Perfider Plan in Hessen: Bis zu 40 % der Welpen abschießen – während Rudel schon vorher systematisch dezimiert wurden

Selbst Kritiker geben zu: Hessen hat überhaupt keinen Wolfsbestand, der „gemanagt“ werden müsste. Im Gegenteil: Der Bestand ist klein und schrumpft weiter. Trotzdem treibt Landwirtschaftsminister Ingmar Jung (CDU) einen sogenannten „Wolfsmanagementplan“ voran, der den Abschuss von bis zu 40 % der „Jungwölfe“ eines Rudels ermöglichen soll. Gleichzeitig sterben im Territorium Greifenstein auffällig viele Wölfe unter fragwürdigen Umständen.

Der Begriff „Jungwölfe“ wird unserer Meinung nach bewusst gewählt, weil er technisch-neutral klingt und darüber hinwegtäuscht, dass es sich in der Praxis um diesjährige Welpen (nur wenige Monate alt, weil alle Welpen Ende April, Anfang Mai geboren werden) handelt. Das ist ein klassisches Framing, um die Maßnahme harmloser wirken zu lassen.
Wolfswelpen. © Brigitte Sommer
Kern des Plans ist tatsächlich die Freigabe von bis zu 40 % der diesjährigen Welpen eines Rudels. Im ohnehin sehr kleinen Greifensteiner Rudel, das übrigens von den Wolfseltern des Leuscheider Rudels  abstammt, wäre das ein schwerer, existenzbedrohender Eingriff und ein klarer Verstoß gegen die strenge Schutzregelung der europäischen FFH-Richtlinie. Wir von Wolfschutz-Deutschland e. V.  sind überzeugt: Der Landesregierung ist bewusst, dass dieser harte Kurs vor Gericht keinen Bestand haben wird. Der Plan dient offenbar vor allem als Politspektakel und willkommene Ablenkung von den echten strukturellen Problemen der Bauern und des Mittelstands.

Absurde Vorgänge in Hessen

Anfang  Mai 2026 brachen in Greifenstein mehrere Pferde aus einer unzureichend gesicherten Weide im Wald aus. Zwei Tiere verletzten sich schwer, zwei mussten eingeschläfert werden. Sofort wurde mit großem medialem Echo der Wolf als Verursacher präsentiert. Die offizielle Version änderte sich jedoch mehrfach: erst Wolf, dann Hund, schließlich weder Wolf noch Hund und die dubiose Info, eine Decke habe die DNA-Probe mit „Hund“ verunreinigt. Dieser Wechsel deutet auf eine starke Einflussnahme der Agrar- und Jagdlobby hin, die jetzt wieder wilde Vermutungen darüber anstellt, ob es nicht doch Wölfe waren.
Ein stark geschwärztes Rissprotokoll, das uns über eine UIG-Anfrage vorliegt, stellte eindeutig fest: keine Bissspuren. Die Pferde hatten sich in Panik selbst an Zäunen und Gegenständen verletzt. Wir deuten das Protokoll so, dass die Pferde nachts auf einer Weide im Wald gelassen wurden – die Besitzer hatten offenbar tagelang nicht nach den Tieren geschaut. Statt diese grobe Fahrlässigkeit anzuprangern, nutzte man den Vorfall für eine breite Anti-Wolf-Stimmungsmache.
Wolfswelpen im Alter von 8 Wochen.

Verdächtige Todesfälle im Greifensteiner Rudel

  • 31. Mai 2026: Die Wölfin GW5742f (Haplotyp HW01), eine Tochter des Greifensteiner Rudels – https://wolfszentrum.hessen.de/sites/wolfszentrum.hessen.de/files/2026-06/20260624_wolfsnachweise_2026_2027.pdf, wird tot aufgefunden. Angeblich handelte es sich um einen Wildunfall (Überfahren). Die abschließende Untersuchung läuft noch am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung.
  • 16. Juni 2026: Nur wenige Wochen später wird bereits die zweite tote Wölfin aus demselben Territorium entdeckt. Äußerlich waren Hautabschürfungen und Blut aus dem Maul sichtbar. Auch hier stehen die Ergebnisse der pathologischen Untersuchung noch aus.

