Wölfe töten, um ihnen Angst beizubringen? Patzkes absurde Logik

Mit „Angstmachen vor Menschen“ rechtfertigt Niedersachsens Landwirtschafts-Staatssekretärin Frauke Patzke das Erschießen von Wölfen, um Weidetiere zu schützen. Ihr O-Ton ist nicht nur biologisch unhaltbar – sie schürt auch bei Menschen unbegründete Ängste. Wölfe bringen Risse an Schafen und Ziegen nicht mit uns in Verbindung, und ihre natürliche Scheu vor dem Menschen ist bereits stark ausgeprägt. Unser offener Brief von Wolfsschutz-Deutschland e. V. widerspricht der Argumentation und fordert statt Abschüssen einen konsequenten Herdenschutz sowie schnelle, unbürokratische Hilfe für Weidetierhalter.

Beispielfoto Wolfsfamilie.

Offener Brief an Frau Staatssekretärin Frauke Patzke, vorab per Email: 


Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Z. Hd. Frau Staatssekretärin Frauke Patzke

poststelle@ml.niedersachsen.de

Calenberger Straße 2

30169 Hannover

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin Patzke,
mit Interesse, aber auch mit Befremden haben wir Ihre Aussage im Rahmen der Veranstaltung in der Wesermarsch zur Kenntnis genommen:
In der NWZ-Berichterstattung vom 5. August 2026 (Veranstaltung in Rodenkirchen) stellten Sie die neuen Regelungen des Bundesjagdgesetzes und des geänderten niedersächsischen Jagdgesetzes vor.
Dort heißt es: „Auf Schadensereignisse solle rechtssicher, praktikabel und pragmatisch durch Bejagung reagiert werden.“
Und direkt im Anschluss folgt der Satz:

„Wir möchten Nutztiere besser schützen, indem wir dafür sorgen, dass der Wolf wieder Angst vor Menschen bekommt.“

Diese Formulierung halten wir für unhaltbar – sowohl aus verhaltensbiologischer, als auch aus gesellschaftlicher Sicht. Wölfe bringen Risse an Schafen und Ziegen und anderen Weidetieren nicht mit dem Menschen in Verbindung – erst Recht dann nicht, wenn sie später aus dem Hinterhalt erschossen werden. Als Beutegreifer wissen sie nicht, welche Tiere sie „mit unserer Erlaubnis“ erbeuten dürfen und welche nicht. Sie nutzen schlicht die vorhandene, leicht erreichbare Beute. Ein Töten nach dem Riss erzeugt weder bei dem getöteten Tier noch bei den überlebenden Rudelmitgliedern eine generelle Angst vor Menschen. Eine dauerhafte Behirtung, wie in anderen Ländern, bei denen Hirten die Wölfe bei Angriffen vertreiben, und so Wölfe die Beute mit Menschen in Verbindung bringen könnten, findet in Niedersachsen nicht statt. 

