Hessen: Perfide Abschussfreigabe bricht EU-Recht und gefährdet das Greifensteiner Rudel

Die hessische Landesregierung macht Ernst mit ihrem beispiellosen Frontalangriff auf den Arten- und Naturschutz. Das Regierungspräsidium Kassel hat als obere Jagdbehörde am 30. Juni 2026 eine Allgemeinverfügung erlassen, die ab dem 1. Juli 2026 den Abschuss von vier juvenilen Wölfen im Lahn-Dill-Kreis freigibt. Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. verurteilen diesen rücksichtslosen Vorstoß aufs Schärfste. Es handelt sich hierbei um ein rein politisch motiviertes Spektakel, das vor Gerichten keinen Bestand haben wird.

Jagdrecht als Instrument zur Ausrottung

Wir werden auch hier wieder erwägen, Strafanzeige zu stellen! Bereits mit der novellierten Jagdverordnung zum 1. April 2026 hat Hessen den Druck auf die heimische Tierwelt drastisch verschärft. Dass der Wolf nun über das Bundesjagdgesetz „reguliert“ werden soll, ist der traurige Höhepunkt dieser rückschrittlichen Politik. Der Plan, bis zu 40 % der diesjährigen Welpen eines Rudels abzuschießen, ist schlicht perfide. Im ohnehin sehr kleinen Greifensteiner Rudel, das von den Wolfseltern des Leuscheider Rudels abstammt, bedeutet diese Quote einen schweren, existenzbedrohenden Eingriff. Es ist ein eklatanter Verstoß gegen die strengen Schutzregelungen der europäischen FFH-Richtlinie. Wir berichteten hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/06/24/perfider-plan-in-hessen-bis-zu-40-der-welpen-abschiessen-waehrend-rudel-schon-vorher-systematisch-dezimiert-wurden/

Absurde Prognosen statt Fakten

Beispielfoto Wolfswelpen im Altern von drei Monaten.
Besonders skandalös ist die Begründung der Behörde: Sie räumt selbst ein, dass für das aktuelle Monitoringjahr 2026/2027 noch überhaupt keine Reproduktionsnachweise für Wölfe in Hessen vorliegen. Die Abschussgenehmigung basiert auf einer reinen „Prognoseentscheidung“. Es wird also auf bloßen Verdacht und ohne verifizierte Welpenzahlen in ein geschütztes Rudel hineingeschossen. Da im Vorfeld bereits zwei Totfunde im Territorium registriert wurden, reduziert sich die Freigabe zwar effektiv auf zwei Tiere – das macht das Vorgehen jedoch nicht weniger illegal. Die Bejagung ab Juli trifft hilflose, wenige Wochen alte Welpen, gefährdet den Elterntierschutz und zerstört die soziale Struktur des Rudels fundamental.

Totalversagen beim Herdenschutz belohnt

Die Behauptung, der Abschuss im Lahn-Dill-Kreis erfolge aufgrund gestiegener Nutztierrisse, ist ein altbekanntes, falsches Narrativ. Die Realität vor Ort spricht eine völlig andere Sprache: Bei den vermeintlichen Vorfällen im Lahn-Dill-Kreis war in den betroffenen Betrieben oft nicht einmal ein einfacher Grundschutz vorhanden!
Wissenschaftliche Studien belegen seit Jahren, dass das Abschießen von Wölfen Risse an Weidetieren nicht reduziert, sondern durch die Zerschlagung der Rudelstrukturen oft sogar erhöht. Unerfahrene Jungtiere, die nicht mehr vom intakten Verband versorgt werden, weichen erst recht auf ungeschützte Weidetiere aus. Anstatt flächendeckend den nachweislich wirksamen Herdenschutz – wie wolfsabweisende Zäune und Herdenschutzhunde – zu fordern, missbraucht die hessische Politik den Wolf als Sündenbock, um vom eigenen strukturellen Versagen abzulenken und die Pflichten der Tierhalter herunterzuspielen.

Aktiv werden: Aufruf zu Mahnspaziergängen!

