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In Schleswig-Holstein gilt weiter Wolfsabschuss statt Herdenschutz

Mindestens zwei Tage lag das tote Schaf auf der Weide. Auch Krähen machten sich bereits darüber her.

Seit Januar ist Wolf Dani zum Abschuss freigegeben. Wir berichteten und protestierten. Wir haben bislang mit unsere Faktenchecks keinen einzigen wolfsabweisenden Zaun entdecken können. Wir veröffentlichen unsere Zaunkontrollen solange, bis endlich die Herden geschützt werden und der Schießbefehl auf Dani aufgehoben wird. Dass jeder, der Tiere besitzt, laut Tierschutzgesetz für seine Tiere auch die Verantwortung dafür trägt, dass es ihnen gut geht und ihnen nichts passiert, scheint den meisten Schäfern und Bauern noch immer nicht bewusst zu sein. Ständig müssen wir bei unseren Faktenchecks feststellen, dass die Einzäunungen nichts weiter als eine Einladung für Wölfe und Hunde ist, Nutztiere zu reißen. Auch bei unserem jüngsten Faktencheck von Zäunen in Schleswig-Holstein bot sich uns dieses Bild. Unsere Ziele war Westerhorn und Wulfsmoor.

Die Weide an der Dorfstraße in Westerhorn, die Schäfer K. bewirtschaftet,  ist gerade mal mit zwei Drähten eingezäunt. Oben befindet sich Stacheldraht, was eigentlich verboten ist, weil sich Tiere daran schwer verletzen können, unten ein normaler, runder Draht. Der hintere Bereich ist mit einem Hobbitstacheldraht (also einem „Zwergenzaun“, der viel zu niedrig ist) eingezäunt. Der kleine rechte Bereich ist mit 2 Litzen weißem Stromband eingezäunt. An dem Hobbitzaun an der Weide steht ein Stromgerät. Es brummt vor sich hin. Völlig sinnlos, den jeder Hund oder jeder Wolf kann den kleinen Zaun mühelos überspringen, ohne mit dem Strom geführten Draht überhaupt in Berührung zu kommen, falls überhaupt Strom vorhanden war.

Totes Schaf lag zwei Tage auf der Weide

Auf  der Weide entdeckten wir ein totes Schaf, an das sich bereits eine Krähe zu schaffen macht. Ob es noch weitere tote Tiere auf dem Gelände gab, wissen wir nicht, schließlich betreten wir Grundstücke nie. Als wir zwei Tage danach wieder an der Weide entlang liefen, lag das Tier noch immer auf der Wiese. Erst nachdem das über Facebook bekannt gemacht wurde, war der Kadaver weg. Wie konnte es sein, dass dem Schäfer das tote Schaf so lange Zeit gar nicht aufgefallen war? Nennt man so etwas Sorgfalt gegenüber seinen Tieren? War es ein gezielter Fall von Anfütterung?

Im hinteren Teil sieht man die Schafe. Der Bereich dort ist ebenfalls nur durch niedrige Zäune eingegrenzt.

 

 

Am Graben entlang der gleiche Anblick. Der Zaun steht schräg zur Weide.

 

Ein Detailbild vom Zaun am Graben. Darüber springen kein Problem. Da müssen sich Hund und Wolf erst gar nicht unten durch graben.

 

Wieder einmal einer dieser Hobbitzäune. Da braucht es dann auch keinen Strom, denn das Darüberspringen ist kein Problem.

Hier drei Videos, die den Zaunfrevel zeigen. Von Herdenschutz keine Rede.

