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Bayern – weiteres Wolfspaar mit Nachwuchs jetzt im Manteler Forst bei Neustadt an der Waldnaab daheim

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Im Manteler Forst lebt nun ein weiteres Wolfspaar, das sogar Nachwuchs erwartet. Siehe Pfeil auf der Karte. © Brigitte Sommer

In der Nachbarschaft im Veldensteiner Forst und auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr leben schon länger Wolfspaare bzw. sogar Rudel. Nicht weit davon, im Manteler Forst bei Neustadt an der Waldnaab hat sich nun offensichtlich ein drittes Wolfspaar niedergelassen. Und dieses Paar erwartet sogar Nachwuchs, wie die Wolfsmonitoringseite des Landesamtes für Umwelt am 27.05.2020 bestätigte. Bereits im Januar 2020 ist dort zum ersten Mal ein Rüde und eine Fähe genetisch erfasst worden. Ende Mai sol nun  in eine Wölfin von einer Fotofalle aufgenommen worden sein. Auf dem Bild sei deutlich ein Gesäuge zu erkennen, deshalb ist hier mit ziemlicher Sicherheit bereits Nachwuchs vorhanden, teilte uns die Pressesprecherin auf Nachfrage mit.

Damit ist es auch so gut wie sicher, dass die beiden Wölfe dort territorial, also zuhause sind. Das Rudel im Manteler Forst ist nun nach Grafenwöhr, dem Veldensteiner Forst, der Rhön und dem bayerischen Wald nun der fünfte feste Wolfsnachweis in Bayern. Durchwandernde Jungwölfe auf der Suche nach einem Revier können praktisch überall auftauchen.

Auch im Veldensteiner Forst scheint das Wolfspaar nun zum dritten Mal wieder Welpen zu versorgen. Ein Foto aus einer Wildkamera zeigte Anfang Mai eine Wölfin mit Gesäuge. Ein Lichtblick, nachdem die Mutter des Rudels ist im Herbst überfahren worden war. Welche Wölfin dort die Nachfolge angetreten hat, ist allerdings unklar. im Veldensteiner Forst wurden in zwei Würfen 2018 und 2019 insgesamt neun Jungtiere geboren. Eines davon wurde vor wenigen Wochen bei Pressath auf der B470 überfahren und getötet. Ein weiterer Welpe aus dem Rudel wurde bei Neu-Ulm überfahren.

Beim Wolfspaar auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist bislang kein Nachwuchs bestätigt worden.

Quellen: https://www.lfu.bayern.de/pressemitteilungen/archiv/c/1189150/4-19-landesamt-umwelt-wolf-im-landkreis-neustadt-an

https://www.lfu.bayern.de/natur/wildtiermanagement_grosse_beutegreifer/wolf/monitoring/index.htm

http://www.dbb-wolf.de

 

 

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Faktencheck und Zaunkontrolle Birnbaum: Weidetierhalter in Bayern wenig vorbereitet auf Wölfe

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© Brigitte Sommer

Wölfe haben es, genau wie Luchse, nicht einfach in Bayern. Im Gegensatz zu Bundesländern wie Brandenburg oder Sachsen, wo illegal erschossene Wölfe gerazu provokant zum Entdecken drapiert worden sind, geht man im Freitstaat wohl einen anderen Weg. Man lässt unliebsame Beutegreifer einfach verschwinden. Nirgendwo funktieniert SSS (Schießen, schaufeln, schweigen) wohl so gut wie in Bayern. Und selbst wenn Wildtierkriminaität mal aufgedeckt wird, wie im Fall eines Luchses, haben die Täter kaum etwas zu befürchten. Das ist vielleicht mit ein Grund dafür, weshalb sich in Bayern bis heute noch nicht mehr Wölfe fest etablieren konnten. Seit 2006 tauchen in Bayern offiziell immer wieder mal Wölfe auf. Platz wäre genug da.

Im Veldensteiner Forst zwischen Bayreuth und Nürnberg lebt ein Rudel, in der Rhön und im Bayerischen Wald sind Einzelwölfe zuhause und auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr, nicht weit weg vom Veldensteiner Forst, zwischen Bayreuth und Weiden in der Oberpfalz lebt ein Wolfspaar. Dazu wurden noch jede Menge Durchzügler gesichtet. Auch bei Birnbaum fing Anfang des Jahres eine Wildkamera einen Wolf ein. Ein Jäger wurde dabei in einem Zeitungsartikel mit Fake-News (Blutrausch und er (der Wolf) fresse nur Weidetiere) zitiert. Offiziell bestätigt sind für 2019/2010 aktuell nur die Wölfin in der Rhön und das Rudel im Veldensteiner Forst.

