Das neue niedersächsische Landesjagdgesetz ist seit kaum vier Wochen in Kraft, und schon zeigt sich genau das Chaos, vor dem wir als Wolfsschutz-Deutschland e. V. monatelang gewarnt haben. Während im Heidekreis (Altenboitzen) und im Landkreis Celle (Niederohe/Lutterloh) sowie Rehdener Geestmoor (Landkreis Vechta) die ersten sechs-wöchigen Abschussjagden im Drei-Kilometer-Radius per ministeriellem Schnellverfahren durchgewinkt wurden, herrscht beim jüngsten Vorfall in Ahnsbeck (Samtgemeinde Lachendorf) tiefes, behördliches Schweigen.
Ahnsbeck zeigt: Populismus ersetzt keinen Herdenschutz
In der Nacht zum 23. Juli sollen in Ahnsbeck zwei Schafe direkt im Ort getötet worden sein. Ein Video, das angeblich ein ganzes Rudel zeigt, wird nun von Wolfsgegnern und Teilen der Lokalpresse instrumentalisiert, um reflexartig die nächste Abschusswelle zu fordern. Die Realität, die das niedersächsische Agrarministerium unter Miriam Staudte (Grüne) anscheinend verschweigt: Die betroffenen Tiere wiesen laut Berichten keinen wolfsabweisenden Grundschutz auf.
Pauschal wird der Vorfall dem lokalen Lachendorf-Rudel in die Schuhe geschoben – ohne jegliche genetische Beweise? In der Region Celle überschneiden sich mehrere Reviere. Wir stellen unmissverständlich klar: Wer seine Tiere ungeschützt lässt, liefert sie auf dem Silbertablett frei Haus. Das Gesetz sieht Schnellabschüsse explizit nur dann vor, wenn ein zumutbarer Herdenschutz überwunden wurde. Wer in Ahnsbeck schießen will, bricht geltendes Recht.
Die Mauer des Schweigens: Vollständige Intransparenz
Was uns zutiefst alarmiert, ist die absolute Geheimhaltung, mit der das Ministerium agiert. Unabhängige Naturschutzverbände können so keinerlei zeitnahen Einblick mehr in Rissgutachten oder die genauen Begründungen der Allgemeinverfügungen erhalten. Die Beantwortung von UIG-Anfragen dauert Wochen oder wird gar verweigert. Es wird im Verborgenen entschieden, welche Reviere zur Jagdzone erklärt werden. Diese Intransparenz hat Methode: Man will kritische, wissenschaftliche Überprüfungen und rechtliche Schritte im Keim ersticken. Wenn die Öffentlichkeit und Experten nicht mehr nachvollziehen können, ob Zäune tatsächlich ordnungsgemäß funktionierten oder ob es sich bei Rissen überhaupt um Wölfe handelte, ist Tür und Tor für staatliche Willkür geöffnet. Wir berichteten bereits hier über den Interessenkonflikt der Jägerschaft: https://wolfsschutz-deutschland.de/2026/04/04/niedersachsen-eroeffnet-die-jagd-auf-woelfe-wolfsschutz-deutschland-e-v-warnt-vor-massivem-interessenkonflikt-der-jaeger/
Gefährliches Roulettespiel – und die großen Verbände schweigen
Die Absurdität gipfelt darin, dass selbst die Jägerschaft vor Ort – wie der Celler Kreisjägermeister Helge John – die aktuellen Abschussbefehle als unkalkulierbares „Roulettespiel“ kritisiert. Wir befinden sich mitten in der sensiblen Phase der Welpenaufzucht. Da Jährlinge optisch kaum von Altwölfen zu unterscheiden sind, nehmen die Behörden den illegalen Abschuss geschützter Elterntiere billigend in Kauf. Das ist gezielte Ausrottung einer geschützten Art durch die Hintertür.
Besonders bitter: Von den etablierten großen Umwelt- und Naturschutzverbänden ist zu den akuten Abschussbefehlen und dem Vorfall in Ahnsbeck bis heute kein einziges Wort des öffentlichen Protests zu hören. Auch von denen nicht, die noch immer damit werben, dass einzig und allein Klagen Wölfe retten könnten. Während die Basis-Aktivisten vor Ort verzweifeln, verharren die großen Organisationen in lähmendem Schweigen und überlassen das Feld den Abschussbefürwortern.
Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. ducken uns nicht weg
Wir fordern vom niedersächsischen Umwelt- und Agrarministerium:
- Sofortige Offenlegung aller Rissprotokolle und Gutachten zu Altenboitzen, Lutterloh und Ahnsbeck.
- Einen sofortigen Stopp aller Schnellabschuss-Verfügungen.
Wir werden dieses rechtlich höchst dubiose Vorgehen nicht tatenlos hinnehmen und prüfen bereits alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Schritte gegen die geheim gehaltenen Abschussbescheide. Gleichzeitig rufen wir zu Spaziergängen auf. Wer nicht selbst vor Ort sein kann, sollte uns dringend finanziell unterstützen.
Weitere Hintergründe:
Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:
Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr – und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich.
Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/
Oder:
Wolfsschutz-Deutschland e.V.
Berliner Sparkasse
IBAN DE79 1005 0000 0190 7118 84
BIC BELADEBEXXX

3 Gedanken zu „Behördenwillkür: Droht in Ahnsbeck die vierte Abschusswelle in Niedersachsen?“
Mensch vs. Wolf?
NEIN!
Wir haben mindestens und nachgewiesen seit 40 000 Jahren eine gemeinsame Geschichte: Mensch und Wolf.
Es ist an der Zeit, diese beeindruckenden Tiere, die genau wie wir, Familien mit sozialen Strukturen bilden, in unser Leben zu lassen und ihre Anwesenheit zu akzeptieren anstatt wahllos zu töten und dadurch Familienstrukturen zu zerstören.
Wer ein wenig Kenntnis von der Natur hat, weiß sicherlich auch:
je mehr eine Art durch den Menschen bekämpft und dezimiert wird, desto mehr Nachkommen werden „produziert“, weil die betroffene Art im Streßmodus versucht, die eigene Art zu erhalten. Somit sollten wir besser nicht willkürlich Wölfe „einfach abschießen“ und damit deren Familienstruktur aufbrechen.
Die Anzahl der Wolfsfamilien (Rudel) wird sich in Zukunft von selbst regulieren, allein schon wegen der begrenzt zur Verfügung stehenden natürlichen Jagdgebiete, die eine Wolfsfamilie für ihr Überleben benötigt. Lassen wir doch endlich die Natur machen, was sie seit Millionen von Jahren tut: unser aller Leben und Überleben zu sichern. Wir müßten es doch wirklich langsam erkannt und gelernt haben, daß menschliche Eingriffe in die Natur immer wieder zu schwerwiegenden Folgen geführt haben.
Auch bei uns gibt es Wölfe (endlich) und ich werde diese Tiere bis zum Äußersten mit meinem eigenen Leben verteidigen.
Diese Tiere haben es verdient, geschützt und beschützt zu werden, denn kein Wildtier ist uns Menschen ähnlicher als der Wolf.
Die jagende Sippschaft kennt keine Gnade, es wird der Wolf, der Fuchs, der Waschbär, der Luchs, Nutria, Biber usw ausgerottet,selbst der Eichelhäher wird abgeschossen.
Man kann kaum noch einem Politiker glauben! Vor der Wahl hat sich Umweltminister Meyer noch öffentlich gegen Abschüsse von Wölfen geäußert .Seit er jedoch das Amt inne hat, muss man mit großem Bedauern feststellen, dass auch er sich für das Töten von dem so wichtigen Wildtier einsetzt. Was soll man von solchen Charakterzügen halten? Aber, die nächste Wahl kommt ganz bestimmt und von unserer Familie wird kein Politiker , der sich als unglaubwürdig gezeigt hat, auch nur eine Stimme erhalten. Es ist eine Schande, auch für und in Deutschland, dass die charakterlosen die Oberhand bekommen haben und willkürlich unsere ohnehin geschundene Natur noch vollkommen zerstören. Auch die Presse zähle ich zu den Unglaubwürdigen, denn, wenn man z.B. die riesigen, immer wieder kehrenden Berichte über Jäger in den Tagesblättern liest, die ja mit Inbrunst – fast mitten in der Nacht – so viele Leben von Rehkitzen retten, kann einen schlecht werden. Nicht eines retten sie, denn wenn die Tierchen größer werden, endet ihr Leben – oftmals auf grausame Weise – und ihr Fleisch wird dem Leser in Tageszeitungen als „naturrrein in bester Qualität“ angeboten – und – es gibnt genug dumme Menschen, die es erwerben.