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Offener Brief an Bürgermeister Andreas Lysk (Weißkeißel) sowie Autor Hermann Tydecks von Tag24

13.08.2019

Warum verbreiten Sie Fake-News, wenn sie doch angeblich keine Hysterie verbreiten wollen?

Lieber Herr Bürgermeister Lysk und lieber Herr Tydecks,

in Sachsen gibt es große Probleme, die sicherlich wenig bis gar nichts mit Wölfen zu tun haben.  Auch die Wahlen stehen kurz bevor. Viele Bürger Ostsachsens fühlen sich abgehängt. Viele Stadträte fühlen sich von Rechten bedroht. Doch statt sich wirklich mit dem Rechtsruck zu beschäftigen, werfen einige Politiker anscheinend noch einmal alles an Argumenten vors Wahlvolk, was vermeintlich Wählerstimmen einbringen könnte. So dienen wohl Wölfe als willkommene Abwechslung zu den wirklichen Herausforderungen. Zeitungen, die sich an die Politiker anbiederten und nicht neutral schrieben, werden auch Hofberichterstatterpresse genannt. Dass eine solche Berichterstattung leider inzwischen keine Seltenheit mehr darstellt, ist nur noch beschämend. Es ist so auch nicht verwunderlich, warum die Auflagen von Zeitungen oft nur noch einen Abwärtstrend erkennen lassen. Mit reißerischer Berichterstattung und alternativen Fakten ist dieser Trend jedenfalls unserer Meinung nach nicht aufzuhalten. Herr Tydecks, Sie sollten sich schämen, einen Artikel mit einer Tatsachenbehauptung aufzumachen, die so nicht stimmt. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nämlich gar nicht bekannt, wer oder was den Hund getötet hat.

Herr Bürgermeister Lysk, wir möchten Sie daran erinnern, sich doch ebenfalls an die Wahrheit zu halten. Die Zitate, die ihnen in diesem Artikel zugeschrieben werden, entsprechen wohl nicht der Wahrheit.

Zitat: „HÜNDIN GETÖTET: BÜRGERMEISTER FORDERT ABSCHUSS DES KILLER-WOLFS

ANDREAS LYSK WILL IN WEISSKEISSEL KEINE HYSTERIE VERBREITEN“

Von Hermann Tydecks

Weißwasser – Schon wieder fiel in der Oberlausitz in Weißkeißel (Landkreis Görlitz) ein Hund offenbar einem Wolf zum Opfer (TAG24 berichtete). Der entstellte Kadaver der Bernersennen-Schäferhündin „Schila“ (†10) wurde nahe der Siedlung gefunden. Der Bürgermeister der Gemeinde fordert jetzt den Abschuss des Raubtiers. https://www.tag24.de/nachrichten/weisswasser-huendin-getoetet-buergermeister-fordert-abschuss-killer-wolf-andreas-lysk-1166087?fbclid=IwAR32oefWambFf_xh3UgXDfc_IKrHjSCxNKNE-OTcjDP53bx9ODglp4blYiY

Wir waren vor Ort und haben unter anderem  mit einigen  Nachbarn über den Vorfall  gesprochen.  Sie hätten noch nie einen Wolf  in der Region gesehen, sagten sie zu uns. Angeblich hätten aber irgendwelche weiteren Bekannten angeblich schon einmal Wölfe gesehen. Dies sei aber mehr Hörensagen und Ausschmückung von Geschichten á la „stille“ Post, als es Fakten entspräche.  Wir haben das Gelände im Umkreis von zirka zwei Kilometern  nach Wolfsspuren bzw. Losungen  sowie Rissresten abgesucht,  aber nichts dergleichen gefunden. Der getötete Hund soll ein großer schwarzer 45 kg schwerer Hund gewesen  sein und er wäre sonst eigentlich immer auf dem Grundstück in einem Zwinger eingesperrt gewesen. Zwingerhaltung halten wir von Wolfsschutz Deutschland e. V. aus tierschutzrechtlichen Gründen allerdings für sehr bedenklich.

