Österreichs Jagd auf besenderte Forschungswölfe entlarvt das grausame System
Die Wolfspolitik in Österreich hat eine neue, erschreckende Eskalationsstufe erreicht. Allein im ersten Halbjahr wurden in Österreich laut offiziellen Daten des WWF bereits mindestens 23 Wölfe auf Basis der umstrittenen Länder-Verordnungen geschossen – im Schnitt wird damit alle acht Tage ein Wolf getötet. Bei einer fragilen Gesamtpopulation von nur rund 120 nachgewiesenen Individuen im Land ist das ein massiver, unionsrechtswidriger Eingriff. Unter den Opfern befinden sich innerhalb weniger Monate auch gleich zwei besenderte Forschungswölfe – „Andrea“ und „Mirco“ – aus italienischen Universitätsprojekten.
Die Vorfälle zeigen schonungslos, wie willkürlich, mutwillig und grausam das dortige Abschusssystem agiert. Nachträgliche GPS-Datenanalysen des WWF bewiesen im Fall des im Juni in Tirol getöteten Rüden „Mirco“: Der Wolf war völlig unauffällig im hochalpinen Gelände unterwegs, ernährte sich von Wild und war zum Zeitpunkt des Abschussbeschlusses noch gar nicht im Land.
- Wolf „Andrea“: Der junge Rüde wurde am 1. Februar 2026 im kärntnerischen Mölltal (Bezirk Spittal an der Drau) geschossen.
- Wolf „Mirco“: Der Tiroler Abschuss im Bezirk Schwaz erfolgte am 21. Juni 2026.
Protestbriefe an die EU reichen nicht mehr aus
Nach solchen Skandalen ist der Aufschrei in den sozialen Netzwerken stets groß. Aktuell haben zwar 25 internationale Natur- und Tierschutzorganisationen eine offizielle Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Doch wir müssen der Realität ins Auge blicken: Reine Protestbekundungen in Brüssel verpuffen wirkungslos. Während die Mühlen der EU-Bürokratie monate- oder jahrelang mahlen, schaffen Länder wie Österreich tagtäglich vollendete Tatsachen.
Was es jetzt braucht: konsequenter juristischer Widerstand. Große, finanzstarke Organisationen wie der WWF dürfen sich nicht auf Pressemitteilungen und nachträgliche Analysen beschränken – sie müssen alle rechtlichen Hebel in Bewegung setzen und diese Abschüsse direkt vor Ort stoppen. Es braucht aber auch den persönlichen Einsatz von Wolfsfreunden vor Ort in den Wolfsterritorien.
Der juristische Rechentrick: Wie Österreich bislang Klagen blockiert
Dass Naturschutzverbände schwer dazwischengrätschen können, liegt an einer bewussten Sabotage des Rechtsschutzes durch die österreichische Politik. Eigentlich hat der WWF vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) längst ein Grundsatzurteil erstritten, das Abschüsse in Österreich für illegal erklärt.
Um dieses Urteil und die lästigen Klagen der Naturschützer zu umgehen, nutzen Bundesländer wie Tirol, Kärnten und Salzburg einen juristischen Trick: Sie erlassen keine behördlichen Einzelfallentscheidungen (Bescheide) mehr, gegen die Verbände sofort vorgehen könnten. Stattdessen heben sie pauschale Verordnungen mit Gesetzescharakter aus der Taufe.
Gegen solche Verordnungen gibt es für Umweltverbände im österreichischen Recht keinen direkten, schnellen Rechtsschutz. Der einzige Weg führt über den langwierigen Verfassungsgerichtshof. Ein solches Verfahren dauert Monate – die Abschussverordnung gilt jedoch sofort. Jäger dürfen schießen (wie die aktuellen Meldungen über fünf neue Abschüsse allein in Kärnten zeigen). Dennoch müssten Klagen von den großen Verbänden wie WWF angegangen werden. Wenn das Gericht die Verordnung Monate später kippt, sind die bislang zur Jagd freigegebenen Wölfe zwar längst tot, das System muss aber darin gebremst werden, unumkehrbare Fakten zu schaffen.
Der kritische Blick auf Besenderungen: Ein wandelndes Todesurteil?
Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. sehen die Praxis der Besendung von Wölfen zu Forschungszwecken schon lange mit großer Skepsis. Die aktuellen Tragödien in Österreich bestätigen unsere Befürchtungen: Die vermeintliche Wissenschaft wird für die Tiere oft zum Verhängnis.
Sobald ein Wolf ein GPS-Halsband trägt, sind seine Bewegungsdaten im System. In einer aufgeheizten politischen Landschaft, in der Behörden und Teilen der Jägerschaft jedes Mittel recht ist, um Abschüsse zu rechtfertigen, werden diese Daten zur Gefahr. Anstatt die Tiere zu schützen, erleichtern die Ortungssignale im schlimmsten Fall das gezielte Aufspüren und Töten.
Dass dies kein rein österreichisches Problem ist, zeigt der Blick vor die eigene Haustür. Auch in Deutschland endeten Besenderungen in der Vergangenheit viel zu oft tödlich:
- Sachsen: Hier wurden besenderte Wölfe mehrfach Opfer von illegalen Abschüssen oder starben unter ungeklärten Umständen, nachdem ihr Aktionsradius bekannt war.
- Niedersachsen (Fall Wolf „Alster“): Auch hier zeigt sich, wie ein besendertes Tier durch die behördliche Überwachung und die damit einhergehende öffentliche Debatte extrem verwundbar wird und im Fadenkreuz der Abschusspolitik landet
Wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn oder attraktive Forschungsgelder – zudem ist bereits bekannt, dass Wölfe weite Strecken wandern – dürfen nicht auf Kosten des Überlebens der Individuen gehen. Wenn Besenderungen in der Praxis nicht absolut geheim gehalten werden können und den Behörden als Navigationshilfe für den Abschuss dienen, müssen sie ausgesetzt werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Abschussstatistik Österreich:WWF Österreich zur Rekordzahl an Wolfsabschüssen zur Jahresmitte
- Detaillierte GPS-Analyse zu Wolf „Mirco“:WWF Österreich stellt Legalität des Tiroler Abschusses infrage
- EU-Beschwerde der Tierschutzverbände:Meldung des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) sowie der Bericht auf Vienna.at zur offiziellen Beschwerde nach Tötung der zwei GPS-Wölfe.
Unsere Kritik zu Besenderungen: https://wolfsschutz-deutschland.de/2025/03/13/woelfe-mit-sendern-notwendigkeit-oder-ueberfluessiges-risiko/
Unsere Kritik an der Wolfspolitik in Österreich: https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/04/13/verordnete-wolfstoetungen-in-oesterreich-warum-tun-die-grossen-verbaende-zu-wenig/
Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:
Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr – und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich.
Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/