Die Vorstellung, man könne Wölfen beibringen, indem man sie erschießt, meist ungeschützte Weidetiere zu meiden, ist biologisch abwegig.
Hinzu kommt: Erschießt man erfahrere Familienmitglieder, werden die verbliebenen Tiere vermehrt zu vermeintlich leichter Beute greifen. Die Risszahlen erhöhen sich also. Wölfe gehören bereits jetzt zu den scheuesten Beutegreifern Europas. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass sie den Menschen als erhebliche Gefahr wahrnehmen und entsprechend meiden. Die Formulierung, der Wolf müsse „wieder“ Angst vor Menschen bekommen, suggeriert, diese natürliche Scheu sei weitgehend verloren gegangen. Das entspricht nicht dem aktuellen Wissensstand. Gleichzeitig transportiert sie unterschwellig die Botschaft, ohne das Töten von Wölfen könne eine Gefahr für Menschen entstehen – obwohl es gefährliche Zwischenfälle mit Menschen in Deutschland überhaupt nicht gibt.
Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. teilen das Ziel, Nutztiere besser zu schützen. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass sich viele Weidetierhalter in Niedersachsen mit der neuen Herdenschutz-Pauschale zufrieden zeigen. Ihr Ministerium sollte nun dafür sorgen, dass diese und weitere Hilfen schnell, unbürokratisch und verlässlich bei den Betroffenen ankommen. Die wirksamen und ethisch vertretbaren Maßnahmen liegen ausschließlich in einem konsequenten Herdenschutz und einer unkomplizierten Schadensregulierung – nicht im Töten von Wölfen.
Wir bitten Sie daher, in der weiteren öffentlichen Kommunikation auf Formulierungen zu verzichten, die die vorhandene Menschenscheu der Wölfe relativieren, unbegründete Ängste nähren und den Wolf zum Sündenbock machen. Eine differenzierte, an Fakten orientierter Sprache würde der Debatte gut tun.
Mit freundlichen Grüßen
Vorstand Wolfsschutz-Deutschland e. V.
Ulrike de Heuvel
Jürgen Götz
Volker Vogel
Brigitte Sommer
Quellen:
Studie:
Kasper, K., Say-Sallaz, E., Clinchy, M. et al. (inkl. Liana Y. Zanette & Dries P.J. Kuijper) (2025):
„Wolves and their prey all fear the human ‘super predator’“
Current Biology, Band 35, S. 5111–5117 (veröffentlicht 20. Oktober 2025).
Kurz zusammengefasst:
Die Forscher haben in einem großen Waldgebiet in Polen (Tuchola-Wald) automatische Kamera-Lautsprecher-Systeme aufgestellt. Wenn ein Wolf (oder Beutetiere) vorbeikam, wurden verschiedene Töne abgespielt: menschliche Stimmen, Hundegebell oder Vogelrufe.
Ergebnis: Wölfe flohen bei menschlichen Stimmen mehr als doppelt so häufig und doppelt so schnell wie bei den Kontrollgeräuschen – und das, obwohl die Wölfe dort gesetzlich geschützt sind.
Deutsche Berichterstattung dazu:
Spektrum der Wissenschaft, 1. Oktober 2025:
„Mythos vom furchtlosen Wolf: Geschützte Wölfe meiden den Menschen“
https://www.spektrum.de/news/mythos-vom-furchtlosen-wolf-geschuetzte-woelfe-meiden-den-menschen/2289487
Die Aussage fiel bei einer Diskussionsveranstaltung in der Markthalle in Rodenkirchen (Wesermarsch), zu der die Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch eingeladen hatten.https://www.nwzonline.de/wesermarsch/wolf-in-der-wesermarsch-was-jaeger-und-landwirte-zum-wolfsmanagement-sagen_a_4,3,1371432516.html
Quellen, die belegen, dass Risse vorwiegend an ungeschützen Tieren stattfanden:
NDR, 2. Januar 2026 („Weniger Wolfsangriffe – die meisten im Landkreis Cuxhaven“):
  1. Für das Jahr 2025 stellte die Landwirtschaftskammer fest:
    Von den gemeldeten Fällen entsprach der Herdenschutz nur in 32 Fällen den Vorgaben der Richtlinie Wolf.
    In 140 Fällen tat er das nicht.
    (Weitere Fälle betrafen Rinder/Pferde, bei denen kein besonderer Grundschutz vorgeschrieben ist, oder der Schutz war beeinträchtigt.)
  2. DBBW-Bericht / Auswertung 2025:
    In Niedersachsen lag der Anteil der Übergriffe auf Schafe und Ziegen mit keinem oder nur eingeschränktem Mindestschutz bei 73 %.
  3. Ältere, aber konsistente Zahlen (NDR/Umweltministerium):
    In früheren Jahren lag der Anteil mit ausreichendem wolfsabweisendem Grundschutz oft nur bei rund 14 %, während in über der Hälfte der Fälle gar kein entsprechender Schutz vorhanden war.

Quelle zu vermehrten Rissen nach Abschüssen:

1. Wielgus & Peebles (2014)
Studie in PLOS ONE: „Effects of Wolf Mortality on Livestock Depredations“

  • Analyse von 25 Jahren Daten aus Idaho, Montana und Wyoming.
  • Ergebnis: Das Töten von Wölfen erhöht im Folgejahr die Wahrscheinlichkeit von Nutztier-Rissen (um ca. 4 % bei Schafen und 5–6 % bei Rindern pro getötetem Wolf).
  • Erklärung: Die Tötung (besonders von Elterntieren/Leitwölfen) stört die Rudelstruktur. Das kann zu mehr Zuchtpaaren, jüngeren, unerfahreneren Wölfen und einer stärkeren Nutzung von leicht erreichbarer Beute (Nutztieren) führen.

2. Deutsche Fachliteratur
Zusammenfassung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA, Stand 2026) und Arbeiten von Reinhardt etc.:

  • Wenn ein Elterntier getötet wird, muss das verbliebene Elterntier allein für die Versorgung der Welpen sorgen.
  • Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es auf ungeschützte oder leicht erreichbare Nutztiere zurückgreift → Risszahlen können steigen.

3. Schweiz (Forschungskommission Schweizerischer Nationalpark)
Stellungnahme zu geplanten Rudelabschüssen:
Abschüsse ganzer Rudel können kontraproduktiv sein, weil sie ein Vakuum schaffen, das von jungen, abwandernden Wölfen gefüllt wird – und diese greifen häufiger zu Nutztieren.