Auffällig: Kurz nach dem ersten Todesfall fand in Greifenstein eine aggressive Hetzveranstaltung gegen Wölfe statt, bei der einer Tierschützerin das Mikrofon entrissen worden sein soll. Unserer Meinung nach sind das zu viele verdächtige Zufälle, zumal in Sozialen Netzwerken offen mit illegalen Taten gedroht wird.  

Offene Drohungen und Heuchelei der Wolfsgegner

Immer öfter zeigen Wolfshasser ungeniert ihr Gesicht. Ein besonders perfides Beispiel ist dieses Zitat eines aktiven Wolfsfeindes:

„Meine persönliche Meinung dazu ist allerdings, dass das Verhalten bestimmter Natur- und Tierschutzorganisationen der Hauptgrund für die immer geringer werdende Akzeptanz gegenüber Wölfen ist. Werden Entnahmen und Vergrämungen von sogenannten Problemwölfen blockiert, handeln die Menschen auf eigene Faust und das außerhalb des gesetzlich erlaubten Rahmens. […] Die von ‚Wolfschützern‘ aktuell gefeierte Rücknahme der Abschussgenehmigung des Rüden GW1896m wird – wie in vielen anderen Fällen – in einer illegal geregelten Aktion enden.“

Das ist nichts anderes als Aufruf zur Selbstjustiz. Statt mangelnden Herdenschutz, grob fahrlässige Pferdehaltung und jahrelange Hetze als Ursachen zu benennen, werden Naturschützer und Gerichte zum Sündenbock gemacht. Wer mit „die Menschen handeln dann auf eigene Faust“ droht, outet sich als jemand, der den Rechtsstaat offen ablehnt. Solche Statements sind keine Meinungsäußerung mehr.

 

Beispielfoto Wolfsmutter mit Welpen. © Brigitte Sommer

Welche Rudel gibt es eigentlich noch?

Anfang des Jahres sollen nach Angaben des Wolfszentrums in Kassel mindestens drei Wolfspärchen, teilweise mit Nachwuchs, in Hessen gelebt haben. Zwischen Mai und Dezember des vergangenen Jahres sollen noch 15 Wölfe durchgezogen sein. Hier die offiziellen Nachweise: https://wolfszentrum.hessen.de/wolfsmonitoring/territorien

Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. haben jedoch keine aktuellen Nachweise mehr für stabile Rudel oder Territorien in Rüdesheim und Waldkappel. Einzig das Territorium Greifenstein scheint uns bislang als relativ gesichert. Die Frage drängt sich auf: Welche Rudel will Minister Jung eigentlich „managen“ und deren Welpen abschießen lassen?

Parallel hetzt derzeit eine Bäuerin aus dem Odenwald massiv gegen einen Wolf, der dort möglicherweise nur durchzieht.

Ein zynischer Plan als Politspektakel

Minister Jung ließ seinen Entwurf „exklusiv“ dem Hessischen Rundfunk zukommen – ein inzwischen zwar gewohntes, aber dennoch fragwürdiges Vorgehen.  Zum Entwurf schreibt der HR, dass unter anderem eine erheblich stärkere Bejagung der bisher streng geschützten Tierart vorbereitet werde. Demnach könnten bis zu 40 Prozent der „Jungwölfe“ zum Abschuss freigegeben werden, um das „Wachstum der Population unter strengerer Kontrolle“ zu halten.  Welches Wachstum bitte? In Hessen geht der Trend seit Jahren nach unten.

Aus dem 19-seitigen Planentwurf gehe laut HR außerdem hervor, dass sogenannte Problemwölfe künftig leichter erlegt werden können. Das seien unter anderem Tiere, die zum Beispiel Schafe oder Ziegen gerissen hätten.

