Kurzmeldungen aus Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg

Zur Zeit passiert so viel zum Thema Wolf gleichzeitig, dass wir uns entschlossen haben, ein neues Format herauszubringen. In unseren Kurzmeldungen bringen wir das Wichtigste in kompakter Form:

Niedersachsen – eine überraschende Wendung nimmt nun der Fall eines augenscheinlich illegal getöteten Wolfs bei Stubben. Statt Schussverletzungen hätte man nun in Berlin die überraschende Totesursache Bisse festgestellt. https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Stubben-Ursache-von-Tod-von-Wolf-steht-fest,aktuelloldenburg11090.html?fbclid=IwAR27pCy9JP7SA3kOq_QP86seUFr9eJuBUm356Jd-IJ1eBpC8BjgINVSIyLY

Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. sind äußert überrascht und verwundert, zumal ein Zwischenergebnis „Schüsse“ und zwar sogar sehr genau „drei Schüse aus zwei verschiedenen Waffen“ gelautet hatte. Wir hatten Anzeige gestellt, die nun natürlich obsolet ist. Dies betrifft auch die Belohnung: https://wolfsschutz-deutschland.de/2022/10/18/wolf-im-landkreis-cuxhaven-illegal-erschossen-wolfsschutz-deutschland-e-v-stellt-strafanzeige-und-setzt-belohnung-aus/

Niedersachsen – Umweltminister Meyer  (Grüne) nimmt die Beschwerde, die  sein Vorgänger Lies (SPD) gegen die Entscheidung des Gerichtes eingelegt hattte, zurück. Damit ist die Schießgenehmigung gegen den Friedeburger Wolf endlich vom Tisch. https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Beschluss-rechtskraeftig-Kein-Abschuss-von-Friedeburger-Wolf,wolf4682.html?fbclid=IwAR3QEcLQqucx9gXontt5jlroCVjlXpv9AdcdUv1PJ6uMcJv6lmuj3uadwvA

Hessen – Hessen stellt mehr Geld für Weidetierschutz zur Verfügung, doch nur ein geringer Betrag wurde überhaupt abgerufen. Lieber setzt man wohl auf Risse, damit dann der Abschuss der Wölfe gefordert werden kann? https://www.hna.de/lokales/rotenburg-bebra/verbaende-bemaengeln-foerderrichtlinie-des-umweltministeriums-zum-schutz-vor-woelfen-91932508.html?fbclid=IwAR39LMH1jNoT-9hNCm-kQxEt5CF8gMs4o3jgWZazR0ptv-v6ydzGkFNGfX4

Hessen – Das Stölzinger Rudel wurde bei Waldkappel gefilmt. https://www.facebook.com/watch/?ref=search&v=523160609389379&external_log_id=d1596435-59bf-4b0e-9fc6-84859c6b17a5&q=Waldkappel%20Video%20Wolf

Baden-Württemberg – Eine Aufnahme durch eine Wildtierkamera hat bestätigt, dass sich im Zollernalbkreis ein Wolf aufhält oder aufgehalten hat.

Am 11. November dieses Jahres lieferte eine Wildtierkamera in der Gemeindeebene von Burladingen ein Foto, das die Fachleute der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt FVA in Freiburg als sicheren Wolfsnachweis (sogenannter C1-Nachweis) bewerten.

Sichere Informationen über die Herkunft, das Geschlecht und die Identität des Wolfes können nur über weitere Nachweise und Untersuchungen gewonnen werden, die aber im Moment nicht vorliegen.

Die Frage, ob der Wolf weitergezogen ist, oder sich noch im Zollernalbkreis aufhält, kann nicht beantwortet werden. Im Land leben derzeit drei sesshafte Wolfsrüden. https://um.baden-wuerttemberg.de/de/presse-service/presse/pressemitteilung/pid/sicherer-wolfsnachweis-im-zollernalbkreis-1

 

 

 

Hessen: Verweigert eine Halterin im Taunus den Schutz ihrer Tiere?

Wir bringen, was Lokalzeitungen und die Massenmedien lieber verschweigen. In unserem neuen Faktencheck beleuchten wir die Hintergründe zu einem Rissvorfall in der Nähe von Kransberg bei Usingen. Ein Schaf soll dabei schwer verletzt gewesen sein, ein anderes komplett ausgeweidet. Die Halterin der Tiere gab in einem Artikel in der FNP zu, dass ihre Tiere ohne Zaun gehalten worden seien. Dennoch scheint sie nicht sich selbst für das tragische Schicksal ihrer Tiere, sondern einen Wolf verantwortlich machen zu wollen. Hier unser Bericht.

Wir fanden eine Weidensituation mit einem Bachlauf vor, der sich sowohl zwischen der Bundesstraße, als auch zwischen dem Gebäude und den naheliegenden Wald schlängelt. So wird es auch klar, warum hier Schafe wohl ohne Zaun auf einer Wiese untergebracht werden konnten. Schafe laufen nicht durch einen Bach, deshalb stellt dies eine natürliche Begrenzung dar. Allerdings ist die Überquerung eines Bachs weder für Hunde, noch für Wölfe ein Problem. Immer wieder wurden auch bereits in der Vergangenheit, Schafe und Ziegen Opfer von Rissen, weil ein Zaun an der Bachseite fehlte.  Die Halterin wird in der FNP folgendermaßen zitiert. Die kleine restliche Gruppe an Schafen zeige sich seit dem Vorfall völlig aufgelöst. „Ich komme gar nicht mehr an sie ran,“ sagt P. Zudem dürften die Tiere bei ihr frei laufen, es gebe keinen Zaun. „Und ein kleiner Zaun, oder diese Netze bringen ja gegen einen Wolf nichts. Mal sehen wie sich das in den nächsten Tagen darstellt.“

So sieht die Weidensituation vor Ort aus. Ein Bachlauf kann ohne Probleme von einem Hund, oder auch Wolf durchschwommen werden. Hier erleichtert das Ganze noch ein Übergang aus Holzbohlen.

Dies sind Aussagen, die wirklich schockieren, sollte die Halterin wirklich richtig zitiert worden sein. Solchen Menschen muss es doch klar sein, dass sie mit ihrem eigenen Verhalten Risse geradezu provozieren, ganz gleich ob nun ein Hund, oder ein Wolf hier die Gelegenheit wahrgenommen hat. Angeblich hätte ein herbei gerufener Förster sofort auf einen Wolfsriss getippt. Kein Wort im gesamten Artikel über das grob fahrlässige Verhalten der Halterin. Schließlich können Schafe, die frei laufen, auch auf die naheliegende Bundesstraße geraten und sie hätten auch dort einen schweren Unfall verursachen können.

