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Pressemitteilung: „Lex Wolf“ ist ignorant und Demokratie gefährdend

P R E S S E M I T T E I L U N G

18. Februar 2020

„Lex Wolf“  verstößt gegen das höherrangige EU-Recht  Pressemitteilung von Wolfsschutz-Deutschland e.V. zu unserem Offenen Brief an Bundespräsident Steinmeier

Als ignorant und Demokratie gefährdend bezeichnete Brigitte Sommer, die Vorsitzende von Wolfsschutz-Deutschland e.V. die vom Bundesrat verabschiedete Verschärfung des Bundesnaturschutzgesetzes. Wie sogar der zuständige Fachausschuss des Bundesrats festgestellt hatte, verstoße die „Lex Wolf“  gegen das höherrangige EU-Recht. In einem Offenen Brief appellierte der Verein an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, auch aus diesem Grund  dieses Gesetzt nicht zu ratifizieren.

Die „Lex Wolf“ werde nicht die wirtschaftlichen Probleme der Weidetierhalter lösen. Diese seien struktureller Natur und existierten bereits lange bevor der Wolf sich wieder in Deutschland zu etablieren begonnen habe. Zudem biete die „Lex Wolf“  für Weidetierhalter gar keine nachhaltigen Lösungen.  Es werde der Eindruck erweckt, man könne nun durch das Provozieren von Rissen noch leichter Abschussverfügungen erreichen. Gleichzeitig, so Sommer,  würden echte Hilfen für Weidetierhalter seit Jahren im Bundestag blockiert.

Wie Brigitte Sommer erklärt, sei es wohl sicher, dass die EU auch im Fall der „Lex Wolf“ ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland einleiten werde. Dies scheine die gewählten Volksvertreter aber gar nicht zu stören, was wiederum den höchst zweifelhaften Einfluss von Lobbyverbänden aufzeige, der das politische Handeln immer mehr bestimme.

Die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes, die sogenannte  “ Lex Wolf“, würde es künftig erlaubten, alle Wölfe in einem Gebiet abzuschießen, wenn dort Risse an Nutztieren erfolgt sind, bis zur völligen Auslöschung der Wolfspopulation. Wie Sommer feststellt, würden dann die nächsten Wölfe in das freigewordene Gebiet einwandern, und auch sie könnten dann abgeschossen werden, bis keine Risse mehr vorkommen.

Derweil sei durch Studien wissenschaftlich bewiesen, dass Wolfsabschüsse nicht weniger, sondern mehr Nutztierrisse verursachen, weil unerfahrene Jungtiere, denen die Eltern fehlen, lieber auf leichte Beute wie Schafe zurückgreifen. Sommer: „Nur 1,1 % Weidetiere machen überhaupt das Nahrungsspektrum von Wölfen aus. Viel mehr Weidetiere sterben durch völlig andere Ursachen wie Vernachlässigung, Krankheiten und Unfälle“.

Sommer: „In Zeiten des dramatischen Artensterbens sollten wir die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland begrüßen und fördern, anstatt mit der „Lex Wolf“ seiner erneuten Ausrottung den Boden zu bereiten.“ Statt Weidetierhaltern das Kreieren von Wolfsrissen durch Zauntricksereien zu erlauben, sollte es gar keine Abschussgenehmigungen aufgrund von Wolfsrissen geben. Vielmehr sollte es endlich eine bundesweite Lösung zur Entschädigung sowie Forderung und Förderung an Weidetierhalter geben, indem ganz Deutschland zum Wolfsland erklärt werden würde. Dies würde auch Schäden, die wandernde Jungwölfe verursachen, abdecken.

Sommer erinnerte daran, dass EU-Kommissar Karmenu Vella verschiedene Politiker aus Sachsen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ermahnt hatte, dafür zu sorgen, dass Herdenschutzmaßnahmen endlich konsequent umgesetzt werden. Die EU erlaube seit vergangenem Jahr, dass alle Herdenschutzmaßnahmen den Weidetierhaltern zu 100 % erstattet werden. Im Übrigen würden Landwirte von der Gesellschaft seit Jahrzehnten hochgradig subventioniert – da sollte es doch recht und billig sein, eine Akzeptanz für Natur- und Artenschutzbelange zu erwarten.

Sommer erinnerte daran, dass gemäß  Anhang II des Berner Abkommens  der Wolf zu den streng zu schützenden Arten von gemeinschaftlichem Interesse zähle. Diesem strengen Schutzstandard würden auch Hybridwölfe unterliegen,  also Tiere, die aus einer Verpaarung zwischen einem Hund und einem Wolf stammen. Auch nach naturwissenschaftlichen Aspekten gehörten Hybridwölfe zur Art „Wolf“. Hybridwölfe seien zudem auch durch das Tierschutzgesetz geschützt.  Kein Tier dürfe damit ohne Vorliegen eines vernünftigen Grundes getötet werden. Auch ein genereller Konsens, dass Hybriden aus Artenschutzgründen aus der Natur zu entfernen seien, sei kein Argument, weil sich zum Beispiel die fünf Hybriden in Thüringen niemals so stark ausbreiten würden, dass sie die reinerbigen Wölfe von ihren Standorten verdrängen oder gar vernichten würden. Die Hybridisierungsrate betrage in Deutschland  unter einem Prozent.

8 Gedanken zu „Pressemitteilung: „Lex Wolf“ ist ignorant und Demokratie gefährdend

  1. Es ist einfach nur noch erschütternd, wie die Politik uns Bürger veräppelt! Das Gesetz ist nicht EU-konform, aber der Bundespräsident unterschreibt dieses Gesetz? Unterschreibt der Alles, was ihm da vorgelegt wird?? Ich hatte bislang immer ein Gefühl für Ehrlichkeit und Gewissenhaft, auch bei Politikern, aber das ist jetzt erloschen!

