Allgemein

Potsdam – das ging voll daneben – „Großdemo“ gegen Wölfe besuchten nur rund 200 Menschen

Veröffentlicht am

Stell Dir vor, es ist Wolfshasserdemo und keiner geht hin

So müssen sich die Veranstalter am Samstag, den 10.11.18 in Potsdam gefühlt haben. Nach außen propagiert wird natürlich wieder einmal etwas ganz anderes. Die Veranstalter geben in ihrer Presseinfo mehr als 400 Menschen an, was natürlich auch noch keine echte Großdemo gewesen wäre. Einige Medien und Zeitungen, die anscheinend nicht mal Reporter geschickt hatten, nahmen die Zahlen einfach in ihre Berichte ohne Prüfung auf. Und weil wir uns so etwas schon dachten, war unser Rechercheteam natürlich vor Ort. Die Bilder sprechen für sich. Am Anfang der Veranstaltung waren gerade mal 184 Menschen, Kinder eingerechnet, vor der Bühne der „Protestdemonstration gegen die Ausbreitung der Wölfe“ vor dem Landtag Brandenburg in Potsdam zu dem der Bauernbund Brandenburg aufgerufen hatte.

Eine Petition, die der BUND Brandenburg am Freitag, den 09.11.18 ins Leben gerufen hatte und die wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. unterstützen, erzielte am ersten Tag bereits 1.000 Unterschriften. Hier der Link:  https://www.bund-brandenburg.de/petition-wolfsschutz-brandenburg/

Dies sollte von der Landesregierung Brandenburg und Umweltminister Vogelsänger eigentlich als deutliches Signal dafür gewertet werden, dass die meisten Menschen in Deutschland den Wolf willkommen heißen. Zum gleichen Ergebnis kamen diverse representative Umfragen im Auftrag der Naturschutzverbände. Unsere bundesweite Petition auf www.change.org/Wolfsschutz hat fast 30.000 Unterzeichner. Wir fordern Herrn Minister Vogelsänger auf, endlich die EU-Beschlüsse umzusetzen und den Schutz des Wolfs in Brandenburg zu gewährleisten. Entsprechende Verträge der EU. die auch Deutschland unterzeichnet hat, sehen eine Vermehrung des Wolfs ausdrücklich vor. Von einen Bestand, der reguliert werden müsse, kann überhaupt keine Rede sein.   

 

Nicht einmal 200 Menschen waren am Anfang der Hassedemo vor Ort.

Bis zum Ende der Veranstaltung waren es nicht mehr als 200 Menschen, die sich von Hassreden berieseln lassen wollten. Ganz vorne beim Hassen und Hetzen gegen den Wolf mit dabei: Reinhard Jung, Geschäftsführer Bauernbund Brandenburg. Der kleine Verband kann eigentlich gegen den übermächtigen Bauernverband wenig bis gar nichts ausrichten. An der Landwirtschaft in Deutschland verdienen nur diejenigen, die immer größer werden, auf Kosten von Tier und Umwelt. Reinhard Jungs Aufgabe wäre eigentlich die Kleinbauern gegen diesen Trend zu schützen und sich für Klasse statt Masse einzusetzen. Doch diese Arbeit scheint ihm zu schwer und zu wenig Erfolg versprechend zu sein. Da hetzt er lieber gegen den Wolf und verlang Abschüsse. Dass dies die Situation der Kleinbauern in keiner Weise ändert, merken seine Anhänger anscheinend nicht.

„Rosa Rotkäppchen“ rezitierte gleichnamiges Märchen der Brüder Grimm

Alle Redebeiträgte wurden durch die „Jäglitzer Jagdhornbläser“ blasmusikalisch umrahmt. Zunächst rezitierte „Rosa Rotkäppchen“ gleichnamiges Märchen der Brüder Grimm (dessen Wahrheitsgehalt in den Redebeiträgen immer wieder mal bekräftigt wurde)!

