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Erstes kleines Wolfsrudel im Raum Schermbeck – Abschusspläne abgelehnt

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Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigt drei Wölfe im Gebiet von Schermbeck. Neben Gloria und ihrem Bruder Ingolf soll nun auch ein Welpe nachgewiesen worden sein. Damit wäre das erste Rudel dort nachgewiesen. Gleichzeitig stimmte der Schermbecker Gemeinderat für den Abschuss von Wölfin Gloria ab. Dies schätzen wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. als eine reine Symbolpolitik ein, denn der Gemeinderat hat überhaupt keine Entscheidungsbefügnis. Umweltministerin Heinen-Esser sieht dies anscheinend genauso und gibt dem Gemeinderat einen Korb. Wir suchen nun auch einen Namen für den Welpen.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigt in einer Pressemitteilung, dass am Vormittag des 24.11.2020 in einem Waldgebiet in Hünxe drei Wölfe von einer Fotofalle fotografiert und gefilmt wurden. Betreut werde diese Fotofalle von zwei ehrenamtlich für das LANUV agierenden Wolfsberatern, die diesen Standort aufgrund ihrer sehr guten Kenntnisse vor Ort und des Fachwissens über das Verhalten von Wölfen ausgewählt hätten. Mit diesen Aufnahmen wurden im Wolfsgebiet Schermbeck erstmals drei Wölfe gemeinsam nachgewiesen. Das Alter und Geschlecht der Wölfe ließe sich auf diesen Aufnahmen nicht erkennen, heisst es weiter.  Am 05.12.2020 wurden in Hünxe zwei Wölfe beobachtet und gefilmt. Die Aufnahmen seien von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) geprüft worden und es hätte sich herausgestellt, dass es sich bei dem zweiten Wolf um einen etwa sechs Monate alten Welpen handele. Es sei daher mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es sich um einen Welpen der im Territorium vorkommenden Wölfe GW954f (Gloria) und GW1587m (Ingolf)  handeln würde. Es lägen dem LANUV allerdings keine Bildaufnahmen aus den Sommermonaten vor, auf denen ein Wolf als diesjähriger Welpe identifiziert werden konnte.

In Wölfin Glorias Revier wurden nun drei Wölfe nachgewiesen. Das dritte Tier ist von Experten als Welpe deklariert worden. Damit bilden Gloria, Ingolf und der Welpe nun ein kleines Rudel. Beispielbild ©Brigitte Sommer

Wölfe vermehren sich nur ein Mal im Jahr

Im ersten Winter erreichen junge Wölfe bereits fast die Körpergröße von erwachsenen und lassen sich nur bei sehr guten Bildaufnahmen noch als Welpen identifizieren. Anders als bei Haushunden werden Wölfinnen nur einmal im Jahr paarungsbereit, in der Regel im Februar. Neben der ortstreuen Wölfin GW954f konnte das LANUV im April 2020 erstmals das Vorkommen eines männlichen Wolfes mit der Kennung GW1587m im Wolfsgebiet Schermbeck bestätigen. Wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. haben ihm dem Namen Ingolf gegeben. https://wolfsschutz-deutschland.de/2020/12/05/nrw-woelfin-glorias-bruder-heisst-jetzt-ingolf-von-wesel/

Schermbecker Gemeinderat stimmt für Abschuss

Der Rat der Gemeinde Schermbeck fordert die zuständigen Behörden und das Ministerium für Umwelt– und Verbraucherschutz des Landes NRW auf, zum Problemwolf zu erklären und deren Entnahme anzuordnen.  FDP-Ratsherr Simon Bremer hatte die Resolution zur Entnahme der Wölfin angeregt und von Rainer Gardemann, Fraktionsvorsitzender der CDU, ergänzte in einem Bericht in der NRZ: „Wenn man sich hier umhört, ist die Meinung über die Problemwölfin in Schermbeck einhellig. Ich finde wir sollten alle staatlichen Behörden endlich auffordern, Farbe zu bekennen. bei diesem Wolf die Entnahme anzuordnen. Dann ist das deren Job, wir können dazu nur anregen.“

Reine Symbolpoltik

Wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. deuten diesen Vorstoß als reine Symbolpolitik. Diesem Vorstoß sind erneut wieder Rissvorfälle vorausgegangen, die wir als reine Rissprovokationen wahrnehmen. Dazu kommt das Schüren von Panik, wie sie vom Gahlener Forum ausgeht. Es stellt sich sogar die Frage, ob man hier selbst nicht davor zurückschreckt, Risse zu kreieren und diese dann auch gleich selber auszuwerten.

