Der Hirsch als Sündenbock: Wenn „Naturschützer“ zur Büchse greifen

In den Köpfen vieler Menschen gilt der Naturschutz als eine harmonische Bewegung, in der alle Akteure dasselbe Ziel verfolgen: den bedingungslosen Schutz von Flora und Fauna. Wer an große Organisationen wie den BUND Naturschutz in Bayern (BN) oder den NABU denkt, sieht meist Aktivisten vor sich, die sich für den Schutz aller Tiere einsetzen. Doch die Realität ist weitaus widersprüchlicher. Ein drastisches Beispiel hierfür ist die wiederkehrende Forderung dieser Verbände nach einer massiven Erhöhung der Abschusszahlen von Rothirschen und Rehen. Unter dem ideologischen Deckmantel des Prinzips „Wald vor Wild“ mutiert eine vermeintliche Tierschutzbewegung hier zum Treiber einer gnadenlosen Jagdpolitik. Der Hirsch wird dabei zum reinen Schädling degradiert, den es im Namen des Klimaschutzes radikal zu dezimieren gilt.

Dabei haben die großen Naturschutzverbände eine mächtige Allianz gebildet, die eine bittere Wahrheit über das vermeintliche Fachpersonal des Waldes offenbart. Hand in Hand mit dem Ökologischen Jagdverein (ÖJV), forstwirtschaftlichen Verbänden und grüner Politik wird ein massiver Druck auf die Bestände ausgeübt. Viele Menschen glauben fälschlicherweise immer noch, dass Förster und Berufsjäger die „guten“, besonnenen Hüter des Waldes seien, die im Einklang mit der Natur handeln. Doch genau hier werden sie eines Besseren belehrt: Es sind gerade die staatlichen Forstbetriebe und Berufsjäger, die im Auftrag der Holz- und Forstwirtschaft den radikalsten Abschuss fordern. Für sie zählt nicht das Tierwohl, sondern die schadensfreie Holzproduktion.
Beispielfoto Rothirsche. © Brigitte Sommer
Auf der anderen Seite agieren die klassischen Hobbyjäger. Doch auch deren Motivation entspringt keinem reinen Tierschutzgedanken: Sie setzen sich oft nur deshalb für den Erhalt des Wildes ein, weil sie es letztendlich selbst für ihre Trophäen schießen möchten. Zwischen diesen beiden Fronten wird das Wildtier zum bloßen Spielball degradiert. Während die einen es aus sportlichem Eigeninteresse erhalten wollen, fordern die Naturschutzverbände im Verbund mit den Förstern seine rücksichtslose Reduktion. Dass dabei Jagdzeiten ausgeweitet und Schonzeiten verkürzt werden, zeigt ein rein utilitaristisches Naturverständnis. Das Beispiel zeigt schmerzhaft, dass das Etikett „Naturschutz“ nicht automatisch Tierschutz bedeutet. Wer den Wald retten will, indem er im Verbund mit Förstern und Berufsjägern dessen treueste Bewohner zum Abschuss freigibt, hat das Prinzip der Ganzheitlichkeit der Natur aus den Augen verloren.
Vor diesem Hintergrund entpuppt sich auch die ständig wiederholte, moralisierende Forderung an kleinere Organisationen, sie müssten doch „am gleichen Strang ziehen“ und sich den großen Verbänden anschließen, als pure Naivität. Wer so argumentiert, übersieht völlig, dass diese vermeintliche Einigkeit ein Trugbild ist. Große Verbände wie der BN oder der NABU haben sich längst in politischen und forstwirtschaftlichen Netzwerken verheddert, bei denen pragmatische Kompromisse und wirtschaftliche Interessen den echten, konsequenten Tierschutz verdrängt haben. Ein blindes Einreihen kleinerer Organisationen in diese Phalanx würde bedeuten, die eigenen, oft viel ehrlicheren Ideale für eine verfehlte Jagdpolitik zu opfern. Wahre Vielfalt im Naturschutz entsteht nicht durch erzwungenen Gleichschritt, sondern durch den Mut, dem zerstörerischen Kurs der großen Akteure und ihrer forstwirtschaftlichen Verbündeten entschieden zu widersprechen, wie wir es von Wolfsschutz-Deutschland e. V. tun.
Der natürliche Regulator des Wildes ein Störfaktor einer technokratischen Entwicklung? © Brigitte Sommer

