Geretteter Wolfswelpe bei Magdeburg? Offizielle Erfolgsmeldung stößt auf Skepsis

Südlich von Magdeburg wurde am 16. Juni 2026 ein wenige Wochen alter Wolfswelpe hilflos in einem Ort gesichtet. Mitarbeiter des Wolfskompetenzzentrums Iden (WZI) des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (LAU) bargen das unversehrte Jungtier und brachten es noch am selben Tag in das Territorium Wahlitz. Dort setzte man dem Welpen einen temporären Sender an und ließ ihn frei. Das LAU erklärte anschließend, alle bisherigen Erkenntnisse sprächen dafür, dass der Welpe sein Rudel wiedergefunden habe. Doch Vertuschungen in Sachsen-Anhalt nähren Zweifel. 

Foto des gefundenen Wolfswelpen © LAU/WZI

 

Kurzzusammenfassung der Pressemitteilung 

  • Ein wenige Wochen alter, hilfloser Wolfswelpe wurde am Montag (16.06.2026) innerorts südlich von Magdeburg gesichtet (an einer Straße, dann auf einem Grundstück).
  • Mitarbeiter des WZI haben ihn gemeinsam mit Anwohnern, Förster und Helfern gesichert (das Tier war körperlich fit und unversehrt).
  • Er wurde in eine Transportbox (vom Zoo Magdeburg) gebracht und noch am selben Tag im Territorium Wahlitz (WAH) wieder freigelassen.
  • Vor der Freilassung bekam er einen temporären kleinen Sender (fällt spätestens nach ca. 9 Tagen ab).
  • Der Fund deutet auf ein Rudel im Gebiet Wahlitz hin (das zuvor als „Status unklar“ galt). Es gibt Hinweise, dass Welpe und Rudel wieder zusammengefunden haben. 

Die Umgebung werde weiter beobachtet, heißt es. Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte wie ein großes Erfolgserlebnis im Wolfsmanagement. Biologisch ist eine Wiedervereinigung bei so jungen Tieren durchaus möglich, aber schwierig.  Ein sol kleiner Welpe ist noch auf Muttermilch angewiesen, mehrere Tage alleine kann er nicht durchhalten. 

Vertuschung in Bösewig

Doch gerade in Sachsen-Anhalt wächst auch das Misstrauen gegenüber solchen behördlichen Erfolgsmeldungen. Das Land hat den Wolf ins Landesjagdrecht aufgenommen und erleichterte Schnellabschüsse eingeführt. Die Regierungskoalition steht seit längerem in der Kritik, sich zu stark an den Interessen von Jagdlobby und Weidetierhalter zu orientieren. Abschussverfügungen wurden in der Vergangenheit wiederholt nur teilweise oder gar nicht öffentlich gemacht. Wie zuletzt der umstrittene Fall in Golmer. Wir berichteten hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/06/16/wolfsraetsel-im-landkreis-wittenberg-ein-fehlabschuss-zwei-versionen-und-die-frage-nach-den-konsequenzen/

 

Schafe auf Deichen bei Bösewig am 18.06.2026. Die Tiere müssen den ganzen Tag in der prallen Sonne verbringen, ohne die Möglichkeit, Schatten aufzusuchen. Ein Halter dort hatte in der Vergangenheit einen Antrag auf Wolfsabschuss gestellt und sich gleichzeitig geweigert, wolfsabweisende Netze aufzustellen, da er körperlich nicht dazu in der Lage sei.  https://wolfsschutz-deutschland.de/2025/10/30/geheim-gehaltene-wolfsjagd-in-sachsen-anhalt/      Foto: Privat.

 

Schafe in der prallen Sonne bei Bösewig. Foto: Privat.
In unmittelbarer Umgegung der Deiche befinden sich zahlreiche Hochsitze. Foto: Privat.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen im Fall Golmer/Bösewig. Die ungeheuerlichen Vorgänge dort, lassen natürlich auch erhebliche Zweifel an der Öffentlichkeitsarbeit des Landesamtes für Umwelt aufkommen.