Vorsitzende Brigitte Sommer mit Wolfshündin Liv, der Spürnase, die oft etwas findet.

Statt hier bei der Halterin nachzuhaken, beschäftigt sich die FNP weiter damit, wilde Vermutungen über Wolfssichtungen im Taunus anzustellen. Wir haben zusammen rund 25 Kilometer der Wege rund um das Gebiet mit unserer Wolfshündin Liv erwandert. Liv findet sehr gut Spuren und Losungen. Wir haben aber dieses Mal keinerlei Spuren eines Wolfs gefunden und auch keinerlei Losung. Dafür haben wir aber mehrere Hundehalter gesehen und wie schon oben geschrieben, scheint der betroffene Hof selbst auch Hunde zu halten. Sind etwa die eigenen Hunde für die Risse verantwortlich?

Hier unser Fazit:

Keine Wolfslosung, sondern Pferdeäppel sprießen hier, genau wie Hochsitze, wie Pilze aus dem Boden.
Ganz ungeniert am Wegesrand aufgebaut dies hier. Hier war Liv äußerst interessiert. Sehr wahrscheinlich befindet sich dahinter auch noch ein Luderplatz, denn ein Greifvogel und mehrere Raben stritten sich um irgend etwas.

Nach 25 Kilometern Fußmarsch über sehr viele Wege im Gebiet haben wir keinerlei Wolfsspuren und auch keine Losung gefunden. Es ist natürlich nicht unmöglich, dass es ein Wolf gewesen sein könnte, doch wir halten Hunde für wahrscheinlicher.

Hier ist die Situation oberhalb der Weide zu sehen. Am Waldrand führt ein Wander- und Radweg vorbei, den auch selbstverständlich Wölfe gerne benutzen würden. Direkt von diesem Weg führen  Trampelpfade in Richtung Weiden. Der Bachlauf dazwischen stellt nur für Schafe ein Hindernis dar. Wölfe können hier sowohl durchwaten und bei hohem Wasserstand auch schwimmen.

Hier eine Weide in der Nachbarschaft mit Ziegen nur mit Wilddraht und ohne Untergrabschutz. Allerdings veranstalten auch hier Hunde in der Nähe ein lautstarkes Gebell.

Hier der Anfang der Wiesenweiden zwischen Bundesstraße und Wald.

Hier ist einer der Trampelpfade zu sehen, die vom Wanderweg am Waldrand auf die Wiese führen.

Kurios: Ein Wasserreservoir kann mit Untergrabschutz versehen werden, aber Weiden nicht?

Wir sind wirklich nicht die Feinde von Weidetierhalterinnen und Weidetierhaltern. Schließlich fordern wir seit Jahren, doch ganz Deutschland zum Wolfsgebiet zu erklären und überfall zu fördern, aber auch zu fordern. Gerade die Schäden von durchwandernden Tieren könnten hier von vorne herein verhindert, oder aber unbürokratisch ersetzt werden. Voraussetzung dafür wäre natürlich, dass bei Haltern ein Wille vorhanden ist, Weidetiere verantwortungsvoll zu schützen. Leider scheint dieser Fall wieder einmal zu bestätigen, dass lieber Risse provoziert werden, als sich um seine Tiere zu kümmern.

Wir sind 25 Kilometer Wanderwege rund um den Rissort abgelaufen und suchten nach Spuren.

 

Aktuell sind in Hessen folgende Wölfe offiziell als standorttreu bestätigt: Ein Tier im Stölziger Gebirge, ein Rudel bei Rüdesheim mit drei bestätigten Welpen, ein Paar in Ludwigsau sowie ein Paar in Wildflecken. Hier wurde die Fähe auch mit Milchleiste aufgenommen. Ein Rüde aus dem Odenwald und auch eine Wölfin aus dem Vogelsberg sind verschwunden.

Ein Jungtier aus dem Leuscheider Rudel in NRW wurde in der Nähe von Butzbach gesichtet. Darüber hinaus gilt ganz Hessen als Transitgebiet für wandernde Jungtiere. Es macht also tatsächlich überall Sinn, seine Tiere zu schützen. Ein Jungtier war im Frühjahr bei Alsfeld regelrecht von Bauern gehetzt worden. Auch bei Schotten wurde ein Wolf nachgewiesen.

Update: Laut Ergebnis der Laboruntersuchung war es tatsächlich ein Wolf gewesen. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Tiere überhaupt keinen Schutz hatten. Auch vor einem Hund wären sie nicht geschützt gewesen. Die Anzahl der gerissenen Tiere wurde laut PM auch von zwei Schafen auf ein Schaf korrigiert. https://www.hlnug.de/presse/pressemitteilung/wolfs-dna-an-drei-nutztierschaeden-im-september-nachgewiesen?fbclid=IwAR3p-3Y0jRuPA3xU8xHAgCuaheLYOAsWwJMqDeh3yDtIAm6gkiKTl1NHeUU

Quelle: https://www.fnp.de/lokales/hochtaunus/der-wolf-ist-wohl-zurueck-im-taunus-kransberg-schaf-attackiert-verletzt-getoetet-91770013.html?fbclid=IwAR1wPC3b287tO11rivTf0gMc6xbCwRnD3CNJBc3EFWzWQrlL0FfOZ36COwM

https://www.dbb-wolf.de/Wolfsvorkommen/territorien/karte-der-territorien

 

Bitte unterstützen Sie uns mit Spenden, damit wir weiterhin solche Faktenchecks machen können:

Wolfsschutz-Deutschland e.V.

Berliner Sparkasse

IBAN DE79 1005 0000 0190 7118 84

BIC BELADEBEXXX

Auch Paypal ist möglich: https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

 

Wölfin aus Sachsen bis nach Hessen gewandert

Sie stammt aus der Dahlener Heide in Sachsen und sie wurde Ende März bei Cornberg in Nordhessen genetisch nachgewiesen. Ob GW1873f allerdings in Hessen bleibt, ist nicht sicher. Jährlich legen Jungtiere auf ihren Wanderungen hunderte bis tausende Kilometer zurück. Ihr größten Feinde sind der Straßenverkehr und wolfshassende Menschen, die sie nach Sichtungen beseitigen wollen.

Durch die kürzlich abgeschlossene genetische Analyse einer Kotprobe, die am 29.03.22 bei Cornberg im Kreis Hersfeld-Rotenburg genommen wurde, konnte ein neues Wolfsindividuum identifiziert werden: Die Wölfin mit dem Laborkürzel GW1873f stammt aus dem Wolfsterritorium Dahlener Heide in Sachsen. Dies hat das wildtiergenetische Labor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung nun dem Wolfszentrum Hessen (WZH) mitgeteilt.