 

Wir fordern die Abschaffung der allgemeinen Jagd

Gleichzeitig offenbart die öffentliche Debatte eine tiefgreifende Absurdität: Tierschützer, die sich rein auf die Kritik an der Hobbyjagd fokussieren, erzielen merkwürdig hohe Reichweiten und ernten in den sozialen Medien massiven Beifall. Das Motiv des Freizeitjägers, der aus Lust am Töten oder für Trophäen in den Wald geht, bedient ein leicht verständliches, hochemotionales Feindbild. Doch diese laute Empörung wirkt wie ein perfektes Ablenkungsmanöver, das den großen Verbänden und der Forstwirtschaft in die Karten spielt. Während sich die breite Masse am Hobbyjäger abarbeitet, entsteht der naive Irrglaube, der Abschuss durch Förster und Berufsjäger sei irgendwie „besser“ oder „professioneller“. Unter diesem Sichtschutz können staatliche Forstbetriebe im Verbund mit dem BN eine weitaus radikalere und systematischere Dezimierung des Wildbestands vorantreiben, als es Einzeljäger je könnten. Die künstlich hochgehaltene Reichweite der reinen Hobbyjagd-Kritik vernebelt so den Blick auf die eigentliche, strukturelle Bedrohung unserer Wildtiere durch die Forstindustrie.
Betrachtet man diese Entwicklung weiter, wird deutlich, dass hier langfristig der Weg für ein rein technokratisches Staatsziel geebnet wird: die vollständige Verstaatlichung der Jagd. In einer zunehmend daten- und effizienzgetriebenen Politik gilt das traditionelle, auf private Hobbyjäger setzende Revierjagd-System als unzuverlässiger Störfaktor. Eine technokratische Regierung, die den Wald primär als CO₂-Speicher und Rohstofflieferanten optimieren will, verlangt nach mathematischer Planbarkeit. Das Ziel ist eine Jagd ohne Emotionen und Traditionen, gesteuert durch KI, Drohnentechnologie und staatliche Vegetationsgutachten. Ausführende Organe wären dann keine Hobbyjäger mehr, sondern angestellte Berufsjäger und Forstbeamte, die Abschussquoten wie ein betriebswirtschaftliches Soll-Ergebnis exakt abarbeiten. Indem große Naturschutzverbände und Forstbetriebe die Jagd permanent als reines Regulierungswerkzeug framen, bereiten sie unbewusst oder sogar bewusst den Boden für ein solches staatliches „Wildtiermanagement des Grauens“.
Waschbären werden als angeblich invasiv gnadenlso zusammen geschossen.

 

Dies erklärt letztendlich auch, warum hinter den Kulissen bereits der politische Wunsch reift, den Wolf wieder vehement einzudämmen oder gar komplett zu verdrängen. Als natürlicher Regulator stört der Wolf ein solches technokratisches Konzept fundamental. Ein Beutereifer jagt nicht nach staatlichen Tabellen, hält sich an keine Jagdbezirke und entzieht sich jeder bürokratischen Kontrolle. Er ist das lebende Gegenteil von mathematischer Planbarkeit. Indem große Naturschutzverbände und Forstbetriebe die Natur permanent als reines, künstlich zu regulierendes Werkzeug framen und unberechenbare Faktoren wie den Wolf bekämpfen, bereiten sie den Boden für ein rein staatliches Wildtiertötungsmanagement. Am Ende dieses Weges steht die totale Kontrolle: Ein bürokratischer Apparat, der den Wald endgültig zur staatlich verwalteten Holzfabrik degradiert und jeglichen ethischen Bezug zum Mitgeschöpf Wildtier eliminiert. Noch haben wir Zeit selbst zu entscheiden, in welch einer Welt wir leben wollen. Kritisch zu hinterfragen wäre der notwendige Anfang.

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