Die Liste der Hauptredner:
1. Marco Hintze (Präsident Bauernbund Brandenburg)
2. Christoph Rechberg (Waldbesitzerverband)
3. Gregor Beyer (Forum Natur Brandenburg)
4. Mario Borchert (Netzwerk wolfsfreie Gemeinden)
und als „krönenden“ Höhepunkt und Initiator
5. Reinhard Jung (Geschäftsführer Bauernbund Brandenburg)

 

Von links nach rechts: Mario Borchert (Netzwerk wolfsfreie Gemeinden, Reinhard Jung (Geschäftsführer Bauernbund Brandenburg), Marco Hintze (Präsident Bauernbund Brandenburg), Gregor Beyer (Forum Natur Brandenburg), Christoph Rechberg (Waldbesitzerverband)

Hier eine Zusammenfassung einiger Redebeiträge:

Rede von Christoph Rechberg (Waldbesitzerverband)

Er fühlt sich von der Landesregierung übergangen, vergessen, verraten und verkauft! Er möchte dem Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg folgende Botschaft überbringen:
„So wie bisher kann es mit dem Wolf nicht weitergehen!“ 
Seiner Meinung nach tut die Landesregierung nichts gegen die „unkontrollierte Ausbreitung der Wölfe in Brandenburg. Er unterstützt die Position des Bauernbundes, „Weidetiere und Wölfe zusammen, das kann nicht funktionieren!“ und „Wir brauchen in jedem Falle 100 %igen Schadensersatz!“ (Dieser Schadensersatz wurde am Freitag vor der Demo beschlossen – Herr Rechberg scheint also nicht auf der Höhe der Zeit zu sein.
Weiter: „Im Wolfsmanagementplan des Landes Brandenburg steht nicht ein einziger Satz über das Management von Wölfen drin! Die Wolfsverordnung hat das Ziel: Besserer Schutz vor Wolfsrissen von Nutztieren! Was wir als Ergebnis feststellen, ist: Besserer Schutz von Wölfen, die Nutztiere gerissen haben! Jedenfalls haben wir bisher noch nicht einen einzigen Wolf, der aufgrund dieser Wolfsverordnung geschossen werden konnte!“
Er wirft dem Ministerpräsidenten „Autokratie in ihrer schlimmsten Form statt Demokratie“ vor! 
Dann zitierte er (wir konnten es kaum ertragen!) Willy Brandt mit seinem Ausspruch „Mehr Demokratie wagen“!
Er fordert Schadensersatz für alle, auch für die Hobbyhalter, „für alle Schäden, die Wölfe anrichten“! (Und natürlich kein einziges Wort über die Verpflichtung der Tierhalter zu Schutzmaßnahmen!).
Er hält es für ein demokratisches Gebot, dass, „wenn man Wölfe in ein Land hineinlässt“, die Minderheit dann zumindest so zu schützen ist, dass sie das was dann passiert, ertragen kann!
Er fordert Rechtsanspruch auf Entschädigung und beklagt die Antragspraxis um Entschädigungen zu erhalten! Er vergleicht die Praxis der Schadensregulierung mit Praktiken zur DDR-Zeit: Damals hatte man das Recht darauf, einen Antrag auf Ausreise zu stellen aber einen Anspruch auf Ausreise hatte man deswegen noch nicht! (Einen absoluten Rechtsanspruch auf Entschädigung kann es nie und nimmer geben! Jeder Betroffene muss nachweisen, was er dazu beigetragen hat, damit es nicht zum Grund für eine Entschädigung kommt)
Er spricht sich für die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht auf. (In Sachsen ist der Wolf im Jagdrecht, was den Wolfshassern auch nicht weiter hilft. Es tritt nämlich automatisch eine 100 %-ige Schonung in Kraft) Alle Wildarten in Brandenburg würden über das Jagdrecht reguliert, Kulturlandschaft würde dadurch gesichert werden! „Da passt der Wolf nicht rein, weil er dieses filigrane Gefüge in der Kulturlandschaft stört!“
Weiterhin schürt er Panik und zählt auf, wieviele Menschen von Wölfen getötet wurden (zwischen den Weltkriegen, nach dem 2. Weltkrieg in Finnland und Spanien…): „Das Märchen (Rotkäppchen) lügt nicht, das Märchen sagt die Wahrheit!“
Seiner Meinung nach auch ein Märchen: „Der Wolf reguliert sich selbst!“ Das gälte vielleicht für Sibirien und Alaska wo der Wolf mangels ausreichender Zahl von Menschen und Tieren keine Nahrung finden würde aber nicht für Deutschland! Er führt ein Beispiel an, das dem widerspräche: In Spanien würden auf einer Fläche von 100 qukm 500 Wölfe leben! 
„Der Wolf ist ökologisch von großem Nachteil, die Freilandhaltung ist die einzige artgerechte richtige von der Bevölkerung von allen geliebte Haltung!“
Es gipfelt in dem folgenden: „Das Land Brandenburg teilt im Moment das Gewaltmonopol mit dem Wolf und zwar gegen die Bevölkerung auf dem Land!“ Er fordert die Landesregierung auf, in Brüssel dafür einzutreten, den Schutzstatus des Wolfes zu lockern! „Der Wolf ist für die Landbevölkerung die neue Pest! Er macht uns krank vor Sorgen um unsere Tiere, er rafft unser Vieh dahin und wir haben ein Gegenmittel! Und das Gegenmittel heißt: jagen! Und wir dürfen es nicht anwenden! – Anmerkungen: Dies erinnert stark an die Hexenverfolgungen im Mittelalter. 