Dieses Umfeld sorgt dafür, dass Wolfsschützer –  wie wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. –  offiziellen Optimismus-Meldungen mit großer Vorsicht begegnen. Besonders kritisch beurteilen wir die enge Zusammenarbeit des WZI mit Jägern beim Wolfsmonitoring. Jäger sind bei Meldungen involviert und unterstützen zwar auch bei der praktischen Arbeit, aber dieselben Akteure profitieren direkt von den erleichterten Abschussregelungen. Ein solcher Interessenkonflikt macht unabhängige Kontrolle unerlässlich. Das WZI ist direkt in das LAU integriert und damit weisungsgebunden. Das LAU wiederum untersteht der Landesregierung, deren Poltik alles andere als wolfsfreundlich ist und als jagdlobbynah bezeichnet werden kann. 
Ob die Auswertung des temporären Senders, genetische Proben oder Kamerafallenbilder wirklich transparent und tatsächlich unabhängig erfolgen können, bleibt für die Öffentlichkeit weitgehend undurchsichtig. Aktuelle Einblicke in das Wolfsmonitoring gibt es nicht. 
Eine Rückführung von verloren gegangenen Welpen ist alles andere als einfach. In Sachsen wurde Anuschka halb verhungert allein gefunden. Sie lebt in einem Tierpark in Niedersachsen. In der Hohen Rhön wurde der Welpe Nuka mutterseelenallein entdeckt – ein deutlicher Hinweis darauf, dass seine Mutter Frigga illegal getötet worden war. Er lebt jetzt in einer Auffangstation in Belgien, weil das Zurücksetzen ins Territorium nicht funktioniert hat. Im Schermbecker Rudel in Nordrhein-Westfalen gab es Hope, die alleine auf einer Straße von Spaziergängern gefunden und von den Behörden wieder freigelassen wurde. Uns von Wolfsschutz-Deutschland e. V. wurde damals von einem Informanten mitgeteilt, dass die Kleine kurz darauf mit einem Baseballschläger erschlagen worden sei. Wir konnten das damals nicht offiziell bestätigen lassen, doch Fakt ist, dass die kleine Wölfin tatsächlich nie wieder aufgetaucht ist. 
Solche Präzedenzfälle zeigen, dass es nicht so leicht ist, Wolfswelpen wieder mit ihrer Famlie zusammen zu führen, zumal der Status des Territoriums Wahlitz als ungeklärt galt. Wurde hier auch das Rudel illegal angegriffen, oder ist der Kleine einfach nur bei einem Umzug von einer Höhle zur anderen verloren gegangen?  Ist die Mutter noch am Leben? Wolfsschutz-Deutschland e. V. fordert deshalb von der Landesregierung und dem LAU deutlich mehr Transparenz. Die erfolreiche Rückführung zum Rudel sollte deshalb durch Fakten weiter belegt werden. Zudem müssten unabhängige Wolfsschutzvereine und externe Experten stärker in die weitere Überwachung einbezogen werden.
Alle Abschussverfügungen und Schnellabschuss-Anordnungen sollten grundsätzlich öffentlich zugänglich sein. Der Fall des Magdeburger Wolfswelpen steht auch für ein Wolfsmanagement in Sachsen-Anhalt, das immer stärker auf Abschüsse statt auf konsequenten Herdenschutz und Prävention setzt. In einem solchen politischen Klima verlieren behördliche Erfolgsmeldungen zwangsläufig an Glaubwürdigkeit. Wolfsschutz-Deutschland e. V. möchte den weiteren Verlauf im Territorium Wahlitz genau verfolgen und eine echte, evidenzbasierte Politik einfordern. Wir freuen uns über weitere aktive Mitglieder: https://wolfsschutz-deutschland.de/mitglied-werden/

Quelle:

https://lau.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MLU/LAU/DAS-LAU/Struktur_Aufgaben/Pressemitteilungen/2026/Pressemitteilung_Nr_10-2026_verirrter-Wolfswelpe.pdf

 

Weitere Quellen:

https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/06/02/besuch-bei-nuka-ein-besonderes-wolfs-schicksal-in-belgien/

https://wolfsschutz-deutschland.de/2021/07/30/nrw-wolfsbaby-nach-kurzem-ausflug-in-menschenobhut-wieder-zuhause-dennoch-bleiben-fragen-offen/

https://wolfsschutz-deutschland.de/2025/10/30/geheim-gehaltene-wolfsjagd-in-sachsen-anhalt/

https://wolfsschutz-deutschland.de/2025/06/16/strafanzeige-wegen-illegaler-toetung-des-wolfs-gw4199m-im-landkreis-wittenberg/

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7 Gedanken zu „Geretteter Wolfswelpe bei Magdeburg? Offizielle Erfolgsmeldung stößt auf Skepsis

  1. This makes me crazy . The disrespect people have for wild life. I am also a victim of difficult times But choose to fight back with love. I am an artist and would love to donate a painting of a wolf or a particular wolf or wolves. This could be put up for auction. Its the best I can offer!

  2. einfach einen Welpen aussetzen ist in meinen Augen verantwortungslos, wenn nich genau ermittelt werden konnte, zu welcher Familie der Welpe gehört.
    Ich traue keiner behördlichen Mitteilung mehr, schon gar nicht, wenn Jäger involviert sind. Wer für Abschüsse eintritt, wer auf Hochsitzen lauert und Tiere aus dem Hinterhalt tötet, ist für mich unglaubwürdig. Erfolgsmeldungen dieser Art sollen nur Wolfsfreunde in einer Sicherheit wiegen, die nicht da ist und für Ruhe sorgen.
    Gerade deshalb ist Wolfsschutz enorm wichtig um hier nachzuhaken, was ist mit dem kleinen Welpen?
    Bei den Tierhaltern sieht man ja auch oft, mit welcher Gleichgültigkeit sie ihre Schafe halten, sonst gäbe es nicht Bilder von Schafen in der prallen Sonne. Aber, wer seine Schafe verkauft, die dann auf Schiffen oben auf dem Deck vollkommen dem Wetter ausgesetzt transportiert werden um dann im Zielland geschächtet zu werden,, diese Tierhalter haben kein Recht gegen die Wölfe zu agieren. Diese Doppelmoral brauchen wir nicht.