Im Fall vom Birnbaum haben wir uns die Zäune von Mutterkühen und Kälbern dort in der Gegend mal angeschaut. Im Bayerischen Wolfsmanagementplan ist aufgeführt, dass Kühe und Kälber so gehalten werden sollten, dass die Kälber nicht unter dem Zaun hindurch können. Hätte es hier einen Riss gegeben, kann davon ausgegangen werden, dass das Geschrei wieder groß gewesen wäre.

Auszug aus dem Wolfsmanagementplan:

Für Tierhalter von Rindern, Pferden, Eseln und Lamas in bestätigten Wolfsgebieten wird folgende Vorgehensweise empfohlen:

  • Grundsätzlich gilt in der Tierhaltung, dass der Zaun so beschaffen sein muss, dass die Tiere in-nerhalb der Einzäunung bleiben.
  • Dies gilt selbstverständlich auch für die Mutterkuhhaltung. Befinden sich Kälber mit auf der Wei- de oder werden auf der Weide geboren, muss der Zaun ein Durchschlüpfen der Kälber verhin- dern.
  • Kälber, die jünger als 6 Monate sind, sollten nicht alleine, sondern zusammen mit erwachsenen Tieren gehalten werden.

Dass die Tiere innerhalb der Weide bleiben ist hier ganz klar nicht garantiert.  Zwar ist genug Strom auf den Litzen, doch am Eingang ist eine Lücke, die groß genug ist, kleine Kälber hindurchzulassen. Solche Tiere finden dann oft nicht mehr zurück und können so leicht Opfer von Hunden, Luchsen oder eben auch Wölfen werden. Zudem gibt es Entschädigungen – dies ist nicht nur in Bayern so – für Risse in ausgewiesenen Wolfsgebieten. Wir von Wolfsschutz Deutschland fordern schon seit Anfang an, dass es besser für Wölfe und Weidetierhalter wäre, wenn ganz Deutschland zum Wolfsgebiet mit entsprechenden Forderungen und Förderungen erklärt werden würde. So könnten auch Schäden, die wandernde Jungwölfe hinterlassen, entschädigt werden.

 

Einen halben Meter Platz am Eingang der Weide bis zum Boden. Da hilft es auch wenig, wenn genug Spannung darauf ist.
Kleine Kälbchen können leicht unter dem Zaun durch.
Hier kann untergraben werden.
Spannung ist hoch genug.
Wir haben uns einmal Weidezäune im bayerischen Birnbaum angeschaut.

 

Artikel zu Birnbaum: https://www.infranken.de/regional/kronach/naechtlicher-besuch-im-frankenwald;art219,4768032

Hier geht es zum bayerischen Wolfsmanagementplan: https://www.bestellen.bayern.de/application/eshop_app000006?SID=2079198724&ACTIONxSESSxSHOWPIC(BILDxKEY:%27lfu_nat_00360%27,BILDxCLASS:%27Artikel%27,BILDxTYPE:%27PDF%27)

Zahlen und Fakten zum Wolfsbestand: http://www.dbb-wolf.de

Informationen zum Wolfsmonitoring in Bayern: https://www.lfu.bayern.de/natur/wildtiermanagement_grosse_beutegreifer/wolf/monitoring/index.htm

TV-Beitrag über Wilderei in Bayern: https://www.br.de/mediathek/video/bayern-erleben-30122019-wilderer-von-gefallenen-helden-av:5cd009ed4e109b001340ca1a

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Wolfsschutz Deutschland e. V. protestiert gegen den „Aktionsplan Wolf“ in Bayern

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Laut Statistik der DBB Wolf über die Wolfsschäden im Jahr 2017 wurden in Bayern gerade mal vier Schafe von Wölfen gerissen. In Bayern leben offiziell lediglich ein Rudel sowie zwei Paare. Freilich ziehen auch jedes Jahr Jungwölfe auf der Suche nach einem neuen Revier durch Bayern. Doch will man bestimmten Weidetierhaltern, Jägern und Politikern glauben schenken, scheint die komplette Weidetierhaltung des Freistaats durch Wölfe gefährdet.  Irgendwie passen die Hysterie und die tatsächlichen Zahlen in Bayern nicht zusammen. Statt sich mit Herdenschutzmaßnahmen zu beschäftigen und entsprechende unbürokratische Fördermaßnahmen ins Leben zu rufen, hat sich Ministerpräsident Söder einen „Aktionsplan Wolf“ ausgedacht um, nach seinen Worten, einen „Beitrag zur Versöhnung im ländlichen Raum“ zu liefern. Eine „Versöhnung“ wegen vier gerissenen Schafen? Der Aktionsplan sieht unter anderem vor, dass Wölfe getötet werden dürfen, wenn sie sich „wiederholt“ Nutztieren einfach nur „nähern.“ Söder geht damit auf das Geschrei nach wolfsfreien Gebieten der Almbauern ein, die behaupten, sie würden die Weidetiere auf der Alm nicht schützen können. Deshalb müsse der Wolf weg.