 

Weide bei Wulfsmoor: Litze gerade mal 30 cm hoch

Auch bei Wulfsmoor (Kerngebiet von Wolf Dani) und Wrist zeigte sich ein ähnliches Bild. Wir sahen eine kleine Gruppe von Schafen , die auf einem kleinen Deich am Stellauer Kirchweg standen. Die Tiere waren eingezäunt mit einem ganz normalen Zaun mit niedrigen Litzen, wie sie auch an anderen Deichen steht. Keinerlei Abschreckung für Hund und Wolf! Eine knapp 30 cm hohe Litze,  das war´s. An einer Stelle kann man einfach mit einem Schritt ins Schilf, um das „Eingangstor/netz“ herum gehen und dann über die Litze, auf die Weidefläche gehen. Für einen Wolf, oder einen Hund also ein Witz! Für ein Schaf scheinbar auch, denn es stand eins dort im Schilf. Das vertrocknete Gras auf dem Deich war wohl nicht schmackhaft genug.
Auf dem Deich direkt an der Bramau, die in die Stör mündet, sahen wir keine Schafe.

Ein Tritt ins Schilf und schon ist man über dem Zaun. Nennt man das wolfsabweisend?
Eingang zur Weide von der Seite aus. Überhaupt kein Problem.

 

Blick von der Straße aus. Das vertrocknete Gras auf dem Deich war wohl nicht schmackhaft genug.

Auf dem Deich oberhalb wurden vor kurzem von Jägern zwei tote Schafe gefunden, eins davon im Wasser liegend. Auf der Wasserseite hätten die Schafe wegen Ebbe und Flut nicht eingzäunt werden können, erklärte Schäferin B. der „Norddeutschen Rundschau“. Dass dies sehr wohl auch möglich ist, darauf hatten wir schon  einmal hingewiesen. Hier noch einmal das Schaubild der Zaunfirma, die solche Zäune liefert:

Es genügt einfach lesen zu können, um hier zu sehen, welche Möglichkeit es gibt, Zäune auch an Wasserflächen und Deichen einzubauen. Hier der Link zur Zaunbaufirma: http://www.weidezaun.info

Und zum Schluss ein weiteres Beispiel einer Weide, die zu überwinden weder für einen Hund , noch einen Wolf schwer ist. Unsere beiden Fotos entstanden am Fieler Damm, in der Nähe der Wildtierhilfe Fiel e.V. Der Weidezaun war gerade mal 53 cm hoch. Zwar war auf der oberen Litze Strom, doch mit 4000 Volt viel zu schwach. Von Untergrabungsschutz keinerlei Spur, wäre auch unsinnig, denn über diesen Zaun kann jeder einfach darüber springen.

Solange wir solche unakzeptablen Zustände vor Ort an den Weiden antreffen, werden wir ständig weitere Faktenchecks machen. Nicht nur die Schäfer, auch die verantwortlichen Politiker müssten eigentlich endlich kapieren, dass es mit solchen Zäunen keinen Schutz vor Rissen geben kann. Und die Medien müssten endlich mal begreifen, dass sie diese Verantwortungslosigkeit vieler Schäfer auch mal hinterfragen müssen.

 

 

Eine Spannung 4000 Volt ist völlig unzureichend, der Zaun gerade einmal 53 cm hoch.

 

Foto von der Straße aus: Ein Schutzzaun, der seinen Namen nicht verdient. Zwei Litzen, über die jedes Tier locker darüber springt.

 

 

 

 

 

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22 Gedanken zu „In Schleswig-Holstein gilt weiter Wolfsabschuss statt Herdenschutz

  1. 3,1 Millionen für Schleswig-Holstein…
    Im neuen Spiegel, Nr.33, Seite 11, ist aufgelistet, welche Beträge den einzelnen Bundesländern in Deutschland für Schäden durch Wölfe zur Verfügung stehen, aber auch, wieviele Wölfe jeweils dort vermutet werden. In Schleswig-Holstein werden zwei bis vier Wölfe angenommen, doch für deren mögliche Schäden stehen nicht weniger als 3,1 Millionen Euro (!) bereit. In Brandenburg sollen 300 Wölfe leben, aber für eventuelle Schäden sind „nur“ 660.000 Euro einkalkuliert. Daraus könnte doch geschlossen werden, dass man dort mit dem Wolf eher zu leben versteht als in Schleswig-Holstein, wo eher das Kassieren an erster Stelle steht – vor dem Schutz des angeblich so geliebten Tieres welcher Gattung auch immer.