 

Hier zum Redebeitrag Nr. 3 Gregor Beyer (Forum Natur Brandenburg)

Auch er beschreit die unsere ach so wertvolle Kulturlandschaft und ist stolz darauf, ein Teil davon, und vielleicht sogar der beste Teil davon zu sein, „denn ohne uns gäbe es diese Kulturlandschaft garnicht! Wir sind der Teil, der die Wildnis urbar gemacht hat, wir sind der Teil, der dafür sorgt, dass die Menschen gut versorgt, gut versorgt mit Nahrungsmitteln und mit nachhaltigen Rohstoffen leben können.“ Als Beispiel wurde genannt (ich glaubte nicht richtig zu hören), dass wir die Möglichkeit haben, einem alten Brauch zu folgen und uns einen Weihnachtsbaum aufzustellen weil die Waldbesitzer und Förster es uns ermöglichen, uns diese Bäume verfügbar zu machen! „Wir sind die Kulturlandschaft!“
Nun ist in diese Kulturlandschaft ein „Kind“ (wenn ich das richtig gehört habe) in stabilen Beständen wieder zurückgekehrt, das genaugenommen aus Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg nie richtig weg war. Ein Blick in die Jagdstatistiken der ehemaligen DDR zeigt dies: „Der Wolf wurde bis zum 1. April 1992 bejagt. Er war nie weg, er hat sich nur nicht mehr reproduziert, weil wir das einfachste Management betrieben haben, das man betreiben kann!“ (😡)
Weiter geht es mit der Behauptung vom jährlichen Wachstum der Wolfspopulation um 30 % dessen Ende nicht abzusehen sei! Wir seien heute mit einer Entwicklung konfrontiert, „die droht, uns zu Gästen in unserem eigenen Haus zu machen!“
Er ließ sich aus über die Rissgutachter, die Wolfsrisse begutachten! Er begrüßt zwar die Entscheidung der Europäischen Kommission, Risse von Weidetieren zu 100 % zu finanzieren! Weiter: „Geld ist nicht die Lösung! Und unsere Weidetierhalter tun das auch nicht wegen des Geldes, sie tun das mit Enthusiasmus, mit viel Herzblut! Sie fühlen sich für ihre Tiere verantwortlich! Und deshalb ist der Schadensausgleich selbstverständlich aber er ist nicht die Lösung und er ist auch nicht der Sinn..!“
(Aha, die Tiere werden bis zu ihrem natürlichen Tod gehegt und gestreichelt oder was? Er verschweigt, dass auch für diese Tiere am Ende das verwursten und die sonstige finanzielle Verwertung steht! Und auf diesem Wege gibt es bekannterweise viele Tiere, die auf der Strecke bleiben, z. B. weil sie nach ihrer Geburt tagelang unbemerkt auf der Weide vergammeln! – ist das der Enthusiasmus und das Herzblut von dem hier gesprochen wird?)
„Wenn wir von Management reden, reden wir nicht von dummen wohlfeilen Sprüchen sondern von Management! Einen Bestand zu managen!… Es gibt Bereiche, da hat der Wolf nichts zu suchen und wenn er es nicht kapiert, dann müssen wir es ihm beibringen!