Beispielbild Wölfin ©Brigitte Sommer

Es handelt sich um den Erstnachweis dieses Tiers für Hessen, nicht um den Nachweis der Sesshaftigkeit. Als sesshaft gilt ein Wolf erst dann, wenn er über einen Zeitraum von sechs Monaten wiederholt in einem Gebiet nachgewiesen wird. Ob die neue Wölfin sich in Hessen niederlässt oder nur auf der Durchreise ist, müssen weitere Nachweise im Rahmen des Wolfsmonitorings zeigen. Zuständig dafür ist das Wolfszentrum Hessen (WZH) im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG).

Hintergrund

In Hessen gibt es derzeit vier sesshafte Einzelwölfe sowie zwei Wolfspaare und ein Rudel mit Nachwuchs. Grundsätzlich ist in ganz Hessen mit durchziehenden Wölfen zu rechnen.

Kurz zuvor wurde ein junger Wanderwolf bei Homberg Ohm bedroht. Wir berichteten hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/2022/02/12/hessen-junger-wanderwolf-wurde-bei-homberg-ohm-bedroht/

Hier die Presseinformation: https://www.hlnug.de/presse/pressemitteilung/neue-woelfin-in-nordhessen-identifiziert?fbclid=IwAR2PrRQsDpawuJEpgbOGRpUvl4k3fwJmXayckerNi1lkkJ7QR7jdBuxXSE0

 

Hessen: Junger Wanderwolf wurde bei Homberg Ohm bedroht

Sie wollten „schießen, schaufeln, schweigen“ und sich zusammenrotten um einem Jungtier, das versehentlich auf seiner Wanderung am Dorfrand von Ober Ofleiden vorbei lief, das Leben zu nehmen. So behaupteten es jedenfalls User in mehreren geheimen Whats-App-Gruppen und in sozialen Netzwerken. Von Behörden und Medien wird diese verbale Hetze seit Jahren ignoriert, dabei hat die schreckliche Tat bei Kusel gezeigt, wie schnell aus Worten Taten werden können und wie schnell auch Menschen selbst betroffen sein können.

 

Dieses Video bekamen wir am vergangenen Sonntag zugespielt, zusammen mit Screenshots, deren Drohungen wir äußerst Ernst nahmen, denn auch in NRW/RLP in Bezug auf das Leuscheider Rudel (hier „verschwanden“ bereits Wölfe), haben wir Meldungen über Wolfshasser-Whats-App-Gruppen erhalten. Wir können die ganz konkreten Drohungen hier nicht ausführlich schildern, denn sonst könnten unsere InformantInnen enttarnt werden. Man will Wölfe vergiften, Schlagfallen auslegen, sie mit vielen Menschen zusammen in einer Art Treibjagd auf die Straße treiben, usw. Da wir für diesen jungen Wolf eine echte Gefahr wahrnahmen, veröffentlichten wir ausnahmsweise dieses Video mit Ortsangabe um das Tier so zu schützen. Denn öffentliche Aufmerksamkeit ist das Letzte, was solche Wildtierkriminellen erreichen wollen.

Beispielbild wanderndes Jungtier. ©Brigitte Sommer

Tatsächlich hat es der Wolf bei Dunkelheit geschafft, unversehrt nach Norden abzuwandern. Wir hoffen, dass er gut weiterkommt, ein eigenes Revier findet und auch eine/n PartnerIn. Im Fall von Kusel hatte ein ehemaliger Hobbyjäger jahrelang gewildert. Er schreckte schließlich auch nicht davor zurück, zwei Polizisten zu erschießen. Wir sehen bei diesem Menschen, die ihren Fantasien in whats-App auslassen, durchaus die Gefahr auch Menschen anzugreifen.

Belohnung ausgesetzt

Wir erreichten mit dem Video in Facebook bis heute fast 300.000 Menschen. Von 400 Kommentaren sind noch knapp 200 übrig. Wie zu vermuten war, schlug uns teilweise der blanke Hass entgegen, so dass uns nichts anderes übrig blieb, als Kommentare zu löschen und zu blockieren. Hier aber ein Beispiel. Dieser Kommentar kam von einer Pferdehalterin.

Das Schweigen von Polizei, Medien und Behörden

Unsere Vorsitzende kontaktierte nach am Sonntag die Polizei, die die Echtheit des Videos bestätigte, aber keine „Gefährderansprache“ machen könnte, da keine Echtnamen vorlagen. In weiteren Bereichten wurde die Bedrohungslage für diesen Wolf totgeschwiegen. Stattdessen gabe es die übliche, auf Sensation getrimmte Berichterstattung.

Seit Anfang 2022 gab es bereits 16 Verkehrsunfälle, in deren Folge Wölfe gestorben sind. 2021 kamen 101 Wölfe bei Verkehrsunfällen ums Leben und 14 Fälle von illegaler Tötung wurden bekannt. Wir schätzen, dass die Summe illegaler Tötungen mindestens 3-fach höher liegt. Seit Rückkehr der Wölf vor üer zwanzig Jahren gab es keinen Angriff auf Menschen. Allerdings sind wir Menschen jedes Jahr für den Tod von etlichen Wölfen verantwortlich. Hier wird deutlich, wer für wen die echte Gefahr darstellt.

Menschen vor Ort, die hinschauen, können Wolfsleben retten

Wir suchen dringend Menschen in Ostsachsen, Hessen, NRW, RLP, Niedersachsen, Bayern, die vor Ort aktive Arbeit leisten möchten. Zudem haben wir eine Belohnung von 2.000 Euro ausgesetzt, die helfen soll, feige illefale Taten auf Wölfe aufzuklären.

Quelle: http://www.dbb-wolf.de

 

Hessen – Wolfspaarbildung im Landkreis Hersfeld-Rotenburg?

Beispielbild ©Brigitte Sommer

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sei jetzt erstmals ein Wolfsrüde nachgewiesen worden, der bisher nicht nur in Hessen, sondern in ganz Deutschland unbekannt war.

Dies hat das wildtiergenetische Labor des Senckenberg Instituts dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) nun mitgeteilt, heisst es in einer Pressemitteilung von gestern.  Das Labor hatte Proben untersucht, die ein ehrenamtlicher Wolfsberater des HLNUG am 27. Dezember 2020 an einem toten Rotwild bei Ludwigsau-Ludwigseck genommen hatte – im Süden des Territoriums der sogenannten Stölzinger Wölfin „Stölzi“  (GW1409f). Ob die beiden Tiere einander begegnet sind, ließe sich allerdings noch nicht sagen. Auch eine Aussage darüber, ob sich der nun neu erfasste Rüde mit dem Laborkürzel GW1939m nur auf der Durchwanderung befand und weitergezogen ist oder ob er sich in diesem Gebiet niederlässt, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.