Nun auch hier zu den Fakten:

Laut aktueller Rissliste https://wolfszentrum.hessen.de/sites/wolfszentrum.hessen.de/files/2026-05/20260528_gemeldete_nutztiershaeden_2025_2026_akt.pdf

können nur sehr wenige der gemeldeten Fälle überhaupt Wölfen zugeordnet werden, und wenn dann war in den allermeisten Fällen kein Grundschutz vorhanden. Warum recherchiert dies der HR nicht? Von welchen so genannten Problemwölfen sprechen wir hier eigentlich? 

Nicht nur Halter von Schafen und Ziegen bekommen Maßnahmen vom Steuerzahler finanziert, sondern es wurde auch ganz Hessen auch als „Ereignisgebiet“ für Rinder,  Pferde und Esel ausgewiesen und es können Förderanträge zur Verbesserung des eigenen Herdenschutzes nach der Richtlinie Weidetierschutz gestellt werden.

Leider kein Aprilscherz:

Vor dem neuen „Wolfsmanagementplan“ verschärfte Hessen mit der novellierten Jagdverordnung zum 1. April 2026 bereits den Druck auf die heimische Tierwelt drastisch. Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt feiert die Reform zwar als „Modernisierung“ und „praxisnah“, aus Tierschutzsicht ist sie jedoch ein massiver Rückschritt.
Die kritischsten Punkte im Überblick:
    • Ganzjährige Bejagung: Fuchs und Waschbär dürfen nun das ganze Jahr über gejagt werden. Zwar wird formal auf den Elterntierschutz verwiesen, in der Praxis droht dadurch jedoch der Tod von Elterntieren und das qualvolle Verhungern von Jungtieren.
    • Ausweitung der Jagdzeiten: Auch für Dachse, verschiedene Krähen- und Gänsearten wurden die Jagdzeiten verlängert. Selbst für die bedrohten und geschützten Kleinsäuger (Baummarder, Iltis, Hermelin, Mauswiesel) orientiert sich Hessen nun an laxeren Bundesregeln, statt den Schutz zu stärken. Höckerschwan und Waldschnepfe verlieren ihren Schutz und dürfen wieder geschossen werden.
    • Technisierte Fallenjagd: Umstrittene Tot- und Lebendfallen müssen nicht mehr täglich vor Ort kontrolliert werden, wenn ein elektronischer Melder installiert ist. Dies bedeutet für gefangene Tiere oft stundenlangen, extremen Stress und Todesangst bis zur eigentlichen Tötung. Das Ministerium tarnt diese Aufweichung als „modernes Prädationsmanagement“.
    • Geringere Hürden für Jäger: Die Jägerprüfung wird vereinfacht, um „überzogene Hürden abzubauen“. Damit senkt das Land die Qualitätsansprüche an die Schieß- und Sachkundeausbildung. Zudem wird die Jägerschaft mit bürokratiearmen Fördergeldern subventioniert.

Bezug zum Wolfsmanagement:
Die  Jagdrechtsreform zeigte bereits, dass die hessische Politik einseitig den Interessen der Jagdlobby nachgibt.
Wolfsmutter mit Welpen.

Fazit:

Anstatt Weidetierhalter endlich zur Verantwortung zu ziehen – für wolfsabweisende Zäune, regelmäßige Kontrollen und artgerechte Haltung – wird der Wolf zum Sündenbock gemacht. Hessen betreibt damit eine systematische Dezimierungspolitik gegen ein Tier, das in diesem Bundesland ohnehin kaum noch eine Chance hat, weil illegate Taten bislang kaum verfolgt werden. 

 

Quellen:

https://www.hessenschau.de/politik/hessens-regierung-will-bis-zu-40-prozent-der-jungwoelfe-zum-abschuss-freigeben-v1,hessen-wolfsmangement-abschuesse-100.html

https://wolfszentrum.hessen.de/neu-landesweite-herdenschutz-foerderung-fuer-rinder-und-pferde

Unsere Berichte zum Rudel Greifenstein: https://wolfsschutz-deutschland.de/?s=Greifenstein

Unsere Berichte zu Hessen: https://wolfsschutz-deutschland.de/?s=Hessen

https://wolfszentrum.hessen.de/wolfsmonitoring/wolfsnachweise

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

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