 

Rede von Marco Hintze (Präsident Bauernbund Brandenburg)

Er bejubelt zunächst einmal die große Anzahl von Unterstützern auf der Webseite „Wolfsfreie Zone“
„Wir fordern die Landesregierung auf, große Teile unseres Landes zur wolfsfreien Zone zu erklären. Überall wo Menschen und Weidetiere sind, müssen Wölfe konsequent bejagt werden! Liebe Freunde, es ist eine Lüge, wenn Naturschutzverbände und Naturschutzbürokraten behaupten, dass es aus europäisch rechtlichen Gründen in Brandenburg nicht möglich sei, Wölfe zu bejagen. Schweden ist ein Land, was auch in der EU ist und ich kann euch sagen, dort wird seit Jahren scharf geschossen. Brandenburg hat inzwischen eine viermal so hohe Population an Wölfen wie ganz Schweden. Was will man uns noch antun? Wir Bauern wehren uns gegen immer mehr Wölfe und wir wissen uns Seite an Seite mit einer großen Mehrheit in der Landbevölkerung.“ Anmerkung: Gegen Schweden läuft ein EU-Verfahren, das auch auf Deutschland zukommen würde. Der Steuerzahler müsste dieses Verfahren  zahlen.

Gescheitert: Gegen den Wolf wollten nicht einmal 200 Menschen protestieren.

 

 

Die Potsdamer Neuesten Nachrichten machte wahrscheinlich vorsichtshalber erst gar keine Angaben zur Anzahl der Teilnehmer:  Umweltminister Vogelsänger wurde folgendermaßen zitiert:

Die Umweltministerkonferenz von Bund und Ländern hat dazu am Freitag einen Beschluss gefasst, der Klarheit in die Wolfsdebatte bringen könnte. Spätestens bis zum Frühjahr 2019 soll der Bund eine rechtssichere Grundlage zur Entnahme, also zum Abschuss problematischer Wölfe, zum Schutz von Weidetierhaltern vorlegen. Zudem sollen von Wölfen verursachte Schäden künftig zu 100 Prozent erstattet werden. Darauf hatte Brandenburg gemeinsam mit dem Bund und einigen anderen Ländern bei der EU gedrängt. Doch laut Minister Vogelsänger könne das nur ein Etappenziel sein: „Wir müssen uns im Klaren sein, dass angesichts der weiter steigenden Zahlen der Wölfe mehr Geld für die Prävention und die Entschädigung nicht das Allheilmittel sein kann, um alle Probleme zu lösen“, sagte Vogelsänger. „Wir brauchen weiterhin klare Handlungsmöglichkeiten für Regionen, in denen der natürliche Erhaltungszustand der Wölfe langfristig gesichert ist.“

https://www.pnn.de/brandenburg/demo-vor-dem-landtag-brandenburg-streit-um-woelfe-geht-weiter/23616830.html?fbclid=IwAR0r09n560NnMwOxeliL5XYyJTqxMinT2eC8CRME9Z1CJnG6gkfolJmgaBk

 

 

 