Wolfsschutz-Deutschland e. V. drückt beiden Wölfen auf jeden Fall die Daumen für eine Begegnung. Vielleicht „funkt“ es ja, so dass noch in diesem Frühjahr Nachwuchs erwartet werden könnte.

 

Quelle: https://www.hlnug.de/presse/pressemitteilung/wolfsruede-im-landkreis-hersfeld-rotenburg?fbclid=IwAR2OFe7-BTaMMV32ZBnI91pWtOWqtiiO4e9sAA5zaUQqCA73EOeDFgk-CMU

https://wolfsschutz-deutschland.de/2020/04/17/hessen-zweite-woelfin-nun-in-nordhessen-daheim/

https://wolfsschutz-deutschland.de/2020/10/02/faktencheck-und-zaunkontrolle-stoelzinger-gebirge-hessen-weidetierhalter-schuetzen-nicht-fordern-aber-wolfsabschuss/

Bei Wutbauern in Hessen – Faktencheck und Zaunkontrolle im Vogelsberg bei Wölfin Ulli von Ulrichstein zeigt desolaten Schutz

Bauern und Jäger machen gegen die beiden in Hessen ansässigen Wölfinnen mobil und schrecken hier auch vor alternativen Fakten und Gruselgeschichten nicht zurück. Es war also wieder einmal an der Zeit, die Lage vor Ort im Vogelsberg zu checken. Wir fanden desolate Zaunzustände sowie Wutbauern, die sich wohl einfach nicht mit der Wölfin arangieren möchten, vor. Dabei ist Wölfin Ulli von Ulrichstein nicht einmal ein Riss nachzuweisen. Deshalb versuchen die Bauern die Wölfin wohl jetzt mit dem Argument der angeblich mangelnden Scheu loszuwerden.

Lobbypolitik für die Bauern von der SPD?

Angeblich soll die im Vogelsberg ansässige Wölfin Ulli von Ulrichstein jedwede Scheu verloren haben und die Bauern, die oft auch zugleich einen Jagdschein haben – also zugleich auch Jäger sind – würden sich in der Dämmerung nicht mehr aus dem Haus trauen. Solche Geschichten schildern sie der Tagespresse  und auch Landräte scheuen sich nicht, mit populistischen Forderungen aufzutreten. Beim einem kürzlichen Vor-Ort-Termin wurde Landrat Manfred Görig (SPD) so zitiert: „Die Menschen, die sich ihre Heimat mit dem Wolf teilen müssen, dürfen mit der Bewältigung dieser Mammutaufgabe nicht alleingelassen werden.“ Auf dem Hof von Familie W. soll sich Görig ein Bild von der Lage und dort auch betroffene Anwohner des Ulrichsteiner Stadtteils gemacht haben. Vom Wolfsmanagement der Hessischen Regierung wären diese nicht überzeugt. „Spricht man mit den Menschen hier, kann man sicher alle zwei bis drei Tage eine Begegnung mit dem Wolf nachvollziehen“, sagt Landwirt Bernd W.  „Niemand hat gefragt, ob wir den Wolf hier haben wollen. Wieso bekommen wir es dann aufgebürdet?“, wird Landwirt W., weiter im Onlinemedium Lokalo 24 zitiert.

Seltsam ist es schon, dass unsere Mitglieder auch vor Ort sind, aber der Wölfin noch nicht begegnet sind. Bei einem anderen Bericht einer Lokalzeitung wurde sogar ein Video, das einen Jungwolf aus einem ganz anderen Bundesland zeigte, eingebunden und es wurde behauptet das Tier sei die Vogelsberger Wölfin.

Jäger wollen wohl beide hessischen Wölfinnen als verhaltensauffällig erklären und abschießen

Der hessische Landesjagdverband fordert sogar schon Kriterien, wie die beiden Wölfinnen zu beseitigen wären. Ein Jäger aus Frankfurt hatte behauptet, einem Wolf in Brandenburg vor die Füße geschossen zu haben, weil dieser angeblich seinen Jagdhund angegriffen habe. Im Internet gab der Jäger seinen Waidgenossen den Ratschlag, dies ebenso zu tun. Er selber würde es auch jederzeit wieder so lösen. Seltsamerweise wurde kurz danach tatsächlich ein Wolf bei einer Drückjagd in Brandenburg erschossen. Angeblich soll er einen Jagdhund angegriffen haben. Für solche merkwürdigen Fälle fordern die Hessischen Jäger nun wohl Rechtssicherheit. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Hessische Jäger wollen Niedersächsischen Umweltminister Lies als Vorbild

„Es ist nun dringend geboten konkret zu regeln, wann ein verhaltensauffälliger Wolf in Hessen entnommen werden kann, so wie es etwa der Niedersächsische Umweltminister Olaf Lies getan hat. Ein klarer Handlungsplan, der genau vorsieht, wie oft ein Wolf eine ordnungsgemäße Einzäunung überwunden haben muss und wie viele Weidetiere einen ernsten wirtschaftlichen Schaden darstellen, ist nun dringend erforderlich“, so Prof. Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen in einer Pressemitteilung.

Die kann aber kaum der Wille der Hessischen Landesregierung sein, denn Um Lies hatte in Niedersachsen Steuergelder in Millionenhöhe für die erfolglose Jagd auf Wolf Roddy verbraucht.

Wir haben mit ganz normalen Anwohnern und Wandernden in der Gegend gesprochen. Hier scheinen wirklich nur Bauern und Jäger Angst vor der Wölfin zu haben. Einige gaben sogar an, extra wegen der Wölfin Wandertouren rund um das Gebiet bei Ulrichstein eingeplant zu haben. Leider habe man die Wölfin jedoch nicht gesehen.

Dreiste Lügen um angebliche Risse?

Es scheint der Fall zu sein, dass die Landwirte es mit der Wahrheit jedenfalls nicht so genau nehmen. Dem voraus gegangen  sind zahlreiche Artikel in der Lokalpresse um angeblich gerissene Kälber. Fakt ist aber: „Wolf lässt Schafe in Ruhe“, lautete die Überschrift eines Artikels in der Frankfurter Rundschau. Das HLNUNG wird darin folgendermapen zitiert: „Sie (Wölfe) ernähren sich überwiegend von Schalenwild, Angriffe auf Tierhaltungen seien die Ausnahme, beurteilt das Ministerium. Die Ulrichsteiner Wölfin – interne Kennung 1166f – etwa habe sich bislang schadlos gehalten und sich nur von Schalenwild, wie zum Beispiel Rehen, ernährt. Nutztierrisse seien von ihr nicht angezeigt worden, seitdem sie sesshaft geworden sei, hieß es in der dpa-Meldung, die die Frankfurter Rundschau zum Anlass genommen hatte, am 12.06.20 einen Bericht über die Wölfin imVogelsberg zu verfassen.