  3. Wie kommt es, dass so ein kleiner Welpe, der noch auf Muttermilch angewiesen ist, alleine aufgefunden wird? Lebt seine Mama nicht mehr? Und dann wird der Kleine einfach wieder ausgesetzt! Und noch dazu besendert! Da stimmt doch was nicht!

  4. genau, da muss man hellhörig werden. Dieser
    Welpe ist alleine vollkommen schutzlos. Man würde ja auch keinen Hundewelpen einfach aussetzen.
    Außerdem darf man ein Wildtier, das man in Obhut genommen hat, nicht einfach aussetzen.
    Man kann inzwischen nicht vorsichtig und misstrauisch genug sein,

  5. Guten Morgen liebes Team,
    ich habe gerade Geschichte mit dem kleinen Welpen gelesen und würde so gern wissen, ob er das Rudel wirklich gefunden hat. Wenn er einen Sender bekommen hat, müsste man das doch nachvollziehen können.
    Mir als Laie kommt immer wieder der Gedanke, warum man keine Wolfsgehege macht wie im Schwarzwald, dort leben doch auch die Wölfe friedlich mit den Bären und werden nicht abgeschossen. Die Antwort ist bestimmt die Kostenfrage.
    Zum zweiten frage ich mich, warum man diesen Besitzer der Schafe nicht wegen Tierquälerei anzeigt. Ich würde dies PETA melden.
    Danke an Ihren Einsatz für die Wölfe.

    Herzliche Grüße
    Beate Scherer

    1. Liebe Beate, wir haben eine UIG dazu gestellt, es dauert allerdings immer einige Zeit, bis die Behörden da antworten. Es ist nicht möglich, frei geborenen Wölfe einzufangen und dann lebenslang einzusperren. Das ware eine Qual für die Wölfe. Es ist ja genug Platz für freie Menschen und freie Wölfe hier vorhanden. Es hätten locker 4.000 Wölfe in Deutschland Platz. Sie regeln Ihren Bestand übrigens alleine, und helfen Wildtierbestände und die Wälder gesund zu halten. Und Weidetiere können geschützt werden. In den meisten Bundesländern zahlt dies ohnehin schon der Stuerzahler, es liegt nun also an den Haltern, endlich tätig zu werden.

  6. Zu prekären rechtsauffassungen u.händelungen in Sachsen anhalt.
    Als gesichert re htsextrem gilt
    Dort die afd.rechtsextremismus ist menschen.u.grundrechtsextern.
    Trotzdem kann die afd zu den Landtagswahlen als zulässige Partei antreten.das ist zumindest landesverfassingsbruch.die verantwortliche Politik u.verfassungsjustiz i.sachyen anhalt macht sich damit erheblich strafbar.so das gesagt werden kann,bei einer derartigen rechtsauffassung können weder die regierungsmitglieder,noch die
    Parteien,weiterhin die Regierung stellen.die verfassungsjustiz selbst ist von den Verantwortlichen nichthandelnden mit sofortiger Wirkung zu befreien.die sache ist ein zwingen notwendiger zeitnaher ,sehr akuter fall für das Bundesverfassungsgericht bzw. Den eugh.
    Inder sache zur Aufnahme der freilebenden wölfe in ein jagdrecht,besteht ebenso bundesverfassungsgerichtlicher
    Zeitnahe dringender handlungsbedarf.
    Jagdrechte sind eine Art institutionelle Piraterie,eine
    Raubmörderei mit ermordungserlaubmissen.
    Rechtsethisch sind freilebende Tiere sich selbst zu eigen.sie gehören nur sich selbst.eine landesweite oder Bundesweit in Beitznahme wäre raub von fremden Eigentum.
    Jagdrechte sind zu dem privilegienrechte diedas recht Auf Gleichheit im u.vor dem recht ausser Kraft setzen.verfassungsrechtlich hat es daher kein jagdrecht zu geben.das wäre von allen entsprechenden NGOS zu verbreiten und zu beklagen.
    Denn auch parteipolititische,parlamentarische und justizielle strafbare handlungen sind strafrechtlich Anzeigepflichtig.
    Das nicht nachvollziehbare Handlungen der öffentlichen
    Verwaltung u.o.politik,immer suspekt erscheinen u.vom kritischen Menschenverstand
    bemängelt und begleitet werden,ist das menschenrecht
    auf hinreichende Aufklärung,aller sachverhalte der res publica.
    D.h,die gesamte wolfspolitik u.angemasste jagdrechtlichkeit
    sind verfassungsrechtlich und rechtsethisch gar nicht zulässig.
    Ähnlich wie ein jedes atomrecht es immer war.

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