Facebookmail
Facebook
Allgemein

Wolfsschutz Deutschland stellt Strafanzeige gegen Unbekannt wegen drei erschossenen Wolfsrüden in Brandenburg

Veröffentlicht am
Wolfsschutz Deutschland erstellt Strafanzeige gegen Unbekannt wegen drei erschossenen Wolfsrüden in Brandenburg
Ermordet und im Wald liegen gelassen: Der getötete Wolf bei Müllrose. Foto: Udo Specht

Innerhalb von nur zwei Wochen sind in Brandburg drei getötete Wölfe gefunden worden. Bei den ersten beiden Tieren aus der Nähe von Müllrose und Gölsdorf, beide im Landkreis Oder-Spree, wurde durch die im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) durchgeführte pathologische Untersuchung festgestellt, dass die Jungwölfe erschossen worden sind. Weitere Untersuchungen stehen noch aus, so das Landesamt für Umwelt in Potsdam. Das eine Jungtier bei Müllrose wurde am 9. Juli 2018 in einem Wald gefunden, das andere bei auf einem Feld bei Gölsdorf am 21. Juli 2018. Dieses Jungtier wurde während der Rapsernte entdeckt. Es war bereits mumifiziert.

Gestern wurde ein weiterer Rüde tot in zirka drei Kilometern Entfernung von Zossen gefunden. Auch dieser Wolf weißt eine Schussverletzung auf. Weitere Untersuchungen zu diesem Tier laufen noch, laut  Landesamt für Umwelt in Potsdam.

Laut DBB-Wolf gab es in Brandenburg von 1990 bis 2018 95 Totfunde von Wölfen. Davon wurden 13 Wölfe illegal getötet. Nun kommen drei weitere Tiere hinzu, die alleine in den vergangenen zwei Wochen entdeckt worden sind. Also 16 Wölfe, die durch bewusstes und mutwilliges Handeln von Menschen ums Leben gekommen sind. Umgekehrt gibt es keinen einzigen Fall, ja nicht einmal einen Angriff eines Wolfes auf einen Menschen. Wer als Bestie zu bezeichnen ist, wird heute erneut deutlich.

Wir von Wolfsschutz Deutschland haben heute in allen drei Fällen Strafanzeige erstattet. Die Tötung eines streng unter Artenschutz gestellten Wildtieres, wie der Wolf, verstößt sowohl gegen deutsche Gesetze, als auch gegen EU-Recht. Diese Straftaten können mit Gefängnis von bis zu fünf Jahren bestraft werden. Wir fordern, dass der Rechtsstaat hier endlich konsequent ermittelt.

Facebookmail
Facebook
Unterwegs

Wolfsschutz Deutschland vor Ort in Brüssel – Resümee und Protokoll zur Veranstaltung des Umweltministeriums Sachsen-Anhalt

Veröffentlicht am

Unser Vereinsmitglied Henrike Lichtenberg ist am 12. April nach Brüssel gereist, um an einer Veranstaltung der  Landesvertretung Sachsen-Anhalts teilzunehmen. 

Eine Dezimierung, wie es der Koalitionsvertrag der GroKo vorsieht, wird es mit Brüssel vorerst nicht geben. Ausnahmegenehmigungen würde es weiter geben. Hierbei hat man vor,  bundesweit operierende Teams zur Entnahme von so genannten Problemwölfen einzusetzen. Seit rund 20 Jahren gibt es wieder Wölfe in Deutschland. Dass es bislang noch keinen einzigen Problemwolf gab, sagen nicht nur wir von Wolfsschutz Deutschland, sondern auch Experten wie Günther Bloch oder Kurt Kotrschal. Die Kosten, die solches „Killerteams“ verursachen würden, mögen wir uns gar nicht vorstellen. Statt Wölfe zu kriminalisieren sollte lieber in eine Wildtierpolizei investiert werden, damit endlich einmal die vielen Fällen von illegaler Wolfstötung aufgeklärt werden könnten.