Nachfolgend klären unsere Bilder aus dem Kerngebiet der Ulrichsteiner Wölfin darüber auf, dass hier Zäune nur dazu da sind, die Tiere in den Weiden zu halten. Es scheint den Haltern völlig gleichgültig zu sein, ob Hunde oder Beutegreifer zu den Kälbern oder Rindern und Kühen hineingelangen können. Allerdings ist es dennoch total unwahrscheinlich, dass eine einzelne Wölfin Rinder angreifen würde. Allerdings würde sie sicherlich tote Tiere nachsorgen. Wölfe fressen auch Aas. Hier besteht die Gefahr, dass ein betroffener Bauer eine Totgeburt oder an einer Krankheit verstorbenen Tier als Wolfsrisse angeben könnte, um an eine Entschädigungssumme zu gelangen und um gegen die Wölfin zu hetzen.

 

Weide 1: Jungrinder und Kälber

 

Jungrinder und Kälber auf einer Weide. Eine äußere Litze besteht durch Stacheldraht, eine innere durch ein Band. Unter beiden Litzen können Hunde oder Beutegreifer bequem hindurch.
37 Zentimeter beträgt der Abstand der Stacheldrahlitze zum Boden. Hier können Hunde und Beutegreifer einfach unten durch.
Bei der inneren Bandlitze sind es sogar 75 Zentimeter.
Beide inneren Litzen haben keine Spannung.
Hier sind noch einmal die Bewohner dieser Weide zu sehen. Jungrinder und Kälber ohne Mütter.

Weide zwei: erwachsene Rinder

Auch bei dieser Weide wird deutlich, dass die Litze nur dazu dient, die Rinder drinen zu halten. Dem Besitzer scheint gleichgültig zu sein, was von draußen hereinkommen kann.
Rinderweide mit nur einer Litze.
Das Revier der Wölfin ist weitläufig. Wiesen wechseln sich mit Wäldern ab.
Blick in Wölfin Ull von Ulrichsteins Revier im Vogelsberg.

Weide 3: Schafsweide

Diese Schafsweide im Kerngebiet der Wölfin wurde wohl mit Elektrozaun nachgerüstet. Er umschließt innen liegende Litzen aus Draht und Stacheldraht. Im oberen Bereich sind 4.000 bis 6.000 Volt gemessen worden.
Die Tücken dieses nachgerüsteten Netzes liegen am Boden.
In Hessen wurden Stromnetze von 90 Zentimetern Höhe vom HLNUG als ausreichend erklärt.
Kein Untergrabschutz, das Gras wächst in den Zaun hinein. Ganz unten keine Spannung mehr.
In der vorletzen Querstrebe zum Boden sind es nur noch 2.000 Volt.
Keine Spannung am Boden und dazu noch eine Lücke. Dies lädt zum Untergraben ein.
Keine Spannung und zehn Zentimeter Lücke zum Boden.
Normalerweise hätte der Rand des Geheges gemäht werden müssen. Hier ist deutlich zu sehen, wie das Gras in den Zaun hineinwächst, was sie Spannung vermindert.
Die Höhe ist in Hessen ausreichend.
Kein Untergrabschutz, keine Spannung am Boden.

Weide 4: erwachsene Rinder

Diese Weide ist nur von einer Litze umringt.
Auf dieser einen Litze ist nicht einmal Spannung vorhanden.
Die Höhe bis zum Boden beträgt 77 Zentimeter. Hier marschiert alles darunter durch was möchte.

Weide 5: Jungrinder

Jungrinderweide bei Unterseibertenrod.
Eine Lücke von 39 Zentimeter bis zum Boden.
Hier sind es sogar 45 Zentimeter.
45 Zentimeter bis zum Boden. Hier ist es völlig unerheblich, dass der Zaun insgesamt 103 Zentimeter hoch ist. Stirbt hier ein Tier und Wolf oder Fuchs treten als Nachsorger auf, wird behauptet, dass der Zaun übersprungen worden wäre.
Innen befindet sich eine Litze ohne Spannung.
Diese Rinderweide ist totel abgelegen.

Weide 6: Mutterkühe und Kälber

Hier sind Mutterkühe und Käber untergebracht. Hunde, Wölfe und andere Beutegreifer können hier ohne Probleme Totgeburten oder tote Kälber, die nicht mehr verteidigt werden, nachsorgen.
Eine Lücke von 50 Zentimetern bis zum Boden.
Dass hier ausreichend Spannung auf den Zäunen ist, ist unerheblich, denn Hunde oder Beutegreifer können einfach unter dem Zaun durch.
Hier ist die Lücke sogar 83 Zentimeter hoch.
Jungrinder, Muttekühe und Kälber.
Jungrinder, Mutterkühe und Kälber haben hier ein schönes Leben. Geschützt sind sie jedoch nicht.

 

Quellen: https://www.lokalo24.de/lokales/alsfeld/vogelsbergkreis-lernen-wolf-leben-13841546.html?fbclid=IwAR1P5PXGqqHEWHyFJaUE3YC9EBAp4s4t_xbK1UP0TXbe-LgYV0FouvNB4aQ

https://wolfsschutz-deutschland.de/2019/12/17/hessen-2020-wieder-wolfsgebiet-faktencheck-und-zaunkontrolle-bei-ulrichstein-jagdfrevel-und-meist-ungeschuetzte-weidetiere/

https://wolfsschutz-deutschland.de/2020/03/03/hurra-hessen-ist-wieder-wolfsland-woelfin-im-vogelsberg-daheim/

https://wolfsschutz-deutschland.de/2020/01/27/faktencheck-und-zaunkontrolle-hessen-hobbyschaefer-e-keine-spannung-auf-den-zaeunen-aber-wolfsausrottung-auf-wutdemo-fordern/

https://www.fr.de/rhein-main/woelfin-laesst-schafe-ruhe-13796685.html

https://ljv-hessen.de/wolfsmanagement-muss-aktueller-situation-angepasst-werden/

https://wolfsschutz-deutschland.de/2020/02/27/anfrage-der-gruenen-deckt-auf-umweltminister-lies-spd-verrennt-sich-in-wolfsjagd-in-niedersachsen-dabei-geht-es-um-millionen/

https://www.hlnug.de/themen/naturschutz/tiere-und-pflanzen/arten-melden/wolf?fbclid=IwAR3UfPdkHbVUlvqALxcVZ00Ec9guzARE9sxC2VEWsOlhGDWZUHaR5-A_4J8

