Illegale Wolfstötung bei Großbreitenbach bestätigt: Wolfsschutz-Deutschland lobt erneut 2.000 Euro Belohnung aus

Vor einigen Wochen entdeckten Spaziergänger im Wald bei Großbreitenbach (Ilm-Kreis) einen toten Wolf. Das Thüringer Umweltministerium und das Kompetenzzentrum Wolf, Biber, Luchs bestätigen nun: Das Tier wurde illegal erschossen. Eine offizielle Pressemitteilung der Behörden fehlte zunächst – die Öffentlichkeit erfährt skandalöserweise  das Ergebnis der Untersuchungen erst durch die Berichterstattung in der Presse. Der Fundort liegt im Kerngebiet des Neustädter Rudels (Territorium Neustadt am Rennsteig). Wolfsschutz-Deutschland e. V. reagiert mit einer erneuten Strafanzeige über Anwalt, fordert Akteneinsicht und lobt erneut eine Belohnung von 2000 Euro zur Ergreifung der Täterin/des Täters aus.

Großbreitenbach grenzt direkt an das etablierte Territorium des Neustädter Rudels im Biosphärenreservat Vessertal-Thüringer Wald. Das Rudel leidet bereits seit längerem unter den Folgen illegaler Wilderei. Ein paar Wochen vor dem Fund des toten Wolfs war in der Region die Sichtung eines verletzten Wolfs gemeldet worden. Spaziergänger entdeckten dann vor Wochen den Kadaver. Nach ihren Angaben fanden sie nur noch Überreste von Fell, bei denen jedoch ein deutliches Schussloch in der Herzgegend zu erkennen war. Die Untersuchung des Thüringer Umweltministeriums und des Kompetenzzentrums Wolf, Biber, Luchs hat dies nun – allerdings nur in einem Bezahlartikel in der Presse – bestätigt: Der Wolf wurde illegal erschossen. Der aktuelle Fund ist damit der nächste dokumentierte Fall von Wildtierkriminalität in diesem sensiblen Gebiet. In der Liste der Todfunde der DBB-Wolf ist der Fall überhaupt nicht aufgeführt. 
Beispielfoto Wolf. © Brigitte Sommer
Nachdem das Rudel nach dem Verlust des  Vater als verhaltensauffällig bezeichnet wurde und vergrämt werden sollte, waren wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. Ende des vergangenen Jahres mit einem Team vor Ort und konnten uns selbst ein Bild machen: Wir sehen das Neustädter Rudel nicht als verhaltensauffällig. Die beobachteten Verhaltensweisen sind nach Verlusten und Störungen typisch für unerfahrene Jungtiere und stellen keine Gefahr für Menschen dar. Statt das Rudel weiter zu stigmatisieren, muss endlich konsequent gegen die illegalen Abschüsse vorgegangen werden. Wir berichteten hier: https://wolfsschutz-deutschland.de/2025/11/20/wolfsrudel-in-thueringen-unter-propagandadauerbeschuss/
Eine Vergrämung des Rudels fand tatsächlich nicht statt, weil die Wölfe nicht auffindbar waren. Vorher scheiterten einige Anträge auf Abschus von Wolfsvater und Wolfsmutter.

Wolfsschutz-Deutschland e. V. handelt konsequent:

Wir werden über einen Anwalt Strafanzeige stellen und wir fordern Akteneinsicht in die laufenden Ermittlungsakten. Nur so lässt sich prüfen, ob alle Spuren lückenlos verfolgt werden. Zusätzlich loben wir erneut eine Belohnung von 2.000 Euro aus – für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des Täters oder der Täterin führen. Bereits wegen des illegalen Abschusses des Leitwolfs 2025 hatten wir diese Belohnung ausgesetzt. Hinweise nehmen wir vertraulich entgegen. Brigitte.Sommer@wolfsschutz-deutschland.de – über unser Kontaktformular oder über unsere Vereinshotline: 0176 48732612.