Wir lassen die Wölfe des Greifensteiner Rudels nicht schutzlos im Visier der Jäger! Das offizielle Wolfsterritorium erstreckt sich im Lahn-Dill-Kreis. Um die bedrohten Welpen im Auge zu behalten, müssen wir jetzt sichtbare Präsenz zeigen.
Wolfsschutz-Deutschland e. V. ruft daher ab sofort zu friedlichen Mahnspaziergängen direkt im dokumentierten Kerngebiet des Rudels auf.
Wir treffen uns regelmäßig in den bekannten Streifgebieten und Schwerpunktgemeinden:
    • Greifenstein, Rodenrodt & Ulm (Kerngebiet des Territoriums)
    • Ehringshausen
    • Allendorf (im unmittelbaren Grenzbereich zum angrenzenden Lahntal)

Kommt zahlreich, bringt eure Kameras und Mobiltelefone mit, zeigt Gesicht und helft uns dabei, dass die Jäger nicht unerkannt bleiben. Infos über das Gebiet auch hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/05/29/richtigstellung-woelfe-in-greifenstein-nicht-verantwortlich-fuer-tote-und-verletzte-pferde/
Beispielfoto Wolfsrudel.

Präsenz im Wald schützt Leben

Nur durch maximalen öffentlichen Druck können wir dieses Unrecht stoppen!
Unser Appell bleibt unmissverständlich: Der Wolf ist eine geschützte Schlüsselart für ein gesundes Ökosystem und kein Freiwild für die Jagdlobby. Wir werden diese skandalöse Allgemeinverfügung nicht tatenlos hinnehmen.

Um weiterhin unabhängig und konsequent arbeiten zu können – insbesondere bei Monitoring, Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit, benötigen wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. deutlich mehr finanzielle Unterstützung. Nur so können kleinere Organisationen gegenüber etablierten Akteuren an Gewicht gewinnen.

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

Oder:

Wolfsschutz-Deutschland e.V.
Berliner Sparkasse
IBAN DE79 1005 0000 0190 7118 84
BIC BELADEBEXXX

Quellen:

https://rp-kassel.hessen.de/revieruebergreifender-managementplan-fuer-das-land-hessen-im-jagdjahr-20262027

10 Gedanken zu „Hessen: Perfide Abschussfreigabe bricht EU-Recht und gefährdet das Greifensteiner Rudel

  1. ……es ist wahrlich zum Kotzen, wie sich die hessische Landesregierung von der Jäger-Lobby beeinflussen lässt, anstatt dagegen zu halten. Das ist wieder ein Fall für das „Fremdschämen“……in deutschen Landen !!!!!! Diese erz-dämlichen Hobby-Jäger sind eine furchtbare Plage, weil sie ein paar Züchter und Schäfer im Rücken haben. Sie sind schlimmer als die in Frankreich und Italien……

  2. Wir wohnen im Ulmtal.
    2 blinde Pferde auf Weide gehalten mit nur einer Litze unter Strom , weil Sie ja blind sind.
    Direkt nebenan hat der Wolf die
    Rehe gejagt oder ist vorbei gelaufen.
    Kein Übergriff obwohl die leichteste Beute überhaupt.
    Greifensteiner Rudel
    hat soziale Kompetenz.

  3. Lovis Kauertz (Wildtierschutz Deutschland e.V.):

    Abschuss von 40 Prozent der Jungwölfe in Hessen: Rechtswidrige Politik auf Kosten des Artenschutzes

    Die politische Jagd auf den Wolf erreicht einen neuen Tiefpunkt: Unter dem Deckmantel des „Bestandsmanagements“ fordert nach der Jagdlobby nun auch Hessens Landwirtschaftsminister Ingmar Jung im Management Plan Wolf eine Abschussquote von 40 Prozent des Wolfsnachwuchses in seinem Bundesland. Das ist einem Beitrag des Hessischen Rundfunks zu entnehmen. Dieses Vorhaben entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage und ist ein Frontalangriff auf den Artenschutz. Der Managementplan soll bereits am 1. Juli in Kraft treten.

    Rechtlich haltlos, trotz Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes

    Selbst nach der Herabstufung des Wolfes von Anhang IV in Anhang V der europäischen FFH-Richtlinie bleibt eine pauschale Abschussquote illegal. Artikel 14 verpflichtet die Staaten, den „günstigen Erhaltungszustand“ der Art zu sichern. Eine starre Quote ignoriert die regionale Realität: In Hessen stagniert der Bestand nach einem Rückgang von sieben Rudeln im Jahr 2023 bei aktuell nur drei Rudeln. Ein jagdlicher Eingriff dieser Tragweite gefährdet das Überleben der Population in Hessen und bricht geltendes EU-Recht.

    Biologischer Blindflug gegen die Wissenschaft

    Das Vorhaben ignoriert auch die natürliche Sterblichkeit. Eine Langzeitstudie des Leibniz-IZW zeigt, dass bereits rund 25 Prozent der Welpen im ersten Lebensjahr natürlich oder durch den Verkehr sterben. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) warnt: „Eine Gesamtmortalität ab 40 Prozent ist der kritische Kipppunkt, an dem Populationen kollabieren.“ Wer eine Abschussquote von bis zu 40 Prozent verlangt, nimmt die Ausrottung regionaler Bestände bewusst in Kauf.