Weil diese Forderung aber so eindeutig gegen deutsches und europäisches Naturschutzrecht verstößt, nennt Söder das Kind nun bei einem anderen Namen und spricht von „nicht schützbaren Weidegebieten,“ in denen Wölfe abgeschossen werden dürfen, laut Aktionsplan Wolf.

Wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. akzeptieren einen solchen Plan auf gar keinen Fall und wir werden Anzeige gegen jeden Todesschützen erstellen und auch gegen jeden, der einen solchen Schießbefehl erstellen sollte. Solche Passagen im Aktionsplan sind nichts anderes als ein Freibrief zum Wiederausrotten der Wölfe in Deutschland. Zudem werden die Wölfe in ihrer Vermehrung behindert, denn durchwandernde Jungwölfe laufen Gefahr erschossen zu werden. Auch ein genetischer Austausch mit Ost- und Norddeutschen Wölfen wird dadurch unterbunden. Wanderwölfe aus Italien, der Schweiz und Österreich haben keine Chance, in Deutschland einzuwandern. Dabei sehen die EU-Verträge, die auch Deutschland unterschrieben hat, ausdrücklich vor, dass die Wölfe sich vermehren. 

Erst im September 2018 hat die EU den ungünstigen Erhaltungszustand der Wölfe in einem Schreiben von EU-Kommissar Notario an den Sächsischen Landrat Harig bestätigt. Kürzlich hat die EU sogar bestätigt, dass eine 100 %-ige Förderung und Entschädigung der Weidetierhalter möglich ist. Einige Bundesländer haben dies bereits umgesetzt. Für Bayern dürfte die Umsetzung ja nach den Risszahlen aus dem vergangenen Jahr wirklich kein Problem sein. 2018 haben Wölfe im Freistaat fünf Schafe und drei Kälber getötet. Es kommen wesentlich mehr Tiere durch Krankheiten und Totgeburten ums Leben. 

Dass Almbauern, die ihre Tiere nicht schützen, sogar Menschen gefährden, macht ein spektakulärer Fall aus Österreich deutlich. Eine Wanderung durch das Seitental in den Stubaier Alpen endete im Sommer 2014 für eine deutsche Touristin tragisch. Wild gewordene Kühe griffen die 45 Jahre alte Frau an, sie starb an ihren Verletzungen. Der Weg verlief quer über eine Alm, die Herde war nicht eingezäunt. Nach dem Unfall verklagte der Ehemann des Opfers den Besitzer der Tiere auf Schmerzensgeld – und bekam nun nach jahrelangen Gerichtsverhandlungen recht. Das Landgericht Innsbruck sprach dem Ehemann und dem Sohn des Opfers insgesamt rund 180 000 Euro zu. Zusätzlich müsse der Bauer dem Mann eine monatliche Rente von 1200 Euro und dem Sohn von 350 Euro zahlen.  

Hier geht es zum Aktionsplan Wolf eshop_app000001

Quellen: https://www.sueddeutsche.de/bayern/aktionsplan-wolf-soeder-almbauern-1.4361862

https://www.sueddeutsche.de/panorama/kuh-angriff-bauer-schadenersatz-1.4341797

Schäden_Prävention_Kompensation_DE2017_final

https://wolfsschutz-deutschland.de/2019/03/06/kloeckner-lies-und-schulze-ignorieren-eu-vertraege-und-hetzen-gegen-woelfe-dabei-ist-der-standpunkt-der-eu-mehr-als-deutlich/

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Kein Schießbefehl auf Wolf im Allgäu – Bauernlobby abgeschmettert

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Monatelang hatten bayerische Bauern im Allgäu versucht, einen Schießbefehl auf einen Wolf zu lancieren. Heute schreibt all-in folgendes:

Der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz, der Bauernverband, der Alpwirtschaftliche Verein Allgäu und Vertreter der Tourismusbranche hätten die Regierung von Schwaben zum Handeln aufgefordert. In einem Schreiben hätten sie auf die „dringend notwendige Genehmigung der Entnahme von Schadwölfen im Allgäuer Raum“ hingewiesen. Eine Antwort hätten sie monatelang nicht bekommen. Jetzt hätte die Behörde auf Anfrage  der Zeitung mitgeteilt, dass es derzeit keinen Handlungsbedarf gebe.

Und wieder erfahren Wolfsfreunde Beschlüsse aus den Medien. Pressemeldungen scheinen wohl nicht mehr als notwendig erachtet zu werden. Hier der komplette Artikel:

https://www.all-in.de/kempten-allgaeu/c-rundschau/es-bleibt-dabei-keine-abschuss-genehmigung-fuer-wolf-im-allgaeu_a5026833?fbclid=IwAR0MW_ue-IrauVDA3cQinElDdhmQt7SLZhlnrvi3WiJp7GuBoFheziXlEU4