Wolfsbestand und Nutztierrisse in Thüringen

In Thüringen leben derzeit offiziell etwa 30 standorttreue Wölfe in sieben bestätigten Territorien (u. a. Neustadt am Rennsteig, Ohrdruf, Altenburg, Hainich, Trusetal-Seligenthal, Kalmberg und Ilfeld). Der Bestand gilt als klein und kritisch niedrig im bundesweiten Vergleich. Die Zahl der Nutztierrisse bleibt gering: Bis Ende April 2026 gab es 37 gemeldete Schadensereignisse, davon 24 mit bestätigtem Wolfsverursacher. In früheren Jahren lagen die bestätigten Risse ebenfalls im niedrigen zweistelligen bis mittleren Bereich – bei einer Schaf- und Ziegenpopulation von rund 1,5 Millionen Tieren ein verschwindend geringer Anteil. In vielen Fällen fehlten grundlegende Herdenschutzmaßnahmen wie funktionierende Elektrozäune mit ausreichender Höhe und Untergrabschutz. Früher waren fast keine Weidetiere geschützt – das hat sich nur langsam und unzureichend geändert.

Ende Februar 2026 wurder dieser Fall bekannt. Hier reißen Hunde Schafe hinter einem nachlässigen Zaun.

Thüringens Reaktion auf das Bundesjagdrecht

Nachdem der Bundestag und der Bundesrat im März 2026 den Wolf ins Bundesjagdgesetz aufgenommen haben, setzt die Thüringer Landesregierung (Umweltminister Tilo Kummer) auf eine eigene Verordnung. Geplant ist eine Jagdzeit von Juli bis Oktober, ergänzt um erleichterte Abschussmöglichkeiten für sogenannte „Problemwölfe“ zu ermöglichen.
Wolfsschutz-Deutschland e. V. lehnt dieses Vorgehen grundsätzlich ab und warnt vor einer weiteren Eskalation. Statt teurer und wirkungsloser Abschussmaßnahmen braucht es endlich konsequenten, präventiven Herdenschutz und echten Schutz der bestehenden Rudel – trotz des ohnehin kleinen und fragilen Bestands.

Wir fordern

  • Vollständige, transparente Aufklärung aller illegalen Wolfsabschüsse.
  • Konsequente Strafverfolgung statt Bagatellisierung.
  • Die Einrichtung einer bundesweiten, regierungsunabhängigen Sondereinheit, die in Fällen von Wildtierkriminalität (einschließlich illegaler Wolfsabschüsse) ermittelt. Nur eine solche unabhängige Stelle kann sicherstellen, dass Straftaten gegen streng geschützte Arten nicht länger im Stillen verschwinden oder halbherzig untersucht werden.
  • Die Einrichtung einer unabhängigen Einheit, die bei Herdenschutzverweigerung einschreitet und sicherstellt, dass Fördermittel zweckgebunden eingesetzt und notwendige Schutzmaßnahmen umgesetzt werden.
  • Keine weiteren Abschussgenehmigungen.
  • Schutz der bestehenden Rudel, statt Störung durch Jagd und Lebensraumeingriffe in Kernzonen.
Beispielfoto Wolf.

Wir freuen uns über finanzielle Unterstützung:

Konzerne und Lobbyisten bestimmen immer mehr –  und nicht im Interesse der Bürger und nicht zum Wohle der Natur – mit. Deshalb ist es essentiell, dass es Vereine wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. gibt, die völlig unabhängig sind. Kein Vorstandsmitglied sitzt in einer Partei. Parteien mischen auch nicht bei uns mit und wir nehmen keine Lobbygelder an. Wer uns unterstützt, kann sich also sicher sein, dass wir stets im Sinne unserer Wölfe handeln. Wir sind nicht bestechlich. 

Doch wir Helfer brauchen auch Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch mit einem Dauerauftrag von 5 Euro im Monat können wir viel Gutes tun und weiter für unsere Wölfe kämpfen. https://wolfsschutz-deutschland.de/spenden-2/

Oder:

Wolfsschutz-Deutschland e.V.
Berliner Sparkasse
IBAN DE79 1005 0000 0190 7118 84
BIC BELADEBEXXX

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