Der Wolf: Gekommen, um zu bleiben. Wie gelingt die Integration des großen Beutegreifers in unserer modernen Kulturlandschaft?

Referenten: Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert, Krzysztof Główczyński, Direktor des Welski Naturparkes Lidzbark in Ermland-Masuren, Dr. Elsa Nickel, Referatsleiterin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Nicola Notaro, Referatsleiter „Naturschutz“ der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission und Swen Keller, Schäfer und Ausbilder von Herdenschutzhunden aus Sachsen-Anhalt. Diskutiert wurden verschiedene Ansichten auf die Frage, wie das Ziel einer Akzeptanz des Wolfes im ländlichen Raum erreicht werden kann.

Ministerin Dalbert zog ein positives Resümee: „Ich war beeindruckt, wie groß auf europäischer Ebene das Interesse an unseren Managementmaßnahmen rund um den Wolf ist. In der sehr sachlichen Diskussion bestand große Einigkeit darüber, dass zwei Dinge im Vordergrund stehen:

Dalbert weiter: „Zum einen müssen wir unsere Nutztiere schützen und die Tierhalter bei Rissvorfällen entschädigen, denn die Weidetierhaltung leistet einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft und der Artenvielfalt. Nutztiere dürfen keine leichte Beute für den Wolf sein.“ Der Vertreter der EU-Kommission, Nicola Notaro, stellte klar, dass in Bezug auf den strengen Schutzstatus des Wolfes Änderungen im EU-Rechtsrahmen zeitnah nicht zu erwarten sind. Die europäischen Regierungen sollten die Nutztierhalter dabei unterstützen, die Weidetiere vor dem Wolf zu schützen. 

Man will das Monitoring ausbauen:

Dalbert:“Wir eine gemeinsame Erfassung der länderübergreifenden Wolfspopulation, also ein gemeinsames Monitoring mit Polen, um gesicherte Aussagen über die Populationsgröße machen zu können. Hier sind wir in Brüssel, beim Bundesministerium und bei den polnischen Kollegen auf offene Ohren gestoßen.“

Auch hier plädieren wir von Wolfsschutz Deutschland dafür, doch ganz Deutschland einheitlich zum Wolfsland zu erklären und Schäden zentral und mit wenig bürokratischen Aufwand zu begleichen. Dies wäre allemal günstiger als eine noch intensivere Überwachung der Wolfspopulation. Vieles über Wanderverhalten und Sozialleben weiß man bereits seit den 80-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Schützen statt schießen:

„Informieren, schützen, entschädigen – mit diesem Ansatz für mehr Akzeptanz für den Wolf und dem Ziel den unterschiedlichen Interessen Rechnung zu tragen, geht Sachsen-Anhalt einen erfolgreichen Weg, “ so das Resümee von Dalbert. 

Ähnlich ging es auch Henrike Lichtenberg: „Ich bin mit einem erleichterten Gefühl aus der Tagung rausgegangen, da wir mit dem EU-Kommissar Nicola Notaro einen aufrichtigen Naturschützer und Wolfsfreund mit sehr scharfem Verstand und großer Kompetenz in Brüssel haben.“

Zurzeit sieht es also nicht so aus, als würde die EU auf die ständigen Forderungen diverser Deutscher Politiker eingehen wollen, den hohen Schutzstatus des Wolfs herabzusetzen. Dies dürfte auch ein deutliches Signal nach Bayern und Niedersachsen zu deuten sein. Gegen Schweden ist ein Verfahren eingeleitet worden. Auch Finnland steht vor dem EU-Gerichtshof. Auch Frankreich erntete Kritik von Notaro. Dort würden die Schutzmaßnahmen versagen, nicht die Wölfe schlimmer werden. 

Henrike Lichtenberg hat ein Protokoll von der kompletten Veranstaltung erstellt: Hier geht es zur ausführlichen Schilderung:

Tagung_Wolf_Gekommen_um_zu_bleiben[1]

 

 

Facebookmail
Facebook