 

 

 

 

 

 

Hessen – zweite Wölfin nun in Nordhessen daheim

Beispielbild © Brigitte Sommer

Nach dem Vogelsberg hat sich nun eine zweite Wölfin das Stölzinger Gebirge als Revier ausgesucht

Erst vor wenigen Wochen wurde das Territorium einer Wölfin im Vogelsberg nachgewiesen, nun hat Hessen einen zweiten sesshaften Wolf. Es handelt sich ebenfalls um ein weibliches Tier,  welches sich nun seit mehr als einem halben Jahr im Umkreis des „Stölzinger Gebirges“ aufhält, wo die Landkreise Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner aneinandergrenzen. Die Wölfin wurde erstmals am 1. August 2019 an einem gerissenen Stück Rotwild nahe Herlefeld im Schwalm-Eder-Kreis genetisch nachgewiesen. Eine Genprobe, die am 10. März 2020 von einem ehrenamtlichen Rissgutachter des HLNUG an einem Stück Rotwild bei Schemmern genommen wurde, hat nun erneut den Nachweis dieses Individuums erbracht. Damit gilt diese Wölfin in diesem Gebiet als standorttreu, sie trägt das Laborkürzel GW1409f.

 

Hier geht es zu den Pressemitteilungen

https://www.hlnug.de/news/im-blickpunkt-zweiter-sesshafter-wolf-in-hessen

 

https://www.hlnug.de/presse/pressemitteilung/zweiter-wolf-in-hessen-sesshaft

 

Hurra ! Hessen ist wieder Wolfsland – Wölfin im Vogelsberg daheim

„Hessen hat wieder einen sesshaften Wolf, nachdem die Art hier sehr lange Zeit ausgerottet war. Das habe die Genprobe eines am Ortsrand von Unter-Seibertenrod im Vogelsberg gerissenen Rehes ergeben, heisst es heute in einer Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.  Bei dem sesshaften Wolf handelt sich um ein weibliches Tier , das sich nun seit mindestens einem halben Jahr im Vogelsberg aufhält. Die Wölfin wurde durch das Wolfsmonitoring des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) erstmalig vor einem Jahr in der Nähe von Bad Hersfeld per Gennachweis an einem Reh registriert. Anschließend zog die Wölfin weiter in den Vogelsberg, wo sie in der Gegend um Ulrichstein wiederholt genetisch nachgewiesen wurde, zunächst anhand einer Kotprobe vom 12. Juli 2019. Zwischen September und November 2019 wurde diese „Ulrichsteiner Wölfin“ an mehreren Wildtier-Rissen genetisch erfasst, auch an zwei toten Kälbern hinterließ sie Speichelspuren. Nun konnte das Tier erneut anhand einer Genprobe nachgewiesen werden, damit gilt diese Wölfin im Vogelsberg als standorttreu.

Beispielbild Wölfin ©Brigitte Sommer

„Für den Artenschutz in Hessen ist die Beobachtung eines sesshaften Wolfes eine gute Nachricht. Viele Nachbarländer haben in den letzten Jahren ähnliche Erfahrungen gemacht, daher war diese Entwicklung absehbar.“ sagte Prof. Dr. Thomas Schmid, Präsident des HLNUG. „Bisher haben wir im hessischen Wolfsmonitoring nur einzelne Tiere auf Wanderschaft registriert, nun scheint sich erstmals seit dem Wolf im Reinhardswald wieder ein Tier bei uns in Hessen niederzulassen,“ so Schmid.

Hinz thematisiert bereits Abschuss

Hessen habe deshalb die Herdenschutzprämie bereits im März auf 40 Euro pro Hektar aufgestockt und die Förderkonditionen verbessert. Sollte es trotz Grundschutz-Maßnahmen zu einem Wolfangriff auf eine Herde kommen, sollen Schäden unbürokratisch und vollständig ausgeglichen werden, schreibt das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HLNUG) heute in einer Pressemitteilung. Darüber hinaus soll noch in diesem Jahr 1 Million Euro für eine einkommenswirksame pro-Kopf Weidetierprämie zur Verfügung gestellt werden, um die angespannte Situation insgesamt für die Schäfer zu verbessern. Bei Wölfen, die sich Menschen gegenüber „auffällig“ verhalten, oder die wiederholt empfohlene Herdenschutzmaßnahmen überwinden, sodass Gefahr besteht, dass sie ernste wirtschaftliche Schäden anrichten, dürfen erschossen werden.“, wird Hinz in der Presssemitteilung des Umweltministeriums zitiert.

Abschuss für Wolfsschutz Deutschland e. V. ein Nogo

Wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. sind der Überzeugung, dass kein einziger Wolf aufgrund von Rissen abgeschossen werden darf, denn Abschüsse helfen keinem Weidetierhalter wirklich weiter, sondern wecken nur Begehrlichkeiten für Tricksereien. Wie wir in diversen Zaunkontrollen u. a. hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/2019/12/17/hessen-2020-wieder-wolfsgebiet-faktencheck-und-zaunkontrolle-bei-ulrichstein-jagdfrevel-und-meist-ungeschuetzte-weidetiere/  sowie hier https://wolfsschutz-deutschland.de/2020/01/27/faktencheck-und-zaunkontrolle-hessen-hobbyschaefer-e-keine-spannung-auf-den-zaeunen-aber-wolfsausrottung-auf-wutdemo-fordern/nachweisen konnten, werden wohl von bestimmten Schäfern Risse provoziert, um genau solche Abschussverfügungen zu erwirken. Es ist aber der richtige Weg, dass Hessen praktisch im Alleingang endlich eine Weideprämie einführt. Eine bundweite Prämie wird weiter von der GroKo in Berlin blockiert. Die geplante Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes https://wolfsschutz-deutschland.de/2020/02/18/pressemitteilung-lex-wolf-ist-ignorant-und-demokratie-gefaehrdend/ – mit Auswirkungen wie von Hinz geschildert, nämlich dass Wölfe abgeschossen werden könnten, sobald ein „ernster“ Schaden (der nicht einmal genau in der Gesetzesänderung definiert ist) eintritt,  hilft so auch keinem einzigen Schäfer weiter. Zumal oft mehr Tiere Hunden zum Opfer fallen, als durch Wölfe. Ganz abgesehen von der Anzahl an Tieren, die durch Krankheiten, Vernachlässigung und andere Ursachen zu Tode kommen. Die Politik suggeriert Weidetierhaltern, dass Abschüsse eine Lösung wären. So war es übrigens Hinz selber, die im Sommer 2019 in einer Pressemitteilung folgende Zahlen verkündete: „Beim Thema Wolfrisse ist zu beachten, dass bei der ganz normalen Haltung ohne besondere Vorfälle in Hessen jährlich rund 15.000 Schafe und Ziegen sowie mehr als 20.000 Kälber während der Geburt, durch Krankheiten oder andere Ursachen vorzeitig zu Tode kommen. Im Vergleich wurden in diesem Jahr in Hessen 12 Wolfsrisse bei Nutztieren nachgewiesen.“

Mit Ulli von Ulrichstein wird Hessen wieder Wolfsland (GW1166f)

Im Jahr 2008 war erstmals seit der Ausrottung im 19. Jahrhundert wieder ein Wolf in Hessen nachgewiesen und gleich sesshaft geworden, damals im Reinhardswald – der Rüde wurde allerdings 2011 tot aufgefunden, ohne dass ein weibliches Tier zugewandert war. Ein Rudel konnte sich deshalb nicht bilden.