  2. Jäger werden immer dreister. Heute fordert der Präsident der Niedersächsischen Landesjägerschaft, Dammann-Tamke, in unserer Tages Zeitung, dass Jäger bei dem Abschuss von „auffälligen“ Wölfen helfen wollen, jedoch den getöteten Wolf am Straße Rand einer viel befahrenen Straße ablegen und dann weg fahren dürfen, damit sie nicht erkannt werden. Der betreffende Jäger und seine Angehörigen müssen geschützt werden vor der Radikalisierung von Teilen der Tierrechts Szene. Gelinde gesagt, ist diese Aussage an Frechheit und Dreistigkeit, so wie Unterstellung kaum zu übertreffen. Meine Meinung dazu: Wenn hier Gruppen radikal auftreten, dann sind es Menschen aus den Gruppen der Jäger und Landwirtschaftslobby bzw.Wolfs Hasser. Nie endende Forderungen zu Abschüssen, immer mehr erklärte „Problem Wölfe“, immer stärkere Forderungen, den Schutz Status auf zu weichen, immer lauter werdende Forderungen nach Aufnahmen ins Jagd Gesetz und nun diese- unfassbare Forderung, anonym töten zu dürfen, unschuldige Mitlebewesen wie Dreck an den Straßen Rand zu legen und zu guter Letzt sollen an allem auch noch die Tierschützer Schuld daran haben? Ich glaube, bei diesen kranken Hirnen dreht sich die ganze Welt nur noch um Wolfs Tötungen und Beschuldigungen von Tier/Natur Schützern. Ich würde sagen:“ Es reicht jetzt wirklich, Herr Dammann-Tamke“, halten Sie Ihr ungewaschenes Lügen Maul“!

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    1. Diese Freiluftkiller töten so auch Hunde und Katzen und schmeissen sie an die Straßen, damit es aussieht, als ob man sie überfahren hätte. Einem total plattgefahrenen Tier sieht man nicht mehr an, dass man es
      zuvor erschossen oder in Fallen gefangen hatte- und es interessiert leider auch niemanden. Fälle, die mal gemeldet werden, landen sofort in
      der Tonne.
      Dabei ist der Wolf eine ganz wichtige Schlüsselart für die eh schon am Boden liegende Artenvielfalt. Während allein in Deutschland Millionen
      Tiere auf dem Teller landen, so auch Schafe, Lämmchen und Hammel,
      vergießen die Halter Krokodilstränen um echte oder vermeintliche Risse
      durch den Wolf. Diese Schizophrenie und Heuchelei ist kaum noch zu überbieten.

  3. 135000 Tiere sind 2019 in ihren Ställen verhungert, verdurstet, erstickt, verbrannt durch menschliches Versagen!!!! 46 Unfälle auf deutschen Straßen mit Tiertransportern und etlichen toten Tieren!!!! Wen interessiert es ????
    Aber wenn der Wolf ein Weidetier verspeist….ach – Gottchen, die weinenden Weidetierhalter. . . . ( kotz, brech, würg ) wann begreift Mensch endlich : die Natur braucht keine JägerInnen! und keine Lobbyisten abhängigen, ignoranten, inkompetenten, geldgierigen und dummen PolitikerInnen!

  4. Sehr geehrter Herr Bundespräsident Steinmeier,
    ich appelliere an Sie, diese vom Bundestag u. Bundesrat beschlossene Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes, der zwei beratende Ausschüsse (Agrar u. Umwelt) widersprochen haben, nicht zu unterschreiben!
    Lassen Sie sich bitte durch namhafte Wolfsexperten wie Elli H. Radinger, Günther Bloch oder Kurt Kotrschall beraten.

    1. Der antwortet nicht. Wir haben Ihn direkt angeschrieben. Es interessiert den genauso wenig wie alle anderen. Ich habe ihn gefragt, ob das die Demokratie ist von der er immer spricht,
      Ignorant und eiskalt, alle.

      1. Unser Bundespräsident hält es nicht für notwendig Bürgern, die Ihn angeschrieben haben, zu antworten. Auch ich habe keine Antwort bekommen. Das besagt alles. Dem Mann sind die Wähler doch egal, Hauptsache er behält seinen Posten und ausserdem wird er sich hüten, den „Genossen“ Olaf Lies und Svenja Schulze einen Stein in den Weg zu legen. Das ist alles die gleiche Kathegorie „Mäuse“, die es immerhin mit (wahrscheinlich) wenig Fach Wissen und einer großen Portion Ignoranz geschafft hat, die Ausrottung des Wolfes erneut herbei zu führen. Umwelt Minister, die schießen – statt schützen – und ein Bundespräsident, der scheinbar kein Interesse daran zeigt, dass die Arten Vielfalt in Deutschland gefördert wird, haben letztendlich ein Gesetz Zustande gebracht, welches verantwortungslos in hohem Maße ist, gegen Vorgaben der EU verstößt und einfach von Naturschützern nicht hinnehmbar ist. Es dauert ja nicht mehr lange, dann werden hoffentlich viele Wähler ihrer Unmut freien Lauf lassen und bestimten Parteien die Quittung für den verzapften Unsinn und die Umweltzerstörung präsentieren.

  5. Die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (Lex Wolf) ist verfassungswidrig!
    Sie verstößt gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen, die Berner Konvention (beide vom Staat Deutschland unterschrieben) sowie gegen die FFH-Richtlinie der EU. Sie darf somit nicht vom Bundespräsidenten unterschrieben werden!

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