Polizei und Fachstelle Wolf dementieren

Dieser Hund scheint also keineswegs ein geliebtes Familienmitglied gewesen zu sein. Die Auskunft, dass der Hund im Zwinger gehalten worden war, deckt sich auch mit einem Artikel aus TAG 24, in dem die Hundehalterin Madeleine Troll behauptet, dass die Polizei ihr gesagt hätte, es sei ein Wolf gewesen. Polizei und Wolfsexperten hätten ihren eigenen Verdacht sofort bestätigt. Wir fragten vorgestern bei der Polizei nach. Hauptwachtmeister Urban von der Polizei Weißwasser gab uns die Auskunft, dass am 07.08.2019 Beamte vor Ort lediglich einen toten Hund vorgefunden hätten. Irgendwelche Spekulationen hätte die Polizisten bestimmt nicht gemacht und es sei auch nichts im Bericht vermerkt. 

Erhebliche Zweifel an der Darstellung der Hundebesitzerin

Vanessa Ludwig von LUPUS und der Fachstelle Wolf in Nossen gab uns vorgestern die telefonische Auskunft, dass Mitarbeiter der Fachstelle Wolf vor Ort nie angeben würden, dass der Hund mit Sicherheit von einem Wolf gerissen worden sei. Es sei bereits viel von dem Kadaver gefressen worden. Man hätte lediglich den Wolf als Verursacher nicht ausschließen können. Allerdings wäre ein Verschleppen des Hundekopfes normalerweise eher anderen Waldbewohnern, wie zum Beispiel Füchsen zuzuschreiben. Der Kadaver des Hundes sei ins Leibnitz-Institut nach Berlin gebracht worden, wo weitere Untersuchungen stattfinden würden. Dort würde man auch DNA-Proben nehmen, die anschließend im Senckenberg-Institut in Gelnhausen  untersucht werden würden. Erst wenn weitere Ergebnisse vorliegen würden, könne man genauere Auskunft geben. Außerdem habe man dort Wildkameras aufgehängt, um zu schauen, was oder wer sich dort weiter aufhält. 

Auf erneute telefonische Anfrage bekamen wir noch einmal die Auskunft, dass es noch keine neuen Erkenntnisse geben würde.

Selbst wenn es stimmt, dass Frau Troll einen Wolf an ihrem toten Hund gesehen hat, heißt das noch lange nicht, dass ein Wolf auch tatsächlich den Hund gerissen hat. Wölfe fressen nämlich auch Aas. Auch wenn die DNA-Analyse einen Wolf bestätigen sollte,  heißt das nicht, dass der Wolf auch der „Täter“ war.

Unser Team vor Ort hatte das Gefühl, dass die Befragten nicht von einem Wolfsübergriff überzeugt sind und diese Geschichte nicht wirklich glauben. Oder hat ein Jäger den Hund erschossen und den Kopf wegen einer verräterischen Wunde verschwinden lassen? Unklar. Fakt ist, dass Wölfe Hunde als Spielpartner, als Sexualpartner (sofern in der Ranzzeit kein Wolf zur Verfügung steht) oder als Beute wahrnehmen können. Ein Hund, der allein ohne Besitzer unterwegs ist, kann zur Beute werden, da kein Mensch mit seiner Anwesenheit den Wolf schützt. Wölfe sehen uns Menschen ebenfalls als Beutegreifer, deshalb sind Hunde an der Leine in Wolfsgebieten in Sicherheit, unangeleinte Hunde nicht. Selbst wenn es also ein Wolf gewesen ist, ist dies keinesfalls ein unnatürliches Verhalten und ein solcher Wolf ist auch nicht als „Killer-Wolf“ zu bezeichnen.

Mit freundlichen Grüßen

Brigitte Sommer

Vorsitzende Wolfsschutz-Deutschland e. V.

 

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5 Gedanken zu „Offener Brief an Bürgermeister Andreas Lysk (Weißkeißel) sowie Autor Hermann Tydecks von Tag24

  1. Ich hatte gestern einen Mail geschickt, ich glaube aber nicht das die antworten
    Sehr geehrter Hr. Tydecks,

    Ich wurde von Wolfsfreunde e. V. auch Ihr Tagesblatt verwiesen.