Umweltministerium sieht keinen Grund zum Abschuss

»Derzeit sieht das Umweltministerium keinen Handlungsbedarf bei Wölfin Gloria. Nach allen bisher vorliegenden Daten ist eine Entnahme nicht rechtssicher begründbar“, sagte Ministerin Ursula Heinen-Esser (CDU), dem WDR.  Außerdem ergänzte sie: „Die Region ist geeignet für Wölfe, weshalb davon auszugehen ist, dass sich auch in der Zukunft immer wieder Wölfe dort ansiedeln und leben werden.«

Wir suchen einen Namen für den Welpen

Wolfsschutz Deutschland e. V. sucht nun auch einen Namen für den Welpen. Vorschläge bitte bis zum 10.01.2021  per Mail an Ulrike.deheuvel@wolfsschutz-deutschland.de –

Bericht vom WDR mit eingebautem Video, das Wölfin Gloria mit einem Welpen zeigen soll. https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/schermbeck-rat-toetung-wolf-gloria-100.html

Weitere Quellen: https://www.nrz.de/staedte/wesel-hamminkeln-schermbeck/schermbecker-rat-stimmt-fuer-die-toetung-von-woelfin-gloria-id231209332.html?fbclid=IwAR17Hc0t_J9LKZbzjdMls9jjSzjzrDepYYl5Wsy-RUq5bz3W-ME-pXhNdYQ

Pressemitteilung des Umweltministeriums: https://wolf.nrw/wolf/de/aktuelles/2020-12-22?fbclid=IwAR1uVfAQT2IotfHsAg9WPv6hmQye8V1i2M2AEDtr37guDl0UDyu85uITD3s

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Auf Wildkamera entdeckt: ein Goldschakal erkundet Nordrhein-Westfahlen

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Kleiner Bruder, kleine Schwester des Wolfs: Erstmals ein Goldschakal in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen

©Odin Franke

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigt erstmals Nachweise eines Goldschakals (Canis aureus) für Nordrhein-Westfalen. Es handelt sich um einen männlichen Goldschakal, der im August 2020 zunächst in Mülheim an der Ruhr nachgewiesen wurde und im September nahe der niederländischen Grenze in Kranenburg/Kreis Kleve erneut genetisch erfasst werden konnte.

Am 18. August 2020 wurde auf einer Weide in Mülheim an der Ruhr ein Schaf tot aufgefunden. Die genetischen Untersuchungen durch das Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen kamen jetzt zu dem Ergebnis, dass das Schaf durch einen männlichen Goldschakal getötet wurde. Ihm wurde die Kennung GG010m zugewiesen. Zwei am Vortag auf dieser Weide ums Leben gekommene Schafe sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls diesem Individuum zuzuschreiben. Eine genetische Beprobung war aufgrund der bereits erfolgten Tierkörperbeseitigung nicht mehr möglich.

Am 23. August 2020 wurde ein Goldschakal an dieser Schafweide von einer Wildkamera erfasst. Die Aufnahmen wurden von nationalen und internationalen Experten verifiziert. Weitere DNA-Spuren von GG010m konnten an einem am 27.08.2020 gefundenen Rehkitz festgestellt werden.

Am 25. und am 28. September 2020 wurden in Kranenburg tote Schafe auf einer Weide gefunden. Die genetischen Untersuchungen durch das Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen belegen ganz aktuell, dass auch diese Schafe durch den männlichen Goldschakal mit der Kennung GG010m getötet wurden.

Das LANUV weist darauf hin, dass Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor dem Wolf grundsätzlich auch zum Schutz vor Goldschakalen, Füchsen und Hunden geeignet sind. Halter von Schafen, Ziegen und Gehegewild in Wolfsgebieten und Pufferzonen können Fördermittel für den Erwerb von Elektrozäunen und die wolfsabweisende Optimierung bestehender Zäune und Zubehör für den Schutz ihrer Herden vor Übergriffen beantragen.