  2. Kam eigentlich mal Resonanz von Medienseite auf die veröffentlichten Fakten? Es macht mich wahnsinnig, dass die ständig verzerrt berichten.

  3. Und wieder einmal werden nur Ausreden gesammelt,es wird exakt aufgezeigt,das die Weidetierhalter ihre,ach so lieben Tiere-nicht schützen wollen. (oder sehe ich dies falsch?)
    Es werden so anschaulich diese Bilder präsentiert,und wenn der Wolfsschutz nicht wäre,dann wären die Wölfe noch mehr in der Minderheit.
    Also werte Wiedetierhalter,lest Euch die Anweisungen genau durch,wie man einen Schutzzaun richtig baut.
    Mein Appell an alle Weidetierhalter:
    Lasst die Wölfe endlich in Frieden leben. Sichert Euere Herden und gut ist. Und hört mit Fakenews auf.

  4. Man hat den Eindruck, dass einigen Jägern die Jagd auf Wölfe richtig gut gefällt. Ist ja auch aufregender als schiessen auf Scheiben! Widerlich!

  5. Klar erkennbar, dies ist kein sicherer Zaun, der einen Wolf abhält. Durch gerissene Schafe wird Druck gemacht,die Jagdeinschränkung auf Wölfe aufzuweichen. System? – Mal kurz ein anderes ähnliches Thema: pro Jahr werden ca. 500.000 Füchse liquidiert, keine Gefahr für sog. Nutztiere, aber Konkurrenz für Jäger. Totschlagfallen u. Fallen vor Fuchsbauten sind üblich, die gefangenen Füchse, auch Jungtiere werden dann erschossen oder von Jagdhunden zerfetzt. Dies muß auch ein viel stärker kritisiertes Thema werden. Dümmliche, nicht haltbare Pseudoargumente, zur Fuchsjagd mit abartigem Fallenstellen, gehören öffentlich scharf kritisiert zu werden. Füchse sind kein Ungeziefer u. haben eine Funktion in der Natur!

    1. Wir sind auch im Aktionsbündnis Fuchs. Unter der Stichwortsuche finden Sie viele Artikel über die Fuchsjagd, die wir selbstverständlich ablehnen.

  6. Liebes Wolfsschutz-Team,
    ich weiss ja,das ihr Euch auch für die Füchse einsetzt.
    Ich habe hier einen link von Peta,den ich sehr wissenswert fand. Da viele Menschen eben noch an alte Mythen glauben:
    Es sind gewiss nicht immer schöne Bilder,davor möchte ich warnen.Doch leider ist dies die Realität.
    http://fuchsjagd-stoppen.de/

    Ich glaube,des ist die Petition,die Frau Beer meinte..
    https://www.peta.de/totschlagfallen-petition

    Ich gebe vielen Tieren meine Stimme,damit dieser brutale Umgang mit Tieren endlich mal ein Ende hat.

  7. Artikel auf T-Online, eben gelesen. Von Jonas Mueller-Töwe. So teuer war das Tier noch nie.
    Wolfsschäden in Deutschland übersteigen die Millionengrenze.
    Es folgt ein Rundumschlag durch die Bundesländer samt Aufsummieren (wobei ich auch den Verdacht habe, dass die Schießbefehl e das ganz schön rauftreiben). Nach viel Litanei kommt ganz unten, dass der Wolf im Verhältnis günstig ist im Vergleich zu anderen Wildschäden.
    Ich bin leider nur mit Smartphone und SIM Karte bewaffnet jetzt auf Reha. Muss gleich weiter und Akku alle. Könnte vielleicht jemand sich das ansehen? Danke 🙂

    1. Auf unserer Facebook-Seite – https://www.facebook.com/WolfsschutzDeutschland/?epa=SEARCH_BOX – hatten wir das dazu geschrieben: Warum eigentlich stellen die Medien immer so gerne die „Kosten“ für Naturschutz in den Vordergrund? Den Wolf in Deutschland gibt es nämlich in Wirklichkeit für 14 Mio. zum Schnäppchenpreis.