Sollte die nun als sesshaft registrierte Ulrichsteiner Wölfin (von uns „Ulli von Ulrichstein“ genannt) in diesem Gebiet bleiben und ein männliches Tier zuwandern, könnte sich erstmals ein Rudel bilden. Da derzeit vermehrt Wölfe aus anderen Bundesländern nach Hessen zuwandern – 2019 verzeichnete das HLNUG acht verschiedene Individuen – ist die Wahrscheinlichkeit diesmal größer als noch vor zehn Jahren.

Infos für Weidetierhalter vom HLNUG:

Herdenschutz und Entschädigung

Die Herdenschutzprämie ist eine Förderung für Schaf- und Ziegenhalter, die den Arbeitsmehraufwand bei der Absicherung von Weidezäunen unterstützt. Dafür stellt das Landwirtschaftsministerium jährlich 500.000 Euro Landesmittel bereit. Diese Prämie wurde in diesem Monat auf 40 Euro pro Hektar erhöht. Weidetierhalter können bereits ab vier Tieren und einer Weidefläche von zwei Hektar einen Antrag stellen. Mit einer Antragsstellung verpflichten sich Weidetierhalter zu einem Herdenschutz nach guter fachlicher Praxis mit täglichen Zaunkontrollen und einer Einzäunung mit einem Elektrozaun in Höhe von mindestens 90 cm (alternativ ein Festzaun in einer Höhe von 120 cm und zusätzlicher Elektroleitung). Dieser Mindeststandard sollte für Weidetierhalter in der Regel keinen Mehraufwand bedeuten, da er der sogenannten guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft entspricht und auch aus Gründen des Tierschutzes und aus versicherungstechnischen Gründen praktiziert werden sollte, ganz unabhängig vom Wolf.

Dieser Grundschutz für Weidetiere ist von zentraler Bedeutung, um das Risiko von Wolfsangriffen deutlich zu verringern. Vor allem der Bodenabschluss und die Stromführung sind wichtig. Damit können Wölfe abgeschreckt werden. Alle Weidetierhalter sind daher aufgerufen, ihre Tiere nach guter fachlicher Praxis zu schützen. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) steht den hessischen Weidetierbetrieben außerdem beratend zur Seite.

Außerdem können Weidetierhalter von weiteren Förderprogrammen für die Landwirtschaft profitieren:

Direktzahlungen für landwirtschaftliche Betriebe: Die Direktzahlungen tragen zur Einkommens- und Risikoabsicherung landwirtschaftlicher Betriebe bei und stellen den Schwerpunkt der EU-Agrarförderung dar. Sie gleichen die im weltweiten Vergleich hohen EU-Standards im Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz aus, werden flächenbezogen gewährt und sind grundsätzlich von der landwirtschaftlichen Produktion entkoppelt. Im Rahmen dieses Programms werden verschiedene Prämienkomponenten gewährt, wie z.B. eine Basisprämie von 176 Euro pro Hektar. Für die Erbringung von Umweltleistungen werden zusätzlich zur Basisprämie weitere 85 Euro pro Hektar ausgezahlt.

HALM (Hessische Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen): Landwirte, wie auch Weidetierhalter, erhalten einen finanziellen Ausgleich für zusätzliche Kosten oder Ertragsverzicht in Folge einer besonders umweltgerechten Landbewirtschaftung. 2019 hat Hessen hierfür rund 45 Millionen Euro ausgezahlt.

Ausgleichszulage (AGZ): Die Ausgleichszulage ist ein Förderinstrument zum Erhalt der flächendeckenden Landwirtschaft in den sogenannten benachteiligten Gebieten. Schaf- und Ziegenhaltung findet hauptsächlich in solchen Gebieten statt. Die Standorte zeichnen sich z.B. durch Hangneigungen, besondere klimatische Voraussetzungen oder auch geringe Bodenqualitäten aus. Ziel der Förderung ist es, in benachteiligten Gebieten eine standortgerechte und möglichst flächendeckende Landbewirtschaftung zu sichern. Bei den Fördermitteln handelt es sich überwiegend um EU-Gelder. 2019 wurden 18 Millionen Euro Ausgleichszulage in Hessen ausgezahlt.

Tierbezogene Prämie bei besonderen Nutztierrassen: Mit der Förderung soll der Fortbestand gefährdeter heimischer Nutztierrassen sichergestellt und damit ihr genetisches Potenzial erhalten werden. Neben den beiden bodenständigen Rinderrassen werden zwei Schafrassen sowie eine Ziegenrasse gefördert. Hessen leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität. Die Höhe der jährlichen Zuwendungen beträgt 200 Euro je förderfähigem Rind und 30 Euro je förderfähigem Schaf oder je förderfähiger Ziege. Folgende Nutztierrassen sind Teil des Programms: Rotes Höhenvieh, Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind, Rhönschaf, Coburger Fuchsschaf und Weiße Deutsche Edelziege.

So hilft Wolfsschutz Deutschland e. V. Weidetierhaltern

Wer Hilfe beim Zaunbau benötigt, darf sich gerne bei uns melden. Allerdings helfen wir hier nicht bedingungslos, sondern sichern uns vertraglich ab, dass die Weidetierhalter, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen, nicht gegen Wölfe hetzen, Abschüsse fordern oder sich auf Mahnfeuern präsentieren.