Hintergrund zum Goldschakal

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Goldschakals umfasst Bereiche Asiens und reicht bis nach Zentral-, Ost- und Südeuropa. In der Wahl eines Lebensraums ist die Art sehr flexibel und kann sich gut an verschiedene Gegebenheiten anpassen. So ist der Goldschakal sowohl in einer reich strukturierten Agrarlandschaft anzutreffen, als auch in Feuchtgebieten mit geeigneten Bedingungen. Eines der wichtigsten Kriterien bei der Lebensraumwahl ist die ausreichende Verfügbarkeit von Nahrung. Diese besteht hauptsächlich aus kleinen bis mittelgroßen Säugetieren, aber auch aus Amphibien, Insekten, Fischen, Aas und pflanzlicher Nahrung. Der Goldschakal ist in der Lage, sich sehr gut an die saisonal verfügbaren Ressourcen anzupassen. Die ausgeprägte Anpassungsfähigkeit ist ein Grund für seine weitere Ausbreitung in Richtung Norden und Westen. So kam es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu Erstnachweisen in Ländern, in denen der Goldschakal zuvor nicht heimisch gewesen ist. In Deutschland wurden ab 1998 die ersten Nachweise geführt. Weitere Informationen zum Thema Goldschakal finden Sie unter: https://www.goldschakal.at/deutschland/

Antragsunterlagen für Präventionsmaßnahmen https://wolf.nrw/wolf/de/management/schermbeck

Homepage des Forschungsinstitut Senckenberg Gelnhausen: https://www.senckenberg.de/de/presse/wolfsmonitoring-faq/

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Die Eifel könnte Wolfsgebiet werden, doch Weidetierhalter sind überhaupt nicht vorbereitet

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Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigt in einer Pressemitteilung einen Nachweis eines männlichen Wolfs mit der Kennung GW926m in Monschau (Städteregion Aachen). Die genetische Untersuchung einer Speichelprobe zeige, dass dieses Tier am 12. April 2019 ein Schaf getötet habe. Das Herkunftsterritorium des Wolfes sei unbekannt. Dieser Wolf konnte im Februar 2018 in Kerken im Kreis Kleve an zwei Schafen individualisiert nachgewiesen werden. Der Verbleib des Tieres war bislang unbekannt, so weiter in der Pressemitteilung.

Der betroffene Tierhalter sei über das aktuelle Ergebnis informiert worden und er könne über die Förderrichtlinie Wolf des Umweltministeriums eine Entschädigung für die gerissenen Tiere und weitere Kosten erhalten. Die aktuelle „Förderrichtlinie Wolf“ ist Teil des nordrhein-westfälischen Wolfmanagements und sieht Entschädigungsleistungen für gerissene Nutztiere vor, sofern ein Wolfsnachweis erfolgt ist.

Am 15.05.2019 gelang an gleicher Stelle in Monschau (Städteregion Aachen) ein Wolfsnachweis durch eine Wildkamera. Fotos wurden vom LANUV begutachtet. Der Beobachtungsort wurde von einem Wolfsberater verifiziert und nach weiteren Spuren abgesucht. Über die Identität des beobachteten Wolfes lässt sich keine Aussage treffen.

https://www.lanuv.nrw.de/landesamt/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/1825-lanuv-bestaetigt-zwei-wolfsnachweise-in-der-staedteregion-aachen

Die nordrhein-westfälischen Umweltbehörden würden prüfen, ob sie in der Eifel eine Wolf-Pufferzone einrichten, schreibt die NRZ ,Weidetierhalter dort würden dann die Anschaffung besonderer Schutzzäune zu 100% erstattet bekommen. „Wir müssen aber noch weitere Ergebnisse abwarten“, soll ein Sprecher des Landesumweltamtes (Lanuv) am 28. Mai 2019 auf Nachfrage der Redaktion bestätigt haben.

https://www.nrz.de/region/niederrhein/nrw-umweltbehoerden-pruefen-wolf-pufferzone-fuer-die-eifel-id225475281.html?fbclid=IwAR1Jbq387nxOZiZmx6DUiCi_crhFt5wc_qS4gdrfxGe3Bp9tiyuaAfsQgF8

 