      Zum Vergleich: alleine dem Bundesland Niedersachsen stehen EU-Strafzahlungen in Höhe von 300 Millionen bevor. Grund: Naturschutzgebiete dort entsprechen nicht EU-Forderungen.

      Oder noch ein Schmankerl. Wegen zu Zu viel Nitrat im Grundwasser (Wegen Gülle natürlich) droht Deutschland eine Strafe von 850.000 Euro – pro Tag.

      Die 14 Bundesministerien (Ohne Verteidigungsministerium und Bundeskanzleramt) gaben im ersten Halbjahr 2019 mindestens 178 Millionen Euro für externe Berater aus.

      Verteidigungsministerium zahlte 155 Millionen Euro an Berater.

      Zitat: Der Wolf ist zurück in Deutschland, in fast allen Bundesländern haben sich die Tiere angesiedelt. Die Länder lassen sich das einiges kosten: Sie planen, wie eine SPIEGEL-Umfrage zeigt, in diesem Jahr mehr als 14 Millionen Euro für die freilebenden Wölfe ein.
      https://www.spiegel.de/…/woelfe-so-viel-kostet-der-wolf-in-…

      1. Danke sehr. Ne, der Titel, so wie ich ihn zitiert habe. Das war wieder so typisch: Katastrophenszenario als Einstieg und Fortgang, damit man überhaupt was zu palavern hat, und zum Schluss kommt raus, dass alles gar nicht so ist. Und bis dahin, falls jemand so weit liest, hat man schon manipulativ die Meinungen verkocht. Liebe Grüße

  8. Ich hoffe,dies wird auch wirklich so realisiert,und nicht nur wieder nur „geschrieben“.Dann müssen sich die Weidetierhalter wirklich um ihre Schutzzäune bemühen,und ordentlich sichern.Aber ist ja nichts neues.
    Dies hier ist noch ein neuer Artikel und erfreute mich sehr:
    https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/goldschakal-in-thueringen-verwandter-des-wolfs-erstmals-nachgewiesen-a-1282209.html
    Natürlich mache ich mir nun auch so meine Gedanken. Wird dieser Goldschakal hier eine Überlebenschance haben,oder wird er auch so verfolgt werden,wie unsere anderen Wildtiere?
    Ich hoffe es nicht!

  9. Ihr Wolfschützer die Ihr in Städten wohnt habt gut reden, aber keine Ahnung von der Realität.
    Ihr wisst doch überhaupt nicht was wirklich auf dem Land abgeht.
    Fakt ist der der Wolf gehört nicht in unsere Gefilde und wurde vor langer Zeit nicht ohne Grund ausgerottet.
    Ich hoffe nur das nicht irgendwann ein Mensch bzw. ein Kind angefallen wird.
    Und wenn, hoffe ich das es ein sog. Wolfschützer ist.
    Ich bin für einen konsequenten Abschuss..

  10. Werte Frau Tiel oder wreter Herr Thiel, erstaunlich, was Sie für Zeilen verfassen. Wenn der Wolf ausgerottet wäre, wäre er nicht mehr da. Fakt 1. Wohin gehört denn Ihrer Meinung nach der Wolf, das sollten Sie auch erklären, bitte? Und was ist auf dem Lande los, bitte auch dazu eine Erklärung, nicht einfach drauflosballern…Schon seltsam, dass in Ländern wie Italien oder Spanien oder Kanada der Wolf als Regulator zur Natur gehört. Aber mit Wolfshassern kann man eben nicht diskutieren.

    1. Völlig richtig. Und es reicht schon der Blick in die direkte Nachbarschaft. In Polen schüttelt man den Kopf über diese Schießwütigkeit.

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