Hintergrund Monitoring und Genproben

Die bundesweiten Standards im Wolfsmonitoring sehen vor, dass ein Wolf, der über einen Zeitraum von sechs Monaten in einer Region genetisch nachgewiesen wird, als territorial, also sesshaft zu bezeichnen ist. Alle Proben im Rahmen des hessischen Wolfsmonitorings werden an das nationale Referenzzentrum für Wolfsgenetik, das „Senckenberg Forschungsinstitut für Wildtiergenetik“ in Gelnhausen, geschickt und dort ausgewertet. Jedes Tier erhält bei der Individualisierung durch die Genanalyse eine Kennzeichnung durch ein Laborkürzel – die „Ulrichsteiner Wölfin“ trägt das Kürzel GW1166f (GW = Grauwolf, 1166 = Labornummer, f= weiblich).

Hier die Pressemitteilung des HLNUG mit einem Originalfoto der Wölfin: https://umwelt.hessen.de/presse/pressemitteilung/wolf-wieder-sesshaft-hessen

 

 

Pressemitteilung – Wolfsschutz Deutschland live erleben am Sonntag, 28. Juli, beim Tierheimfest in Frankfurt-Fechenheim

Informationen über den Verein Wolfsschutz-Deutschland e.V. und die Wölfe in Deutschland gibt es auf dem Sommerfest des Tierschutzvereins Frankfurt und Umgebung e.V. am Sonntag,  den 28. Juli, in Frankfurt am Main-Fechenheim.

Wolfsschutz-Deutschland e.V. informiert auf dem Sommerfest des Tierschutzvereins Frankfurt/Main und Umgebung e.V.  in Frankfurt-Fechenheim.

Informationen über den Wolf gibt der bundesweit agierende Verein Wolfsschutz-Deutschland e.V. am Sonntag, den 28. Juli, im Rahmen einer Veranstaltung des Tierschutzvereins Frankfurt am Main. Das Fest findet v o r dem Tierheim in der Ferdinand-Porsche-Str. 2-4 in Frankfurt-Fechenheim statt.  Hier erfahren die Besucher am Stand des Vereins alles Wissenswertes zum Thema Wolf.
Mit dabei – stellvertretend für ihre Ahnen- auch Wolfsbotschafterin Alba, eine aus der Tötungsstation gerettete Podenca.

Ab 11 Uhr werden die Vereinsmitglieder Gudrun Zimmermann und Klaus Giar über die Wölfe in Deutschland und die Arbeit, die der Verein Wolfsschutz Deutschland e. V.  für den Schutz der freilebenden Wölfe leistet, informieren.

Jeder, der sich für Wölfe interessiert, mehr über die Tiere erfahren will und einen Einblick in die lange Geschichte zwischen Mensch und Wolf erfahren möchte, ist hier richtig und herzlich willkommen.
In Hessen ist noch kein Wolf sesshaft geworden  Es gibt viele Wölfe, die Hessen als Transitstrecke durchwandern. Die Aufklärung über den Wolf ist dem Verein Wolfsschutz-Deutschland e.V. sehr wichtig. Auf Wunsch werden Nutztierhalter, die geeignete Schutzmaßnahmen vornehmen wollen, auch unterstützt.

„Wo der Wolf ist, wächst der Wald“  (Russ. Sprichwort)

Weitere Informationen über Wolfsschutz-Deutschland e.V. gibt es  laufend hier auf der Webseite des Vereins unter www.wolfsschutz-deutschland.de.

Wolfsschutz Deutschland e. V. erstattet Strafanzeige gegen einen Jäger aus Frankfurt am Main

Wolfsschutz-Deutschland setzt 1000 Euro Belohnung aus für Ergreifung des Täters eines erschossenen Wolfs im Kreis Celle
Beispielbild

Dass der Wolf unter dem höchsten Schutzstatus steht, scheint einigen Jägern entgangen zu sein, oder aber es interessiert sie schlichtweg nicht. Ein Jäger aus Hessen, der zugleich auch noch als Anwalt arbeitet, rief anscheinend ohne Skrupel zu widerrechtlichem Handeln zum Nachteil des in Deutschland streng geschützten Wolfs auf. Am 10.11.2018 hätte er während einer Drückjagd an der er als Jäger beteiligt war, Wölfen, die kurz nach der Erlegung eines Rehs, dieses aufgefressen haben sollen, vor die Füße geschossen, um diese zu vertreiben. In einem Facebook Beitrag rief er am 12.11.2018 Jägerkollegen dazu auf, dies gleichfalls zu tun, und betonte, dass er selbst dies immer wieder tun würde.

Ein Zitat, aus dem Aufruf von Jäger G.: „Wir dürfen (noch) keinen Wolf erschießen – aber wir dürfen ihn erschrecken und verjagen! Macht 
ihm klar, dass eine Drückjagd nicht seine Komfortzone ist! Stellt für ein paar Sekunden Euren eigenen möglichen Jagderfolg hinter das Wohl unserer Hunde und klatscht, schreit und pfeift, wenn ein Wolf in Anblick kommt, noch besser: schießt ihm vor die Füße, ich habe das auch gemacht und werde es ab jetzt jedes Mal wieder tun.“

Der Wolf steht im Anhang IV der FFH Richtlinien und ist eine besonders geschützte Tierart gem. §7 II Nr. 13a BNatSchG und eine streng geschützte Tierart nach §7II Nr. 14a, b BNatSchG. Gegen ihn gerichtete Maßnahmen sind nach § 44 I Nr. 1 bzw. § 44 I Nr. 2 BNatSchG verboten. Nach § 44 I Nr. 1 BNatSchG ist es verboten, „wild lebenden Tieren der besonderen Art nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Die Vorschrift bezieht sich auf das einzelne Individuum der Tierart und dessen Gefährdung ohne Wenn und Aber.

Diesen Aufruf teilte Max G. in sozialen Netzwerken.

Nach § 44 I Nr. 2 BNatSchG ist es verboten, „wild lebende Tiere der streng geschützten Arten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht (…..)  erheblich zu stören.

Durch das Schießen vor die Füße der Wölfe wurden diese erschreckt, in der Absicht diese zu verjagen. Dies stellt einen Verstoß  gegen § 44 I Nr. 2 BNatSchG dar. Außerdem bestand die Möglichkeit, die Wölfe durch die Schüsse zu verletzen. (§ 44 I Nr. 1 BNatSchG).

Dass die Wölfe sich über das erlegte Reh hermachten war kein unnatürliches Verhalten der Wölfe. Auch stellten sie dabei keine Gefährdung für die Menschen (Jäger) dar.

Weiterhin hat sich Herr Götzfried durch seinen öffentlichen Post, der Anstiftung strafbar gemacht, indem er seine Jägerkollegen auffordert, das gleiche bei Drückjagden zu tun.

Wir stellen als Verein „Wolfsschutz Deutschland“ Strafantrag aus allen rechtlichen Gründen gegen Herrn G.

Renate Hess, Assessorin

Brigitte Sommer, Vorsitzende