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Weidetiere: in Hessen stehen zwölf Wolfsrisse 35.000 anderen Todesursachen gegenüber – Hessen setzt auf Herdenschutz und Weidetierprämie

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„Vermehrte Wolfsnachweise in den letzten Monaten zeigen: Der Wolf ist in Hessen keine Besonderheit mehr, er gehört dazu“, erklärte Umweltministerin Priska Hinz am Mittwoch in Wiesbaden. „Mit der neuen Herdenschutzprämie Plus zahlen wir landesweit einen Zuschuss für den Arbeitsmehraufwand und Investitionskosten beim Herdenschutz. Gleichzeitig wolle das hessische Umweltministerium für das Thema sichere Weidezäune sensibilisieren: Die meisten Nutztiere würden gerissen, wenn eine Weide nicht fachgerecht gesichert sei. Oftmals sind die Zäune nicht ausreichend elektrifiziert oder die Weide an einer Seite nur durch einen flachen Bach abgegrenzt. Das reiche nicht aus. Das Umweltministerium ruft alle Weidetierhalterinnen und -halter dazu auf, ihre Schafe und Ziegen nach guter fachlicher Praxis zu schützen. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) stehe den hessischen Weidetierhalterinnen und -haltern beratend zur Seite und gebe wertvolle Hinweise, wie ein sicherer Weidezaun ausgestaltet sein soll“, so Hinz in einer Pressemitteilung des hessischen Umweltministeriums weiter.

Für die neue Flächenprämie von 31 Euro pro Hektar stellt das Umweltministerium jährlich 500.000 Euro Landesmittel bereit. Antragsteller verpflichten sich zu einem Herdenschutz nach guter fachlicher Praxis mit täglichen Zaunkontrollen, Festzäunen in einer Höhe von 120 cm und zusätzlicher Elektroleitung oder einen rundum Elektrozaun in Höhe von mindestens 90 cm. Damit wird der Mehraufwand abgegolten und nicht nur die einmalige Investition für einen Zaun. Die Antragsformulare werden heute an die landwirtschaftlichen Förderstellen versendet. Antragsfrist ist der 31. Juli.

Eine zusätzliche Förderrichtlinie für Investitionen in den Herdenschutz, die bundesweit ab 2020 gelten soll, befinde sich aktuell in Arbeit. Sie muss von der EU noch genehmigt werden. Damit können weitere Investitionen in die Weidetierhaltung finanziert werden, wenn sich Wölfe fest in Hessen niederlassen und Reviere bilden. Diese Richtlinie wird dann auch die Entschädigung bei Rissen regeln. Allerdings erhielten auch jetzt schon Weidetierhalter eine unbürokratische Entschädigungszahlung im Einzelfall. Voraussetzung wäre, dass die Tierhalter ihrer Verpflichtung zum Schutz ihrer Tiere nachgekommen sind.

Hinz: „Die Weidetierhalterinnen und -halter leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Offenlandschaft und damit zum Naturschutz, zur Artenvielfalt und zur Erhaltung unserer Landschaftsbilder. Leider werden sie immer weniger. Die Rückkehr des Wolfes spielt dabei, wenn überhaupt nur eine geringe Rolle. Ursache ist in erster Linie die schon lange bestehende oft prekäre Einkommenssituation der Weidetierhalterinnen und –halter. Wir nehmen ihre Sorgen ernst und setzten uns auf Bundesebene für eine Weidetierprämie zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation ein. Darüber hinaus ist die Weidetierhaltung – besonders die Haltung von Schafen und Ziegen – wegen der niedrigen Preise für Fleisch und Wolle in den meisten Fällen nicht mehr wirtschaftlich lohnend. Wir unterstützen daher den Aufbau von regionalen Wertschöpfungsketten und Selbstvermarktungsmöglichkeiten im Rahmen der Ökomodellregionen“.

Desweiteren gibt Hinz Zahlen bekannt: „Beim Thema Wolfrisse ist zu beachten, dass bei der ganz normalen Haltung ohne besondere Vorfälle in Hessen jährlich rund 15.000 Schafe und Ziegen sowie mehr als 20.000 Kälber während der Geburt, durch Krankheiten oder andere Ursachen vorzeitig zu Tode kommen. Im Vergleich wurden in diesem Jahr in Hessen 12 Wolfsrisse bei Nutztieren nachgewiesen.“

Wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. unterstützen auch in Hessen Weidetierhalter, die Hilfe beim Zaunbau benötigen. Im Gegensatz zu anderen Organisationen halten wir allerdings vertraglich fest, dass sich diese Halter auch öffentlich für Wölfe einsetzen und nicht nach der kostenlosen Hilfe das nächste Mahnfeuer besuchen und dort Wolfsabschuss fordern, wie es auch schon vorgekommen ist.  Anfragen über unser Kontaktformular auf der Seite. 