Faktencheck und Zaunkontrolle Eifel

Die Pressemitteilung des LANUV NRW war für uns Grund genug, uns die Region dort einmal anzusehen, die eingerahmt wird durch die Flusslandschaften des Rheins und der Mosel, im Südwesten begrenzt durch Sauer und Our, die im Westen in die belgischen Ardennen übergeht und im Norden in der Rheinischen Tiefebene ausläuft. Die Landschaft ist vor allem durch Kraterseen, den Maaren, mit Basaltbrüchen und Lava-Aufschlüssen, mit  Mühlstein-Gruben und Schieferstollen, mit Kalkmulden und Sandsteinfelsen bekannt. Tatsächlich zieht sie sich nicht nur durch Nordrhein-Westfalen, sondern auch durch Rheinland-Pfalz. Und da Wölfe ohne Probleme 70 Kilometer am Tag zurücklegen können und sie auch Landesgrenzen nicht interessieren, ist gerade die Eifel ein Argument für ein bundesweit einheitliches Wolfsmanagement. Statt die LEX-Wolf durch den Bundestag zu jagen, wäre allen Landwirten mit einer bundesweiten Entschädigung beim ersten Vorfall auf Kulanzbasis und dann auf Vorlage wolfsabweisender Zäune, die laut EU zu 100 % übernommen werden können, geholfen. Dazu könnte einfach ganz Deutschland zum Wolfsland erklärt werden. Wir bezweifeln, dass hier Kosten explodieren würden, da auch Schießkommandos auf Wölfe Kosten verursachen und den Weidetierhaltern dennoch nicht geholfen wäre, denn es bleibt weiter das Hunderissproblem, das beispielsweise in Schleswig-Holstein mehr Schäden als der Wolf verursacht.

 

Die Region ist nicht auf den Wolf vorbereitet

Im Gegensatz zu Niedersachsen ist die Eifel keine Region, in dem vermehrt die Massentierhaltung betrieben wird. Reiche Bauern https://www.eifelfuehrer.de/eifelkunde/landwirtschaft sind hier eher die Ausnahme. Kleine Betriebe ducken sich zwischen windgepeitschten Hügeln. Umso mehr könnte die Region von einem sanften Wolfstourismus profitieren. In Punkto Zäune hat man sich allerdings noch gar keine Gedanken in der Region gemacht. Nur wenige Tiere sind sicher eingezäunt. Der normale Zaun besteht aus Stacheldraht, wie hier in der östlichen Mitte der Eifel. Strom ist nicht vorhanden, wie unsere Fotos zeigen. Hier hat ein Wolf es überhaupt nicht nötig, über irgendwelche Litzen zu springen, denn er kommt problemlos unten durch.

Ich sprach vor Ort mit einem Jungbauern und angehenden Jäger, der konventionell Milchkühe hält. Er hatte schon befürchtet, dass unser Verein Wölfe im Kofferraum dabei hat und diese aussetzt. Daran ist zu erkennen, wie gut doch die Vernetzung der Wolf-Nein-Danke-Fraktion und ihren alternativen Fakten funktioniert. Nein, man brauche die Wölfe hier nicht, war der junge Mann sich sicher. Dass man die Wölfe schon einmal ausgerottet hätte, sei auf jeden Fall richtig gewesen. Man will sich nicht mit dem Wolf arrangieren, sondern so weiter machen wie bisher. Kühe mit Hörnern seien ebenso nicht vorstellbar, wie andere Zäune. Schließlich wäre der Aufbau zu viel Aufwand. Ob wir denn helfen würden. „Klar“, meinte ich. Allerdings helfen wir nicht, ohne einen schriftlichen Vertrag zu machen, mit der Klausel, dass sich entsprechende Weidetierhalter sich auch öffentlich für den Wolf einsetzen und nicht auf das nächste Mahnfeuer laufen. Ein Grinsen deutete an, dass die Eifel auch keinesfalls ein Randgebiet ist, was das Ausnutzen von Wolfsfreunden betrifft. Die Weidetierhalter sind nicht auf den Wolf vorbereitet sind, aber sehr gut darauf, ihn wieder los zu werden. Im Gegensatz zu Debatten im Internet lief dieses Gespräch hier freundlich, doch ich hatte absolut nicht den Eindruck, als wolle man Neues wagen. Selbst dann nicht, wenn alle Kosten übernommen werden. Es kann aber auch nicht sein, dass eine Minderheit zu Lasten der Mehrheit den Wolf erneut ausrottet. Die Poltik ist hier mit Lösungen gefragt. Diese Lösungen bestehen aber sicherlich nicht in dem Erfüllen von Lobbywünschen.

Brigitte Sommer