    Ein ethisches und ökologisches Desaster

    Der Abschuss von Wolfswelpen ist auch ethisch unvertretbar, da er wehrlose Jungtiere tötet und hochsoziale Rudelfamilien traumatisiert, ohne einen messbaren Nutzen für den Herdenschutz zu bringen. Gerade Hessen riskiert dadurch den Verlust seiner schon jetzt labilen Wolfspopulation. Der Abschuss von Wolfswelpen bringt keinen Nutzen für den Herdenschutz und entbehrt somit des im Tierschutzgesetz geforderten „vernünftigen Grundes“. Ab Oktober eines Jahres ist zudem ein Jungtier kaum noch von einem adulten Wolf zu unterscheiden.

  4. Es ist immer wieder erstaunlich, wie Ihr von Wolfsschutz-Deutschland e.V. die Dinge vorhersagt. Bei so manchem Artikel dachte ich mir, dass Ihr da übertreibt oder nur irgendwelche Szenarien heraufbeschwört, aber ich muss sagen, dass Ihr mit Euren Artikeln bislang immer richtig gelegen habt! Eure Recherchen sind einfach super, wenn man das mit den anderen Wolfsschutzvereinen vergleicht, muss man feststellen, dass Ihr die Einzigen seit, die den Dingen auf den Grund gehen. Und ja, jetzt müssten alle im Bereich Greifenstein spazieren gehen und die Lage beobachten. Die völlig irren Politiker, die nur der Lobby gehorchen und fleißig töten wollen, lassen sich nicht mehr wählen, Macht bitte weiter so!

  5. Nach dem, was diese irren Spinner über Euch bezüglich des Schwarzwälder Wolfs Grindi so alles veröffentlich hatten, war ich ehrlich gesagt etwas irritiert über Eure Arbeit. Wer sich aber wirklich informieren wollte, dem wurde schnell klar, was Euch da Schäbiges angetan wurde! Und Eure gut recherchierten Berichte zeigten mir in letzter Zeit immer wieder, dass Ihr diese Anti-Wolf-Lobby genau durchschaut und mit Euren Dokumentationen vor Ort das zeigt, wozu andere Vereine nicht der Lage sind. Deshalb habe ich gerade meinen Mitgliedsantrag für Euren Verein per E-Mail abgeschickt! Ihr müsst einfach für Eure Arbeit unterstützt werden, ich hoffe, andere tun dies auch!

  6. Ist doch einfach irrsinnig, was diese Politiker sich alles einfallen lassen! Haben die auch nur einen Hauch von Naturempfinden oder sind die von der Lobby so verseucht worden, dass sie nur noch das tun, was ihnen von Jägern, Bauern &Co vorgesagt wird? Ich komme selber aus Hessen und schäme mich irgendwie mittlerweile dafür. Warum begehren da nicht mehr Leute auf? Ich würde meinen Enkeln gerne eine Natur hinterlassen, in denen Wolf und Luchs ein Zuhause haben. Wer sich so ein Abschussszenario ausgedacht hat, ist nicht nur Natur fremd, sondern auch abscheulich!

  7. Raubmord an sich selbstzueigenen Tieren,bleibt raubmord.der aufruf,die beteiligung,Duldung,die ausschreibungen sind nicht minder strafrechtsrelevant.die Aufrechterhaltung eines jeden jagdrechtes,geschieht ohne die Zustimmung des souveränes.ist also politisch juristischen Willkür
    Willkürherrschaft ist aus 2 Gründen menschenrechtswidrig.1.der Willkür wegen 2.der angemassten herrschaft wegen.

  8. Leider leiden diese Lobby gesteuerten Politiker (damit meine ich Politiker aller Parteien) an geistigem Dünnschiss! Das eigentlich Schlimme an dieser bedeutenden Einschränkung des Verbandsklagerechts ist, dass es da in der Bevölkerung so gar keinen Widerstand gibt. Logisch, das berührt sie ja nicht, wenn jetzt einfach entschieden werden kann, dass eine Schnellstraße vor ihrer Tür gebaut wird, oder irgendwelche Tiere einfach mal so abgeknallt werden können. Wolfswelpen einfach zu töten ist nicht nur grausam, sondern zeugt von geistiger Umnachtung und Mordlust! Ich hoffe nur, dass ein Gericht diesen Wahnsinn stoppt!

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