitteleuropäischen Flachlandpopulation.
Weitere Verdachtsfälle wurden untersucht, konnten aber genetisch nicht oder noch nicht bestätigt werden.

Im benachbarten Werra-Meißner-Kreis bei Schemmern hätte ein  Landwirt auf seinem Acker am 02.10.2019 per Handy einen Wolf gefilmt.

Am 19. Oktober 2019 fand ein Landwirt bei Poppenhausen/Abtsroda drei seiner Schafe tot auf der Wiese, eines der Tiere lag außerhalb der Koppel. Es lag der Verdacht nahe, dass hier ein großer Beutegreifer am Werk gewesen war, weshalb der geschulte Rissgutachter des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hinzugezogen wurde, schreibt das HLNUG in seiner Pressemitteilung.  An den toten Schafen sei eindeutig Wolfs-DNA nachgewiesen, d.h. die Tiere seien von einem Wolf getötet worden.

Im Landkreis Fulda kam es bereits am 15. April 2019 in Mittelkalbach zu einem Vorfall, bei dem mehrere Schafe nachweislich durch einen Wolf getötet wurden.  Dieses Tier wurde damals als Wölfin mit dem Laborkürzel GW1227f identifiziert (GW= GrauWolf, 1227=fortlaufende Nr., f= weiblich).
Diese Wölfin wurde allerdings am 29.09.2019 nachweislich auf der L3199 im Jossgrund (Main-Kinzig-Kreis) überfahren.

Im Vogelsberg geht das HLNUG sogar fest davon aus, dass sich eine Wölfin dort niedergelassen hat

Am 03. September 2019 sei  vom Landwirt eines Milchviehbetriebs in Unter-Seibertenrod/Vogelsberg ein neu geborenes schwarzbuntes Kalb tot auf seiner Weide gefunden worden.

Das wenige Stunden alte weibliche Kalb hätte massive Fraßspuren an Rumpf und Hinterbeinen aufgewiesen, so dass der Verdacht nahegelegen hätte, dass hier ein großer Beutegreifer am Werk gewesen sein könnte. An dem toten Kalb habe man eindeutig Wolfs-DNA nachgewiesen, d.h. es sei tatsächlich von einem Wolf getötet worden.

Hintergrund: Seit mindestens Mai 2019 hält sich nachweislich ein Wolf im Vogelsberg im Gebiet um Ulrichstein auf, schreibt das HLUNG in seiner Pressemitteilung. Das Tier wäre bereits mehrfach durch Zufalls-Fotografien und – an einem Reh-Riss auch genetisch – nachgewiesen worden. Weiterhin sei der Wolf im Rahmen eines aktiven Monitorings im Gebiet durch Fotofallen des HLNUG und durch Losungsproben (Kot des Wolfs) bereits mehrfach bestätigt worden.Wenn dasselbe Individuum über einen Zeitraum von sechs Monaten in einer Region nachgewiesen wird, geht die hessische Landesverwaltung davon aus, dass sich das Tier fest in Hessen niedergelassen hat.

Liste der Wolfsnachsweise in Hessen seit 2008 – https://www.hlnug.de/themen/naturschutz/tiere-und-pflanzen/arten-melden/wolf?fbclid=IwAR3ERrBarUyQDNsR5laCoNiFajt_MHW_JljDzywQ-fLtoz3Vb5OBtRVYcOI

Quellen: https://www.hlnug.de/presse/pressemitteilung?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=276&cHash=ddc5aa3d1988a68c9f74edcc42af2226

https://www.hlnug.de/presse/pressemitteilung?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=274&cHash=7327aeb22e1e3be4e0b9dafbf0eba5f4

https://www.hlnug.de/presse/pressemitteilung?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=252&cHash=adefff53de796629571d630c92f9395f

https://www.hlnug.de/presse/pressemitteilung?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=254&cHash=b5def1279c36d768550d0dbeb0fdd660

https://www.hlnug.de/presse/pressemitteilung?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=260&cHash=d12c82f8b235dcbe489c626e5710519a

Wolfsschutz-Deutschland informiert auf dem Sommerfest des Tierschutzvereins Mainz über seine Arbeit und die Wölfe

von links: Angelika Zipper, Brigitte Sommer, Frank Dreyer.

P R E S S E M I T T E I L U N G

4. Septembear 2019

Alles, was man über den Wolf in Deutschland wissen will, erfahren die Besucher des Sommerfestes des Tierschutzvereins und des Tierheims Mainz auf dem Stand des Vereins Wolfsschutz-Deutschland e.V. am Sonntag, den 8. September. Von 10.30 bis 17 Uhr kann sich jeder am Wolfsschutzpavillon über den Wolf in Deutschland und die Aktivitäten des Verein Wolfsschutz-Deutschland e.V. informieren.

Der Naturschutzverein Wolfsschutz-Deutschland e.V.  ( www.wolfsschutz-deutschland.de) kämpft derzeit in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gegen die von den Umweltministern Lies (SPD, Niedersachsen) und Albrecht (Die Grünen, Schleswig-Holstein) verfügten Abschussgenehmingen gegen die Wölfe Roddy und Dani. Trotz der zumeist nicht vorhandenen wolfsabweisenden Zäune haben die beiden Politiker jetzt die Abschussverfügung verlängert. Angelika Zipper, Gudrun Zimmermann und Klaus Giar von Wolfsschutz-Deutschland e.V. informieren die Besucher aber auch über die „Lex Wolf“, eine Verschärfung des Bundesnaturschutzgesetzes, die demnächst vom Bundestag verabschiedet wird. Stimmt der Bundestag dieser Neuregelung zu, kann praktisch jeder Wolf abgeschossen werden, ohne dass es eines Nachweises bedarf, ob er ein Nutztier gerissen hat. Selbst ganze Wolfsrudel könnten getötet werden.