7 Gedanken zu „Wölfe töten, um ihnen Angst beizubringen? Patzkes absurde Logik

  1. Liebe Wolfsfreunde,
    ich verfolge alles zum Thema Wolf seit Jahren, und bin bei jeder Petition dabei. Eines ist mir vollkommen unverständlich, und es kommt mir so vor als ob es mit aller Gewalt verschwiegen werden soll.
    Esel sind der beste Herdenschutz, da es keine Fluchttiere sind, sondern
    Wölfe angreifen und vertreiben. Ebenso wie Herdenschutzhunde – nur das sie nicht ‚bellen‘. Es gibt, oder gab ein eindeutiges Video im Internet, welches ich nicht wiederfinden kann.
    Warum wird es nicht publik gemacht, daß Esel ein guter Herdenschutz
    sind ?!!! Ich kann das nicht begreifen…und bitte darum dieses Wissen
    überall zu verbreiten !
    Auch ist es komisch warum niemand gegen das Urteil gegen Herdenschutzhunde vorgeht, nachdem sie nachts nicht auf den Weiden ihrer Aufgabe nachgehen können, weil sie ja bellen und dieses einige
    Menschen stört !! Ich finde dies ist ein Skandal, und arbeitet den Jägern zu… Ebenso bin ich dafür, daß Psychopathen keinen Jagdschein bekommen können. Ist das zuviel verlangt ?
    Zum Thema Hobby-Jäger in Deutschland könnte ich auch einiges schreiben, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Es fehlen Petitionen – oder gibt es eine unterschwellige Angst vor den Jägern und ihrer Lobby ?

    1. Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. verschweigen nicht, dass auch Esel geeignet sein können. Allerdings gibt es Einschränkungen. Nicht jeder Boden, der für Schafe und Ziegen unproblematisch ist, ist für Esel geeignet, da sie Hufkrankheiten bei schweren und nassen Böden bekommen. Bei Eseln muss auch darauf geachtet werden, dass sie nicht zuviel eiweißreiches Gras fressen, schwere Krankheiten sind die Folgen und Esel dürfen nicht alleine gehalten werden. Tatsächlich sind aber auch schon in Einzelfällen auch Esel gerissen worden.

    2. ein esel allein hätte gegen wölfe keine chance weder gegen ein paar noch gegen ein rudel.es müßten schon mehere und im richtigen alter sein. also keine panisch reagierenden jungesel.und das wolfsrudel nicht allzu groß oder die eselherde größer.
      herdenschutzhunde die auf gegen bärenangriffe gezüchtet wurden sind in alpinen regionen sicher die besten herdenschützer.

  2. Warum geben solche Amtsträger immer wieder unglaublich dumme Sprüche von sich?
    Nun, mir scheint, sie wollen ihre eigenen Ängste vor dem Wolf vertuschen, nutzen aber gleichzeitig „ihre große Bühne“ dazu, eben diese Ängste auf alle anderen unwissenden „Hilly-Billys“ zu projizieren.
    Und schon verbreitet sich das Virus…

  3. „Angstmachen vor Menschen“

    Wie krank im Kopf muss man sein, um auf solch einen Schwachsinn zu kommen?! Ein toter Wolf hat wohl kaum die Möglichkeit, seinen Artgenossen von den bösen Menschen zu erzählen. Diese Aussage zeigt deutlich, dass unsere Politiker vom Wolf nicht den Anflug einer Ahnung haben!

    1. ja vollkommen richtig..ein toter wolf kann erkanntes nicht mehr umsetzen oder weitergeben..erkenntnisverweigerung macht am ende blöd,egal welchesamt bekleidet wird und hat zudem die tendenz wahrheitsunterdrückend kriminell zu werden..die derzeitge situation in der brd bezeugt das um ein vielfaches .
      die klimatoten allein für die brd in 2026 wurden heute auf 11.900 berichtigt.
      veruntreuung und inkompetenz,verantwortungs.- und haftungslosigkeit haben
      die klimatoten seit 1992 bzw. 1977 zu verantworten.

  4. Wenn Grindi oder ein anderer Wolf zu nah an Spaziergänger kommt:
    Habs Schomburg hat mal in Afrika eineb Löwen erschreckt, indem er, H.S., sich plötzlich groß gemacht hat und laut geworden ist.
    Daran hab ich mich angesichts eines Keilers, dem ich nichtübrr den Weg traute, erinnert. Voller Erfolg: in dem Moment, als er in meine Richtung losspringen wollte, erschreckte ich ihn, er schlug eine Haken und verschwand hinter mir im Gebüsch.
    Jedes Wildtier erschreckt man wie H.S.!

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