Hier die Pressemitteilung: https://umwelt.hessen.de/presse/pressemitteilung/herdenschutzpraemie-plus-31-euro-pro-hektar-ganz-hessen-zum-schutz-von-schaf-und-ziegenherden?fbclid=IwAR1L9JKKr8yAGEYzJotrNVYJcakdxxPQIvdt6fTr3Hz0nGA4mFDSl__71TM

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12 Gedanken zu „Weidetiere: in Hessen stehen zwölf Wolfsrisse 35.000 anderen Todesursachen gegenüber – Hessen setzt auf Herdenschutz und Weidetierprämie

  1. Da könnten sich andere, sog. Möchtegern – Umweltminister (z.B. Lies und Albrecht etc.), ein Beispiel nehmen!
    Anstatt Populismus und Polemik zu verbreiten, könnten sie ein ähnliches System aufbauen und dadurch Fakten schaffen für diejenigen, die lieber den Wolfsabschuss fordern und Mahnfeuer besuchen, anstatt Herdenschutz zu betreiben!

  2. Mit dieser Regelung ist Hessen ein Super-Vorbild. Ich kann bzw. wir können nur hoffen, dass die anderen Bundesländer auch eine solche vorbildliche Regelung schaffen. Ganz herzlichen Dank Frau Ministerin Hinz!

  3. Warum nur in Hessen und nicht in ganz Deutschland?! Die Zahlen in Hessen beweisen, dass die Schäden durch den Wolf nur marginal sind. Und wären die Nutztiere vernünftig eingezäunt worden, hätte es wahrscheinlich noch wesentlich weniger Risse gegeben.

  4. Ministerin Hinz hat Empathie und Sachverstand, wie gut, dass es auch solche Politiker gibt. Es wäre zu wünschen, dass sich die anderen Verantwortlichen endlich ihrer Verantwortung bewusst würden und dem Beispiel von Frau Hinz folgen würden. Wenn die Herdentiere gut geschützt sind bleiben die Wölfe im Wald und da gehören sie auch hin, die menschlichen Jäger nicht!

  5. So, wie es aussieht, macht eine Frau als Ministerin, ihren männlichen Kollegen vor, wie es gehen kann und sollte. Die in meinen Augen unfähigen UM Lies und Albrecht hingegen, sollten sich schämen und endlich ihren Platz räumen. Ein großes Lob für Hessens Umwelt Ministerin Hinz. Ich wünsche Ihr und den Wölfen, dass sie stark bleibt und nicht „umfällt.“

    1. Naja, die Frauen haben verantwortungsvolles Handeln auch nicht gepachtet siehe Julia Klöckner und Svenja Schulze. Letztere will jetzt zwar nach eigener Aussage auf die Befindlichkeiten der Union keine Rücksicht mehr nehmen, aber zur Nachfrage dann wegen Rücknahme Lex Wolf kam auch keine Reaktion. Umso erfreulicher und Hoffnung machend ist nun Hessen.

  6. Hoffentlich hält Frau Hinz den Druck der Lobby aus, denn solche schon fast mutigen aber „unpopulären“ Entscheidungen rufen bestimmt bald die Gegner auf den Plan….

  7. Jäger sind Menschen, die ganz offensichtlich Freude daran haben, unschuldige Tiere sinn- und grundlos zu töten. Zeigen wir ihnen als Tierfreunde unsere Verachtung! Mit einem einzigen Satz können wir ihnen den Spaß an ihrem blutigen Sport verderben, wenn wir Tiermörder gewöhnlichen Mördern gleichsetzen.
    Stellen wir doch jedem Grünrock, den wir im Wald mit einem Gewehr antreffen die gleiche Frage:
    „Heute schon gemordet?“ Wenn ein paar hunderttausend Tierfreunde ihnen immer wieder die gleiche Frage stellen, wird das Wirkung zeigen.

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