Wie die Vereinsvorsitzende Brigitte Sommer erklärt, sei in Hessen noch kein Wolf sesshaft geworden Es gebe aber viele Wölfe, die Hessen als Transitstrecke durchwandern. Die Aufklärung über den Wolf sei dem Verein Wolfsschutz-Deutschland e.V. sehr wichtig. Auf Wunsch werden Nutztierhalter, die geeignete Schutzmaßnahmen vornehmen wollen, auch unterstützt.

 

 

 

Weidetiere: in Hessen stehen zwölf Wolfsrisse 35.000 anderen Todesursachen gegenüber – Hessen setzt auf Herdenschutz und Weidetierprämie

„Vermehrte Wolfsnachweise in den letzten Monaten zeigen: Der Wolf ist in Hessen keine Besonderheit mehr, er gehört dazu“, erklärte Umweltministerin Priska Hinz am Mittwoch in Wiesbaden. „Mit der neuen Herdenschutzprämie Plus zahlen wir landesweit einen Zuschuss für den Arbeitsmehraufwand und Investitionskosten beim Herdenschutz. Gleichzeitig wolle das hessische Umweltministerium für das Thema sichere Weidezäune sensibilisieren: Die meisten Nutztiere würden gerissen, wenn eine Weide nicht fachgerecht gesichert sei. Oftmals sind die Zäune nicht ausreichend elektrifiziert oder die Weide an einer Seite nur durch einen flachen Bach abgegrenzt. Das reiche nicht aus. Das Umweltministerium ruft alle Weidetierhalterinnen und -halter dazu auf, ihre Schafe und Ziegen nach guter fachlicher Praxis zu schützen. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) stehe den hessischen Weidetierhalterinnen und -haltern beratend zur Seite und gebe wertvolle Hinweise, wie ein sicherer Weidezaun ausgestaltet sein soll“, so Hinz in einer Pressemitteilung des hessischen Umweltministeriums weiter.

Für die neue Flächenprämie von 31 Euro pro Hektar stellt das Umweltministerium jährlich 500.000 Euro Landesmittel bereit. Antragsteller verpflichten sich zu einem Herdenschutz nach guter fachlicher Praxis mit täglichen Zaunkontrollen, Festzäunen in einer Höhe von 120 cm und zusätzlicher Elektroleitung oder einen rundum Elektrozaun in Höhe von mindestens 90 cm. Damit wird der Mehraufwand abgegolten und nicht nur die einmalige Investition für einen Zaun. Die Antragsformulare werden heute an die landwirtschaftlichen Förderstellen versendet. Antragsfrist ist der 31. Juli.

Eine zusätzliche Förderrichtlinie für Investitionen in den Herdenschutz, die bundesweit ab 2020 gelten soll, befinde sich aktuell in Arbeit. Sie muss von der EU noch genehmigt werden. Damit können weitere Investitionen in die Weidetierhaltung finanziert werden, wenn sich Wölfe fest in Hessen niederlassen und Reviere bilden. Diese Richtlinie wird dann auch die Entschädigung bei Rissen regeln. Allerdings erhielten auch jetzt schon Weidetierhalter eine unbürokratische Entschädigungszahlung im Einzelfall. Voraussetzung wäre, dass die Tierhalter ihrer Verpflichtung zum Schutz ihrer Tiere nachgekommen sind.

Hinz: „Die Weidetierhalterinnen und -halter leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Offenlandschaft und damit zum Naturschutz, zur Artenvielfalt und zur Erhaltung unserer Landschaftsbilder. Leider werden sie immer weniger. Die Rückkehr des Wolfes spielt dabei, wenn überhaupt nur eine geringe Rolle. Ursache ist in erster Linie die schon lange bestehende oft prekäre Einkommenssituation der Weidetierhalterinnen und –halter. Wir nehmen ihre Sorgen ernst und setzten uns auf Bundesebene für eine Weidetierprämie zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation ein. Darüber hinaus ist die Weidetierhaltung – besonders die Haltung von Schafen und Ziegen – wegen der niedrigen Preise für Fleisch und Wolle in den meisten Fällen nicht mehr wirtschaftlich lohnend. Wir unterstützen daher den Aufbau von regionalen Wertschöpfungsketten und Selbstvermarktungsmöglichkeiten im Rahmen der Ökomodellregionen“.

Desweiteren gibt Hinz Zahlen bekannt: „Beim Thema Wolfrisse ist zu beachten, dass bei der ganz normalen Haltung ohne besondere Vorfälle in Hessen jährlich rund 15.000 Schafe und Ziegen sowie mehr als 20.000 Kälber während der Geburt, durch Krankheiten oder andere Ursachen vorzeitig zu Tode kommen. Im Vergleich wurden in diesem Jahr in Hessen 12 Wolfsrisse bei Nutztieren nachgewiesen.“

Wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. unterstützen auch in Hessen Weidetierhalter, die Hilfe beim Zaunbau benötigen. Im Gegensatz zu anderen Organisationen halten wir allerdings vertraglich fest, dass sich diese Halter auch öffentlich für Wölfe einsetzen und nicht nach der kostenlosen Hilfe das nächste Mahnfeuer besuchen und dort Wolfsabschuss fordern, wie es auch schon vorgekommen ist.  Anfragen über unser Kontaktformular auf der Seite. 

Hier die Pressemitteilung: https://umwelt.hessen.de/presse/pressemitteilung/herdenschutzpraemie-plus-31-euro-pro-hektar-ganz-hessen-zum-schutz-von-schaf-und-ziegenherden?fbclid=IwAR1L9JKKr8yAGEYzJotrNVYJcakdxxPQIvdt6fTr3Hz0nGA4mFDSl__71TM