    Könnten sie freundlicherweise von solch populistischen den Hass den EU
    rechtlich streng geschützten Wolf sich zumindest solang verkneifen bis
    dies amtlich von unabhängigen Sachverständigen festgestellt wurde dass
    der Wolf den Hund getötet hat und nicht daran gerissen hat etc. Und auch
    bitte ich Sie darum sollte sich dieser Verdacht nicht bestätigen mit
    gleicher Vehemenz sich so ins Zeug zu legen dass dies auch allen anderen
    die sie mit angeheizt haben wieder „vernünftig“ nachdenken?

    Mit freundlichen Grüßen

    ein Natur – und Tierliebhaber

    PS:

    Katzen werden wenn sie nicht schnell genug sind auch von normalen Hunden
    gejagt und gerissen, dass hatten sie vergessen zu erwähnen

    Wild wird auch von streunenden meist ausgesetzten Hunden gerissen auch
    dass haben sie vergessen zu erwähnen

  2. Solche Wolfshasser sind in ihrer Denkweise nur noch krank! Jegliche Neutralität absolute Fehlanzeige!
    Nur noch Stimmenfang um jeden Preis und versuchte Steigerung der Auflagen!
    Merken dabei in ihrer beschränkten Denkweise aber gar nicht, daß ihr Problem irgendwo ganz anders ist!

  3. Wie immer,sehr gut geschrieben,liebe Frau Sommer.
    Wenn ich schon lese: Killerwolf…das erinnert mich an einen Verlag,da wird auch oft,Killer virus,Killerbienen…etc..verwandt.
    Wenn man seinen Hund wirklich liebt,sperrt man ihn nicht ein!
    Für mich fällt dieser Bericht,so traurig er auch ist,denn der Hund ist ein Lebewesen,unter die Kategorie Fakenews.
    Es liegen noch keine Beweise vor,und trotzdem wird der Wolf wieder beschuldigt.Ich könnte kotzen.Sorry.Kann man denn nicht einmal dies abwarten?
    Und wie ich neulich schon schrieb: Der Wolf beisst nicht mal eben so den Kopf des Hundes ab..
    Haben sie es wirklich so bitter nötig um Wählerstimmen zu werben mit solchen Aussagen??
    Zeigen Sie Tierliebe,indem Sie Herr Lysk und Herr Tydecks sich für den Wolf engagieren.

  4. Auch in anderen Medien, gestern Aktuelle Stunde WDR Köln wurde benannt dass ein Wolf im Landkreis XY zwei Schafe gerissen hat. Nur dies und so knapp wurde dies ohne Bilder unter sonstiges mündlich vorgetragen.
    Was soll der „normale“ Zuschauer“ jetzt denken. Das und jetzt immer wieder (so wie früher?) Wölfe uns bedrohen. Von Zaunvorschrift und missachteten Schutz zusammenhänge keine Rede. Und selbst wenn… Nur dieser knappe Satz.
    Die Medien springen immer mehr auf den politisch vorgegebenen Kurs „Framing“ gegen den Wolf.
    Und behaupten öffentlich rechtlich neutral zu berichten. Da kann ich bei unserem Staatsfernsehen nur vor Wut bald zerplatzen. Das Opfer ist der Wolf und auch bald die Demokratie.
    Von wem geht das Ganze aus? Von den betuchten erlauchten Jägern und den Lobbyisten die (unsere?) Volksvertreter beeinflussen. Und dann auch noch von Werteverfall in der Gesellschaft reden. Ekelerregend!

  5. alle vorhergehenden Kommentare spiegeln auch meine Meinung. In den Zeitungsberichten wird populistisch vom bösen Wolf geschrieben, wobei diese Spezies eine wertvolle sozial gut strukturierte Lebensweise hat, was ich vielen Menschen leider absprechen muss. Es kam schon öfter vor, dass sich Hundebesitzer ihrer Tiere entledigen, das könnte auch hier sehr gut der Fall sein, zumindest habe ich den Verdacht. Die Tierbesitzerin hat ja auch gleich einen Wolf, den sie angeblich gesehen hat, angegeben, wohl um abzulenken und da dies ja bei den Medien gut ankommt. Gleichfalls ist zu sagen, wer seinen Hund im Zwinger hält ist nicht liebevoll, sondern verantwortungslos, denn Hunde sind auf das soziale Zusammenleben angewiesen.

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